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#hamburgersommer
4.9.–24.9.2018
Kafka steckt im Postfach
Ich möchte euch eine leicht kafkaeske Geschichte erzählen. Die Geschichte, wie ich versuchte, ein Postfach bei der Deutschen Post einzurichten. Es wird ein eine längere Geschichte, deren Ende noch nicht ganz abzusehen ist. Angesichts der Nazi-Auswüchse in diesem Land mag ich keine Hausadresse mehr angeben und habe das Bedürfnis, ein Postfach einzurichten. Gern auch an einem Ort, der weit entfernt innerhalb der Stadt ist. Nun denn: zur Tat!
Zunächst buche ich online ein Postfach und überweise den Jahresbetrag von 19,90 Euro vorab. Darauf hin bekomme ich keine E-Mail, keine Reaktion. 10 Tage lang. Eines Morgens klingelt es an der Tür. Mein Postbote drückt mir die gesammelte Post von 10 Tagen in die Hand. Es folgt die Erklärung, ich könne nicht einfach am anderen Ende der Stadt ein Postfach buchen, sondern es müsse zwingend “im selben Zustellbezirk” sein. Ihr kennt sicher alle eure Zustellbezirke. Nein? Gut – ich auch nicht.
Nun suche ich online die wirklich am nächsten gelegene Filiale, radele dort hin und will “vor Ort” ein Postfach besetzen. Am Schalter angekommen sagt man mir, dass das eine reine und ganz neue Postbankfiliale sei und man keine Postfächer habe. Das wäre am alten Standort gegeben. Dort sei aber alles belegt, versichert mir die Dame. Ich erhalte eine 0180er-Nummer, wo ich anrufen soll. Nun denn. Ab nach Hause.
Also wieder zurück ins Internet. Online versuche ich nun eine Filiale mit freien Postfächern in der Nähe zu finden. Ich finde, tippe und buche. So beauftrage ich Postfach Nummer 2, überweise das Geld und denke sogleich, dass das wohl keine so gute Idee war, einer realen Adresse zwei Postfächer zuzuordnen. Aber hey: die Einrichtung war ja gescheitert und ich rechne mit einer baldigen Benachrichtigung.
Am nächsten Tag kommt die Mitteilung zu Postfach Nummer 1. Ordnungsgemäß eingerichtet. Ich bin verdutzt, denn das sollte ja eigentlich nicht möglich sein.
Also rufe ich die 0180er-Nummer an. Dort bin ich natürlich verkehrt und erhalte eine Nummer für Weiden (Oberpfalz).
Endlich eine Computerstimme, die mir die Optionen “Postfach” und “Webshop” anbietet. Ich schildere dem Mitarbeiter bei “Postfach” mein Problem. Er nimmt alles auf und sagt, er könne nichts machen und müsse es an “Webshop” weiterleiten. Ich lege auf. Recht unbefriedigt, denn die Bestellung eines Postfachs brachte in den vergangenen 14 Tagen irgendwie keinen zufriedenstellenden Kundendialog. Also denke ich: “Naja. Die Sache ist im System – vielleicht kann ein Mitarbeiter im Webshop nun direkt etwas tun.” Ich rufe also erneut in Weiden an, wähle nun “Webshop” und eine Frau erklärt mir, ich sei falsch, aber sie könne mir eine Rufnummer geben. Sie nennt mir exakt die Nummer, die ich gerade angerufen habe und meint: “Da müssen Sie einfach nur “Postfach” auswählen.
Zwei Tage später klingelt mein Postbote bei mir. Er empfiehlt mir “Wenn Sie ein Postfach haben wollen und das mit der Einrichtung nicht klappt, dann richten Sie doch stattdessen einfach ein Postfach ein.” Dazu nennt er mir einen monatlichen Preis von 6 bis 8 Euro, den ich nirgends finde. Ein Postfach kostet 19,90 Euro jährlich. Ich habe nur zwei mögliche Interpretationen: Entweder war es ein ironisches Gespräch und ich habe die Ironie nicht verstanden oder der Postbote sprach während eines stattfindenden Schlaganfalls.
