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Will auf und davon und nie wieder kommen.
Casper
Der Aufbruch der Person
1.
In den letzten Jahren blühen und welken Literaturen zu Recht und Bild. Einer der Linien, der dabei nachgegangen wird, ist der Aufbruch der Person (des Subjektes und des Menschen auch). Das ist ein Aufbruch, der an und durch die Person (an und durch das Subjekt, an und durch den Menschen) stattfindet.
Darum ist das ein vielfacher Aufbruch. Von einer Fragmentierung der Person (des Subjektes oder des Menschen) würde ich nicht sprechen. Das Fragment starrt zur Totalität - und stellt mir zu offene, zu weite oder zu allgemeine Fragen, zuviel amerikanische Totale. Das Fragment bricht apollinisch aus allein seinen Rändern aus wie ein Stern. Da ist keine Stelle, die nicht nicht sieht. Du solllst sein Leben ändern. Und wenn nicht, ändert es dich. Wenn Gesetzgeber Apoll fragmentiert, was ist mit Dionysos? Was ist dann mit dem Rauschen? Dann muss man auch Zerstreuung beschreiben, die keine Fragmentierung ist. LSD fragmentiert ja auch nicht.
Aufbruch würde ich als Geschichte der Normativität, also aus den Operationalisierung von Differenz heraus erzählen. Weil ich unter Differenz schon dasjenige verstehe, zu dem nichts weiters gesagt werden soll, als das Differenz vorgeht, kontrahiert und distrahiert und weil ich voraussetze, dass die Operationalisierung von Differenz Differenz nicht stillt, dafür aber Umgang schafft, würde ich den Aufbruch als Zerstreuung und die Zerstreuung ebenfalls als etwas beschreiben, was kontrahiert und distrahiert. Meine Beschreibungen kommen aus der Unruhe, erfolgen aus Unruhe und zielen nicht darauf ab, Unruhe zu beenden.
Der Aufbruch der Person bedeutet nicht, dass die Person sich vermehrt oder vermindert. Der Aufbruch der Person kann vom Selben durchzogen sein und das Selbe durchziehen, auf seltsamen, nicht einfachen, vielleicht vaguen, kreisenden, verschlungenen oder elliptischen Routen, vielleicht sprunghaft. Der Aufbruch der Person (von der ich im folgenden spreche, auch wenn das gesagte auch für Subjekte oder Menschen gilt) bedeutet nicht, dass früher eine oder die Person noch bei sich war und nun verlustig, freier, offener, poröser, ungebundener, exzessiver wurde oder dass die Person mehr Denk- und Spielraum, überhaupt mehr Raum oder auch nur mehr Moglichkeiten, etwa mehr Konflikte bekam.
Was hat es den Fischen gebracht, dass sie so wundersam vermehrt wurden? Ob Bilderflut oder Asylantenflut, ob Gesetzesflut, Bücherflut oder nun auch wieder einmal apokalyptisch strafende Wasserflut: Von Vermehrung wird vermehrt gesprochen, aber ich tue das nicht, wenn ich von Aufbrüchen spreche. Ich spreche nicht einmal von der Steigerung von Komplexität. Ich spreche von Aufbrüchen, die aus sedimentärer Geschichte kommen, also aus Haufen, die schon in der Antike Haufen waren, wenn wohl auch haufenweise andere Haufen. Der Aufbruch geht los, wird los, sitzt los, ist los, war los.
2.
Wir haben am MPI einen Schwerpunkt zur Multinormativität und zur multiplen Rechtstheorien, zu multidisziplinären Rechtstheorie zum Beispiel. Ich unterstelle nicht, dass wir damit Hüter oder Beobachter der Vermehrung, zum Beispiel einer Pluralisierung oder Fragmentierung wären.
