Das Ende einer Ära ist die Chance zum Beginn einer neuen
Die zehnte Saison der Füchse Berlin nach der Übernahme des Geschäftsführer-Postens durch Bob Hanning ist Geschichte. Wie ist die Jubiläumsspielzeit im Vergleich zu seinen Vorgängern zu bewerten und wie wird es im nächsten Jahr weitergehen? Diesen Fragen lohnt es sich im Saisonfazit auf den Grund zu gehen.
Wandel der @FuechseBerlin"Umbruch kommt genau zum richtigen Zeitpunkt!" via @handballwelt #UnserRevier pic.twitter.com/G4mamQBzcO
— Füchse Berlin (@FuechseBerlin) 7. Juni 2015
Die Saison 2014/15 endete ohne Happy-End. Im letzten Spiel setzte es eine 29:32-Heimniederlage. Das ist zwar schade, weil die Füchse zur Halbzeit noch 15:13 führten, letztlich wäre die Stimmung aber wohl auch nach einem Sieg ein wenig ins Traurige gekippt. Die Partie gegen Flensburg markierte schließlich das Ende einer Ära und das in vielerlei Hinsicht.
Da wäre die Verabschiedung von vier Stammspielern. Evgeni Pevnov soll zu teuer gewesen sein, Iker Romero, Konstantin Igropulo und Pavel Horak zu alt. Das Quartett wird zur neuen Saison durch jüngere Handballer ersetzt. Der Kader erlebt folglich einen verhältnismäßig großen Umbruch. Dass dieser durch die Vertragsverlängerung von Petar Nenadic nicht noch etwas umfangreicher ausfällt, hat leider keinen allzu erfreulichen Grund, sondern ist viel wahrscheinlicher ebenfalls dem Ende einer Ära geschuldet.
Seit 2007 hatte Bartłomiej Jaszka die Füchse-Offensive geleitet. In 202 Bundesliga-Spielen erzielte er 592 Treffer und bereitete noch viel mehr durch seinen unvergleichlichen Zug zum Kreis vor. Trotz seiner für einen Rückraumspieler geringen Länge von 1,85 Meter agierte Jaszka stets wie einer der Größten auf dem Spielfeld. Nun mehren sich die Gerüchte, dass der Pole nie wieder auf die Mittelmann-Position zurückkehren wird.
„Ausrede“: Verletzung von Schlüsselspielern gilt nicht mehr
Der Pole wurde am Freitag noch nicht offiziell verabschiedet. Doch da er in dieser Saison trotz ausreichender Genesungszeit nach seiner Schulter-Operation nur eine Hand voll Partien ernsthaft absolvieren konnte, liegt die Vermutung eines baldigen Karriereendes nahe. Bei der Bewertung des künftigen Füchse-Teams wird der Faktor „fehlender Angriffs- und Abwehrchef“ damit keine Rolle mehr spielen. Denn für den ebenfalls dauerverletzten Denis Spoljaric wurde mit Jakov Gojun bekanntlich auch schon ein Ersatz verpflichtet.
Ob Jaszka und Spoljaric im kommenden Jahr überhaupt noch einmal oder sogar in alter Stärke auf das Parkett zurückkehren werden, ist definitiv nicht mehr das Problem von Dagur Sigurdsson. Der endgültige Wechsel zum Deutschen Handball Bund ist erst recht das Ende einer Ära. 2009 hatte der isländische Übungsleiter die Berliner Handballer von Jörn-Uwe-Lommel übernommen. Damals hatten die Füchse die Vorsaison auf dem zehnten Platz mit 30 Punkten beendet. Zwölf Monate später waren es schon 40 Zähler. Nur ein Treffer trennte Sigurdssons Team vom erstmaligen Einzug in den Europapokal.
Dieser folgte dafür ein Jahr darauf und dann gleich mit dem Erreichen der Champions League durch die bis heute beste Spielzeit der Bundesligazugehörigkeit. Dieser Aufschwung kann ohne Frage nicht nur dem Trainer zugeschrieben werden. Er profitierte gleichfalls von der immer weiter ansteigenden Qualität im Kader. Doch keinem Verein nutzt die Ansammlung der talentiertesten Spieler etwas, wenn die Kräfte nicht maximal gebündelt werden. Sigurdsson schaffte dies perfekt und wurde daher 2011 zu Recht als Trainer des Jahres ausgezeichnet.
Fokus lag nicht mehr auf der Bundesliga
Danach machten die Füchse in der heimischen Liga Jahr für Jahr einen Rückschritt, was die Punkteausbeute anging, aber war diese Entwicklung nicht vielleicht auch dem Fokussieren auf übergeordnete Ziele geschuldet? Champions League Final Four, Sieg des DHB-Pokals und schließlich der Triumph im EHF-Cup. Jede Saison hatte ihren Höhepunkt. Ganz nebenbei integrierte Sigurdsson eine Vielzahl von Jugendspielern im Profi-Team. Die vielen Minuten für Jungspunde mögen guten Ergebnissen in der Vergangenheit nicht immer hilfreich gewesen sein. Heute profitieren Spieler wie Paul Drux und Fabian Wiede aber ungemein von diesen Erfahrungen.
Sigurdsson kann die Füchse daher zum 30. Juni guten Gewissens verlassen. Er hat Berlin erst in der Spitzengruppe der Handball-Bundesliga und spätestens mit dem Sieg im EHF-Pokal vor wenigen Wochen auch im europäischen Handball etabliert. Da sei das eine oder andere schwache (Auswärts)-Spiel in dieser Saison verziehen. Nun kann sich ein neuer Trainer, namentlich Erlingur Richardsson, an die Arbeit machen, mit den Füchsen auch in der HBL wieder ganz vorne anzugreifen. Ganz getreu dem Vereinsmotto: Wir sind die Jäger!
Richardsson sollte die vielen Neuzugänge nutzen, um die anderen Bundesligisten mit einem geänderten Spielsystem zu überraschen. Immerhin dürfte der Anstieg der Verlustpunkte bei den Füchsen letztlich auch daran gelegen haben, dass sich die Konkurrenz auf die Berliner eingestellt hatte. Es ist an der Zeit eine neue Ära zu starten!













