Schattenpfade 22 - Bar aller Hoffnung
(Da darf auch die Hoffnung rein, die am Kap der Guten Hoffnung Hausverbot hat. :P Ich weiß nicht, ich würde “bar jeder Hoffnung” sagen, aber ich bin kein Experte.)
Wynter hat in der Aufregung ihr Werkzeug in der Bibliothek liegen lassen. Obwohl sie doch gar nichts damit gemacht hat.
Talent!
Nu steht sie im Gang und überlegt, was zu tun sei. Die verhafteten Menschen gehören schließlich der Tischlerzunft an (zumindest die Männer), die eine der mächtigsten Zünfte des Reiches ist. Dass Jonathon sich ausgerechnet mit den Tischlern anlegen will, wundert Wynter. Sie fragt sich, ob der König wohl verrückt geworden ist und gar nicht weiß, was er seinem Volk antut?
(Ähm...nein. Aber gönnen wir ihr mal etwas jugendliches Wunschdenken.)
Sie beschließt, diese Theorie jemandem zu unterbreiten. Nicht ihrem Vater, der würde sonst alle Vorsicht vergessen und aus dem Bett hüpfen, als sei er nicht todkrank. Also Razi. Sie findet ihm auf dem Reitplatz, wo er auf einer Araberstute die Kunst des Springreitens ausübt, die sonst nirgends so beherrscht wird wie in Jonathons Reich. Na sicher, Jonathon hat das Reiten quasi erfunden! Ist bestimmt sonst niemand auf die Idee gekommen, mit Pferden mehr zu machen als Distanzritte. Gibt’s denn keine Reiternomaden - mongolische Reitervölker oder so - in dieser Welt?
Bevor Razi Wynter bemerkt, sieht sie auf der anderen Seite des Reitplatzes die Katze, die wir Haymitch getauft haben. Haymitch verhält sich katzenhaft, spielt aber erst mal keine wichtige Rolle. Ist wohl nur ein fleischgewordener Post-it-Zettel, der uns und Frau Kiernan an die Katzen erinnern soll.
Dafür hat Razi einen Schmerzanfall in seiner verletzten Schulter und der Ratsherr Simon de Rochelle macht Wynter dumm an, bevor er den Reitplatz betritt und Razi anspricht. Rochelle informiert Razi über die Säuberung, aber alles, was Razi dazu zu sagen hat, ist, dass, was Jonathon schadet, Alberon nützt. Alles supi also. Haha.
Rochelle geht ab, Razi entdeckt Wynter und fragt sie, ob sie (sprich: Chris oder Lorcan) ihn brauche. Sie verneint und geht davon, nur um Gary – Meister Huettes Sohn – davonlaufen zu sehen. Der wird jetzt natürlich den anderen erzählen, dass sie nicht wie versprochen zu Lorcan gegangen ist, sondern zu Razi. Dass sie gerade mal zwei Sätze mit Razi gewechselt hat, wird er natürlich nicht berichten, weil das nicht in sein Feindbild passt. Sieht nur, was er sehen will, der Gute.
Wynter hegt einige #paranoidiotische Gedanken und macht sich dann doch mal auf zu Lorcans Kammer, was sie von Anfang an hätte tun sollen, und wenn nur zum Schein. Zu ihrer Überraschung steht Lorcans Tür offen und Chris sitzt in einem Sessel davor, seinen Dolch in der Hand: Da sei ein Geist in Lorcans Kammer.
Das verblüfft Wynter, da ihre Gemächer kein Wirkkreis eines Geistes sind. Es muss sich also um einen Ga(i)st handeln. Chris sagt, es sei ein Soldat (also nicht Heather Quinn, die Todesbotin) und scheint zu befürchten, dass sich eine Explosion wie neulich im Kerker wiederholen könnte. Er hält Wynter am Arm fest, während sie ins Zimmer späht:
„Als sie die Erscheinung erkannte, stieß sie ein Quieken aus, und Christopher zuckte zusammen. Mit einem Aufschrei versuchte er, sie daran zu hindern, in die Kammer zu laufen.“
Kinners, dafür, dass es euch den Kopf kosten kann, die Existenz eines Geistes anzuerkennen, seid ihr ganz schön unvorsichtig unterwegs. Macht doch keinen solchen Lärm, und warum zum Teufel steht die Tür offen??
„Er hielt sie am Handgelenk fest und zog sie von der Tür weg. Der fehlende Mittelfinger fühlte sich merkwürdig auf ihrem Arm an, doch für einen so schlanken Mann war er verblüffend stark.“
Natürlich isser das, Kind, ist ja auch einer deiner starken Männer hier. Ich finde es übrigens beeindruckend, dass Wynter einen Finger spüren kann, der gar nicht da ist. Erinnert ein bisschen an die farbenfühlende Sophia.
Wynter versichert Chris nun, dass sie den Geist kenne und er ihr nichts tun werde. (Ein Glück. Dass er edwardähnlich an Lorcans Bett steht und ihm beim Schlafen zuschaut, ist schon gruselig genug.) Chris lässt seine holde Jungfer also los, sie betritt das Zimmer und spricht den Geist an:
„Hallo, Rory“, sagte sie.






