Was will Google mit seiner digitalen News-Initiative?
Tobias Schwarz (Foto: Hung Trinh)
Google macht Geschenke - das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Eigentlich steht Google mit vielen Verlagen auf Kriegsfuß, denn die wollen Geld, wenn der Internetkonzern zum Beispiel Informationsschnipsel von ihnen bei Google News verwertet. Jetzt kommt Google den Verlagen und Zeitungen entgegen, mit der „Digital News Initiative“. Vorgestellt wurde das Projekt in London.
Google nimmt für die Initiative 150 Millionen Euro in die Hand, zum Teil sollen Schulungen für Journalisten davon bezahlt werden, ansonsten heißt es bisher nur recht schwammig, „qualitativ hochwertiger Journalismus in Europa solle durch Technologie und Innovation gefördert werden“. Dazu hat Google sich europaweit acht prominente Partner gesucht, darunter aus Deutschland bisher die Zeit und die FAZ. Gemeinsam mit ihnen will Google in den nächsten drei Jahren ausgewählte journalistische Projekte finanziell unterstützen. Warum Google sich plötzlich so für den Journalismus stark macht, das liegt für Tobias Schwarz auf der Hand. Der Projektleiter des Online-Magazins Netzpiloten.de. schreibt für verschiedene Medien über den digitalen Wandel in Politik, Gesellschaft und Journalismus. Er ist überzeugt, dass Google durch die neue Initiative zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will: "Zum einen ist es der Versuch, Druck aus dem politischen herauszunehmen. Über Google wird auf der europäischen Ebene sehr sehr hart diskutiert. Regulierung wird gefordert. Oft aber, wenn man dann ins Detail geht und mit den Politikern spricht, erst mal ohne viel Ahnung. Da steckt immer viel Lobby-Interesse dahinter. Und der zweite Grund ist, die Medien fangen langsam an, sich, auch was Werbung angeht, selber zu organisieren. Sie wären damit auch eine Art von Konkurrenz von Google, denn durch die Breite weiterer Anbieter können wir auch am Preis mit diskutieren, den bis jetzt quasi die Internet-Unternehmen bestimmt haben." Die Digitale News Initiative von Google nutzt aber nicht nur dem Internetriesen, der Journalismus könnte auch profitieren, so Tobias Schwarz: "Es ist quasi auch der Anlass, endlich mal über Inovation nachzudenken. Dafür fremdes Geld zu bekommen - also das Geld von Google. Dem Journalismus an sich auf einer unpolitischen Ebene kann das sehr gut nützen. Wir haben einen ähnlichen Deal schon in Frankreich gesehen. Damals hat Google 60 Millionen Euro in einen Fonds gesteckt, um einen französisches Leistungsschutzrecht für Presseverlage zu verhindern. Erfolgreich übrigens. Aus diesem Projekt sind inzwischen Dutzende von kleinen Initiativen entstanden, die einfach versuchen neue Wege zu gehen." Der Blogger Tobias Schwarz könnte sich auch vorstellen, sich selbst vielleicht einmal mit einer guten Idee für eine Projektförderung einzubringen, je nachdem, wie sich das Ganze weiter entwickelt. Denn: "Die genauen Details sind nicht bekannt. Die sind auch heute auf der Pressekonferenz und in der Rede der Google-Verantwortlichen nicht genau ausgeführt worden. Es gibt diese Gründungsredaktionen. Also die, die diese Initiative mitbegründet haben. Man kann sich aber auch als Startup, als kleines Medium, als Blog für die Förderung bewerben. Vielleicht hat man eine gute Idee, wie man Online-Werbung auf dem Smartphone-Display viel angenehmer darstellen kann. Mit so eine Idee sollte man dann wahrscheinlich zu dieser Initiative gehen und wird im besten Fall dann gefördert und bekommt Zugang zu den großen Redaktionen, die natürlich auch gewisse Ressourcen haben, was Journalisten angeht. Natürlich auch 'IT' und Vermarktung, das sind die eigentlichen Interessen eines Verlages." So oder so ähnlich könnte also die Förderung für innovative journalistische Projekte durch die Digital News Initiative funktionieren. Mehr Details sind bisher nicht bekannt. Es soll sich aber jeder bewerben können, der an „Innovationen im Bereich Online-Nachrichten“ arbeitet – also: vielleicht einfach mal versuchen.
Von Stefanie Stahlhofen












