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Recently in the studio.....
Die beiden einzigen vegetarischen Sterne-Restaurants in Deutschland - Cookies Cream (Berlin) und Seven Swans (Frankfurt) - haben sich für 5 Tage verbündet. Und ich durfte beim Opening mit der Kamera dabei sein.
12 Rules for Life
Jordan B. Peterson, one of the most inspiring psychologists of our our time, recommends us to:
1. Stand up straight with your shoulders back 2. Treat yourself like you would someone you are responsible for helping 3. Make friends with people who want the best for you 4. Compare yourself with who you were yesterday, not with who someone else is today 5. Do not let your children do anything that makes you dislike them 6. Set your house in perfect order before you criticise the world 7. Pursue what is meaningful (not what is expedient) 8. Tell the truth – or, at least, don’t lie 9. Assume that the person you are listening to might know something you don’t 10. Be precise in your speech 11. Do not bother children when they are skate-boarding 12. Pet a cat when you encounter one on the street
The long version is either to read his book "12 Rules for Life"
"Cathing The Big Fish" von David Lynch hat mich auf überraschende Weise inspiriert (Deutsch:http://amzn.to/2oaXtaq, English:http://amzn.to/2nlMzuR). Es ist eine scheinbar lose Gedankensammlung mit kurzen Abschnitten, die mich darin bestätigt hat wieder mit Meditation anzufangen und verstärkt eigene Ideen zu verfolgen. Danke David!
Kurzer Clip über eine der Abende unseres Restaurant Festivals in Frankfurt. 14 Abende. 14 außergewöhnliche Menüse. 14 kulinarische Abenteuer. Mehr über das Projekt findet Ihr hier: www.restaurantfestivalfrankfurt.de
10 BÜCHER, DIE DEIN LEBEN FÜR IMMER VERÄNDERN KÖNNTEN / 10 BOOKS THAT COULD CHANGE YOUR LIFE FOREVER
I have been asked for book recommendations repeatedly. Here is my top 10 list for inspiring reads:
The 7 Habits of Highly Effective People Die 7 Wege der Effektivität (English/Deutsch) Define your values, act accordingly and trust in fruitful collaboration – privately and business wise! No other book has had a deeper impact on me.
Blink! - Thinking without thinking Blink! - Die Macht des Moments (English/Deutsch) The scientific proof that your gut feelings can be a far better guidance than any analysis and intellectual approach.
Freakonomics Freakonomics (English/Deutsch) After having read the highly entertaining episodes about the misuse and misinterpretations of numbers I never looked at statistics the same.
Zen in the Art of Archery Zen in der Kunst des Bogenschießens (English/Deutsch) If you are looking for peace in your life, you will find it in every moment, in every breath, while driving your car, walking the street, cleaning your dishes or any other given moment.
First, break all the rules Erfolgreich Führen gegen alle Regeln (English/Deutsch) A managers’ book that encourages you to let go of all protective manners and seek the strength and the dreams of your employees. Reach your goals by letting others fulfill their dreams.
Healthy at 100 Gesund bleiben bis 100 (English/Deutsch) A book that discovers the secrets of healthy living by taking a closer look at countries or tribes known for getting exceptional old.
Everyday Zen Zen im Alltag (English/Deutsch) If you ever doubted that love is the way, this book will get you back on track to a giving and loving way of living.
Die Kunst ein kreatives Leben zu führen (Deutsch) Only available in German! In diesem sehr schön gestalteten und großartig geschriebenen Buch werden sich alle Kreativen wiederfinden und Anregung und Bestätigung für eine nachhaltig erfolgreiche Lebensweise finden.
The World Book of Happiness Glück (English/Deutsch) A journey around the world: Meet interesting and inspiring people telling you their secrets of happiness.