Einen mir wichtigen Ansatz hat Thomas Vesting zum Aufbruch der Person. Er hat ein Buch über gleich drei Personen geschrieben, den Gentleman, den Manager und den Homo Digitalis. Er spricht von der Person auch im Medium des Persönlichkeitsideals - und schreibt nicht nur dazu, sondern zeigt dazu ganz unterschiedliche Fotos, teilweise sogar Fotos von Malerei, von einer Grabstätte und von Drucken. Anders als ein Text, der älter ist, nämlich ein Text von Böckenförde zum Menschenbild der Verfassung ist Vesting Ansatz nicht katholisch (sondern durch und durch protestantisch), er setzt dazu nicht an der ganzen Person an, nicht an der Person, die ganz ist, nicht allumfassend. Er setzt an Personen an, die statt allumfassend zu sein, aufgebrochen sind - und stellt sie auch in einem zweiten Sinn als Personen vor, die aufbrechen - sprich: die Zukunft einholen sollten. Man kann seinen Ansatz als Geschichte von Personen lesen, die etwas voran brachten oder vorgingen. Man kann das als Theorie produktiver, von mir auch auch kreativer Personen lesen. In beiden Fällen wäre Vestings Blick ein Blick auf Geschichte und Theorie relativ fortschrittlicher und relativ fortschreitender, immer noch bürgerlich züchtiger und zahmer Personen. Keine Systemsprenger, weder Marat noch David, weder Cathy Berberian noch John Cage, weder Rosa Parks noch jene Frauen des Februars 1917, die aus St. Petersburg kurze Zeit Petrograd machten. Keine Revolutionärinnen, keine Haitianer oder Maoisten, kein Lenin, aber auch kein Avantgarde, keine Streikerinnen, keine Säufer, keine Ersaufenden, auch keine, die das Weltbild verkehrt hätten, keine Laboranten, schon gar keine Animalischen.
Der Ansatz stellt mir Fragen, ist mir also interessant, weil Vesting damit auf das reagiert, was ich den Aufbruch der Person nenne.
Ob man zu der Vorstellung einer ganzen, allumfassenden oder - aus dem 19. Jahrhundert heraus gesprochen - systematisch platzierten, allgemeinen, neutralen und abstrakt gefassten Person zurück kommt, das will ich gar nicht ausschließen. Es ist die Frage, drängende Frage, gerade hat Berit Völzmann ihre tolle Antritsvorlesung auch diesem Problem gewidmet und es vorsichtig optimistisch und lässig gefasst.
Aber dieser Ansatz, der von Vesting, setzt doch konkret vermengt und in dem an, was ich Zerstreuung nenne (er aber einmal Fragmentierung, einmal Zerstreuung). Er hat sich für diese Auswahl entschieden in einem Text, von dem ich glaube, dass er damit das ius provocandi geltend machen will. Man kann immer anders ansetzen - und Vestings Buch gibt Schub für das Aufbrechen, gut so. Einem Buch vorzuhalten was nicht drin steht ist Ausdruck des Umstandes, dass einem fehlt, was man hat. Ich habe Vestings Buch passioniert gelesen, mir ist es durchaus zugestossen - und ich habe auf die Reize gereizt und reizend reagiert.
3.
Die letzten vier Wochen beschäftige ich mich mit einem Projekt von Eduard Buzila, der an einer Theorie des Flüchtlings arbeitet.
Der Flüchtling ist eine aufgebrochene Person. Ich würde diese Person auch als flüchtige Person und die wiederum als fügende Person beschreiben. Sie ist auf der Flucht und aus Flucht. Das wäre meine Definition. Flüchtling ist die aufgebrochene und aufbrechende Person, die flüchtige und fügende Person, eine unbeständige Person. Vielleicht gelten Flüchtlinge momentan, gegenwärtig oder aber zeitgenössisch als die aufbrechenden Personen schlechthin, gerade nicht im allgemeinen Sinne nämlich, aber im drängenden Sinne. Der Flüchtling ist Person, die fügt, an der aber ungesichert ist, ob sie sich oder etwas anderes als sich fügt - und die den Anlass gibt zu fragen, was man dieser Person sichern, für Sicherheiten und Freiheiten und Versicherungen geben soll.
Ich würde den Flüchtling als eine Person beschreiben, die nicht nur sich, sondern auch anders und andere(s) bewegt und die allem auch bewegt ist - und das alles auch noch auf unbeständige Weise.
Das alles hat mitArbeiten zu Recht und Gefühl zu tun, die Teil meines Interesses an Recht und Bild und an Kulturtechniken ist. Dazu habe ich einen u.a. Text über Albert Hellwig, die Suggestivkraft und das Kinorecht veröffentlicht- Das mag auf den ersten Blick fernliegend erscheinen: Asylrecht hier, Kinorecht da. Einmal Bewegung so, einmal anders.
Aber die Methode war, einen Autor in den Blick zu nehmen, zu unterstellen, dass er, wenn er über Suggestivkraft schreibt, über etwas schreibt, was Bewegung und in dem Sinne auch Affekt, Emotion oder Gefühl sein kann. Die Methode war weiter, sich nicht nur anzuschauen, was er sagt, sondern wie er es sagt und unter diesem Wie nicht nur juristische Methode (etwas Auslegungscanones ) zu verstehen, sondern Kulturtechniken. Was macht den Autor, was macht ihn sagen, was er sagt? Was ist die Technik, die durch den Autor läuft und durch die der Autor läuft?
