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LOTD: Ghurab
~sorry for delay - meant for February 2nd, 2020~
(from: http://www.ibiblio.org/lighthouse/sau.htm)
Ghurāb (North Ghurāb)
Date unknown. Active; focal plane unknown; white flash every 4 s. Described by NGA as a "red beacon." No photo available; Bing's satellite view shows a large tripod structure. Note: There is a much better known Ghurāb Island south of Jeddah. Located off the south side of an island at the northern end of the Farasān group, about 65 km (40 mi) northwest of Jīzān. Accessible only by boat. Site open, tower closed. Admiralty D7299.58 (ex-E6138.4); NGA 30752.
(sorry - no photo available)
Ghurab - Botenjunge
Er fühlte es lange, bevor es akut wurde. Schüttelte es ab, hörte nicht darauf. Weil er es nicht wollte.
Stattdessen gab er sich ganz dem Training hin. Dem Gefühl, seine Muskeln zum Brennen bringen zu können. Bladeborn setzen den Körper oft über den Geist, vertrauen ihren Knochen, Sehnen, dem winzigen Moment der Intuition tief im Bauch, der vielleicht von der Macht gelenkt wird, vielleicht aber auch tiefer sitzt, dem Gehirn der Echse entstammt, die man vor Jahrmillionen war.
Stilles zählen der Liegestütze. Die Hände breit aufgestützt, um statt die Schultern den Bizeps zu fordern. Schweißtropfen, die auf dem staubigen Boden aufklatschten. Über ihm die sich wölbende Silberscheibe des fremden Firmaments. Monde wie Traubenbündel tief über dem Horizont. Dort, wo der gewaltige Bogen des Eisrings die Linie des Meeres durchschnitt.
Der kleine Mond weit im Outback der Galaxis war wunderschön. Eine träge Brandung, die nach den blanken Zehen schnappte, atmende Bäume mit silbriger Rinde, die sich entgegen des sanften Windes wiegten. Wie Edelsteine funkelnde Krebstiere, die bei Ebbe weit über den tiefblauen Sand huschten und die das Nexuweibchen mit großem Entzücken jagte und eimerweise fraß.
Und vor allem war dieser Mond abgelegen. Einer der Rückzugsorte des Ordens, den die Bladeborn aufsuchten, nachdem sie einen Auftrag ausgeführt hatten. Um sich wieder zu reinigen. Um wieder ihre Mitte zu finden. Möglicherweise um zu heilen und manchmal um zu sterben. Fast immer, um stärker zu werden.
Abgelegen.
Und trotzdem diese Präsenz.
Ghurab knurrte frustriert, sprang auf die Füße und schüttelte die Arme aus. Der Nexu, halb in der Brandung stehend, drehte sich um, zog fragend das riesige Maul noch mehr in die Breite. Der Sith hob einen handtellergroßen Krebs auf, warf ihn weit hinaus ins Wasser. Wie ein Hündchen schoss das ponygroße Raubtier hinterher.
Die Präsenz.
Kam näher. Nagte an den Rändern seiner Wahrnehmung und reizte ihn. Er war nicht gut in solchen Dingen. In der ganzen Galaxis gab es nur drei Lebewesen, die er klar und auch auf Entfernung wahrnehmen konnte. Und nur eines davon wollte er nicht töten. Und dieses eine war es diesmal nicht, außer es hatte gelernt, eine Interceptor zu fliegen. Nicht, dass er es ihr nicht zutrauen würde. Aber bei aller Hochbegabung war ein Pilotenschein mit nicht einmal sieben Jahren doch etwas übertrieben.
Er stapfte durch den weichen Sand zurück zu seinem Schiff. Er wollte sich bewaffnen. Nicht, dass es viel nützen würde.
Als er die Destiny’s Edge erreichte, war ihm schon klar, dass es zu spät war. Über seinem Schiff hing ein anderes am Himmel.