.....which books inspired you the most? .....welche Bücher haben Dich am meisten inspiriert? Would be great to read about the books that inspired you the most and why! Just write me an email! Wäre großartig, wenn Du mir die Buchtitel die Dich am meisten inspiriert haben per Email schreiben würdest!
Kurzweilige Podcast-Serie über den Speiseplan von Menschen, die sich ganz oder überwiegend vegan ernähren - mit dem Motorradrennfahrer Holger Borgsmüller, dem Musiker und Produzenten Moses Pelham, dem Gastronomen Klaus Knopp, dem Fotografen Stefan Höning und Anderen.
BEKENNTNISSE EINES FREIZEITVEGANERS
Cashew-Käse, grüne Smoothies, Sellerie-Steak, Zartbitter-Sorbet und viele andere vegane Gerichte sind für mich zu Leibgerichten geworden. Aber könnte und will ich als Vollzeitveganer leben? Ein Erfahrungsbericht.
Früher kannte ich Veganer nur als schrullige Gestalten, die allen feindlich gesonnen waren, die nicht ihre Weltanschauung teilten. Und ihre Argumente waren zwar nachvollziehbar, wurden aber nicht wirklich wahrgenommen. Andere Lebewesen millionenfach eingepfercht aufwachsen lassen? Mit Medikamenten und Wachstums-beschleunigern vollpumpen? Sie aufs Grausamste aus-schlachten und in messehallengroßen Zerlegestationen mundgerecht verarbeiten? Selbst die abscheulichsten Bilder reichten nicht aus, um daraus Konsequenzen zu ziehen. Denn allein aus Mitgefühl ändert der Mensch sich erfahrungsgemäß nicht, wenn es um die persönlichen Vorlieben und Genüsse geht.
Als ein charismatischer veganer Aktivist in unsere Viertel zog, der seine Botschaften mit bunter Kreide auf alle Bürgersteige und Wände malte, wurde ich interessierter, neugieriger. Nicht wegen der Farbenfroheit. Und auch nicht weil er von einer Gleichgesinnten begleitet wurde, die für die gute Sache gerne ihre mit Hashtags bemalten Brüste zeigte. Sondern wegen eins Perspektivwechsels, den die beiden forcierten. In ihren Bürgersteig- bzw. Busenbotschaften und in Gesprächen empfahlen sie einerseits den Film „Earthlings“, der die Thematik mit beeindruckenden Szenen, der Stimme von Joaquin Phoenix und der Musik von Moby auf den Punkt bringt. Andererseits packten sie ihr Gegenüber beim sprichwörtlich gesunden Egoismus und erklärten anschaulich die Vorzüge veganer Ernährung, die ihren Aussagen nach nicht nur Nebeneffekte wie samtglatte Haut und geruchlosen Schweiss verursachte, sondern angeblich auch das Risiko für diverse „Volkskrankheiten“ deutlich senken würde.
Etwa zur gleichen Zeit las ich zwei Bücher. Den Bestseller „Healthy at Hundred“, der sich unter anderem mit den Essgewohnheiten an Orten beschäftigt, deren Bewohner ein überdurchschnittlich hohes Lebensalter erreichen. Und „Thrive“, die Ernährungsbibel des veganen Triathleten Brendan Brazier. Ein Buch, was seinen Fokus auf energiefördernde Ernährung legt. Beide Bücher kamen auf unterschiedlichem Weg zur Schlussfolgerung, dass eine vielfältige, pflanzenbasierte Ernährung, die nichts mit Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs und der Nutzung von Tieren zu tun hat, den menschlichen Körper besser versorgt, als sich schlicht und einfach mit Kohlenhydraten wie Brot und Pasta vollzustopfen und den Eiweißbedarf überwiegend mit Milch- und Fleischprodukten zu decken.
