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Ganzen Tag trinken und es sieht noch nicht mal scheisse aus.
26. Juni 2017
Der Bürgermeister wird jetzt aufgeweckt, wann er will
Vor einigen Wochen hat Siegfried Brunner vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf mir geholfen, mehr über die automatische Pegelansage der 70er und 80er Jahre herauszufinden. Heute frage ich ihn, wie die Donau seit der Abschaffung des elektro-mechanischen Pegelansagers mit der Welt redet.
Da ist jetzt ein digitales Gerät und man kann ihm sagen, dass es eine SMS schicken soll bei einem bestimmten Wasserstand. Wenn die Donau einen gewissen Wasserstand erreicht, dann registriert das Gerät das und stellt fest, aha, das ist der Wasserstand, den ich als Meldestufe 1 gespeichert habe. Also schick ich jetzt eine SMS an die hinterlegte Handynummer. Der Bürgermeister braucht bei Meldestufe 1 noch nicht aufgeweckt werden, der wird bei Meldestufe 3 aufgeweckt. Das musstest du im Gerät draußen einstellen. Die Telefonnummern haben sich aber geändert, die Bürgermeister haben sich mit jeder Wahl geändert, also es musste ständig neu programmiert werden draußen. Jetzt ist das komplett anders. Jetzt gibt’s nämlich eine App, die heißt Meine Pegel, da stellst du dir die Pegel auf dem Handy zusammen, die dich interessieren, und dann stellst du dir deine ganz persönlichen Warnstufen ein. Also das Handy klingelt beim Bürgermeister, wann er es will, und wir brauchen draußen nix mehr einstellen. Das ist eine totale Umstellung. Das App, das gibt’s, glaub ich, seit zwei Jahren.
Und die digitale Messstelle, seit wann ist die da?
Naja, seit wann gibt’s denn SMS?
Also in meinem Leben seit 1999, aber ich schätz mal, frühe 90er? 95? (Später herausgefunden: Richtig wäre 1992 gewesen.)
Also im Prinzip gibt’s diese Benachrichtigung, seit es das Handy gibt. Es gab vorher schon aufs Festnetz auch so was, aber es hat ja keinen Sinn, wenn das Festnetz läutet bei Privatleuten, weil die ja nicht vorm Telefon sitzen. Das hat ja erst einen Sinn gemacht, seit das Handy existiert.
Wie funktioniert überhaupt die neue Messstelle, seit die nimmer einen Schwimmer … aber wahrscheinlich ist da immer noch einer, oder?
Naja, die Schwimmer gibt’s nimmer. Weil die Schwimmer erforderten einen Schwimmerschacht. Das heißt, man musste vom Fluss draußen ein Rohr verlegen, einen Schacht bauen und da drin ist der Schwimmer. Dieses Rohr verlegte ständig und musste ständig freigespült werden. Und jetzt hat man die Sensoren draußen im Fluss, und das ist zum Beispiel eine Drucksonde, piezoelektrisch. Die ist im Fluss draußen montiert mit einer Rohrschelle. Die Wassersäule, die drüber ist, erzeugt ja einen Druck. Und der wird halt piezoelektrisch in eine Spannung umgewandelt.
Und das liegt einfach irgendwo im Flussbett?
Genau. Und hat ein Kabel, das in das Pegelhaus reingeht und dort an den Datensammler drangeht. Der speichert die Daten und gibt sie übers Modem weiter.
Und das ist nur die eine, oder ist das redundant? Also gibt’s da verschiedene Sensoren und man schaut dann, was am plausibelsten ist?
Es gibt das redundante System, das ist dann unterschiedlich, das kannst du wieder mit der gleichen physikalischen Art machen, also wieder Drucksonde, oder halt zum Beispiel den sogenannten Einperler. Oder Schwimmer, wenn du einen Schwimmerschacht hast. Einperler ist, du hast einen Minikompressor, der erzeugt Druckluft, du hast einen Schlauch in den Fluss raus, und der muss so viel Druck aufbauen, dass draußen die Luft entweichen kann. Und je höher der Wasserstand ist, desto mehr Druck muss er aufbauen. Also ist der aufgebaute Druck proportional zur Wasserhöhe. Das registriert der Manometer und digitalisiert das halt wieder in Zentimeter Wasserstand.
Woher weiß das Gerät, wann es erfolgreich war beim Druckerzeugen?
Das baut Druck auf, der Manometer steigt und steigt, und wenn die Blasen rausgehen, bleibt er ja stehen. Weil dann ist’s ja im Gleichgewicht. Und so gibt’s noch x andere, Radar zum Beispiel, also Abstandsmessungen. Wenn du mit dem Auto – mit meinem nicht, aber mit einem neuen – rückwärts fährst, dann ist da ja hinten dieser kleine Abstandssensor. Und den kannst du auch an eine Brücke untendran bauen und dann misst er halt runter, und je mehr das Wasser steigt, umso kürzer wird ja der Weg.
