Digital inszenierte Realitäten
Schemata (Disposition und Produktion), ak 3/2018
Stichworte:
Kosmos
Wahrnehmung
Assimilation
Transformation
Konstruktion
Digitalisierung
Gestaltung
Mimesis
Augentäuschung
Virtuelle Realität
seen from China
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Digital inszenierte Realitäten
Schemata (Disposition und Produktion), ak 3/2018
Stichworte:
Kosmos
Wahrnehmung
Assimilation
Transformation
Konstruktion
Digitalisierung
Gestaltung
Mimesis
Augentäuschung
Virtuelle Realität
Die niederländische Produktdesignerin Hella Jongerius und die Designtheoretikerin Louise Schouwenberg wurden eingeladen, für die Paternoster-Halle der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwickeln. Die Neue Sammlung – The Design Museum präsentiert bereits seit 2015 ihr zehnmonatiges Ausstellungsformat für zeitgenössische Designpositionen in der zweigeschossigen Paternoster-Halle, deren architektonische Besonderheit vor allem durch die stete Bewegung der beiden Paternosteraufzüge definiert wird.
Hella Jongerius hat insbesondere durch ihre charakteristische Arbeitsweise, eine Verbindung aus Handwerk und industriellen Prozessen, sowie durch ihre markanten Textil- und Farbentwürfe internationale Anerkennung erlangt. Louise Schouwenberg ist Kunst- und Designtheoretikerin und leitet den Fachbereich für Contextual Design an der renommierten Design Academy in Eindhoven. Jongerius und Schouwenberg verfassten 2015 das Manifest „Beyond the New. A Search for Ideals in Design“, welches sie auf dem Salone del Mobile in Mailand vorstellten. Darin kritisieren sie das vorrangige Interesse der Produktindustrie an der Idee des ewig Neuen um der Neuheit willen und plädieren stattdessen für eine wahrhaftige kulturelle Innovation….
….soweit der Pressetext.
Die Ausstellung konzentriert sich, vor dem Hintergrund der Entstehung und Geschichte der Neuen Sammlung, auf die Intentionen beim Sammeln und Ausstellen. Verschiedene Installationen laden die Besucher ein darüber nachzudenken wie unterschiedliche Zusammenhänge das Erfassen funktioneller Dinge beeinflussen. Wie unsere Erfahrung im alltäglichen Umgang mit Designobjekten sich von unserer Wahrnehmung ihres Wertes und ihrer Bedeutung als museales Exponat unterscheidet. Und wie sich diese beiden Erfahrungen gegenseitig beeinflussen.
Die Schau kreist thematisch um den Begriff des Neuen, das im Kontext von industriellem Produktdesign ja nur im ökonomischen Sinne bewertet und voran getrieben wird. Hella Jongerius und Louise Schouwenberg hinterfragen diese Haltung in ihrem Manifesto und bringen ihre Überlegungen in ihren Installationen zum Ausdruck, die für grundsätzliche kulturelle und soziale Innovationen sprechen.
Hella Jongerius betont, wie froh sie darüber sei als anerkannte und damit auch einflussreiche Industriedesignerin Möglichkeiten zu haben, im Rahmen industrieller Entwicklung und Produktion für mehr Achtsamkeit auf Qualität bei Material und Herstellung zu werben. Aktuell setzt sie sich vorrangig mit den Möglichkeiten industriell gefertigter Doppelgewebe auseinander, nutzt diese z.B. auch in einer Serie hoher, schwarz-weisser Banner mit Textstellen aus ihrem Manifesto, indem sie Texte und gewebte Texturen zusammenbringt. Oder als dekorative, unikate Gewebe, in denen die Charakteristika textiler Eigenschaften, ihrer Verarbeitung, Struktur und Farbigkeit, als zentrale Gestaltungselemente interagieren.
Den beiden Designerinnen bot sich im Zuge der Vorbereitungen zur Ausstellung Gelegenheit, die Archive des Museums – bewahrt in staubfreiem Klima – zu besuchen um mögliche Exponate auszwählen. Davon liessen sie sich zu zwei Präsentationen inspirieren:
Eine Fotodokumentation der Stillleben-Arrangements in den Archivregalen läuft auf einem hell erleuchteten Loop in einem der Paternoster. Der Besucher kann hier, in einer ungewöhnlichen Diashow, die Designobjekte in situ betrachten, sich an den Zusammenstellungen erfreuen, alte Bekannte entdecken… und sich generell damit auseinander setzen, warum welche Objekte es in die Museumssammlung geschafft haben.