Meine Freundin stieg parallel in das Thema ein. Sie fand weitere Dokumentationen, Reportagen und Studien, die das Bild verdichteten und folgenden Kerngedanken reifen ließen: Wenn der Mensch Fleisch- und Milchprodukte nicht unbedingt in großen Mengen braucht und ihre Produktion jährlich milliardenfaches Tierleid verursacht, macht es schlicht und einfach Sinn, sich endlich mal konkret mit veganer Ernährung zu beschäftigen.
Der erste Gang zum veganen Supermarkt war nicht ohne lustige Überraschungen. Das ungeschlagene Highlight aller Ersatzprodukte ist bis heute die Tofu-Weihnachtsgans für über vierzig Euro. Der Nachbau in Originalgröße ist das Sinnbild für irrgeleitete Veganer, die ihre alten Essgewohnheiten einfach beibehalten wollen, indem sie die Lücken in ihrem Speiseplan durch täuschend echt aussehende Formteile aus Soja- oder Weizeneiweiss schließen. Liest man dann die Zutatenliste, wähnt man sich im Chemieunterricht. Das gute Tofu-Vieh wird einzig und allein durch Verdickungsmittel zusammengehalten und strotzt vor Aromastoffen. Sieht so eine natürliche Ernährung aus? Was den Tofu-Gans-Essern vorenthalten bleibt ist darüber hinaus die kulinarische Horizonterweiterung. Sie entdecken nicht wirklich Neues, bereichern nicht ihren Alltag, setzen sich nicht umfassend mit Ernährung auseinander, sondern freuen sich über vegane Salamipizza, vegane Chicken Wings und andere reine Ersatzprodukte, für die sie gerne tief in die Tasche greifen.
Als wir uns auf den Weg machten die vegane Küche in den Alltag zu integrieren, wurden wir fast täglich überrascht. Wenn man wirklich neue Rezepte sucht, macht vegane Küche richtig Spaß. Wir entdeckten zum Beispiel die aromatische Vielfalt von Knollengemüse und wie gut bestimmte Gemüse und Früchte zusammenpassen: fingerdicke Sellerie-scheiben lassen sich zu super leckeren „Steaks“ braten. Grüne Smoothies sind der Kick in den Tag. Und aus Avocado und gefrorenen Beeren zaubert der Pürrierstab in Sekunden unfassbar himmlisches Eis.
Konsequente Veganer sind wir bis heute nicht geworden. Ein bis zwei Rohmilchkäse finden immer wieder ihren Weg in unseren Kühlschrank und bei bestimmten Gelegenheiten genießen wir ausgesuchte Fleisch- und Fisch-gerichte, bevorzugt Bio-Qualität aus artgerechter Haltung in der Region. Einfach dann, wenn wir wissen, dass es besonders gut ist und sich der Koch nicht nur bei der Zubereitung, sondern auch beim Einkauf Gedanken macht.
Generell gehört für mich eine gewisse Lockerheit zur bewussten Ernährung. Bewusst sein heißt auch, sich klarzumachen, dass es um die Regel und nicht um die Ausnahme geht. Zu Hause essen wir nur Vollkornbrot, beim Franzosen darf es aber ruhig ein frisches Baguette sein. In Deutschland essen wir vielleicht einmal im Monat Fisch. Beim Inselurlaub fast jeden Tag. Wir sind also konsequent inkonsequent und werden es wahrscheinlich auch bleiben. Passen unser Essen der Region und der Saison an.
Allen militanten Veganern empfehle ich, ihr Umfeld mit anschaulichen Informationen zu bereichern, statt mit Sturheit und Unverständnis. Mein Rat an ignorante Fleischesser lautet dagegen: Wenn Ihr schon kein Mitgefühl für die Tiere habt, die Ihr Euch zwischen die Zähne schiebt, dann entdeckt wenigstens den gesunden Egoismus und verlängert Eure Lebenszeit mit ausgewogener Ernährung. Bleibt neugierig, erweitert Euren Horizont und lasst der Kreativität am Herd freien Lauf.
In diesem Sinne wünsche ich Euch Guten Appetit!
