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die Feinflechterei
Flechtarbeiten aus feinen Weidenschienen
( = geschälte, gespaltene, gehobelte und geschmälerte Weidenruten )
Die Feinflechterei ist eine traditionelle Technik, die im 19.Jahrhundert besonders in der Region um Michelau in Oberfranken weit verbreitet war. Hierbei werden geschälte Weidenruten von Hand aufgespalten, auf dem Fränkischen Weidenhobel gehobelt und geschmälert, und über Holzformen zu kunsthandwerklichen Schalen und Schmuckdosen verflochten.
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Die Feinflechterei ist in der Zeitgeschichte des Flechtens eher eine jüngere Disziplin. Belege findet man im 17. Jahrhundert und in Stilleben der flämischen Malerei. Die „Feinflechterei“ ist sozusagen das „Porzellan“ der Korbflechterei in Europa. Schmuckdöschen, Handtaschen, Trachtenkörbe und feine Schalen wurden in dieser Technik hergestellt – so kunstvoll, daß man sich fast nicht traut diese kleinen Schätze wirklich zu benutzen. Weißgeschälte Weidenruten werden in 3-4 Teile der Länge nach aufgespalten und schmäler und dünner gehobelt – bis man gleichmässige Schienen erhält. Über einer Holzform wird aus den Schienen ein zartes, leichtes Körbchen gezaubert.
Die wichtigsten Techniken der Weidenflechterei unterscheidet man nach “geschlagene Arbeit” und Feinflechterei. Bei der “geschlagenen Arbeit” entstehen in der Regel einfache Waren, wie Körbe zum Transport von Kartoffeln, anderen Feldfrüchten oder von Fischen. Produkte dieser Machart fanden häufig auch ihre Verwendung bei zahlreichen Produktionsvorgängen in der Industrie. Die Korbflasche, ein vom Flechtwerk geschützter Glasballon, ist wohl allgemein bekannt. Wird geschälte und gebleichte Weide verarbeitet, spricht man von “Weißgeschlagener Arbeit”. Es entstehen feiner ausgearbeitete Produkte vornehmlich für den Haushalt - Wäschekörbe, Henkelkörbe - und für den Bürobereich - Papierkörbe. Länge und Dicke der verwendeten Weidenruten führen zu einer weiteren Differenzierung: “Groß-geschlagene Arbeit” besteht aus langen, dicken Ruten. Unter “Klein-geschlagene Arbeit” ist dem gegenüber die Arbeit mit den einen Meter kurzen, weißen oder gesottenen Weiden zu verstehen. Diese müssen besonders hochwertig sein, da sie andernfalls schnell brechen. So entstehen feine Körbe, vorzugsweise für den Tischgebrauch wie zum Beispiel Brot- und Obstkörbe, oder Nähkörbchen.
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https://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,735596
Zeugnisse filigraner Handwerkskunst im Korbmuseum Michelau
Von Gerda Völk 09. April 2019
16:30 Uhr Aktualisiert am:
03. Dezember 2019
Filigrane Handwerkskunst begründete einst den Ruf Michelaus als Wiege der Feinflechterei. Einige besonders schönen Stücke sind derzeit in der Sonderausstellung „FEINgeflochten - die Sammlung des Fachschuldirektors Ernst Schmidt“ im Deutschen Korbmuseum zu sehen.
Als Direktor der Staatlichen Fachschule für Flechterei hatte Ernst Schmidt stets ein Auge für besondere Stücke. „Es war ein Zufall, dass wir im vergangenen Jahr zwei Zuwendungen bekommen haben“, erklärte Ariane Schmiedmann, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Neben persönlichen Unterlagen umfasst die Sammlung auch Korbwaren aus aller Welt, sowie einige von Schmidts eigenen Arbeiten.
Von den 108 Stücken, die 2018 das Museum aus zwei Quellen erreichte, zeigt die Ausstellung 32 höchst unterschiedliche Exponate. Diese sind in den neuen Vitrinen des Museums untergebracht. Bürgermeister Helmut Fischer brachte bei der Ausstellungseröffnung seine Freude zum Ausdruck, dass es Ariane Schmiedmann wieder gelungen ist, eine Sonderausstellung zu organisieren.
Weltbekannt geworden
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Feinflechterei. Eine Technik, mit der das oberfränkische Michelau einst weltbekannt wurde. Die Ausstellung informiert auch über die einzelnen Schritte, die zur Herstellung feinster Weidenschienen notwendig sind. Vom Spalten der geschälten Weidenruten über das Hobeln der Weidenschienen auf die gewünschte Stärke, bis hin zum Schmälereisen, mit dem die Schienen auf die entsprechende Breite gebracht wurden.
