franziska großhirsch ist schriftstellerin, allerdings recht erfolglos. als sie ihrer agentin dann plötzlich ein neues manuskript vorlegt mit dem titel das seil stellt sich erfolg ein und sie gewinnt den wichtigsten literaturpreis des landes, den bisher immer ihr großes vorbild gewann. ein preis, der gut dotiert ist, und so stehen dann gleich eine menge leute schlange, die meinen, sie hätten ein recht auf einen nicht geringen teil des preisgeldes... ihre tante hilde, die sie aufgezogen hat, nachdem ihre mutter abgehauen ist - eine schreckliche person, die gar von franziskas lieblingsmenschen, ihrem Großvater, enterbt wurde ob ihrer unmenschlichkeit. wäre ihr opa doch bloß noch am leben, doch wäre dann das manuskript, ... ihr großvater war immer da für sie und ihren cousin martin, genauso wie das manuskript, das er hinterlassen hat... ihr freund, nun ex, will auch so einiges jetzt im moment des sieges, immerhin lebten sie in eheähnlicher gemeinschaft und natürlich meldet auch die agentin ansprüche. franziska versucht sich zurückzuziehen, zumindest bis zur preisverleihung - dem absoluten höhepunkt ihrer karriere?
anna herzig legt mit das seil einen roman vor, der sich in null komma nichts gelesen hat - natürlich ist das seil mit seinen etwa 110 seiten nicht besonders lang, aber noch dazu ist es so süffig geschrieben, dass man in einem rutsch durchlesen möchte und sich diesen wunsch ganz einfach erfüllen kann. es ist eine wunderbare, tragikomische geschichte, die bis zum schluss hin einen absurden gipfel erklimmt und den leser dabei jederzeit mitnimmt - der aufstieg ist nicht allzu anstrengend, ein tee begleitet ihn gut. all das macht diesen roman zu einem erfrischenden lesevergnügen mit so einigen schrulligen akteuren - es sind eben gerade nicht max und erika mustermann, die im roman an franziska großhirschs tür klopfen, um ihren anteil einzufordern...