Veröffentlich im PIER F Magazin. Download unter http://pier-f.de/pier-feuilleton/
Beautiful illustration/design for a flower shop by TBWA, Istanbul: http://adsoftheworld.com/media/print/kanukte_flowers_las_vegas
Surreal beauty by Oleg Oprisco
A visit at Jonas Kecskemethy's residency as a chef @ Vida Mar, Punta Hermosa, Peru Music "MIRAFLORES" produced by Chris Schwarzwälder (facebook.com/cschwarzwalder) Vocals bei Jo.Ke (facebook.com/Jo.Ke.music)
Illustrations by Agnes Szczesny
Funny and beautiful designed teset by Esther Horchner
ZEN IM ALLTAG
Für alle, die wissen wollen, was ZEN-Meditation mit Enten-Fahren, Wasserkochen, tiefgefrorenem Spinat und einem unentdeckten Supermodel zu tun hat.
Es muss ungefähr fünfzehn Jahre her sein. Auf der A661. Ein sonniger Tag und das übliche Kuddelmuddel im Kopf. 1000 Gedanken. Das ganz normale Wirrwarr des Lebens. Der Job als Werbetexter in der Agentur. Die Träume als Musiker. Irgendwas mit Liebe. Das nie aufhören wollende Fernweh. Unzählige unrealisierte Lebenskonzepte und Ideen im Kopf, bei denen selbst heute, fünfzehn Jahre später, die Ich-male-mir-mein-Leben-Dampfplauderer in den Cafés am Prenzlauer Berg einpacken könnten.
Ich also auf der Autobahn. Die Boxen unter dem Sitz auf voller Lautstärke. Fuhr im Autopilot. Für alles einen Kopf, nur nicht für die Straße. Das Gaspedal durchgedrückt. Der Tacho zeigte fast volle 120 km/h. Mehr packte die rote Ente nicht.
Dann die Erinnerung. An das Buch. Ein kleines Taschenbuch. Hardcover. Wenige Seiten. “Die Kunst des Bogenschießens”. Eine Einführung in den ZEN-Buddhismus. Die Kernbotschaft: Tue nur das, was Du gerade tust. Nichts anderes. Der Alltag als endlose Meditation. Jeden Moment bewusst wahrnehmen. Möglichst keine Ablenkung. Hatte das Buch gerade Tage vorher verschlungen. Mein erster Kontakt mit dem ZEN-Buddhismus. Und jetzt war es an der Zeit das erlangte Wissen anzuwenden.
Stellte die Musik aus. Kam zurück zu mir. Schaltete nacheinander auch alle Monitore im Kontrollraum des Kopfkino-Centers aus. Schaute nur noch auf die Straße vor mir. Voll fokussiert. Jede meiner Lenkbewegungen war bewusst und kontrolliert. Keine Gedanken mehr an die To-Do-Listen in der Agentur. Keine Gedanken mehr an die Chancen als Nachwuchs-Songwriter für ehemals erfolgreiche Euro-Dance-Produzenten. Keine Gedanken mehr an diese Frau, die nicht zu mir passte. Keine Gedanken mehr an die Weltreisen-Pläne. Nichts. Nur das röchelnde Rasseln des Enten-Motors, die auf dem Asphalt surrenden Reifen, der durchs Stoffdach ziehende Wind, die Sommersonne, meine Hände am Lenkrad. War bereit. Bereit ein Buch zu schreiben. Sein Titel: "Die Kunst des Entenfahrens."
Ab diesem durch und durch bewusstseinserweiternden Moment waren Meditation und Buddhismus immer mal wieder im Hinterkopf, mehr noch: ich spürte die Sehnsucht in mir, mich mehr damit zu beschäftigen. Aber der Alltag, diese Hydra, schob sie konsequent zur Seite.