Die so vorbereiteten Weidenschienen wurden anschließend über eine Holzform geflochten. Neben der Materialvorbereitung konnte die Herstellung eines Stückes zwischen einem Arbeitstag und mehreren Wochen dauern. Darin dürfte auch der Grund liegen, weshalb solch feingeflochtene Kostbarkeiten heute kaum noch hergestellt werden.
Ernst Schmidt, am 18. September 1916 in Mitwitz geboren, besuchte nach der Volkshauptschule einen einjährigen Zeichenlehrgang. Von 1932 bis 1935 absolvierte er eine Ausbildung an der Staatlichen Fachschule für Flechterei, die er als Jahrgangsbester abschloss. Nach kurzer Vertretertätigkeit in Berlin wurde Ernst Schmidt 1937 zum Arbeitsdienst einberufen. Die Marine-Navigationsschule schloss er mit den großen Steuermannsexamen ab. Nach dem Krieg berief ihn der damalige Fachschulleiter Professor Kaspar Daum als Aushilfsangestellter an die Fachschule in Lichtenfels, wo Ernst Schmidt nach einer vierwöchigen Vorbereitungszeit eine eigene Klasse übernahm. 1948 absolvierte er seine Meisterprüfung.
Nach Jahren als Fachschullehrer arbeitete Ernst Schmidt von 1967 bis zu seinem Tod im Juni 1973 als Direktor der Staatlichen Fachschule für Flechterei in Lichtenfels.
Vier Ausstellungsvitrinen
32 Exponate gibt es in vier Ausstellungsvitrinen zu bewundern. Exponate wie eine um 1800 in Oberfranken hergestellte Handtasche aus zum Teil gefärbten Weidenschienen künden von der hohen Kunst seiner Schöpfer. Dies gilt auch für eine Deckeldose, die mit Rautenmuster in den 1930er Jahren in der Korbfachschule hergestellt wurde. Sehenswert sich auch die Ausstellungstücke aus Nordamerika, Afrika oder Asien. Für Peter Dänner sind es die schönsten Teile, die er je gesehen hat. Begeistert war auch ein Besucher aus Berlin, der spontan einen Zwischenstopp im Museum einlegte. „Die Grenze zwischen Kunst und Handwerk ist fließend“, sagte er.
Die Sonderausstellung aus dem Nachlass des Fachschuldirektors Ernst Schmidt ist noch bis zum September im Korbmuseum in Michelau zu sehen.
https://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,735596
die Feinflechterei
Flechtarbeiten aus feinen Weidenschienen
( = geschälte, gespaltene, gehobelte und geschmälerte Weidenruten )
Die Feinflechterei ist eine traditionelle Technik, die im 19.Jahrhundert besonders in der Region um Michelau in Oberfranken weit verbreitet war. Hierbei werden geschälte Weidenruten von Hand aufgespalten, auf dem Fränkischen Weidenhobel gehobelt und geschmälert, und über Holzformen zu kunsthandwerklichen Schalen und Schmuckdosen verflochten.
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Die Feinflechterei ist in der Zeitgeschichte des Flechtens eher eine jüngere Disziplin. Belege findet man im 17. Jahrhundert und in Stilleben der flämischen Malerei. Die „Feinflechterei“ ist sozusagen das „Porzellan“ der Korbflechterei in Europa. Schmuckdöschen, Handtaschen, Trachtenkörbe und feine Schalen wurden in dieser Technik hergestellt – so kunstvoll, daß man sich fast nicht traut diese kleinen Schätze wirklich zu benutzen. Weißgeschälte Weidenruten werden in 3-4 Teile der Länge nach aufgespalten und schmäler und dünner gehobelt – bis man gleichmässige Schienen erhält. Über einer Holzform wird aus den Schienen ein zartes, leichtes Körbchen gezaubert.
Die wichtigsten Techniken der Weidenflechterei unterscheidet man nach “geschlagene Arbeit” und Feinflechterei. Bei der “geschlagenen Arbeit” entstehen in der Regel einfache Waren, wie Körbe zum Transport von Kartoffeln, anderen Feldfrüchten oder von Fischen. Produkte dieser Machart fanden häufig auch ihre Verwendung bei zahlreichen Produktionsvorgängen in der Industrie. Die Korbflasche, ein vom Flechtwerk geschützter Glasballon, ist wohl allgemein bekannt. Wird geschälte und gebleichte Weide verarbeitet, spricht man von “Weißgeschlagener Arbeit”. Es entstehen feiner ausgearbeitete Produkte vornehmlich für den Haushalt - Wäschekörbe, Henkelkörbe - und für den Bürobereich - Papierkörbe. Länge und Dicke der verwendeten Weidenruten führen zu einer weiteren Differenzierung: “Groß-geschlagene Arbeit” besteht aus langen, dicken Ruten. Unter “Klein-geschlagene Arbeit” ist dem gegenüber die Arbeit mit den einen Meter kurzen, weißen oder gesottenen Weiden zu verstehen. Diese müssen besonders hochwertig sein, da sie andernfalls schnell brechen. So entstehen feine Körbe, vorzugsweise für den Tischgebrauch wie zum Beispiel Brot- und Obstkörbe, oder Nähkörbchen.