Und wenn ein Schiff durchfährt?
Das macht nichts. Das wird ausgefiltert. Störsignale werden einfach ausgefiltert.
(Siegfried Brunner, befragt von Kathrin Passig)
1970er und 80er Jahre sowie 2017
Wasserstände von öffentlichem Interesse: Der Anrufbeantworter der Donau
Anlässlich eines bei Twitter erwähnten “Sendung mit der Maus”-Films über die Zeitansage fällt mir wieder ein, dass mein Vater früher bei Hochwassergefahr gelegentlich die Telefonnummer der automatischen Pegelansage gewählt hat. Er arbeitete beim Wasserwirtschaftsamt, wir wohnten aber nicht in Sichtweite der Donau. Vor Ort konnte und kann man den Pegel an einem Schild an der Donau ablesen. Hier ist das Verfahren ganz analog: das Wasser steigt bis zu der Zahl, die den aktuellen Wasserstand angibt. Aber wie ist der Pegelstand in die automatische Ansage hineingelangt?
Sicher hat kein Mensch, so überlege ich, manuell zwischen Donau und Anrufbeantworter vermittelt, denn man konnte den Pegelstand auch nachts abfragen. Dass die Donau, wie im “Sendung mit der Maus”-Film, einen Tonarm an die richtige Stelle einer Platte gehoben haben soll, kommt mir aber auch unwahrscheinlich vor. Naja, das Internet wird es schon wissen, denke ich.
Aber das Internet erweist sich als überraschend ahnungslos, was Pegelansagegeräte betrifft. In der Wikipedia steht zwar:
“Sogenannte Anrufpegel (Pegelansage) können bei Bedarf per Telefon von jedermann abgefragt werden und geben den momentanen Wasserstand in Zentimetern bzw. Durchfluss in Kubikmetern pro Sekunde (m³/s) an. Für Pegel an deutschen Bundeswasserstraßen wählt man dazu die Ortsvorwahl und anschließend die 19429, beispielsweise für den Pegel Karlsruhe-Maxau 0721 19429.”
Nur wie das in den 70er Jahren funktioniert haben könnte, steht weder dort noch anderswo. Google Books liefert ein paar verheißungsvolle Beiträge aus Elektrotechnik-Zeitschriften der 1950er Jahre, aber die winzigen Vorschaubilder helfen mir nicht weiter, und ganze Seiten sind nicht verfügbar. Lediglich in diesem PDF des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie gibt es eine kleine Abbildung eines interessant aussehenden Pegelansagegeräts und eine zeitliche Einordnung:
Noch Anfang der 50er Jahre wurden die Wasserstände an der Pegellatte von Beobachtern vor Ort abgelesen und die Daten telefonisch weitergegeben. Eine wesentliche Verbesserung der Datenübermittlung erfolgte durch die Ausrüstung der Pegel mit Wasserstandsansagegeräten. So wurde z.B. im Mai 1953 der Pegel Rotenburg an der Fulda mit einer Übertragung der Wasserstandsdaten per Telefon ausgerüstet: Auf Anruf wird der aktuelle Wasserstand mitgeteilt.
Ich schreibe an die Poststelle des Deggendorfer Wasserwirtschaftsamts und bekomme sofort eine äußerst freundliche Antwort aus dem “Sachgebiet Gewässerkunde”:
“... Mit dem elektro-mechanischen Pegelansager bist Du tatsächlich knapp dran. Aber irgendwo in Bayern müsste so ein Teil aufzutreiben sein. Ich frag mal die paar Kollegen, die noch älter sind als ich.”
Eine Woche später erhalte ich eine weitergeleitete Mail:
“... auf ihre Anfrage vom 23.05.2017 teilen wir ihnen mit, dass sich ein Gerät (oder Teile davon) im Gerätekeller des Bayer. Landesamtes für Umwelt, Referat 85 befindet. In Anlage übersenden wir ihnen eingescannte Schaltpläne und Beschreibung zu einem solchen Gerät.”
Das Gerät ist ein “Hagenuk MA-01”-Messwertansager. Unter Punkt 2, “Wirkungsweise”, steht in der schreibmaschinengetippten Beschreibung:
“Die automatische Einrichtung für die Fernansage von Wasserständen gestattet Meßwerte von Wasserständen, die von öffentlichem Interesse sind, anzusagen. Nach Anwahl durch den Fernsprechteilnehmer meldet sich das Gerät mit dem vorgeschriebenen Meldewortlaut. Danach werden die Meßwerte der Wasserstände in offener Sprache und in einem für jedermann verständlichen Sinn angesagt.”