Ghurab blieb stehen und blinzelte, sträubte irritiert die Tentakel. Das passte nicht. Oder doch? Es war die richtige Schiffsklasse. Und das Schwert-im-Baum-Wappen der Karaz prangte in dunklem Rot auf der Hülle direkt über der Pilotenkanzel. Aber der Rest ...
Der Rumpf war mit archaischen Zeichnungen bedeckt – darin Ghurabs eigener Interceptor nicht unähnlich – doch war es nicht die Bildsprache der Sith, spitz und mit Messerklingen in jedem Strich, sondern sich windende Monster umschlangen die Steuereinheiten, breiteten sich über die Turbinen aus und fraßen Sonne und Mond auf den ausgefahrenen Landestützen. Jemand hatte Teile von zakuulanischen Droiden am Rumpf befestigt, verdreht und zerfetzt. Und ganz vorne eine ehemals goldene Rüstung, die Knochen ihres Besitzers geschwärzt vom Eintritt in die Atmosphäre, zerrissen von der Macht und der Erbarmungslosigkeit des Alls. Dies war nicht mehr das elegante, kühle Schiff eines bis zur Schmerzgrenze kaltgeschmiedeten Lords. Das war ein Racheschwur aus Stahl, ein Versprechen, Tod und Verderben zu bringen.
Unter all’ den martialischen Dekorationen war die Registrierung dennoch deutlich zu erkennen. Der Besitzer des Schiffes wollte nicht unerkannt bleiben. Sein Kampf wurde wieder mit offenem Visier geführt.
Die Rememberance. Das persönliche Schiff von Lord Rednelak Karaz.
Die Rampe an der Unterseite öffnete sich, die Hydraulik zischte und spuckte Nebel. Ghurab machte sich bereit. Die Rememberance war nicht gelandet. Die bullige Gestalt in schlichter, schwarzer Robe ließ sich die fünf Meter zu Boden fallen. Die schweren Stiefel drückten sich bis zu den Knöcheln in den Sand.
Auch der Lord war unbewaffnet.
Ghurab zog die Schultern hoch, nahm die Arme leicht zur Seite. Angriff oder Verteidigung. In einer anderen Ebene, als der, die wir mit den Fleisch-Augen sehen, stand der junge Reekbulle dem alten Drachen gegenüber.
Lord Rednelak blieb stumm. Betrachtete. Die gelben Augen wanderten ohne sichtbares Urteil über die Szenerie, schienen seinen jüngsten Sohn nur als Teil der Landschaft wahrzunehmen.
Ghurab biss an. Wie immer. „Was willst du?“
„Ratintias, tin’a“
Ghurab atmete tief ein. Ah, das also. So offiziell und gestelzt, dass der Alte sogar mit der Sprache der Vorfahren anfing. Uncharakteristische Vorsicht riet ihm dazu, mitzuspielen. „Ratintias, wisosûta.“
Lord Rednelak stellte noch ein letztes Detail klar: „Nu tsrizûtairiki j'us ra zûtaosini“, dann war der Formalität genüge getan – nicht, dass Ghurab der Aussage „Ich will dich nicht angreifen“ Vertrauen geschenkt hätte.
„Nochmal – was möchtest du ... Vater?“
Der Lord griff in seine Robe und warf ihm ein Datapad zu. „Du wirst zu Borraa gehen. Es gibt Spuren, die ich nicht ohne ihr Wissen weiterverfolgen kann.“
Ghurab betrachtete das Pad. Verschlüsselt. Natürlich. Zorn machte ihm die Brust eng.
„Und warum gehst du nicht selbst zu deinem Lieblingskind? Ach, ich kann’s mir denken. Du willst ihr nicht zu nahe kommen, weil sie es sonst sehen könnte.“ – „Droh’ mir nicht, Junge.“ Die Stimme des Lords war frei von Gefühlen. Wie immer.