Ich habe zu diesem Zeitpunkt seit einer Woche keine Post bekommen (an sich gar nicht so schlecht). Um das festzustellen, bin ich zu Postfach 1 gefahren. Und wieder zurück. Die Bestätigung für Postfach 2 dürfte bald eintreffen. Ich habe Angst, erneut auf den Postboten zu treffen. Vermutlich bekomme ich nie wieder Post (das wäre jetzt auch nicht so übel) oder mein Postbote empfiehlt mir bald ein drittes Postfach. Ich habe gelernt: Nur weil der Webshop eine Filialadresse mit freien Postfächern angibt, müssen dort nicht zwingend Postfächer existieren. Falls irgendwelche “Dienste” mich überwachen und angesichts meiner Aktivitäten irgendeinen Postbetrug vermuten: NEIN! NEIN! NEIN! Ich mag nur keine Privatadresse mehr überall angeben.
Auf eine Anfrage vom 04.09.2018 kommt nach 20 Tagen diese Antwort:
vielen Dank für Ihre Nachricht. Gerne bestätigen wir, dass Sie Inhaber des Postfaches XX XX XX in 10XXX Berlin sind. Grundsätzlich erhalten Sie auch Briefe mit Ihrer Hausanschrift über Ihr Postfach, wenn dies betrieblich möglich ist.
Der Standort der Postfach-Anlage liegt jedoch in einer anderen Stadt als Ihre Hausanschrift. In solchen Fällen ist das Umleiten der Sendungen mit Hausanschrift nur sehr eingeschränkt und unter bestimmen betrieblichen Voraussetzungen möglich. Die zuständige Abteilung hat uns informiert, dass in Ihrem Fall diese Voraussetzungen leider nicht gegeben sind. Deshalb legen wir Briefsendungen, die an Ihre Hausanschrift adressiert sind, in Ihren Hausbriefkasten ein. Sendungen mit korrekter Postfach-Anschrift können wir direkt und schnell an Ihr Postfach weiterleiten. Deshalb unsere Bitte: Teilen Sie Ihren Korrespondenzpartnern für den Versand von Briefen Ihre Postfach-Anschrift mit. Eine Auslieferung von DHL-Paketen und DHL-Päckchen über Ihr Postfach ist nicht möglich, da für diese Sendungen immer eine Haus- oder Lieferanschrft erforderlich ist. Wir freuen uns, wenn wir mit diesen Informationen die Hintergründe für unsere Verfahrensweise deutlich machen konnten. Beste Grüße Ihr Kundenservice
Mir ist nun bewusst: für die Deutsche Post wohne ich also in Berlin und habe mein Postfach in Berlin. Das ist diese andere Stadt, von der die Rede ist. Übrigens habe ich vom zweiten Postfach, das ich in diesem Prozess beantragt habe, noch nichts gehört. Das liegt in einer ganz anderen Stadt, deren Name aber auch wieder Berlin ist. Ich versuche nun per Hotlineanruf, den Bearbeitungsstand von Postfach Nr. 2 herauszubekommen. Ich erkläre der verdutzt wirkenden Person am anderen Ende der langen Leitung, was das Problem in einer Stadt wie Berlin ist. Auch für sie schien das ziemlich irritierend.
Das Triggerwort “Umzug”, das im Gespräch fiel, bringt mich indes auf eine neue Idee! Ein Nachsendeauftrag direkt an meine eingerichtete Postfachadresse. Ich fürchte nur, dass ich damit versehentlich das Post-Universum zur Implosion bringen könnte. Stay tuned!
(Daniel Lücking)
Gastbeitrag: Nicht Lesen!
Vor kurzem habe ich mich mit meinem damaligen Kollegen über seinen Blog unterhalten und ihn gefragt, worum es in den letzten Artikeln ging. Anschließend habe ich noch ein bisschen mithilfe von Google Translate nachgelesen und fand diesen Beitrag ganz interessant, weshalb ich ihn gebeten habe, ihn von Arabisch auf Englisch zu übersetzen und als Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlichen zu dürfen. Ich habe ihn dann auf Deutsch übersetzt. Auf Englisch durfte ich ihn auf Medium veröffentlichen.
