Universalismus - Ansprüche, Probleme und Potentiale
Kerner, Ina. 2017. Arch+, Nr. 230.
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Ist unser eurozentrischer Universalismus wirklich Rational und Allgemeingültig? Es existieren genug Einwände, die die universalistischen Prinzipien, die tief in der westlichen Denktradition verankert sind, nicht unhinterfragt belassen sollten.
Zu den Denkschulen, die derartige Einwände ausgearbeitet haben, gehört die dekoloniale Theorietradition aus Lateinamerika - und damit eine Tradition, die von der Annahme geleitet ist, dass Formen und Muster kolonialer Macht in den vielfältigsten Sphären fortwirken [...] Sei es in Wissenschft, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik usw. auf der ganzen Welt.
[...] das heißt mit der Durchsetzung der europäischen Kultur als hegemonialem Modell auch außerhalb Europas, nichts sei weniger rational als der Anspruch, dass die Kosmovision einer partikularen Ethnie, in diesem Falle der westeuropäischen, als universale Rationalität verstanden werden solle; denn dabei würde ein Provinzialismus als Universalismus ausgegeben
Laut Walter Mignolo existiert eine Komplizenschaft zwischen der Moderne und Rationalität
Der europäische Kolonialismus ging Mignolo zufolge mit der Missachtung und weitgehenden Zurückdrängung nicht-europäischer Kosmologien, Denk- und Normsysteme einher.
Ein eurozentrischer Universalismus bedeutet folglich die “Reproduktion kolonialer Logiken”
Ziel dieses Unterfangens [der Dekolonialisierung von Wissenschaft] ist ein dekolonialer Umsturz, der pluriversale statt universale Lebenshorizonte eröffnet [...]
Nach Mignolo erscheint der Universalismus allein schon wegen seines allgemeinen Anspruchs bei gleichzeitiger Verschleierung seiner unweigerlichen provinziellen Herkunft problematisch - also aufgrund seiner Struktur, die grundsätzlich, und damit unabhängig von möglichen Inhalten, kolonial sei.
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Magnollo nutzt den Begriff “Transmoderne” von Enrique Dussel. Transmoderne bedeutet: Die positiven Dinge der Moderne nutzen, aber die unterschiedlichen Kriterien aus anderen Kulturen mitprüfen und dikutieren. Damit ensteht ein authentishcer pluraler Dialog.
Die Lösung für universelle Probleme erwachsen nicht aus eurozentrischen Kulturen, so Dussel. Nach ihm ist das Ideal eines Weltdiskurses ein transmodernes Pluriversum mit vielfältiger Universalität
Die Auswirkungen von eurozentrischer Zukunftsvisionen ist zu einem die Reproduktion von Kolonialismus, zum anderen die Einebnung von Differenzen unter dem Vorwand eines vermeintlich universellen Rationalismus, der nichts anderes bedeutet als ökonomische oder administrative Profiterhöhung.
McDonaldisierung der ganzen Welt.
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Laut Jullien ist das Universelle kein ökonomischer Begriff. Universalismus ist eine maximal rationale Vorschrift, die Allgemeingültigkeit besitzt. Hier als Beispiel die Erklärung der Menschenrecht. Der Gegensatz zu Universelle ist das Konkrete, wie bei dem genauen umsetzen von Fastfood-Franchise Regeln.
Das Problem des westlichen Universalismus ist, dass er exklusiv für den weißen männlichen Menschen ist, der als Autor auch diesen Begriff und Normen definiert. Obwohl er einen Geltungsanspruch an alle Menschen einfordert. Er schließt alle nicht Autoren aus dem Diskurs aus. Der Weiße Mann stellt Spielregeln auf und sagt sie seien Universell. Damit immunisiert er sich nicht nur vor Kritik sondern verhindert auch einen Diskurs über die Definition.
Diese Widersprüchlichkeit des westlichen Universalismus führt nicht zu seiner Ablehnung sondern ihn anhand seiner eigenen Forderungen zu verbessern.
Das bedeutet ihn von seiner eurozentrischen Perspektive zu befreien.
Nach Laclau besitzt das Universelle keine aus sich selbst definierbare konkreten Vorschriften [im Gegensatz zu Jullien], sondern ist ein sich ausdehnender Begriff, der nach und nach durch aufeinander aufbauender Forderungen definiert wird.
Anders als der Universalismus versteht sich die transmoderne Pluriversalität als klar multikulturell.
Beide sind sich einig, dass der jetzige Universalismus seinen eigenen Ansprüchen kaum gerecht wird , wenn er sich als fertig (monadisch) und nicht kritisierbar sieht. Es muss eine Dezentrierung, also weg von der provinziellen eurozentrischen Sicht, hin zu einem pluralen Diskurs aller Kulturen vorgenommen werden.
Eine kritische Beanspruchung, Infragestellung und steten Erweiterung muss immanent für den Universalismus sein!