„Ich drohe nie, Vater. Ich greife an oder nicht. Und jetzt greife ich nicht an. Ich stelle nur Fakten fest. Und ich glaube, ich bin ganz nah an der Wahrheit, nicht? Hey, ich verurteile dich nicht, jetzt sind wir uns doch das erste Mal richtig ähnlich, nicht w-...“ der beiläufige Schlag mit der Macht fegte Ghurab mehrere Meter und an den Stamm eines Mangrovenbaums. Presste ihm die Luft aus den Lungen und ließ ihm Blut aus der geplatzten Lippe tropfen.
Rednelak gab kein weiteres Zeichen seiner Verärgerung. Aber auch diese kurze Entgleisung zeigte mehr Emotion, als der Lord seinem Sohn gegenüber in den letzten anderthalb Jahrzehnten aufgebracht hatte.
„Du verbringst zu viel Zeit mit den Wilden, Vater“
„Geh zu Borraa. Gib ihr die Daten. Hilf ihr, falls sie dich benötigt.“
„Das werde ich nicht tun, der Orden-...“ – „Der Orden weiß Bescheid. Du wirst die Anweisungen deiner Oberen in den nächsten Stunden erhalten.“
Und damit war die herzliche Familienzeit beendet. Rednelak sprang anstrengungslos zurück auf die Rampe der Rememberance. Die Luken schlossen sich und die Triebwerke heulten auf, ließen Sandwolken vom Strand aufsteigen wie die Geister der Vergangenheit.
Drei Minuten später war es, als sei diese ganze Episode nur eine Illusion gewesen. Zu viel Sonne. Vergorene Früchte. Ein Sturz beim Training samt Kopfverletzung.
Wäre nicht das Datapad.
Ghurab ging zur Destiny’s Edge. Es würde bestimmt möglich sein, die Verschlüsselung zu knacken.
Ghurab - Katzenfutter
Das Schwierige war nicht, an sie heranzukommen. Nein, das war sogar erstaunlich einfach. Ein fast langweiliger Auftrag, den ich für den Orden ausführte. Nichts als ein wenig Rache. Kühler Zorn und strafendes Zuschlagen. Niemand tötet eine der Klingen, ohne zu bezahlen. Das Schwierige war, die Blecheimer zu bekommen, ohne dass sie in tausend Einzelteile zerfetzt wurden, damit man besser mit ihnen spielen kann.
(Nicht Tannan. Derzeit muss ich mich mit anderen verspielten Wesen herumschlagen.)
Aber von Anfang.
Vor einer Woche gab ich Tannan bei Skaara ab. Derzeit noch auf Onkel Ginyus Anwesen im Dschungel, wirkte der Miraluka aber so, als würde ihn im Moment alles fortziehen. Ich habe nicht nachgefragt. Ich vertraue ihm. Er wird meiner Tochter die nicht sichtbaren Wunder der Macht zeigen und sie dabei hüten wie … fast hätte ich „seinen Augapfel“ gedacht und das wäre nun wirklich absurd. Auf jeden Fall muss ich mir keine Gedanken machen.
In meinem Kopf steht die Vorbereitung auf das Opferritual des Togruta und ich sehne mich nach Ablenkung, um nicht jedes Mal in Zorn zu verfallen, wenn ich daran denke. Es ist eine ständig offene Wunde in mir. Ich sehe überlebensgroß, was vor mir liegt und es gefällt mir nicht.
Dass ich dann erfuhr, dass die Zakuulaner einen meiner Brüder aus dem Orden getötet hatten und ich dafür ausersehen war, Rache zu üben, passte mir. Es würde ablenken, mich fokussieren und auf meine Aufgabe hin erden.
Ich war vorher noch nie auf Felucia gewesen und von der überbordenden Natur sehr angetan. Der regentriefende Urwald, die moschussatten Gerüche und die tief im Boden widerhallenden Geräusche der Tiere berührten mich im Inneren. Vielleicht sollten ich einmal mit Meister Concabille und Tannan herkommen …
Nicht, dass diese kraftvoll-lebenspralle Umgebung für meinen Auftrag relevant gewesen wäre. Search and destroy, mehr gab es nicht zu tun.
