Meine Hände sind verwirret
Einmal im Jahr muss ich ein Dokument im Acrobat Reader bearbeiten. Das wünscht sich die Auftraggeberin so, und der Wunsch ist nachvollziehbar, weil nacheinander mehrere Menschen in diesem Dokument ihre Spuren hinterlassen und es sicher alles noch viel komplizierter würde, wenn sie dafür unterschiedliche PDF-Bearbeitungswerkzeuge verwendeten. Es gibt aber seit 2013 keinen Acrobat Reader für Linux mehr. Deshalb habe ich mir 2023 dafür das Macbook von Angela Leinen ausgeliehen, 2024, 2025 und auch diesmal wieder das von Aleks Scholz.
Ob es mir in den Vorjahren auch schon so ging, weiß ich nicht mehr, aber diesmal fällt mir jedenfalls auf, dass Macbookbenutzung nicht wie Fahrradfahren ist. Meine Hände haben alles verlernt! Obwohl ich von 2006 bis 2022 an Macbooks gearbeitet habe, brauche ich jetzt mehrere Versuche, um etwas zu kopieren und einzufügen (auf meinem eigenen Laptop: Ctrl-C, Ctrl-V, auf dem Macbook Schloss-Borgholm-C, Schloss-Borgholm-V) Wie Einfügen ohne Formatierung geht (Ctrl-Shift-V auf meinem eigenen Laptop), habe ich auf dem Macbook vollständig vergessen, obwohl ich es viele Tausend Male gemacht haben muss.
Ich habe keine Ahnung mehr, wie das Touchpad an einem Macbook funktioniert, und taste wie ein Steinzeitmensch darauf herum. Ich weiß, dass es mehrere Gesten gab, die man darauf verwenden konnte, aber welche? Wie es auf meinem eigenen Laptop ist, kann ich natürlich auch nicht beschreiben. Nur meine Finger wissen es. (Für diesen Beitrag habe ich meine Finger beobachtet und herausgefunden: Mittig fest mit dem Daumen drücken: das, was früher ein linker Mausklick war. Zweimal schnell tippen: ein Wort markieren. Mit dem Daumen drücken und gedrückt halten, dabei mit dem Zeigefinger eine ziehende Bewegung machen: mehrere Wörter markieren. In der unteren rechten Ecke mit dem Daumen drücken: das, was früher ein rechter Mausklick war.)
Wenn ich auf meinem Laptop den oberen Teil einer Seite sehen möchte, wische ich mit zwei Fingern nach oben. Das erscheint mir logisch und normal. Aber Aleks hat sein Touchpad umgekehrt eingestellt, bei ihm muss man nach unten wischen, um auf der Seite nach oben zu gelangen. "Wie kann man nur so scrollen!" rufe ich, obwohl ich die Metapher in der Theorie verstehe: Ich bewege mit meinen zwei Fingern ein gedachtes Sichtfenster über den Text, während Aleks mit seinen Fingern das gedachte Papier unter dem Fenster hindurch nach unten zieht, damit die obere Hälfte im Fenster erscheint.
Aleks wünscht sich ein Kirchenlied zum Thema "Wie kann man nur so scrollen". Ein Fall für Scott Hühnerkrisp! Und Scott Hühnerkrisp liefert:
Nachdem ich eine Stunde am Macbook gearbeitet habe, wird es etwas einfacher. Aber ich muss immer wieder zwischen den beiden Laptops wechseln, um meine Notizen in das PDF zu übertragen, und jetzt kommen meine Hände mit meinem eigenen Laptop nicht mehr klar. Bei jeder Bewegung muss ich nachdenken und merke, wie kompliziert die einfachsten Dinge sind. Gut, daran ab und zu erinnert zu werden.