Leihrad sagt nein. Smartphone auch. Externer Akku auch.
Ich möchte wieder ein Leihrad fahren. Die Umstände sind etwas kompliziert zu erklären und hängen mit ungünstigen Fußwegen zu Straßenbahnstationen zusammen. Ich kann aber auch nicht mit dem Leihrad bis zum Zielort fahren, weil der wiederum außerhalb des Leihradgebiets liegt. Also möchte ich bis zur letzten Haltestelle der Straßenbahnlinie innerhalb des Leihradgebiets fahren und von da aus dann mit der Bahn weiter. Das ganze erinnert mich ein bisschen an das Brettspiel Scotland Yard, wo man auch viel damit beschäftigt ist, sich einen Weg von A nach B über diverse Verkehrsmittel zusammenzubasteln.
Ich schalte also beim Verlassen des Büros die Leihradapp ein und steuere auf das nächste Fahrrad zu. Als ich dort ankomme, steht da allerdings kein Fahrrad, das nächste verfügbare Fahrrad ist auch schon weg und als ich die Karte aktualisiere, werden beide Räder auch nicht mehr in der App angezeigt. Also laufe ich wieder dahin zurück, wo ich von weitem noch ein Rad stehen sehe. Damit es mir nicht noch jemand wegschnappt, tippe ich einfach in der App auf Ausleihen und bekomme den Code angezeigt und per SMS zugeschickt. Weil der Akku meines Smartphones kaputt ist, merke ich mir den Code schnell für den Fall, dass das Handy innerhalb der nächsten Minute ausgeht.
Das Öffnen des Fahrradschlosses allerdings ist nicht möglich, weil das Eingabefeld des Fahrrads kaputt ist. Es wird schlicht nichts angezeigt, auch wildes Rumgedrücke auf beliebigen Tasten ändert nichts daran. Ich versuche, das Rad über die App zurückzugeben, das geht aber entweder nicht oder ich bin zu dumm, rauszufinden, wie es geht. Dafür kann ich Störungen melden, das mache ich als nächstes, damit ich im Zweifelsfall schon mal darauf hinweisen kann, dass ich zwei Minuten nach Ausleihstart gemeldet habe, dass das Schloss kaputt ist. Das Smartphone hält durch.
Dann rufe ich doch noch bei dem Verleihdienst an und melde, dass ich zwar ein Rad aus Sichtweite ausgeliehen habe, dies aber nicht nutzen kann, weil das Eingabefeld nicht funktioniert.
“Sie sind in Köln?” fragt der Callcentermann.
“In Köln bitte immer erst gucken, ob der Computer auch funktioniert, bevor sie das Rad ausleihen”, weist mich der Mann ein. Anscheinend ist das Problem also zumindest nicht neu.
Mein Rad wird storniert und als defekt gemeldet und ich begebe mich Richtung Straßenbahnhaltestelle, immer auf der Suche nach einem neuen Rad. Aber auch bei dem nächsten Rad ist der Computer defekt.
Dann geht mein Handy aus. Ich stecke es an den externen Akku, der immerhin bis vorhin noch brav am Stecker hing und aufgeladen wurden, aber der Akku mag auch nicht mehr. Ich drücke auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle tapfer in unregelmäßigen Abständen auf den Einschalter, aber der Akku will wirklich nicht mehr.
Das nächste Leihrad, das ich auf halber Strecke zur Haltestelle finde und das ich dann noch geliehen hätte, ist zwar nicht defekt, dafür ist das Handy aus und ich kann weder die App zum Ausleihen aufrufen noch beim Leihradtelefonservice anrufen. Ich muss das Rad also stehen lassen. Kurz darauf geht mein Handy kurz wieder an, meldet zehn Prozent Akku und geht kurze Zeit später wieder aus.
Dann bin ich an der Haltestelle, die Bahn kommt und die zwanzig Minuten in der Bahn lese ich dann halt. An der Haltestelle, an der ich eigentlich das Rad abstellen wollte, gucke ich aus dem Fenster, um mir zumindest grob zu merken, wie es hier aussieht, falls ich den gleichen Plan doch noch mal bis zur Vollendung verfolgen möchte.
Am nächsten Morgen bestelle ich mir eine Smartphonehülle mit integriertem Akku. Beim nächsten Mal sollen mich nicht wieder drei Geräte auf einmal um meine sportliche Betätigung bringen.