Und, wie gesagt … es war fast zu einfach. Wie hatte diese überhebliche Frau in ihrer goldglänzenden Rüstung überhaupt einen der Bladeborn töten können? Vermutlich gegen den Wind angeschlichen und über eine Klippe geschubst.
Seit sie uns angegriffen haben, fühle ich nichts als Verachtung für diese Kultur, die ihre Bürger zu sabbernden Zombies macht und ihre Krieger zu hirnlosen Maschinen, die sich nur noch durch die ständig geblökten Propagandaphrasen von ihren droidischen Begleitern unterscheiden. Widerliches, wert- und ehrloses Pack.
Die Droiden … genau. Die Ritter sind selten allein unterwegs – noch etwas, das sie von uns Bladeborn unterscheidet – und auch diese hier hatte eine Eskorte von vier Metallfreunden dabei. Als ich sie sah, klang mir Borraas kratzige Stimme in den Ohren. Ihre Bitte, für ihre Schülerin (hatte sie nicht einen Schüler? Na, vermutlich hat sie ihn kastriert) noch fast funktionsfähige Skytrooper mitzubringen. Meiner Schwester einen Gefallen tun. Absurder Gedanke. Aber andererseits will sich Meister Concabille aus mir unerfindlichen Gründen bei meinem Vater beliebt machen. Und Vater neigt dazu, mich und alles, was zu mir gehört, mit etwas mehr Wohlwollen zu betrachten, wenn ich … nett zu Borraa bin. Also bekommt sie ihre verdammten Droiden.
Und hier kam ins Spiel, was mich eben doch nicht ganz zum Einzelgänger macht. Der Orden hat sich in den letzten fünf Jahren anpassen müssen. Unsere Zahl schrumpfte zu schnell und wir sind mittlerweile zu versteckt, um noch genug Rekruten zu finden. Doch unsere Pflichten nehmen auf Unterzahl keine Rücksicht. Also wurde diskutiert und beraten und man einigte sich darauf, die uralte Tradition von Kampftieren für uns wiederzubeleben. Helfer auf unseren Jagden. Mit den archaischen Regeln des Ordens vereinbar.
Weshalb ich nun seit anderthalb Jahren ein Nexuweibchen auf- und mittlerweile eher erziehe. Sie heißt Dis. Weil ich nicht vorhatte, mich an sie zu gewöhnen. Sie ist ein Problem, da sie sich nicht mit meiner Zeldrate versteht – schon als Dis mir noch nicht einmal bis zum Knie reichte, wollte sie die Echse angreifen, umgekehrt herrscht völlige Ignoranz – und ich so gezwungen bin, auf dem Rücken der Nexu in die Schlacht zu ziehen, anstatt auf der Zeldrate. Sie springt und klettert besser, ist aber unbequemer. Aber ansonsten ist Dis hilfreich, seit sie begriffen hat, dass es Freude bereitet, Skytrooper anzuspringen und zu zerlegen. Wenigstens einer von uns, der Spaß an den Blecheimern hat.
Aber genau diese Freude machte mir nun Schwierigkeiten. Wie gesagt – die Zakuulanerin zu töten war nicht wirklich herausfordernd. Sie finden es immer sichtbar amüsant, wenn man sie und ihre Lichtlanzen mit einer Vibroklinge angreift. Allerdings nie lange.
Die Arbeitsteilung, die sogar Dis recht schnell begriffen hat, ist immer die gleiche: Ich vermeide die Skytrooper und greife den dazugehörigen Ritter an. Dis darf mit den Droiden spielen, bis sie kaputt sind.
Dass der Nexu nun nicht verstand, warum ich diese Abmachung außer Kraft setzte, kann ich ihm nicht zum Vorwurf machen. Auch nicht, dass Dis dann dachte, ich wollte mitspielen, als ich die tote Ritterin achtlos gegen den Stamm eines der riesigen Pilzbäume schleuderte und daran ging, Skytrooper einzusammeln.
