So ein Buch Ist nicht selten Die Organspende eines Baums An eine seitenlange Sammlung von Lügen Zur Entspiegelung des Selbst Beim Betrachten der Oberfläche Seiner eigenen kleinen Pfütze Von Lebenswelt
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So ein Buch Ist nicht selten Die Organspende eines Baums An eine seitenlange Sammlung von Lügen Zur Entspiegelung des Selbst Beim Betrachten der Oberfläche Seiner eigenen kleinen Pfütze Von Lebenswelt
I would flee into the immensity
Of myself,
Already the meadow saffron blooms
In my soul,
Perhaps — it's too late to turn back!
O, I die with you!
Since I was choked with you.
I wanted threads to encircle me —
Ending confusion!
Undeterred,
Tangled in you,
In order to escape
Into myself!
—Else Lasker-Schüler, Weltflucht
“Von der Knechtschaft der Welt bin ich befreit,
und mein Schmerz ist auch meine Seligkeit.”
“Madschnun & Leila” von Nezami
“Why should a man be scorned if, finding himself in prison, he tries to get out and go home? Or if, when he cannot do so, he thinks and talks about other topics than jailers and prison-walls?”
- J. R. R. Tolkien, On Fairy-Stories
Besser als im eigenen Dasein zu kleben, ist es in den Geschichten der Welt zu leben.
Unbekannt (gefunden in einem Kommentar)
Meditation macht lebenstauglich - zumindest, wenn sie entsprechend kontextualisiert wird. Oft wird sie leider zur Weltflucht mißbraucht, wo sie doch eigentlich dem besseren Wirken in der Welt dienen kann.
*Meditation fürs Leben: http://www.meditation.nielskoschoreck.de
Dachschadendichtung / Poesie-Anti-Apologie
I. Nein. Der Tag bricht an. Wie stets zu allzu früher Stunde. Dein Magen - leer, und deine Augen tun dir weh. Die Fahne hängt dir kläglich aus dem Munde, sie weht nicht mehr An deiner Nase klebt noch Schnee von gestern. Früher war doch alles besser Nun ragen draußen Schlote in den Himmel und drinnen mustert deine Wand der Schimmel - Die Wirklichkeit, der große Seelenfresser. Die Wirklichkeit... Die Wirklichkeit, ja, diese hässliche Chimäre aus Murphy's Law und Einfallslosigkeit, nur sie allein trägt Schuld an der Misere von deiner faul verfärbten, nie verzehrten, abgelauf'nen Zeit. Die Wirklichkeit, die sogenannte, gehört abgeschafft, mit Chloroformtuch endlich unschädlich gemacht, an eine Autobahnleitplanke angeleint - mit Stift und Schreibblock nimmst du sie in Geiselhaft. Du hustest deine Verse in den Äther, denn du bist ein Poet, ein selbsternannter, gleichwohl ein nie gehörter, oft verkannter, belächelter und fast vergess'ner Zunftvertreter der Literaten, schließlich: aller Künstler. Mit Stift, mit - Schrift verbannst du deine Hirngespintster in eine kaum jemals besuchte Geisterbahn. Die Aussicht auf Erhörtwerden ist finster mit Zeilen voller Kitsch und Quatsch und Größenwahn. Narzissmus krallt sich allzu oft die Feder - so war es, so ist's schon immer gewesen. Gedichte schreiben, das versucht wohl jeder, doch niemand hat mehr Bock, sie noch zu lesen. Bei dir soll's anders sein, dein Wort soll in die weite Welt hinaus! - Durch reißzahngleiche Hausdachreih'n bricht grausam eitler Sonnenschein und lacht dich aus. Dein früh besetztes, spinnbenetztes Haus ist ein Luftschloss. Und einsturzgefährdet. Die tragenden Pfeiler haben keinen Bodenkontakt, dein Gedanken-Strom nichts, das ihn erdet. Die Wirklichkeit, der du zuvor noch Daseinsrechte abgesprochen - durch Schädeldeckenrisse kommt sie irgendwann hereingebrochen. Berufsrisiko Dachschaden. Drum lass mich dir nur eins sagen: Wenn saurer Regen über qualmenden Satzschloten fällt, und der Versbalkenboden keine Verzweiflung mehr hält, wenn das Hausfundament bereits unter Wasser steht, dann dichte - dein Dach ab, Poet. Wenn Schimmel-Sporen die Wände durchdringen, rühr Mörtel an, denn es wird dir nichts bringen, unter maroden Balken zu kauern. Der Winter wird hart und er wird dein Leben lang dauern, um ein Haus neu zu bauen, ist's längst schon zu spät - du kannst nur noch dein Dach abdichten, Poet. Auf schlaglochübersäten Lebenswegen ist literarischer saurer Regen ganz schnell vereist. Und wenn er den Asphalt deines Alltags zerreißt, hast du nur Streusalz für dein Wundenpflaster. Bringt kalte Logik laue Fantasie zum Beben, ist deine Ich-Architektur kein Stück belastbar. Sogar den größten Tatsachenverdrängern dämmert's: Punk is dead und Poesie schon deutlich länger. Nicht mehr lang, bis auch dein Luftschloss in Schall und Rauch übergeht - Dachdichtung wird dich nicht mehr retten, Poet. Verwundet durch den Reißzahn der Zeit, bleibt niemand "dennoch unverzagt", und sogar Rilke hatte einst gesagt, dass Überstehen alles sei, wer spräche schon von Siegen. Du - kämpfst nicht mal, du gaffst den Tagen nach wie knapp verpassten Zügen; auf einem der Wagons stand "Punk is dead" geschrieben. Den Anschluss an dich selbst wirst du nie kriegen. II. Doch. Solche und ähnliche Ratschläge erhältst du gewiss noch zuhauf im Leben, doch lass mich dir einen noch geben, den wichtigsten: Hör bloß nicht drauf. Wenn du über hölzerne Reimschemen holperst und durch ein metrisches Minenfeld stolperst und hinfällst: steh auf. Und richte deine Krone. Klopp' doch den Zyniker zurück in seine Tonne, verschließ sie fest und bring das Blech zum Singen. Denn es schläft doch ein Lied in allen Dingen, wenn man nur auf den richt'gen Deckel schlägt. Wo einst die Punks den eig'nen Grabstein fanden, umhüll du den der Dichter mit Girlanden und spuck den Friedhofswärtern Glitzer ins Gesicht. - Poetry's not dead, it just smells funny - Wer jeden Lichtstrahl durch die Abgeklärtheitslinse bricht, und sich mit mattgrau rationalem Mantel tarnt, wer einseitig vor Grausamkeit nur warnt, der hatte auch die Schönheit nie verstanden. Drum wetze dein Sprechen am lärmenden Schleifstein, bis deine Klinge gut stimmt schärfe dein Schreien am lähmenden Sein, bis es die Form eines Messers annimmt. Es schläft ein Lied in allen Dingen, und jeder Schrottplatz wird zur Bühne, wenn du am Größenwahn nicht sparst, dir deinen Dachschaden bewahrst und stets dich hältst an die Maxime, den Bodenkontakt zu halten im Schreiben und trotzdem nach dem Höchsten zu streben und bist du auch von Hohl-Pfosten umgeben, nie zu vergessen, Dichter zu bleiben.