Bis ungefähr zwei Jahre nach dem Enten-ZEN-Moment auf der 661. Hatte erfahren, dass es im ZEN-Zentrum in Sachsenhausen einen Einführungsabend gab. "Bequeme Kleidung" wurde empfohlen. Darüber hinaus gab es keine Grundvoraussetzung. Packte mir also meinen besten Trainingsanzug ein und machte mich auf den Weg.
Das verständnisvoll lächelnde Empfangskommitee bestand aus einer bunten Mischung: der beim Handshake aus Mund und Achsel duftende Herr Ende vierzig, alleinstehend, Kontakt mit Mann und Frau suchend, Typ Gymnasiallehrer. Dann eine Augenkontakt vermeidende, deutlich übergewichtige Dame, Typ Hausfrau, schmuckvoll in Pastellschattierungen gekleidet. Dann ein sehr sehr entspannter, durchtrainierter und frisch rasierter Sandalettenträger in meinem Alter, der direkt vom Free-Climbing zum ZEN-Schnuppern gekommen schien (Seine Fingernägel waren noch ganz schwarz, wahrscheinlich vom in-den-Fels-krallen). Und ein unentdecktes Supermodel, Typ blassfales Fabelwesen mit weißblonden langen Haaren, blauen Augen, blonden Wimpern, die vor der Tür noch eine Zigarette rauchte und am Rest ihrer Fingernägel kaute. Neben den eben Geschilderten gab es noch eine handvoll Gestalten, die sich über die Jahre in Erinnerungslücken verwandelt haben.
Der Zeremonienmeister begrüßte uns alle ganz herzlichst. Und als wir uns in die bequemen Klamotten geworfen hatten (ab diesem Moment hoffte ich, dass die Meditation durchweg mit geschlossenen Augen stattfinden würde. Nicht wegen dem mit Tank-Top und ohne BH gekleideten, bisher unentdeckten, Supermodel, sonden wegen den anderen Gestalten), erklärte er uns die Basics des Buddhismus. Wenn ich richtig verstanden habe, gibt es so etwas wie eine Wiedergeburt und wenn es schlecht läuft wird man als Kukaracha in einem vom Veterinäramt geschlossenen Motel irgendwo am Ende der Welt wiedergeboren. Oder als süßes Äffchen, dessen Hirn bei lebendigem Leibe von irgendwelchen Chinesen ausgelöffelt wird. Und wenn es gut läuft, wirst Du als Ryan Gosling wiedergeboren oder als vergöttertes Schoßhündchen von Scarlett Johansson.
Die Grundzüge der ZEN-Meditation sind dabei im Wesentlichen ganz einfach. Auf dem Weg zur Erleuchtung geht es Tage, Monate, Jahre und mitunter mehrere Inkarnationsstufen darum, zu lernen an nichts zu denken.
Wir setzten uns in den Schneidersitz und versuchten so gerade wie möglich zu sitzen ohne einen Rückenkrampf zu bekommen, auf unseren Atem zu hören und unseren Körper zu spüren. Das blasse, bisher noch unentdeckte Supermodel atmete so laut, dass in mir die Frage aufkam, ob sie wohl wegen ihres Atmens schon mal Ärger mit den Nachbarn in ihrer WG bekommen hatte, besonders im Falle von nicht auszuschließendem gelegentlichen Herrenbesuch.
Was mir aber tatsächlich bis heute noch durch und durch positiv in Erinnerung geblieben ist, ist die Abschluss-Meditation: Wir saßen mit dem Gesicht zur Wand und der Zeremonienmeister wies uns darauf hin, dass wir jetzt fünfzehn Minuten versuchen würden an rein gar nichts zu denken. Zur Erleichterung der Übung sollten wir einen Punkt am Boden vor uns oder an der Wand fixieren.