Dazu habe ich dort und später in Anlehnung an Vismann den Begriff des Juridischen zu schärfen versucht, mache ich seit dem immer wieder. Mir hilft das, das reicht, Fragen zu formulieren und zu beantworten, die sich auch unformuliert mir schon stellen.
4.
Unter anderem habe ich mir angeschaut, wie Hellwig von einer juristischen Methode, die aus der Logik, Dialektik und Rhetorik kommt zu einer Schreibtechnik kommt, die aus der Medizin ud der Kausistik kommt: Fälle sammeln, Fälle preparieren (Fälle agieren lassen oder auf Fälle reagieren).
Ich habe mir auch angeschaut, wie sich sein Streitgegenstand, das Kino, erst in der Zeit bildet, in der versucht, den Gegenstand zu konturieren - und bin dabei auch auf Aufführungsorte oder Architektur, etwa Kneipe und Kirmes eingegangen. Der Autor, Hellwig, ist nämlich vielleicht immer noch Autor, abern nicht das allumfassende Subjekt - da kommen Quasisubjekte, Quasiobjekte ins Spiel, Dinge wie ein Kino, das dort werden sollte, wo Kneipe oder Kirmes war.
Die Methode der Kulturtechnikforschung hält mir mit ihren Autoren, etwas mit Krajwski, Gaderer, Köhler, Vismann, Siegert (oder man lese nur die Liste der Tagung in Helseinki!) wichtige Präzisionen und Anregungen parat, die auf Fragestellungen passen, die sich mit dem Aufbruch der Person stellen. Was ich in der Dissertation über Bildregeln gemacht habe, das drängte schon dazu, Bewegung - also auch Recht und Gefühl, mit Beschreibung der Kulturtechnik anzugehen, darum habe ich da auch auf Rhetorik gesetzt. diese Beschreibungen richten die Trennung zwischen Subjekt und Objekt nicht groß aus und folgen dem Dogma großer Trennung nicht. Ob Recht über Bilder oder Bilder über Rechte entscheiden, ob Richter von Bildern erfasst werden oder ob sie Bilder erfassen: Auch Kant widmet sich diesem Problem in der Urteilskraft, also in der Ästhetik und ihrem Umgang mit Affizierung und Affekt. Das ist trivial, denn: man ist nie alleine, immer machen andere, was man macht, immer sind andere auch von dem bedrängt, was einen bedrängt. Das einzige, was wir nämlich teilen, das sind Probleme, so will ich den Augangspunkt kritischer Theorie (und nicht nur kritischer Theorie) zuspitzen.
Kulturtechnikforschung macht, allgemein gesprochen [kicher!] das, was Kant macht, aber an Objekten, Subjekten und Verfahren, an den berühmten "Operationsketten", die nicht so ins System ostereiförmig ausgeblasen sind, wie das in der Systemphilosophie, im analytischen Diskurs und in der Systemtheorie der Fall ist. Das nutze ich. Die Arbeit zu Hellwig hat etwas angefangen, fertig ist das noch nicht. Im Moment ist zwar nicht das Kino an der Reihe, aber Warburg, und da ist auch vieles kinetisch, bewegt - in dem Fall auch Pathos, Passion und insoweit auch Emotion.
Die aufgebrochene und aufbrechende Person ist weder Herr im eigenen Haus noch im Recht souverän. Sie ist und bleibt bei allem Aufbruch weiter in Kräfte eingespannt, in Protokolle zum Beispiel. Die Kräfte und Protokolle, die quer zum Dogma der großen Trennung, quer zur Gescichte und Theorie westlicher Ausdifferenzierng laufen, die stellen mir (persönlich haftend und beruflich) besonders viel Fragen.
5.
Eduard Buzila vertritt in seinem Projekt die These, dass Arendt deshalb eine exemplarische Theorie des Flüchtlings entwickelt hat, weil sie Flüchtling war. Dazu rekonstruiert er ihren rechtlichen Status. Wie er das Konzept flüchtender Personen begrifflich und anschaulich, bildlich oder metaphorisch fasst, darauf bin ich sehr gespannt. Ambitioniert versucht Buzila sogar, seinen Ansatz emotionstheoretisch zu fassen - genauer gesagt auf die Literatur zum Rechtsgefühl, zur Urteilskraft und zum Judiz zu beziehen. May the force be with you, young padawan.
Diese Literatur ist in ihrem kanonischen Bestand, ich denke etwa an Kant, sicher auch auf aufbrechende und aufgebrochene Personen gerichtet (man schaue sich nur Kants Ausführung zum Gesetz und zur Triebfeder und die Kommentare zum Realen einer Illusion bei Alenka Zupancic an. Das Allgemeine ist im allgemeinen Sinne nicht nur allgemein, auch bei Kant nicht, der ist wohl alles andere als naiv. Buzila hat sich einen großen Bogen für seine Dissertation vorgenommen, eine weite Kurven, oder so: einen Julierpass vermutlich. Da kann er Schub gebrauchen, keine Hemmung. Er wagt viel, versucht auf ganz unterschiedlichen Feldern zu briliieren - von den Rechtswissenschaften über die Wirtschaftswissenschaften bis hin zu Sprachwissenschaften - und wagende Leute sind willkommen.
