seen from United States

seen from Türkiye

seen from United States

seen from United States

seen from United States
seen from Ireland

seen from Italy

seen from Italy
seen from France
seen from China
seen from United States
seen from China
seen from China

seen from Yemen
seen from Ukraine
seen from China

seen from United States

seen from United States
seen from United States

seen from Italy
Der Wunsch der Verlegerin, Lektorin und Herausgeberin Christiane Frohmann, ein „emergierendes public image des Todes, ein plausibles Gattungsbild, zusammengesetzt aus ganz vielen Detailansichten“, zu erschaffen, hat sich bereits mit den drei publizierten Versionen der Anthologie erfüllt. Mehr noch: Das digitale Projekt hat Züge des Erhabenen, die so gar nicht zum permanenten Posten der netzaffinen Szene zu passen scheinen, weil sie übermächtige, somit leichter zu verschweigende denn zu beschreibende Erfahrungen bezeugen.
Elke Heinemann, Tausend Twitter-Tode Literarische Grenzerfahrungen mit dem digitalen „Work in Progress“, in: FAZ, 10. Februar 2016
Tausend Tode schreiben
›Tausend Tode schreiben‹ ist das erste kollaborative und versionierte E-Book im deutschsprachigen Raum, vermutlich auch auf der Welt. Es ist ein Schreib- und Publishingprojekt, das von Anfang an so gedacht ist, dass es immer wieder seine Regeln verändert, weil es beispiellos ist, also keinem Masterplan folgen kann. Fest steht: Die Texte sollen nicht länger als 3.000 Zeichen sein, Ton und Stil sind frei wählbar, der Text muss ohne aufwändige Formatierungen auskommen, denn alles wird linksbündig gesetzt.
Die Veröffentlichungssequenz aber wird durch professionelle und persönliche Umstände und Erfahrungen der Mitwirkenden, mitunter auch durch gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst: So musste die letzte Version wegen eines Datencrashs im Hause Frohmann verschoben werden, sank vorübergehend die Zahl der Texteinreichungen, als die Diskussion um die Geflüchteten alle Medien zu bestimmen begann und wurde das Gefühl von Verlegerin und auch Lesenden, dass überdurchschnittlich viele Menschen in mittleren Jahren mitwirken in einen Kurswechsel beim Textsuchen über- und konkretes Schulprojekt mit Preteens durchgeführt, aus dem heraus ganz wunderbare Beiträge entstanden sind. (Diese werden in der nächsten Version erscheinen.)
Was der Tod ist, kann man nicht wissen, aber ich hatte den Eindruck, dass so ein kollaboratives Sichannähern eine extrem interessante Ergänzung zur Arbeit einzelner zum Thema forschender Wissenschaftler sein könnte: so etwas wie ein emergierendes public image des Todes, ein plausibles Gattungsbild, zusammengesetzt aus ganz vielen Detailansichten. Es sind Texte in allen Sprachen zugelassen, aber weil ich das Projekt möglichst wenig steuere und es ja trotzdem von mir als Person ausgeht, sind die meisten Texte auf Deutsch.
Die Mitwirkenden sind schnell sehr aktiv in den Kommunikations- und Produktionsprozess mit eingestiegen, das jeweils aktuelle Exposé wird ohne Anforderung sehr oft geteilt – #1000Tode trendet dann sogar auf Twitter –, Menschen holen andere hinzu, weil sie den persönlichen und auch gesellschaftlichen Wert des Projekts sehr hoch einschätzen. Die Mitwirkenden helfen auch beim Lektorat bzw. Korrektorat, es ist ganz unglaublich, wie viel Engagement einzelne Personen da unaufgefordert aufbringen.
Auf die Idee zu #1000Tode bin ich gekommen, weil ich ursprünglich selbst ein Buch mit tausend Texten über den Tod schreiben wollte, mir dies dann aber sehr anachronistisch vorkam: Warum Jahre mit der Recherche bzw. Fiktion zubringen, wo doch fast jeder Mensch eine Geschichte zum Tod mit oder in sich sich trägt? Und wozu habe ich denn das Netz und die vielen denkenden und schreibenden Menschen um mich herum? Zunächst habe ich direkt gefragt oder Menschen, denen ich vertraue, gebeten, andere zu fragen, Menschen, die beruflich oder privat mit dem Tod zu tun hatten oder haben. Für die zweite Version habe ich das Exposé dann im Netz veröffentlicht. Mittlerweile frage ich wieder lieber direkt, das senkt die Zahl der eingereichten Gedichte mit tickenden Uhren – Texte abzulehnen ist die einzige Sache, die ich wirklich schlimm finde. Ich lehne wenige Texte ab, aber mitunter bitte ich um weitreichende Änderungen.
