#1.04 – Ein Magdeburger Kind
Von Baumschülern, Bomben und bunten Blättern.
Paah, da hätte sich doch fast der schnöde, gräuliche Alltag auf die schöne, neue Welt gelegt. Grade noch rechtzeitig sprang aber ein bestens aufgelegter Herbst dazwischen und zeigte sich in dieser zweiten Uni-Woche von seiner Sahneseite. Ich fühle mich immer wohler auf dem Campus und – was viel wichtiger ist – bin nicht minder optimistisch im Hinblick auf all das, was mir im Laufe der nächsten Monate so blüht.
Aber genug der pathetischen Worte, wirklich glanzvoll waren diese Tage nicht. Dazu fehlte einfach 'ne gewisse Euphorie vor den Lehrveranstaltungen, die man in der O- und E-Woche noch verspürte. Man wusste jetzt schon ungefähr was kommt, und, nun ja, das Potenzial für Jubelarien hielt sich da doch arg in Grenzen. Anders gesagt: Alltag drohte. Und das so früh!
Wie gut, dass es dann doch ganz anders kam. Die trockenen, schwer zu kauenden Abschnitte der Woche wurden zwar nicht zum Zuckerschlecken, doch das Unileben gestaltet sich jetzt doch etwas abwechslungsreicher und – Word of the Week – bunter. Man lernt immer noch neue Leute kennen, rutscht auch weiterhin in spontane Gespräche and so on. Ich bin echt zufrieden mit der kleinen Truppe, die ich jetzt jeden Tag an der Backe hab. So hab ich mir das gewünscht.
Und das schönste: Die Temperaturen rocken. Wir konnten uns am Dienstag für 'ne SoWi-Hausarbeit dann wirklich mal in den Nordpark setzen und lernen (was überraschend gut funktioniert, so ein Baum bietet nämlich sehr viel Raum für Interpretationen). Das hat echt Spaß gemacht. Auch am heutigen Donnerstag zog's mich in den Nordpark, dieses mal mit Kamera bewaffnet, denn so'n Hobbyknipser wie ich kann solchem Farbenspiel kaum widerstehen. Und da ich die Canon nun schon bei mir hatte, bot sich doch, grade bei diesen Temperaturen, 'ne Fototour durch Magdeburg an. Ein Paradies für das Lokalpatriotische in mir … Ich liebe die Stadt irgendwie. Wisst ihr ... Es gibt hässliche Städte, es gibt wunderschöne Städte. Und es gibt Magdeburg.
Das war's immer noch nicht, aber mich verlässt langsam die Wachsamkeit … oder Wachheit? Wäche? Ähm, bin jedenfalls müde, darum zwei Feststellungen zum Schluss:
Wenn du über fünfhundert verdammte Stufen zu einer Aussichtsplattform hinauf- und hinuntergehst, nehm 'ne richtige Kamera mit! Beim mittwöchlichen Aufstieg zur Johanniskirche musste nämlich die Handykamera reichen, was im Nachhinein doch 'nen bisschen dolle unglücklich war. Shit happens. Schön war's dennoch.
In MD wird’s nie langweilig. Alle zwei Tage sprießen neue Baustellen aus dem Erdboden, und hin und wieder findet man dabei 'ne süße Weltkriegsbombe, was die Innenstadt dann schon mal komplett lahmlegt. Sperrungen, Zugausfälle, Evakuierungen. So geschehen am Donnerstag. Aber alles gut, entschärft, nix passiert. Nur: wer weiß, was da noch alles im Erdboden steckt?
Ich sag tschüss. Verabschieden möchte ich mich mit einem Zitat:
„Haben wir grad echt beschlossen, heute nichts mehr zu machen, die restliche Arbeit auf Sonntagabend zu verschieben UND am Sonntagabend zu trinken?“
Höhö. Wahrscheinlich find nur ich den so witzig. Ach, ist mir jetzt kackegal, ich geh pennen. Au revoir.