Der « Berliner Schlüssel“- Das Ding als Objekt und Akteur
Die Erfindung des Schlossermeisters Johann Schweiger von 1912 kann ohne Erklärung kaum verstanden werden: indem er an beiden Enden einen Bart aufweist, kann er nach dem Aufschließen einer Tür lediglich durch das Schloss geschoben, von innen gedreht, und dort abgezogen werden. So zwingt er zum Abschließen der Tür. Die Bedeutungsdimension dieses Gegenstandes arbeitete der Philosoph Bruno Latour in seinem Buch „Der Berliner Schlüssel“ heraus: Sein Zweck ist tief in sein Wesen eingeschrieben. „Der Berliner Schlüssel, die Tür und der Hauswart befinden sich in einem erbitterten Kampf um Kontrolle und Zugang.“ Sie trennen innen und außen, Mieter und Dieb, Bewohner und Eigentümer. Daraus leitete Latour seine Kernthese ab, dass ein Ding niemals „Objekt“ sei, sondern immer „Akteur“, und proklamierte damit das Ende des Objekts, das nur existiere, solange es als Fossil vergraben bliebe. Werde es aber freigelegt und in Praktiken erschlossen, wird es zum Akteur. Damit hebt er die Trennung zwischen Subjekt und Objekt auf: zwischen Natur und Kultur, Mensch und Ding.