Nein, ich kann ihr nicht böse sein. Dennoch schmerzt die tiefe Krallenwunde an meinem Oberschenkel und das Zischen der zerbissenen Runen auf meiner Armschiene ist auch nicht gerade erbaulich.
Nach dem Kampf ist es bis auf das monotone Vogel- und Echsengeschrei still. Ein paar Blastereinschüsse lassen Rauchfäden von den Stämmen in den sporengeschwängerten Himmel steigen. Dis sieht ihnen hinterher, hat katzenüblich von einem Moment auf den anderen jedes Interesse an ihren Spielzeugen verloren.
Ich mache mich auf den Weg zurück zum Versteck der Destiny´s Blade. Als erstes Koltospray suchen, damit sich die Kratzer nicht entzünden. Dann schleppe ich die zerstörten Skytrooper an Bord. Und dann mache ich mich auf den Weg zu Borraa. Oder zu ihrem…r Schüler…in.
Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit, meine Schwester ein wenig zu ärgern, so lange ich der brave Bruder bin, der ihr so nett etwas vorbeibringt. So brav.
Ghurab - Vorbereitungen auf das Opfer
Die Stadt schläft tiefer als früher. Weniger Lichtpunkte in der Luft und in den Fenstern; kaum noch Schiffe, die schwer wie Wale über den Türmen hängen. Fast fünf Jahre, seit ich das letzte Mal hier war. Was hätte mich auch herziehen sollen? Der Orden ist dort, wo er gebraucht wird. Und derzeit wird das Imperium im Wild Space verteidigt, nicht auf Dromund Kaas. Außerdem machen wir uns rar, denn niemand soll auf uns aufmerksam werden.
Aber diesmal ging es nicht anders. Ich musste herkommen.
Ich trete auf die Terrasse des Penthouse hinaus. Schließe die Tür zum Schlafzimmer leise hinter mir. Es ist so früh, dass es fast noch spät ist. Am Horizont zeigt ein grauer Streifen den anbrechenden Tag. Ich gehe zur Brüstung und steige hinauf. Setze mich auf die kühlen Steine und lasse die Beine ins Nichts hängen. Unter mir nur der Sog der Leere, wie jedes Mal, wenn ich hier bin. Irgendwo vor mir im Dunkel ist das Hochhaus, das meiner Familie gehört. Oder gehörte. Auch am Vermögen der Karaz ging dieser Krieg nicht spurlos vorüber. Was will sie nur mit dieser Familie, warum will sie diesen Namen, gegen den ich mein ganzes Leben gekämpft habe? Es gehört zu den Dingen, die ich im Moment nicht verstehe.
Sie schläft noch. Unser Wiedersehen war wie immer … anstrengend. Auf gute Weise. Und wie immer war es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es ist eine Harmonie, die mich zornig machen sollte, impliziert sie doch, dass ich allein nicht vollständig bin. Macht mich dadurch unfrei.
Genau wie ich mich auch dieses Mal wieder für sie an eine Kette gelegt habe. Diesmal die dieses seltsam bleichen Togruta, dessen Gedanken in Schleifen zu laufen scheinen. Ihres neuen Meisters …
In meinem Kopf wachsen Worte, die ich nicht hören will und die trotzdem dort feststecken und aus dem Dunkel hervorbeißen. Wird Meister Concabille alt und unsicher? Sie hat sich schon wieder an jemanden gebunden, obwohl sie doch weiß, dass es zu nichts führt. Wir wollten immer frei sein, das Ende des Sith Code erreichen. Und dennoch sucht sie sich wieder einen Meister. Wozu? Die schwarzen Gedanken flüstern: Sie hat Angst. Sie erträgt es nicht, auf sich gestellt zu sein.
Es gab nie einen festeren Fels für mich. Sie war das Fundament, von dem aus ich emporstieg. Sie gab mir die Flügel, mich aufzuschwingen. Jetzt bin ich frei, diene nur dem Orden, den ich gewählt habe und der das ist, was ich immer gesucht habe. Nichts hält mich zurück.
