VIELSEITIGE KLANGZAUBERIN
Die experimentierfreudige Geigerin und Sängerin wandelt bei ihrem Auftritt im gut besuchten franz.K zwischen skandinavischer Folkloristik, abgefahrenem Großstadt-Jazz und melodischem Indierock hin und her.
Wer an diesem Abend klassische Folksongs erwartet hat, reibt sich verwundert die Augen. Die Musik von Liv Solveig Wagner (Gesang, Geige, Gitarre, Keyboard, Glockenspiel), Rolf Ableiter (Gitarre), Marcel Millot (Perkussion), Christian Ammann (Bass), Michael Quast (Klavier) und Volker Deglmann (Trompete) gehört eher in die Kategorie aufregende Melange zwischen Indie, Jazz und Folk. Nicht nur ihre Begleitmusiker legen viel Wert auf filigrane Klänge, auch die Bandleaderin selbst präsentiert sich als vielseitige Klangzauberin: Neben ihrem Hauptinstrument Geige spielt sie Gitarre, Keyboard, Xylofon, setzt aber auch gerne eine Melodica mit Schlauchgebläse, eine Spieluhr oder ein Glockenspiel zur Verfremdung der Musik ein.
Mag sein, dass die kuschelige und entspannte Atmosphäre im bestuhlten franz.K die Intensität von Livs Vortrag noch gesteigert hat. Jedenfalls scheint sich Liv in ihrer alten Heimat sichtlich wohl zu fühlen und wirft sich in ihre Miniatur-Dramen förmlich hinein. Erzählt kleine Anekdoten über die von ihr so heiß geliebten Großstädte, integriert Geräusche von Kinderinstrumenten in die Musik, zupft, streicht, streichelt die Violinsaiten und lacht auffallend oft. Ihre Musik kann man irgendwo auf dem Boden des US-Folk und Indiepop verorten. Aber die inzwischen in Karlsruhe lebende Liv, die auf englisch und norwegisch singt (ihre Mutter stammt aus Norwegen) hat ihren Sound längst in entlegenere Gefilde entführt und einen ganz eigenen Stil entwickelt.
Und dann diese Stimme, geheimnisvoll und unberechenbar, aufbrausend und nervös, wenn sie von ihrer zweiten Heimat New York singt, kehlig und angeraut, wenn sie von Alltagsgeschichten erzählt. All ihren Liedern ist eine eigenwillige, verwehte Schönheit zu eigen, die nicht für die formatierte Welt der Unterhaltungsmusik taugt.
Vielleicht liegt es daran, dass Livs Gesang stets etwas Geheimnisvolles anhaftet. Vielleicht daran, dass ihre männlichen Begleiter sie so feinfühlig und zurückhaltend unterstützen. Eingängig nach dem Pop-Verständnis sind die von Livs Stimme getragenen Eigenkompositionen nicht, wohl aber in bester Storyteller-Tradition in hohem Maße zugänglich.
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