Eine weitere, raumgreifende Installation umfasst eine Auswahl von Kastenmöbeln, in der sich mehr oder weniger prominente Designklassiker zusammen finden. Die Designerinnen schickten ihre Wunschliste vorab und das Museumsteam war begeistert einen Plan zu erhalten, der alle Möbel in der Draufsicht ihrer Fronten zeigte, leicht zu erkennen … und erst später klärte sich, dass die Möbel genauso ausgestellt werden sollten: liegend, mit der Schauseite nach oben so, dass man sie von den umlaufenden Galerien gut betrachten kann. Louise Schouwenberg animiert dazu, sich im angesicht dieser Installation von Aufbewahrungsmöbeln zu überlegen was man selbst aufbewahrt und was man davon im Laufe eines Tages wirklich benutzt. Das würde dazu ermutigen, sich dem Paradigma der permanente Innovation zu wiedersetzen.
Das Wort “NEW” kreist in vielfachen Variationen als kleine Installationen, die die Designerinnen aus den unterschiedlichsten Modellbau-Materialien kreiierten, im zweiten Paternoster: als abstrakte Objekte, die erst durch den Schein eines Lichtstrahls, den sie auf ihrer Reise von oben nach unten passieren müssen, für einen kurzen Moment den Schriftzug als Schatten lesbar machen. Ein ähnliches Prinzip findet der Besucher in dem Objekt “POSSIBILITIES” wieder. Hier tanzen die Buchstaben des Wortes vor einem textilen Hintergrund. Sie sind aus den Miniaturen von Stuhlklassikern verschiender Epochen (Vitra lässt grüßen) gebildet und werden nur in kurzen Tanzpausen als Schatten des Schriftzuges “POSSIBILITIES” erkennbar.
Jongerius und Schouwenberg schärfen das Bewußtsein dafür, das eigene Konsumbewußtsein zu überprüfen, mehr auf Qualiät zu achten und zu schauen was genau wirklich innovativ ist, im Sinn von substanziell, nachhaltig und zeitgemäß. Auch die Beeinflussung, die Art der Information und Ausbildung die uns leitet, zu hinterfragen. Ihre Interventionen provozieren eine kritische Nachfrage, was wirklich neu beziehungsweise notwendig sei.
Natürlich bin ich voller Bewunderung für die geniale Kreativität dieser Designerinnen. Ihre Haltung ist ehrenwert. Sie nutzen ihre Position um aktuell so wichtige Fragen zu stellen und zum Nachdenken aufzufordern. Und dies auf eine gewiß spektakuläre, einfallsreiche und unterhaltsame Art, die auf einem Salone del Mobile in Mailand ebenso gehört wird wie in der Münchner Pinakothek der Moderne, dort wo man vermutlich mit einem offenen, neugierigen Publikum rechnen kann. Im Sinne einer Vorbildlichkeit mag das ein Anfang dafür sein, auch das Bewußtsein einer breiteren Konsumentenmasse für das große Ganze zu schärfen. Louise Schouwenberg nannte das Beispiel ” gesundes Essen”, das zu Beginn nur von den Eliten und Gesundheitsaposteln propagiert wurde und inzwischen – zumindest gefühlt – größere Kreise erreicht.
Doch das Denken in den Kategorien des Manifestos ist eher antikapitalistisch. Solange nicht tatsächlich und ernsthaft Bildung und Wirtschaft reformiert werden wirken all diese gut gemeinten Ansätze wie Spielerei. Renommierte Kinderpsychologen behaupten ja, dass Kinder nirgendwo so viel und so schnell lernen, wie im Spiel – also können auch wir Erwachsenen davon profitieren Hella Jongerius und Lousise Schouwenberg beim spielen zuzuschauen: mit Licht und Schatten, mit Worten und Bedeutungen, mit dem Archiv der Dinge, die unser aller Alltag begleiten.