Und doch sind die Ketten noch da. Die, die ich nicht abstreifen will. Weil ich nicht sein möchte wie der Rest der Familie. Die Kette zu Tannan, die in ihrem bisher fast nie benutzten Kinderzimmer schläft und vermutlich von den tausend Sorten Eis träumt, die sie gestern in einem Laden am Raumhafen gesehen hat. Und die Kette zu meinem Meister. Denn Loyalität ist ein Pfeiler meiner Ehre.
Ist es auch eine freiwillige Kette, die sie an diesen Togruta bindet? Ich kann es nicht verstehen. Sie braucht ihn nicht. Er hält sie nur zurück, ihrer Bestimmung zu folgen. Sie schuldet ihm nicht das Geringste. Aber es ist nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen.
Ein anderer schwarzer Gedanke erzählt von ihrer Besessenheit von Aroval. Der alte Darth ist schon lange nur noch ein Fleck vor einer Sonne und trotzdem kann sie nicht loslassen. Wie Puzzlestücke passen die Gedanken ineinander. Ihre Angst, auf sich gestellt zu sein. Sie greift nach alten und neuen Herren wie Tannan nach meiner Hand, wenn wir in unbekanntem Terrain unterwegs sind.
Nein, nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen.
Ich werde ihr helfen, dieses Ritual zu vollziehen. Werde ihr eine Stütze sein und ihr damit einen Bärendienst erweisen, weil ich ihr wohl nicht zutraue, allein nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
Wenn dies alles vorbei ist, muss ich sie wieder zu einem richtigen Kampf fordern. Muss Blut fließen, damit wir sehen können, wessen Band in der Macht stärker ist. Und dann wird sich zeigen, ob ich in der Lage bin, ihr die Angst zu nehmen. Ich bin ihr Schüler, aber es scheint, als müsste ich ihr zeigen, dass sie keinen Meister braucht.
Meine Gedanken gehören ihr. Ob ich das will oder nicht.
Ich ziehe die Beine auf die Steinbrüstung in einen Lotussitz und lasse mich in die einstimmende Atmung fallen. Ein wenig Meditation, dann ein wenig Training. Dann werde ich die beiden wecken – wenn Tannan nicht schon lange in unserem Schlafzimmer ist – und wir werden uns wieder trennen.
Ich muss mich vorbereiten. Auf das Opfer, das der Togruta fordert. Und ich muss Tannan in Sicherheit bringen. Bei Skaara kann ihr nichts passieren und sie werden vermutlich gemeinsam durch alte Jediruinen wandern, um Artefakte zu suchen. Vielleicht ein wenig moderate Lebensgefahr. Dennoch würde ich meine Tochter niemand anderem anvertrauen wollen, so lange der Meister und ich um das schwarze Loch herumtanzen, das Aroval gerissen hat und das sie anzieht wie Licht eine Motte.
Und bis der Togruta mich rufen wird, werde ich noch für den Orden kämpfen. Zakuulanische Ritter töten und vielleicht, wenn ich gute Laune haben sollte, auch für Borraa ein paar nicht zu zerstörte Skytrooper mitbringen. Natürlich nur um zu sehen, wie sie an ihnen scheitert.
Die Macht wird mich befreien …
Ghurab - Verpflichtungen
Ich gebe die Koordinaten von Hand ein. Der Speicher des Navcomputers ist so leer wie immer seit bald fünf Jahren. Niemand, dem dieses Schiff mit seiner neolithischen Bemalung, die es wirken lässt, als hätten die ersten Sith es als eine Jagdgottheit verehrt, unbefugt in die Hände fällt, kann seine Wege zurückverfolgen. Eine unnötige Vorsichtsmaßnahme? Vielleicht. Immerhin gibt es die Bladeborn offiziell schon lange nicht mehr. Ausgelöscht von den unendlichen Wellen der Zakuulaner. Verschwunden von jeder Karte. Nicht einmal das Imperium weiß noch, dass wir existieren.
