Griechenland BIP Q02-15: +0,8 (Vq), +1,4% (Vj)
+0,8% im zweiten Quartal (Vorabschätzung) sind durchaus besser als erwartet, immerhin musste man nach dem Crash beim Einkaufsmanagerindex (siehe Griechischer Einkaufsmanagerindex (PMI) im Juli mit Rekordtief und Rekordeinbruch. mit dem Schlimmsten rechnen. Ok, der Einbruch der PMI kam erst im Juli, das BIP umfasste nur April bis Juni. Mal abwarten. Trotzdem ist der Wert deutlich besser als befürchtet, schließlich war die Verunsicherung im zweiten Quartal durch die Verhandlungen groß, was u.U. in den kräftigen Mittelabflüssen bei den Banken seinen Niederschlag fand.
Gleichzeitig wurde auch das erste Quartal nach oben korrigiert, jetzt sieht die griechische Statistikbehörde nur noch eine Stagnation (+0,0%) nach minus 0,2% zuvor.
Damit steckt Griechenland nicht mehr offiziell in einer Rezession, wie ich gestern noch laut rausposaunt habe (Konjunktur: Griechische Wirtschaft rutscht zurück in die Rezession. Vielleicht ist die Prognose der EU (BIP -2,3% 2015) doch nicht so krass zu optimistisch wie ich dachte. Die Spar- äh Reformvorschläge werden die griechische Wirtschaft zwar massiv bremsen, aber eventuell wirkt das nicht so schnell, dass das zweite Halbjahr so schwach wird, dass die 0,8% Wachstum, die jetzt schon eingefahren wurden, noch zu einem Minus von 2,3% werden. Dafür könnte sich die Schätzung für 2016 (wenn die Sparprogramme zunehmend greifen) als zu positiv herausstellen.
Das BIP-Plus von 0,8% (gegen Vorquartal) bzw. 1,4% (gegen Vorjahr) ist übrigens eine saisonbereinigte Zahl, wer diesem Braten nicht traut, nimmt die unbereinigten Zahlen. Diese gibt es logischerweise nur auf Jahresbasis, das Plus liegt hier bei 1,5%. Auch das ist eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem (unbereinigten) Vorquartalswert (+0,2%) und nach dem Wert für Q03-14 der zweitbeste seit dem Tief.
Interessant für den Schuldenstand in Prozent des BIPs ist bekanntlich das Nominal-BIP, also das, aus dem die Inflation (bzw. in Griechenland Deflation) nicht herausgerechnet wurde. Die Jahresrate für das Nominal-BIP (unbereinigt, Jahresrate) lag auch im zweiten Quartal noch im Minus, aber "nur noch" mit 0,1% (Quartale davor -0,6%, -0,8%, +1,0%, -3,9%). Für den Schuldenstand gab es durch das BIP-Plus also keine Entlastung, aber immerhin auch keine Verschlechterung.
Nimmt man die Quartalsänderung, wird das Quartalsplus von 0,8% (saisonbereinigt) durch die Deflation zu einem Minus (-0,7%; ebenfalls saisonbereinigt). Man sieht also, wie stark die deflationären Kräfte in Griechenland immer noch wirken ...
Die gängige Story in den deutschen Medien, dass Syriza den Aufschwung abgewürgt hat, wackelt damit natürlich auch massiv. Ohne in diese (bekloppte) Diskussion zu stark einzusteigen: Das dicke Minus gab es im vierten Quartal 2014 und da war Syriza noch nicht an der Macht (wenngleich es sich auch ankündigte). Quartal 1 und 2 2015 lieferten jetzt (auch wenn man die endgültige Veröffentlichung abwarten muss) wohl ein Plus. So viel zu dem Thema, dass Varoufakis alles Schuld ist. Okay, die Erzähler der Geschichte werden ihm jetzt das dritte Quartal in die Schuhe schieben ... Und 2016 auch noch …