Die für jedermann verständliche Ansage muss der Beschreibung zufolge ungefähr so gelautet haben: “Hier automatischer Anrufbeantworter Deggendorf”, Rufnummer, “Pegel Deggendorf, Wasserstand in cm”, gefolgt von drei Zahlen, “Tendenz steigend” oder “Tendenz fallend”, “Wasserstand um 5 Uhr”, noch einmal drei Zahlen, “Ende der Mitteilung”.
“Die einzelnen Ziffern sind ebenso wie der Meldetext, die erklärenden Ansagen und der Schlußtext auf einer Tonfolie im Abspieleinsatz gespeichert.”
Punkt 1.75, Wartung:
"Der Meßwertansager ist als elektronisches Gerät mit Relaistechnik weitgehend wartungsfrei. Lediglich die Tonköpfe im Abspieleinsatz sind nach ca. 10000 und 20000 Ansagen mit je 10 Umläufen des Tontellers zu reinigen. Nach ca. 30000 Ansagen (10 Jahre bei täglich 8 Ansagen; 300000 Umläufe des Tontellers) ist es erforderlich, den Abspieleinsatz zur Erneuerung der Tonfolie einzuschicken. Der genaue Zeitpunkt kann jedoch vom Nachlassen der Tonqualität abhängig gemacht werden.”
Die für die Beantwortung meiner ursprünglichen Frage entscheidende Stelle des Schaltplans:
Rechts unten ist ein Schwimmer zu sehen. Das Gerät muss in einem donaunahen Gebäude untergebracht gewesen sein. Und dann hat die Donau dem Anrufbeantworter ihren aktuellen Wasserstand selbst mitgeteilt.
Auf welche Art die Donau heute mit dem Internet redet, frage ich die freundlichen bayrischen Behörden dann bei einer anderen Gelegenheit, diesmal vielleicht vor dem Aussterben der Technik. (Update: Hier das Ergebnis.)
(Kathrin Passig mit Hilfe von Siegfried Brunner vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf und Mario M. Knott vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, Dienststelle Hof)
Stadt Passau ruft den Katastrophenfall aus. Pegel steigen weiter.
Die Hochwasserlage in Passau spitzt sich weiter zu. Laut Medienangaben hat die Stadt an der Donau den Katastrophenfall ausgerufen. Bis jetzt hat das Hochwasser fünf Todesopfer gefordert, darunter auch Retter. Im Laufe des Nachmittags wird der Scheitelpunkt mit Wasserständen über 10 Meter erwartet. Aktuell steht das Wasser bei 9,97.
BILD-Reporter Michael Engelberg in Passau. Hochwasser in der Altstadt, die Donau läuft über, Straßen sind geflutet.
Laut Angaben des Deutschen Wetterdienst in Offenbach werden in den nächsten 24 Stunden keine markanten Regenfälle erwartet. Das gibt Zeit zum Verschnaufen, denn die weiteren Prognosen zeigen neue Niederschläge, welche primär im Alpenvorland in den kommenden 10 Tagen bis zu 70 Liter Regen bringen werden.
Das Wettermodell ECMWF sieht für Bayern weitere teils ergiebige Niederschläge, welche bis zu 100 Liter binnen 10 Tage überschreiten kann. Dies würde die Hochwassersituation erneut verschärfen.
Putbus: Kein Eisenbahnmuseum auf Rügen: Landkreis zieht Notbremse, aus Ostsee-Zeitung
Putbus: Kein Eisenbahnmuseum auf Rügen: Landkreis zieht Notbremse, aus Ostsee-Zeitung
https://www.ostsee-zeitung.de/lokales/vorpommern-ruegen/ruegen/kein-eisenbahnmuseum-auf-ruegen-landkreis-zieht-notbremse-2LJBOM7JVQAV2PEKLFTAKV3GZY.html Die #Baukosten für das #Vorzeigeobjekt in #Putbus sind um rund drei Millionen Euro gestiegen, mehr #Fördermittel gibt es nicht. Nun wird nach alternativen finanziellen Lösungen gesucht. (more…)
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Vom Strand Schillig Richtung Mellum mit der Pegelmessstelle
Hier gibt´s aktuelle Pegelstände und Hochwasserprognosen
Wo kann ich sehen, wie sich ein Hochwasser bei uns entwickelt. Wo gibt´s laufend aktuelle Informationen? Zunächst sind Infos vor allem nur für die Donau verfügbar. An den kleineren Bächen gibt es keine Pegel und auch keine Prognosen. Und bei den Donauprognosen sind für uns vor allem die Oberlieger (Mauthausen, Wallsse) und unmittelbar unterhalb von Ardagger auch der Pegel Grein wichtig. Die HYDRO…
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