Persönliche, zumindest dem Anschein nach autobiografische Texte kommen bei den Lesern am besten an, ich verzeichne sogar eine latente Aggressivität gegenüber fiktionalen Beiträgen, besonders wenn diese grotesk im Ton sind. Der in Mails an mich ausgesprochene Vorwurf lautet hier, dass die Verfasser sich nicht richtig einlassen. Deshalb haben einige Autoren ihre Texte noch einmal ausgetauscht oder planen es. Diese Freiheit räume ich allen ein, solange das Projekt läuft. Persönlich freue ich mich aber, dass ganz unterschiedliche Texte im Buch sind, ich mag als private Leserin natürlich auch nicht jeden Text gleichermaßen. Darin liegt für mich aber ein eigener Reiz: etwas zu veröffentlichen, das beim Lesen unterschiedliche Gefühle und Meinungen erzeugt. Jeder Leser hat andere Texte, die ihn packen, kaltlassen, verärgern. Ich will kein tröstliches Dutzidutzibuch über den Tod machen, sondern die Vielfalt der Blicke abbilden. Man kann ›Tausend Tode schreiben‹ natürlich auch als Literaturkritiker lesen und einzelne literarisch starke Texte hervorheben, aber dies ist eben nur eine von vielen möglichen Lektüren.
Teil meines verlegerischen Experiments ist, bis zum Abschluss der Arbeit keine klassische Pressearbeit zu machen. Das Projekt kommuniziert sich selbst: Journalisten und Blogger sind im Netz darauf aufmerksam geworden, haben in der NZZ, im WIRED-Magazin, im Deutschlandfunk sowie in vielen, vielen Blogs berichtet und sind dann meist, das ist wirklich bemerkenswert, über kurz oder lang noch mal mit einem eigenen Text für das Buch wieder aufgetaucht.
Der Autor- und Herausgeberanteil wird an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin gespendet, bisher ist allerdings trotz des riesigen Interesses noch nicht so viel zusammengekommen, dass es in einem zufriedenstellenden Verhältnis zur investierten Arbeit steht.
Liket also nicht immer nur rum, kauft und lest es. Wenn ihr bei Minimore kauft, landet besonders viel bei uns aka beim Sonnenhof. Wisset: Wer eine E-Book-Ausgabe von ›Tausend Tode schreiben‹ erwirbt, bekommt die jeweils neuere Version gratis. Die einzelnen Shops haben da unterschiedliche Verfahrensweisen, zum Teil leider absurd komplexe. – Minimore mailt von Hand, also zuverlässig. – Wer anderswo Probleme hat, kann mir gern einen Kaufbeleg mailen und bekommt die neuere Version dann direkt von mir.
Ich habe Ende letzten Jahres die ersten Umsatzanteile gespendet und privat etwas draufgelegt, weil es mir zu schäbig vorkam. Nicht zuletzt deshalb wird nach Abschluss der redaktionellen Arbeit, also wenn tausend Texte zusammengekommen sind, eine Printausgabe folgen.
Mir geht es beim Thema E-Book nicht ums Rechthaben: Wenn ein schönes E-Book nicht genug gelesen wird, wird es eben auch noch als Buch herausgegeben. Trotzdem muss man wissen, dass ›Tausend Tode schreiben‹ mir nur als E-Book einfallen konnte und dass es nur als versioniertes E-Book entstehen kann. Wie toll ist das denn bitteschön, beim Mitlesen ins Mitschreiben zu geraten und ein Buch beim Werden zu begleiten.
›Tausend Tode schreiben‹ scheint, gerade weil ich es nicht allein verfasse, so etwas wie mein Lebenswerk zu werden. Als Verlegerin und Herausgeberin nehme ich mir dabei heraus, ab und zu einige Wochen gar nicht daran zu arbeiten, ja sogar zwischendurch nicht wie gewohnt schnell zu kommunizieren: Der Grund ist, dass mir dieses Projekt sehr viel abfordert: konzeptionell, organisatorisch, zeitlich, sozial und – ja – emotional. Ich bin ein Einpersonenverlag, Mutter, Mensch. Glücklicherweise verhalten sich fast alle Mitwirkenden wunderbar verständnisvoll und zurückhaltend. Deshalb macht uns dieses Buch wohl auch als Gemeinschaft glücklich.