6.
Aus dem Atlas, dem Mnemosyneatlas Warburgs, lässt sich eine Geschichte und des Theorie des Flüchtlings extrahieren.
Warburg foscht zum Recht, weil er zum Distanzschaffen und dabei zur Unbeständigkeit, zur Polarität und zum Vaguen forscht. Er forscht zu Menschen, der flüchtend und flüchtig, der aber auch fügend ist. auch wenn das Fügen bei Warburg eher Kippsal als Schicksal ist. Seine Auseinandersetzung mit Fortuna/ Occasio ist ein Paradebeispiel für die Arbeit an Fügung, die polar ist und darum zwischen Aktion und Passion pendelt.
Das Beispiel, das ich oben zeige - eine Graphik, deren Stecher ich nicht namentlich identifizieren kann - die Graphik stammt aus einer Sammlung in New York, ist im 16. Jahrhundert gestochen worden. Sie zeigt ein Beispiel dafür, dass eine Person des Rechts, in dem Fall Justitia, damals auch als Fortuna und damit nicht nur vor dem Hintergrund des Unbeständigen, sondern auch auf Grund des Unbeständigen, auf unbeständigem Grund auftauchte.
Schon von da her fällt es mit schwer, den Aufbruch der Person als Fragmentierung, etwa als Verlust von Eindeutigkeit und als Zunahme von Mehrdeutigkeit zu beschreiben. Ich glaube nämlich nicht, dass, selbst wenn diese Graphik einmal, etwa im systematischenJahrhundert, im 19. Jahrhundert, vergessen worden sein sollte (sorry Mark Twain), das Bewusstsein und das Wissen um das, woraus diese Graphik entstand, verschwand.
Ich glaube, dass man etwas aus dieser Graphik in Hegel, in Marx, in Vischer oder Lipps oder Husserl übersetzen könnte. Ich glaube, sie hätten die Figur lesen und sehen können und blicken können, was das Bild ist. Ich glaube, sie hätten mit dem Bild etwas assoziieren und das Bild auf ihren Lagen und Situationen beziehen können. An manchem Tag oder in mancher Nacht wäre ihnen vor diesem Bild , wenn vielleicht auch nur wie ein Rülpser, ein Sagichdoch aufgestoßen. Das ist Plastik, Plastik des Rechts zum Beispiel, ein Teil von Künstlichkeit und Kunst, die keinem oder allem eigen ist.
Internationaler Nachwuchspreis für Keramik in Iznang: Anmeldeschluss Markt 31.01.2022 & YOUNG TALENTS 27.02.2023
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Der Iznanger Keramik Markt besteht seit 24 Jahren in Moos/ Iznang in schweizer Nähe am schönen Bodensee. Er zeigt zeitgenössische Facetten der Keramik Kunst aus Deutschland und Europa. 70 Keramiker, Porzellan Künstler und Designer aus 10 Ländern sind vertreten. Die Teilnehmer am Markt – 15. & 16. Juli 2023 – können mit einem Stück an der Themenausstellung mit Iznanger Keramikpreis teilnehmen.…
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Familiengeschichten: Eingesperrt
Hab ich schon ein paar mal geschrieben und immer wieder bewahrheitet es sich: lustige Geschichten passieren, wenn ich nicht zu Hause bin. Oder um es mit den Worten meines Bruders auszudrücken: “diese Woche haben sie mal wieder den Vogel abgeschossen …” In dem Fall sollte er wohl besser von “wir” sprechen?
Er hatte die Woche Urlaub. Zur Erholung. Weshalb er viel geschlafen hat. In seinem…
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„Das ist echte direkte Demokratie. Davon brauchen wir mehr!“
Der Aufbruch 2017 ist unsere Kampagne zur Bundestagswahl. Und Du kannst mitmachen! Ob das klappt, haben wir schon ausprobiert – mit spannenden Ergebnissen. The post „Das ist echte direkte Demokratie. Davon brauchen wir mehr!“ appeared first on Campact Blog. http://bit.ly/2qhA8W0
Wir brechen jetzt aus, brechen es auf, ersetzen Grenzen durch nichts und sprechen es aus, wir laufen nie wieder weg, aber bleiben nicht stehen.
frittenbude “michael jackson hatte recht”