Also dann: bitte lesen!
Dieser Beitrag ist von Anas Marrawi. Anas ist ein Syrischer Softwareentwickler, Unternehmer, Blogger und Menschenrechtsaktivist. Er startete seinen Blog im Jahr 2004, als er über soziale und politische Themen in seiner Heimat schrieb. 2009 baute er ardroid.com auf, was sich im Laufe der Zeit zu einem der bekanntesten Tech-Blogs im mittleren Osten entwickelte. Er wurde mehrfach aufgrund von Aktivitäten gegen das Regime festgenommen und kam schließlich nach Deutschland, wo er momentan als App-Entwickler arbeitet.
Es ist ein bekanntes Problem, dass in der arabischen Welt die Analphabetenrate höher ist als in der westlichen Welt. Dafür gibt es mehrere Gründe, aber darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen. Viele Menschen lesen also nicht regelmäßig. Was die Sache erschwert ist, dass es immer jemanden gibt, der die Anweisung gibt, dieses oder jenes Buch nicht zu lesen. Häufig sind es Geistliche, die vor Büchern warnen, und das obwohl sie auch gerne darauf hinweisen, dass “Lesen” das erste Wort im Islam ist.
Ich denke, das erste Mal, dass ich diesen “Nicht lesen!”-Hinweis hörte, war bei einer Veranstaltung, bei der Teilnehmende einen bekannten Geistlichen aus Damaskus fragten, was er von dem damals neu erschienenen Buch “Frauen zwischen Sharia-Recht und Leben” von Dr. Mohammad Habsh (einem islamischen Gelehrten) hielt. Das Buch entfachte große Kontroversen innerhalb der religiösen Kreise, denn es behandelt Themen wie die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau und den Vorschlag dass das Kopftuch etwas persönliches ist, wofür oder wogegen sich Frauen selbst entscheiden können. Diese Themen wurden auf Grundlage neuer Interpretationen der gleichen religiösen Texte und Quellen aufgeführt, auf denen auch die traditionellen bzw. konservativen religiösen Ansichten basieren. Als er nach seiner Meinung zu dem Buch gefragt wurde, war die Antwort des Geistlichen eindeutig: “Lest dieses Buch nicht, es erregt Versuchungen und stiftet Durcheinander in den Menschen.” Er dachte noch nicht einmal daran, auf die Inhalte des Buches argumentativ einzugehen.
Danach hörte ich den Satz “Lies das nicht” von vielen Menschen, die als “Männer der Religion” beschrieben werden, selbst wenn es ein Buch ist, das aus der selben religiösen Schule wie ihre kommt, wie im Fall von Dr. Habash. Andere Texte, die man nicht lesen solle, ist Sufi Poesie. In vielen Situationen wurde darauf hingewiesen, dass wir (die normalen und unwissenden Leute) Sufi Poesie nicht lesen sollten oder zumindest “vorsichtig” sein sollten, falls wir es doch tun.
Als ich jünger war, habe ich mich immer gefragt, ob es überhaupt möglich ist, dass die Lektüre eines Buches (auch ein religiöses) mein Denken gefährden könnte und mich zu einem Atheisten machen könnte. Sollten wirklich irgendjemand, egal ob Geistliche oder nicht, meinen Verstand beschützen dürfen?
Die “Nicht Lesen!” Warnung, die wir oft persönlich oder im Fernsehen hören, wird jedoch nicht nur von Geistlichen ausgesprochen, sondern auch von Lehrern in der Schule, Familienmitgliedern und Freunden. Wenn man über die Beobachtung innerhalb von solchen Gemeinschaften nachdenkt stellt man fest, dass dies in der arabischen Welt besonders kritisch ist, da hier teilweise auch vom Staat Bücher zensiert werden. Zusätzlich kann es aber auch sein, dass die Gemeinschaft bestimmte Bücher als verboten betrachtet und man sich gegenseitig einschränkt oder selbst zensiert.