Aber wir sind da. Dort, wo wir immer waren. Auf unserem Mond. Mitten unter den Planeten und Systemen der braven Schafe, die sich unterworfen haben. Und tun das, was wir schon immer getan haben – den Kampf zum Feind tragen. Mit der Gewalt der Jahrtausende, archaisch und ein Blick zurück auf das, was die Zivilisation uns genommen hat.
Der Feind …
Es gab Diskussionen in unseren Reihen. Was ist der Feind? Natürlich die Jedi. Die, die schon immer versucht haben, uns auszulöschen.
Aber nun ist da auch der andere Feind. Der Feind, der die Jedi so mühelos vor sich hertreibt. Der Feind, der nichts ist als eine gesichtslose Maschine. Dessen entpersonalisierte Kriegsführung alles versinnbildlicht, was wir hassen. Dem Ehre fremd ist.
Also haben wir unsere Ziele vorübergehend angepasst. Niemand wird die Jedi auslöschen außer uns. Deshalb greifen wir nun die zakuulanischen Ritter an. Immer noch im Kampf Mann gegen Mann. Einzeln und zu unseren Bedingungen. Bis dieses blinde neue Imperium zu Boden gezwungen ist und wir uns wieder dem richtigen Krieg widmen können.
Wir arbeiten nun völlig unabhängig von jedem staatlichen Konstrukt. Der kümmerliche Rest des Sith Empire hat uns vergessen, hält uns für tot. Und das ist uns nicht unrecht.
Ich will nicht behaupten, dass der Kampf gut liefe. Wir haben viele Krieger verloren. Der Orden ist zusammengeschmolzen wie ein Schneefleck im Frühling. Aber es ist nicht das erste Mal in der Geschichte des Ordens, dass wir von einer sehr ungünstigen Position aus angreifen. Und wir sind nicht die einzigen, die sich gegen die Zakuulaner auflehnen. Hoffnung ist ein zu starkes Wort. Entschlossenheit passt besser.
Und neben meinem Job als Racheengel bin ich im Moment auch Babysitter.
In diesen Zeiten ist Tannan genau an zwei Orten sicher: Bei mir oder bei Meister Concabille. Wir sind beide recht paranoid, was sie angeht. Ihre Fähigkeiten wachsen mit jeder Woche, die vergeht und es wird immer deutlicher, dass das, was sie im Moment ihrer Geburt so besonders gemacht hat, beginnt, die Flügel auszubreiten. Wir müssen sie schützen. Also ist sie entweder dort, wo immer der schrullige Arbeitgeber des Meisters sie hinbeordert, oder sie kommt mit mir. An vorderster Front sucht niemand nach einem Kind auf der silbernen Linie zwischen Licht und Dunkelheit. Und niemand kann sie beschützen, wie ich es tue.
Schnelle Schritte, sie stürzt neben mich, umfasst mich an der Hüfte und strahlt nach oben. „Das ist soooo toll! Ich freu mich totaaal auf Atla!“
Ich blinzle einen Moment reptilhaft-verwirrt. Was …-
Das Com beginnt monoton zu piepen. Nur sehr, sehr wenige können mich hier erreichen. Die Frequenz macht mich zornig, sobald ich sie sehe. Die Voidwalker. Vater. Tannan hampelt begeistert neben mir herum. Anscheinend hat sie wieder Gedankenfetzen ihres Großvaters aufgefangen. Sie weiß, dass sie das nicht darf und irgendwann wird der große Drache sich umdrehen und den Kolibri mit einem Klauenschlag zerquetschen. Aber im Moment scheint er sie zu tolerieren. Warum auch immer.
Ich werde sie später disziplinieren. Jetzt bekommt sie nur einen strengen Blick, bevor ich den Comkanal öffne.