Mit den schlimmsten Befürchtungen begann ich die Meditation. EINE VIERTEL STUNDE!!!!??? Habt Ihr schon mal eine viertel Stunde auf einen Bus gewartet? Eine viertel Stunde ist beim Nichtstun eine halbe Ewigkeit. Oder? Wenn einem eine viertel Stunde an der Bushaltestelle, wo Autos, Passanten, Mobiltelefone und andere Dinge zur Ablenkung einladen, schon wie eine Ewigkeit vorkommt, wie würde es dann sein, wenn man dabei in einem Hinterhof in Sachsenhausen sitzt und an die Wand starrt?
Die Wirkung dieser kleinen ZEN-Übung war ebenso überraschend wie beeindruckend: Mir ging es großartig! Auch, oder gerade weil ich einen schier aussichtslosen Kampf gegen kommen- und gehende Gedanken austrug, piepste die weiße Küchenuhr des Zeremonienmeisters nach gefühlten fünf Minuten und als ich mich im Anschluss direkt mit dem Hinweis auf eine Verabredung davon schlich, taten mir zwar meine Gebeine vom langen Sitzen weh und ich lief etwas ungelenk, aber mein Geist war von einem Anflug neuer Leichtigkeit beflügelt, einer gewissen Sortiertheit, die ich in den Tagen zuvor noch vergeblich gesucht hatte.
Warum ich es bis vor Kurzem nicht schaffte, an die ersten Schritte auf dem Weg zur Erleuchtung anzuknüpfen, ist mir bis heute schleierhaft. Vielleicht die Angst, als Schoßhündchen wiedergeboren zu werden?
Es dauerte bis in den Sommer 2013, als mir das Buch “Die Kunst ein kreatives Leben zu führen” in die Hände fiel, bis mir klar wurde, dass ich der buddhistischen Meditation endlich wieder mal eine Chance geben würde.
Eine der vielen guten Kernbotschaften des Buches ist, dass wir uns - ähnlich wie bei einer Zigarettenpause, nur viel gesünder - immer wieder Zeit nehmen sollten, um durchzuatmen und zu entspannen. Zum Beispiel mit einer Tee-Pause. Dabei sollte man dann keinesfalls noch zig andere Dinge erledigen oder gleichzeitig noch den Facebook-Account checken, sondern vom Wasserkochen bis zum Tee-Schlürfen einfach nur seiner eigenen privaten kleinen Tee-Zeremonie beiwohnen. So weit so gut.
Während ich mit dem 1,7 Liter Büro-Wasserkocher mein Wasser kochte, stand ich daneben und starrte ihn an. Hilflos und gefangen. Die Stimme des Buches im Hinterkopf. Mir nahezu bewusstseinserweiternd bewusst, dass ich während das Wasser von null auf hundert Grad erhitzt wurde auf keinen Fall mein Mobiltelefon in die Hand nehmen dürfte, sonst wäre der ganze meditative Effekt der Tee-Zeremonie von Beginn an für die Katz.
Stand also vor dem riesen Wasserkocher und schaffte es ungefähr zehn Sekunden bis ich es einfach nicht mehr aushielt sinnlos rumzustehen und mich Spiegel.de, Bild.de und Facebook widmete. So eine schändliche Niederlage! Lieber Buddha, nimm es mir nicht übel, aber ich glaube Deine Lehren sind nicht für Plastikwasserkocher gedacht!
Auch bei Phase zwei der Tee-Zeremonie stieß ich bald auf Hindernisse.
Stellte mich mit einer frischen Tasse ans einfach verglaste Altbaufenster, genoss die Ruhe, schaute den frisch gebackenen Muttis hinterher, wie sie in Horden fröhlich und vergnügt ihre Kinderwägen durchs Nordend schoben und verbrannte mir gedankenverloren die Lippen, weil der Tee noch viel viel zu heiß zum Trinken war.
Stellte die Tasse neben den Rechner und genoß es, mich bei der Arbeit von der Tee-Zeremonie zu erholen, während ich mir eine Packung tiefgefrorenen Spinat (was anderes war in der Tiefkühltruhe nicht zu finden) zur Abkühlung an die Lippen hielt.