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https://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,735596
Zeugnisse filigraner Handwerkskunst im Korbmuseum Michelau
Von Gerda Völk 09. April 2019
16:30 Uhr Aktualisiert am:
03. Dezember 2019
Filigrane Handwerkskunst begründete einst den Ruf Michelaus als Wiege der Feinflechterei. Einige besonders schönen Stücke sind derzeit in der Sonderausstellung „FEINgeflochten - die Sammlung des Fachschuldirektors Ernst Schmidt“ im Deutschen Korbmuseum zu sehen.
Als Direktor der Staatlichen Fachschule für Flechterei hatte Ernst Schmidt stets ein Auge für besondere Stücke. „Es war ein Zufall, dass wir im vergangenen Jahr zwei Zuwendungen bekommen haben“, erklärte Ariane Schmiedmann, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Neben persönlichen Unterlagen umfasst die Sammlung auch Korbwaren aus aller Welt, sowie einige von Schmidts eigenen Arbeiten.
Von den 108 Stücken, die 2018 das Museum aus zwei Quellen erreichte, zeigt die Ausstellung 32 höchst unterschiedliche Exponate. Diese sind in den neuen Vitrinen des Museums untergebracht. Bürgermeister Helmut Fischer brachte bei der Ausstellungseröffnung seine Freude zum Ausdruck, dass es Ariane Schmiedmann wieder gelungen ist, eine Sonderausstellung zu organisieren.
Weltbekannt geworden
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Feinflechterei. Eine Technik, mit der das oberfränkische Michelau einst weltbekannt wurde. Die Ausstellung informiert auch über die einzelnen Schritte, die zur Herstellung feinster Weidenschienen notwendig sind. Vom Spalten der geschälten Weidenruten über das Hobeln der Weidenschienen auf die gewünschte Stärke, bis hin zum Schmälereisen, mit dem die Schienen auf die entsprechende Breite gebracht wurden.
Die so vorbereiteten Weidenschienen wurden anschließend über eine Holzform geflochten. Neben der Materialvorbereitung konnte die Herstellung eines Stückes zwischen einem Arbeitstag und mehreren Wochen dauern. Darin dürfte auch der Grund liegen, weshalb solch feingeflochtene Kostbarkeiten heute kaum noch hergestellt werden.
Ernst Schmidt, am 18. September 1916 in Mitwitz geboren, besuchte nach der Volkshauptschule einen einjährigen Zeichenlehrgang. Von 1932 bis 1935 absolvierte er eine Ausbildung an der Staatlichen Fachschule für Flechterei, die er als Jahrgangsbester abschloss. Nach kurzer Vertretertätigkeit in Berlin wurde Ernst Schmidt 1937 zum Arbeitsdienst einberufen. Die Marine-Navigationsschule schloss er mit den großen Steuermannsexamen ab. Nach dem Krieg berief ihn der damalige Fachschulleiter Professor Kaspar Daum als Aushilfsangestellter an die Fachschule in Lichtenfels, wo Ernst Schmidt nach einer vierwöchigen Vorbereitungszeit eine eigene Klasse übernahm. 1948 absolvierte er seine Meisterprüfung.
Nach Jahren als Fachschullehrer arbeitete Ernst Schmidt von 1967 bis zu seinem Tod im Juni 1973 als Direktor der Staatlichen Fachschule für Flechterei in Lichtenfels.
Vier Ausstellungsvitrinen
32 Exponate gibt es in vier Ausstellungsvitrinen zu bewundern. Exponate wie eine um 1800 in Oberfranken hergestellte Handtasche aus zum Teil gefärbten Weidenschienen künden von der hohen Kunst seiner Schöpfer. Dies gilt auch für eine Deckeldose, die mit Rautenmuster in den 1930er Jahren in der Korbfachschule hergestellt wurde. Sehenswert sich auch die Ausstellungstücke aus Nordamerika, Afrika oder Asien. Für Peter Dänner sind es die schönsten Teile, die er je gesehen hat. Begeistert war auch ein Besucher aus Berlin, der spontan einen Zwischenstopp im Museum einlegte. „Die Grenze zwischen Kunst und Handwerk ist fließend“, sagte er.
Die Sonderausstellung aus dem Nachlass des Fachschuldirektors Ernst Schmidt ist noch bis zum September im Korbmuseum in Michelau zu sehen.
https://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,735596