Die Echo-Verleihung ist seit jeher ein eher langweiliges und peinliches Event im Kulturkalender Deutschlands.
Dieses Jahr kommt zu der ohnehin schon peinlichen Veranstlatung ein politischer Skandal hinzu: Die Nominierung, die Verleihung und die Inszenierung von Fahrid Bang und Kollegah, die schon im Vorfeld durch ihre antisemitischen Texte kritisiert wurden. Ausgerechnet am Gedenktag des Holocaust wird diesen Künstlern unkritisch eine Plattform geboten.
Ja, im Hip Hop und vor allem im Battle- und Gangsta Rap, wie Fahrid Bang und Kollegah in performen geht es vor allem um Provokation und härtere sprachliche Gangarten.
Campino, der Sänger der Toten Hosen, hatte das in der einzigen Kritik an diesem Abend pointiert:
Klar muss es gerade in der Kunst Freiheiten geben; und klar muss es auch Provokationen geben. Gerade Kunstformen wie der Punk mit Künstler*innen wie Campino ihn performen, haben ja von solchen gelebt. Aber darf deshalb wirklich alles gesagt werden? Darf man antisemitische Äußerungen verbreiten, nur um ein paar Platten mehr zu verkaufen?
Es ist jedenfalls mehr als beschämend, dass am Gedenktag an die Opfer der Shoa in Deutschland ein Echo an Künstler verliehen wird, dessen antisemitische Textzeilen mehr als geschmacklos sind. Auch Hip Hop Künstler sollten sich trotz der teils von Provokation lebenden Kunstform fragen, ob es in politisch turbulenten Zeiten, in denen leider antisemitische Äußerungen und sogar Angriffe an deutschen Schulen an der Tagesordnung stehen, sinvoll ist solche Texte zu verfassen. Und jene dann auf Veranstaltungen wie dem Echo dann unreflektiert, gar ignorant zu vertreten.
Kunst darf, soll und muss provozieren. Aber darf sie wirklich alles? Campino bringt dies gut auf den Grund: Kunstfreiheit hört da auf, wo menschenverachtende und diskriminierende Texte und Musik verfasst werden. Natürlich muss gerade in der Kunst vorsichtig mit Zensur umgegangen werden, aber solche Texte dürfen besonders im aktuellen gesellschaftlichen Kontext und Zeigeist nicht unreflektiert und unkritisiert bleiben und haben auf so einer großen Bühne wie der Echo-Verleihung erst recht nichts verloren. Der menschenverachtende Auschwitzverlgeich ist darüber hinaus nicht die einzige Kontroverse im Opus von Kollegah und ist noch schlimmer sogar nur die Spitze des Eisberges.
In seinem Video zum Song Apocalypse beschwört er antisemitische Vorurteile und propagiert, dass nur wenn das Judentum ausgelöscht wird, wieder Weltfrieden hergestellt werden kann und somit das Judentum für das Böse in der Welt verantwortlich sei. Das Video ist in einem für den Gangsta Rap ungewöhnlich ernsten Kontext eingefasst, sodass hier nicht von der sonst so typischen Provokation und nicht so ernst gemeinten Überspitzung die Rede sein kann. Der Antisemitismus durchzieht sich durch viele Songs von Farid Bang und Kollegah und scheint daher eher tatsächliches Weltbild als Stilmittel oder Provokation zu sein. Peinlich ist auch das Argument vieler Hip Hop Künstler und Liebhaber “man kenne viele Juden” und kann daher nicht antisemitisch sein. Es klingt ganz nach dem Sound vieler Rassisten “ Ich habe ja nix gegen Ausländer, aber...”. Es sind alles nur scheinheillige Argumente, man wolle nur provozieren. Dieser Fakt ist an sich schon schlimm genug, denn man kann auch ohne menschenverachtende Textzeilen provozieren und Aufmerksamkeit erzielen. Aber wenn man sich weiter mit den Werken der Künstler beschäftigt wird klar, wie tief die beiden bereits im antisemitischen Verschwörungssumpf versunken sind. Es ist daher absolut unglaubhaft von reiner künstlerischer Provokation zu reden.
Es ist beschämend, dass Campino der einzige Mutige an diesem Abend bleibt der sich traute Dinge anzusprechen. Vor allem in Zeiten, wo der Antisemitismus wieder anwächst und am Gedenktag an die Opfer der Shoa ist es schwer ertragbar gewesen, die Verleihung und Performance von Kollegah und Farid Bang anzusehen. Dies setzte der ohnehin schon peinlichen Echo-Veranstaltung die Krone auf. Es bleibt zu hoffen, dass dies alles nun zu mindest tiefgehende Reformationen einleitet.
ok dass der echo einen überfälligen tod gestorben ist freut mich natürlich schon irgendwie. (mal davon abgesehen dass er mich nicht die bohne interessiert hat)
wer typen wie kollegah und farid bang “ehrt” verdient medial eine in die fresse.
aber es ist auch so verflucht sinnfrei? ich meine, diese “künstler” werden weiterhin ihren sexismus, homophobie und antisemitismus verbreiten, denen geht dieser kram sowas von am arsch vorbei.
und ich bezweifle, dass hier wirklich irgendwer irgendwas gelernt hat. es wurde nur reagiert - aber warum hat niemand VORHER auf kritik gehört? wer dachte, es sei eine gute idee, ausgerechnet am holocaust-gedenktag so etwas zu tun?
andererseits auch schön, dass sich doch einige öffentlich dazu geäußert und stellung bezogen haben. auch wenn es deutlich mehr hätten sein können.