Das blaue Bild, das sich ins Leben zittert zeigt nicht Vater. Kein riesiger Schatten mit der kalten Präsenz eines Gletschers. Statt dessen – Nauras! Ich entspanne mich, lasse die emotionale Mauer fallen, die ich mir für die stetige Konfrontation schon aufgebaut hatte. Ich bekomme ein Lächeln. Niemand unserer Familie, der er so hingebungsvoll und bis zum letzten Blutstropfen loyal dient, hat ihn je lächeln sehen. Nur ich. Ich erwidere die Herzlichkeit. „Brolin …“ Bruder. Wir waren immer Brüder. Er neigt kurz den Kopf. „Bruder, du weisst, dass ich deine Sicherheit nicht ohne Grund mit einem Höflichkeitsanruf gefährden würde.“
Ich nicke. Auf den Punkt wie immer. „Schon klar. Vater schickt dich vor?“ – „Der Lord bittet dich darum, dass du die Herrin Borraa suchst. Sie ist … unerwartet verschwunden.“
Ich hebe überrascht einen Brauenwulst. Natürlich hat Vater Nauras gegenüber keinerlei Höflichkeiten verschwendet. Er hat angewiesen und der Rattataki packt diese Befehle in freundliche Worte. „Soll heißen ..?“ – „Niemand weiß warum und wohin. Aber ihr Schiff hat einen Tracker. Ich übermittle dir die Frequenz.“
Ah, man geht also schon davon aus, dass ich praktisch auf dem Weg bin. Diese Familie ist manchmal viel zu berechenbar. Aber ich bin neugierig. Und hätte nichts zu tun, als zur Basis zurückzukehren. Also gut, schlucke ich den Köder. Womöglich bietet sich auch die Chance, meine geliebte Schwester in Schwierigkeiten zu sehen, was immer eine Reise wert ist.
„Gehen wir einmal davon aus, dass ich sie tatsächlich suche … was soll ich tun, wenn ich sie gefunden habe?“ – „Herausfinden, was mit ihr los ist, denke ich.“
Ich muss lachen. „Sicher. Wir setzen uns zusammen, trinken Tee und betreiben Geschwisterbindung. Unsere Paradedisziplin!“
Auch von ihm ein leises, zurückhaltendes Lachen. „Das meine ich nicht. Ich glaube, der Lord ist davon überzeugt, dass eure Rivalität mehr zu Tage fördern kann als jede Empathie.“ – „Na großartig. Ich wollte schon immer Borraas Therapeut sein. Aber vielleicht ist es ja ganz amüsant, sie einmal mit Vaters Segen zur Weißglut zu bringen. Für das höhere Wohl, versteht sich.“
Er grinst mit schief gelegtem Kopf. „Das höhere Wohl … ja genau“
Neben mir flüstert Tannan durchdringend „Wir müssen noch Atla abholen.“
Nauras hebt die haarlosen Brauen. Dann schüttelt er den Kopf, auch er hat schon ein paar Mal Tannans Fertigkeiten in Aktion erleben dürfen. „Ja, Tannan. Du hast recht. Der Lord wünscht, dass ihr die Erbin mitnehmt. Ich treffe euch mit der Rememberance.“
Irgendwie ist wieder einmal schon alles klar. Wie so oft, wenn das Oberhaupt der Karaz etwas plant. Es geschieht dann einfach. Es macht mich jedes Mal zornig, aber derzeit bin ich nicht in der Position, diese ganze Sippe anzugehen. Also spiele ich mit. Und Borraas vermutete Schwierigkeiten sind natürlich ein gar zu süßes Bonbon.
Also nicke ich. „Wir sind auf dem Weg.“
Hinter mir rennt Tannan los, um im Schiff herumzupoltern und aus voller Kehle „Wir treffen Atla! Wir treffen Atla!“ zu singen.
Nauras lächelt wieder, als wir uns verabschieden.
Wieder einmal werde ich in das undurchdringliche dunkle Netz gehen, das Borraa um sich aufspannt. Ich werde wachsam bleiben.
Master and Apprentice.
Ghurab, busy with bringing sexy back (because somebody took it away and he has to return it).
Maybe I´m getting numb ... but KOTFE doesn´t seem to be as horrendously boring as I remembered it the last five times.