Doch der ewig Suchende lässt sich nicht aufhalten. Ein jetzt in Afghanistan für die GIZ arbeitender ehemaliger freier Mitarbeiter (Was hatte ich ich ihm nur angetan, dass er in den Bombenterror flüchtete?) empfahl mir vor einiger Zeit, mir mal zwei Mediations-Apps für das iPhone anzuschauen. Sein Link zu einem Artikel pries vor allem zwei digitale Zeremonienmeister an: “Headspace” und …. “Buddhify”.
Buddhify hört sich so bekloppt an, dass es schon fast wieder gut ist, und verspricht dem sich ständig in Bewegung befindenden urbanen Hipster die Meditation im Alltag, die “Meditation to go”. Nach “Coffee to go” sind wir also jetzt bereits dort angekommen, wo wir - statt wirklich zur Ruhe zu kommen - die Meditation dann einschalten, wenn wir in Bewegung sind, im Zug sitzend, laufend, im Gym auf der Hantelbank hängend oder ausnahmsweise mal: zu Hause. Den Gedanken an sich fand ich nicht unbedingt schlecht, schließlich hatte ich bereits gelernt, dass das ganze Leben Meditation sein kann.
Ich gab Buddhify eine Chance und startete ganz konservativ auf der Couch liegend: Nach dem üblichen Ein- und Ausatmen führte die Meditation wieder zu diesem “an gar nichts denken”-Ding mit einer entscheidenden Variante: immer wenn einem auffällt, dass man den Faden verloren hat, soll man laut “I’m back” sagen und sich wieder auf das “an gar nichts denken” konzentrieren. Um einem das “I’m back”-sagen zu erleichtern, machte es der Zeremonienmeister vor und sagte in unregelmäßigen Abständen: “I’m back!”.
Ist ja ein netter Zug. Brachte mich nur jedes mal wieder raus, weil ich darüber nachdenken musste, woher er denn zurück sei und mir dann einfiel, dass ich ja an nichts denken sollte und dann selber immer wieder “I’m back” sagte, so lange, bis meine Freundin irgendwann in der Tür stand und fragte, ob alles ok sei. Da ich aber Kopfhörer auf hatte und selber wohl gleichzeitig “I’m back!” sagte, hörte ich sie nicht, so dass sie sich tierische Sorgen um meinen Geisteszustand machte und mich an den Schultern rüttelte, während ich noch auf dem Sofa lag und versuchte an nichts zu denken. Ihr könnt Euch vorstellen, dass es eine ganze Weile dauerte, bis ich ihr das gesamte Ausmaß der Situation erklärt hatte.
In den folgenden Tagen versuchte ich die Meditation, die Fokussierung auf den Augenblick, das Anti-Multitasking im Alltag umzusetzen und jeden einzelnen kostbaren Moment hochleben zu lassen. Konzentrierte mich zum Beispiel voll und ganz auf das Spülwasser, das wie von Gott geschaffen aus dem Spülschwamm floss. Auf die unzähligen vielen bunten Socken, die von der Wäscheleine in den Wäschekorb wanderten. Auf die kostbaren Momente der Stille und des Innehaltens im zermürbenden Stop-and-Go-Verkehr.
Möchte Dich einladen es mir gleich zutun. Lass uns ein Bündnis schließen und wenn dieser Text endet einen Moment der Ruhe einlegen, dieses “an gar nichts denken”-Ding einfach versuchen. Und sollten wir dabei von irgendeinem Gedanken gestört werden, werden wir uns zurück begeben an diesen persönlichen Ort der Inspiration, der Stille, des “an gar nichts Denkens” und laut sagen:
I’m back!
Paintings by Matthias Holz at Galeria Tristan Lorenz, Frankfurt
"A Formula of Happiness" by Brian Rea
Illustrations by Alexa Chung