© Schnuppe von Gwinner
Die Neue Sammlung – The Design Museum
Pinakothek der Moderne, Barer Straße 29 | D 80799 München
Öffnungszeiten: Täglich 10:00 – 18:00 | MO geschlossen, | DO 10:00 – 20:00
Das MANIFESTO “Beyond the New” zum lesen empfohlen!
http://beyondthenew.jongeriuslab.com/
Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New. Die Neue Sammlung – The Design Museum, München | Foto: Roel van Tour
Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New. Die Neue Sammlung – The Design Museum, München | Foto: Roel van Tour
Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New. Die Neue Sammlung – The Design Museum, München | Foto: Roel van Tour
Pressekonferenz Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New. Die Neue Sammlung – The Design Museum, München | Foto: Schnuppe von Gwinner
Hella Jongerius & Louise Schouwenberg – Beyond the New: München vom 10.11.2017 bis 16.09.2018 Die niederländische Produktdesignerin Hella Jongerius und die Designtheoretikerin Louise Schouwenberg wurden eingeladen, für die Paternoster-Halle der Pinakothek der Moderne eine ortsspezifische Installation zu entwickeln.
Was forscht Du eigentlich? Wozu? Wie ist da gerade der aktuelle Stand? Ich habe einfach mal ein Kurzmemo verfasst, damit man nachvollziehen kann, wo
Persona
Arbeiten Sie auch mit Personas? Ja. Aber nicht zwangsweise! Wir nutzen Peronas nur dann, wenn es der Sache dient. Was ist die Sache? Die Lösung eines Problems, eines Designproblems. Die Methode »Persona« dient dann der Sache, wenn ich damit der Lösung näherkomme, wenn mir dadurch Hinweise auf die Lösung gelingen. Wir erarbeiten Personas nur dann, wenn wir annehmen können, dass sich dadurch neue…
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servicedesign mit vs. ohne design-hintergrund #2
ich beobachte, dass die, ich nenne sie akademischen servicedesigner (die das thema theoretisch bearbeiten, aber nicht aus der klassischen design-szene kommen) mehr dem prozess treu sind, mehr am prozess interessiert sind, während jene designer, die aus klassischen designdisziplinen kommen (industrial design, graphic design, kommunikationsdesign, informationsdesign, environmental design) und sich neuerdings auch explizit (implizit taten das die guten designer immer schon) mit servicedesign beschäftigen, mehrheitlich ergebnisorientiert handeln. das heisst nicht, dass die akademischen servicedesigner nicht auch am ergebnis interessiert wären. dennoch kann man beobachten: die einen wollen den prozess sauber abwickeln und kausal agieren, die anderen wollen ein gutes ergebnis erzielen und das möglichst schnell. während bei den ersten das ergebnis (fast) ein nebeneffekt des richtigen prozesses ist, verwenden die anderen (irgendeinen) prozess, um das gewünschte ergebnis (den effekt) zu erreichen. für mich ist das der (oder ein gravierender) unterschied zwischen einer in wahrheit kausalen denkweise und der designer-denkweise (design thinking).
warum ist das so? weil die wissenschaft (die leute an den universitäten) am ende eines projekts analysiert, wie und von welchem anfangspunkt aus ein endergebnis erreicht wurde und daher ganz klar den pfad der entwicklung ablesen kann. dieses ablesen ist aber immer nur posteriori richtig. apriori wissen wir designer nicht und kann man es auch nicht im detail und zur gänze vorhersagen, wie wir bis zum gewünschten endergebnis gelangen werden. wir agieren anlaßbezogen, wir prototypisieren und versuchen rasch und oft zu scheitern, um die dinge schneller zur reifung zu bringen. das abarbeiten von checklisten ist meiner meinung nach nicht erfolgsgarantierend. aber das ist es, was in servicedesign-kursen vermittelt wird: »zuerst müssen wir personas definieren und eine stakeholder-map erstellen«. mag sein, dass das in manchen fällen der erste wichtige schritt ist, muss es aber nicht sein. manchmal ist dieser schritt überhaupt nicht notwendig, sondern hält nur auf.
Den emotionalen Darkroom erhellen.
Alle namhaften Designbüros schätzen die emotionale Qualität als wichtigen Faktor für die Akzeptanz von Produkten ein. Umso überraschender ist die Tatsache, dass es in Designtheorie und Praxis erst wenige bis keine Ansätze gibt, ein professionelles Instrumentarium zu entwickeln. Marken, Produkte und der komplette Unternehmensauftritt kommunizieren ein ganzes Spektrum an Emotionen und Werten. Die gezielte Kommunikation und Gestaltung jener stellt eine besondere Herausforderung für Unternehmen und Designer dar.
Aber was sind überhaupt Emotionen? Und wie können diese durch Gestaltung gezielt beeinflusst bzw. hervorgerufen werden? Ist eine direkte Verknüpfung von Gestaltungsparametern und deren emotionaler Aussage möglich?
Die Avantgarde und das Elementare
Zechner, Ingo (2011)