Die verschobene Version kommt bald, mir fehlen jetzt nur noch ein paar der beim Crash verlorenenen Adressen und Texte. Den genauen Termin poste ich dann überall. Das ist aber kein Grund zu warten: Es ist immer der richtige Moment, bei ›Tausend Tode schreiben‹ lesend einzusteigen.
Mails mit neuen Texten, freundlichen Erinnerungen an ältere Texte, Bitten um aktuelle Versionen, Kritik bitte an cf at orbanism com.
Adventskalender 22: 1000 Tode schreiben
empfohlen von Dr. Thomas Ernst, Literatur- und Medienwissenschaftler
Momentan interessiere ich mich besonders für Texte, die nur digital entstehen und bestehen können. Unsere Essener „Digitur“-Redakteurinnen und mich hat in diesem Jahr besonders das Projekt „1000 Tode schreiben“ von Christiane Frohmann begeistert, die in ihrem gleichnamigen Verlag mit E-Books experimentiert. Das Ziel dieses Projekts war es, 1000 Geschichten von Autorinnen und Autoren zu versammeln und diese in mehreren Schritten zu bündeln und zu veröffentlichen – und den Tod so zu etwas gemeinsam Beschriebenem und Erlesenem zu machen. „Ökonomisch sind meine Projekte oft ein Desaster, aber von der persönlichen Erfüllung her unbezahlbar“, hat die Herausgeberin in einem Interview gestanden. Vielleicht wäre das auch eine erfüllende Beschreibung für unsere Zeit vor dem Tod.
Weitere Lese-Empfehlungen (Bücher, Texte, Longreads) aus dem Jahr 2015 im Adventskalender und unter #langstrecke. Noch mehr lange Lesestücke jetzt am Kiosk: in Süddeutsche Zeitung Langstrecke 4/2015
wahre Freunde sind immer für Dich da
wahre Freunde sind immer für Dich da
Ich lief durch die Stadt Warum weiß ich nicht mehr tief verzweifelt todtraurig depressiv nicht mehr leben wollend Dann klingelte mein Handy. Eine Freundin war dran. Sie hatte wohl das Gefühl gehabt, dass etwas nicht stimmt. Worüber wir sprachen weiß ich nicht mehr, aber ich hielt das Gespräch wohl ziemlich kurz. Sehr überzeugend kann ich nicht gewesen sein bei dem Versuch, so zu tun als sei…
View On WordPress
Die Rakete war klapprig, aus Pappe etwa, vielmehr wohl aus jenem dünnen rostzerfressenen Blech sozialistischer Spielplätze, selbst von Kinderhand biegbar. Was daran etwas glänzte, kann Stanniol gewesen sein. Sie war rund, oben spitz, und eng, nur ich passte hinein. Wie groß ist man mit sieben? Vor allem stand sie einfach bereit. Die Landung und jeder Schritt wirbelte Silberstaub auf, langsam und…
View On WordPress
Michael - Du gingst lächelnd und kamst nie mehr zurück
Michael - Du gingst lächelnd und kamst nie mehr zurück erste gedankliche Auseinandersetzung zum Thema #1000Tode
Ich lernte Michael in der Therapie kennen Nein, ich tabuisiere das Thema nicht. Warum auch? Es half mir…nicht sofort, aber langfristig. Schließlich lebe ich immer noch Zurück zu Michael… Er war ein paar Jahre älter als ich, ca. Mitte bis Ende 30 getrennt lebend, zwei Kinder äußerlich immer fröhlich, freundlich, immer nen lockeren Spruch auf den Lippen Aber, wie ich, wegen Depressionen und Ängsten…
View On WordPress
Der Tod
Mir ist es selber passiert, mein Opa ist gestorben, ich habe seine kalte Leiche gesehen und angefasst, es ist kein schönes Erlebnis, wenn der erste Tote, den man sieht, der eigene Opa ist. Meine ganze Familie stand im Krankenhaus neben seiner Leiche. Es fühlte sich schon etwas komisch an neben dem Toten, aber eigentlich war mein Opa ja schon ganz woanders, deshalb hab ich mir seinen Körper auch hohl vorgestellt – man kann es nicht beschreiben, der Tote wird blass und kalt, ein anderer Mensch, den man davor nicht kannte. Mein Opa musste noch eine lange Reise machen, bevor er begraben wurde. Er wurde in ein Kühlfach geschoben und da wartete er ein paar Tage, bis man ihn in die Moschee brachte. Da konnte ich ihn das letzte Mal sehen. In der Moschee beteten alle vor seinem Sarg und dann begann schon die Reise in die Türkei. Alle seine Kinder sind mitgeflogen, um ihn in seiner Heimatstadt zu begraben und dort von ihm Abschied zu nehmen. Zum Schluss kam er dahin, wo alle Menschen hingehören, in die Erde. Meine Familie war erleichtert, nachdem sie ihn begraben hatten, weil er nun in Ruhe schlafen kann.
Aysima, 12 Jahre