Ein aktuelles Beispiel ist, was im Iran passierte, nachdem das Regime den Englischunterricht verboten hatte, da es die Sprache sei, auf der die Feinde herumschnüffeln. Ungeachtet der lächerlichen Rechtfertigung, legt das Regime mit solchem Handeln der Grundstein für systematische Verdummung ganzer Generationen, denen einiges an Wissen und Bildung entgehen wird, ganz in der Hoffnung dass die Menschen nicht fähig sein werden, Kritik am Regime lesen zu können. Dies ist eine extreme Form der “Nicht Lesen!” Anweisung und man kann nur hoffen, dass arabische Diktaturen das nicht übernehmen werden.
Dieser Blogpost richtet sich an alle die denken, dass sie aus irgendeinem Grund die Hinweise, etwas nicht zu lesen, befolgen sollten. Ich möchte vor allem die junge Generation ansprechen. Wenn euch jemand sagt, ihr solltet ein bestimmtes Buch nicht lesen oder einer bestimmten Person im Internet nicht zu folgen, solltet ihr als erstes genau das lesen, was man euch nicht lesen lassen möchte. Jeder, der euch vom Lesen abhalten möchte, nimmt an, dass du nicht den nötigen Verstand besitzt, das gelesene einzuordnen und dir selbst ein Bild zu machen. Es könnte ja sein, dass das Buch, was man dir vorenthalten möchte, tatsächlich nicht inhaltlich wertvoll ist oder es könnte voller Fehler sein. Der Intellektuelle, dessen Facebook Posts du laut deinem Vater lieber nicht lesen solltest, könnte ein Betrüger sein, aber wie solltest du das herausfinden, wenn du seine Beiträge nicht lesen würdest, um sie mit anderen Quellen vergleichen - und anschließend noch mehr zu lesen? Warum sollten andere für dich entscheiden, was lesenswert ist?
Wenn es eine Sache gibt, die die arabische Welt verbessern könnte, dann das wir lesen, und zwar alles was wir lesen wollen.
DIY-Tutorial für Buchüllen ♥
Heute haben wir etwas ganz besonderes für euch! Ein Tutorial, wie ihr euch eine eigene Buchhülle nähen könnt!
Das Tutorial hat euch Ciri von nostalgicbooks erstellt, die nicht nur mit ihren Buchrezensionen und kleinen Weißbauchigeln beindruckt sondern auch mit ihren Nähkünsten!
Und jetzt zum Tutorial:
Als erstes eure Zutaten:
Wir müssen über den Westen reden
Tichy:Endlich! Endlich ist es passiert!! Als Ostdeutscher musste man in den letzten Jahren so viele Beschimpfungen, Unverschämtheiten, Lügen und böse Unterstellungen aus dem Westen des Landes ertragen, dass es irgendwann dazu kommen musste. Nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, wählt sich’s ganz ungeniert. Sogar noch rechtzeitig. Bevor die gleichen Leute die gleichen Reden Der Beitrag Wir müssen über den Westen reden erschien zuerst auf Tichys Einblick. http://dlvr.it/Ps2thj
Neu auf @kleiner_3: Unsere Gastautorin Inna ist polyamor. Aber was heißt #Polyamorie eigentlich? Und wie sieht dieses Beziehungskonzept für sie persönlich aus? Darüber schreibt sie bei uns. Link zum Nachlesen: http://kleinerdrei.org/2017/02/polyamorie-und-outing-wieso-ist-das-wichtig/ 💋🔗
Ich lebte eine Weile in einem Baumstumpf in einem kleinen Waldstück neben der Stadt. Ich ernährte mich fast ausschließlich von alten feuchten Pommes, die in aufgeweichten Papiertütchen von McDonald's steckten und die achtlos von den Autofahrern in die Straßengräben geworfen wurden.
www.frauzunder.de (gastbeitrag)
Aus Kiel von Annika via Meike! Danke!