Bücher, die ich diesen Monat gelesen habe und was ich darüber dachte - und ein Buch welches ich nicht zu Ende bringen konnte!
Ich hatte diesen Monat sowohl einige Tage frei da ich meinen alten Job gekündigt habe, als auch mehrere längere Zugreisen.
Die Botanik des Wahnsinns - Leon Engler ⭐⭐⭐⭐⭐
Nimmt man diese Liste ganz genau habe ich das Buch eigentlich im Februar gelesen, aber da ich damals schon meine Bewertungen geschrieben hatte, zählt es für mich jetzt einfach als März. Im Vorhinein hatte ich einige schlechte Rezensionen gelesen, die ich jedoch nicht vollständig nachvollziehen kann. Für mich ist das Buch ein großartiger Debütroman, bei dem ich mich dennoch frage, wie der Autor in Zukunft daran anknüpfen möchte. Falls er es tut - ich werde es lesen. Die Kritiken bemängeln dass es kein lineares "Romanerleben" darstellt. Ja. Wahr. Auf mich wirkt es nicht als sei das so beabsichtigt: die Dissektion einer Familie, das machtlose Erleben eines Kindes, dass die Eltern weder allwissend noch allmächtig sind. Für mich doch der beste Roman, den ich dieses Jahr bisher gelesen haben.
Sturmhöhe (Wuthering Heights) - Emily Brontë ⭐⭐⭐⭐
Ja, ein aktueller Film, ja für mich eine Bildungslücke. Ich glaube mein Erstkontakt war nicht der Englischunterricht, sondern ein platzierbares Dekorationsobjekt, welches mein Bruder damals als wir Teenager waren, für Sims 2 aus dem Internet geladen hatte? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Die ersten 30% des Buches war ich einfach geschockt und verwirrt. In meiner Blauäugigkeit dachte ich, dass das eben wie Jane Austen eine scharfzüngige subtile Sozialkritik ist, weshalb ich meine Bewertung deutlich niedriger angesetzt hatte. Dann musste ich doch erst Mal einige Interpretationen lesen. Wie kann das sein, dass ich so anders erlebe? Nun. Es ist Sozialkritik mit der Kettensäge. Es ist ein beinahe Kleistisches Gemetzel. Wird es mein Lieblingsbuch? Nein. Mag ich irgendjemanden? Isabella vielleicht. Cathy. Hier werden Hunde erwürgt und Kinder misshandelt. Die Deutsche Übersetzung die ich hatte, quälte mich zudem mit einem pfälzerrischen (?) Joseph. Entscheidungen wurden getroffen. Sollte man dieses Buch lesen? Ja doch. Ich mag Jane Austen dennoch lieber.
Manaraga, Tagebuch eines Meisterkochs - Vladimir Sorokin ⭐⭐✨
Ich habe ein Hühnchen mit dir zu rupfen, Vladimir. Aus Seitan. Und grillen werde ich es nur deshalb nicht auf deinem Roman, weil ich ihn geliehen habe. Interessantes worldbuilding aber inkonsequent. Kanibalistische Furries in den Schweizer Alpen. Ich bin mir nicht sicher ob Vladimir weiß dass Frauen sprechen und denken können. Houllebeq-ische Sexobjekte sind sie. Rumänen sind kriminell und die westliche weiße Welt wird von arabischen Kriegstreibern bedroht. Man isst dekadent Stör auf Tolstoi. Den Floh fand ich am kreativsten. Zur Erholung jetzt erstmal ein Buch, dass nicht von einem Mann über 40 geschrieben wurde.
House of God - Samuel Shem ⭐⭐✨
Stattdessen ein Buch, dass mir von einem Mann über 40 empfohlen wurde. Im Kern sollte es ein Buch sein, dass mir mein Kollege gegeben hat, um das Leben als junger Arzt (bzw junge Ärztin) zu verstehen. Die Teile die von Medizin handeln sind spannend, lebensnah, traurig, zynisch. Realistisch. Besonders als der junge Arzt seinen ersten sterbenden Patienten betreut, sich jemand ausversehen an einem hochinfektiösen Patienten verletzt, dass jeder Patient nachts um 3 sein Feind ist - Viele Charaktere sind lustig, vor allem "der Dicke" oder sehr kräftig (aber charmant) überzeichnet - Würde das Buch nur von dem Alltag im Krankenhaus handeln, wäre es super. In einer Linie mit M*A*S*H* fühlen sich hier jedoch über- testosterondosierte Kerle wie richtig geile Ficker. Frauen sind hier entweder verklemmte Spaßbremsen oder -sorry- Fickschnitzel. Ich hab ehrlich keine Lust mehr. Scheinbar können und wollen Männer einfach keine mehrdimensionalen weiblichen Charaktere schreiben. Wenn Frauen über Sex schreiben ist es herabgelächelte Fanfiction, wenn Männer über Sex schreiben ist es große Weltliteratur.
Der Geschmack des Wassers - Emmi Itäranta ⭐⭐⭐⭐
Das erste Buch dass ich spezifisch für meine mir selbst auferlegte Europamission gelesen habe. Dystopische Zukunft in der ein brutales Militärregime nach den Ölkriegen das Wasser kontrolliert, urtümliche Traditionen in einer Solar-Punk-Zukunft. Ein furchtbar langsam geschriebenes, sehr kraftvolles Buch über welche Zeichen von uns bleiben, wenn wir mal nicht mehr sind.
Tribute von Panem, Flammender Zorn - Suzanne Collins ⭐⭐⭐⭐✨
BOAH! Diese Serie ist so stark! Ich freue mich darauf als nächstes den Teil über Haymitch zu lesen, der definitiv einer meiner Lieblingscharaktere geworden ist. Ich hätte dem Buch ja fast 5 Sterne gegeben. Beinahe. Ach! Aber es gab einige Stellen die mir nicht ganz so gut gefallen haben: Der Tod von Finnick hat mich zerstört und er war einfach eine Nebensache! Ich hätte gerne mehr über z.b. Annie erfahren, deren Beziehung zueinander. Die Tatsache dass Peeta einfach (es ist so ein Trope!) eine Amnesie hatte fand ich leider ebenfalls ziemlich schwach. Gale als Charakter war leider auch ehr fad im Vergleich zu z.b. Katniss, Haymitch und Peeta. Die genauen Motive von Plutarch hätte ich gerne erfahren ... Stark hingegen war wie schwarz, schwermütig, dunkel das Buch war. Die Szene als Primrose gestorben ist - natürlich, es war nicht abzuwenden - erinnerte mich an Grave of Fireflies. Sie war so gut! Die Grauen des Krieges, die Zartheit von Peeta, die Dynamik zwischen Katniss und Peeta. Man merkt dass Katniss nicht einfach "die Auserwählte" ist - sondern einfach nur ein 17 jähriges Mädchen, instrumentalisiert, nur ein Bauer im Schachspiel. Peeta mochte ich erst gar nicht am Anfang der Serie und dann schlussendlich sehr. Ich hoffe ehrlich auf noch mehr Teile.
Was man sät - Lucas Rijneveldt
War wohl mein erster DNF dieses Jahres. Hat mir nach 127/308 Seiten leider gar nicht zugesagt. Ich möchte nichts darüber lesen wie Kinder Hamster zu Tode quälen und Kaninchen verstümmeln, ihre Körperlichkeit entdecken und ständig popeln...und ja ganz objektiv ist es bestimmt toll wie man so die Stimme eines Kindes schreiben kann und wie schockierend viszeral das Bauernhofleben im niederländischen Bible Belt ist, aber ganz subjektiv: Nö.













