Severed Steel - Lieber Arm ab als arm dran?
https://store.steampowered.com/app/1227690/Severed_Steel/
Allgemeine Infos
Severed Steel von Greylook Studio verspricht einen einzigarten Protagonist, stylische Kampfmanöver, vollständig zerstörbare Umgebung und eine dynamische KI. Ob das Spiel die vorgebrachten Versprechen jedoch halten kann und, wie es sich in den 5 Stunden geschlagen hat, bis ich alle Steam Achievements (Stand 30.10.2021) hatte, möchte ich euch jetzt erzählen.
Die Kampagne und ihre Story
Die erste Stunde ging bei mir tatsächlich für einen Großteil der 6 Kapitel langen Kampagne drauf. Insgesamt würde ich behaupten, habe ich 1,5 Stunden dafür benötigt. Während den ersten Leveln der Kampagne wird einem das grundlegende Movement mit unser einarmigen Protagonistin Steel beigebracht.
Die Story der Kampagne wird in kurzen animierten Sequenzen erzählt, lässt jedoch eher zu wünschen übrig, denn weder ist sie synchronisiert, noch ist sie besonders erwähnenswert. Steel wurde in einem Labor der Megacorporation EdenSys ihr Arm abgenommen und will nun Rache. So weit, so Klischee.
Im Laufe der Kampagne bekommen wir nebst verschiedensten Waffen, die wir von Gegnern erbeuten, auch einen Ersatz für unseren Arm. Es handelt sich um eine Armkanone, mit der wir unsere Umgebung frei umgestalten dürfen. Zumindest solange wir nicht versuchen aus den Levelgrenzen auszubrechen und genügend Energie durch Gegner-Kills sammeln. Damit kann das Gemetzel also seinen Lauf nehmen.
Movement und seine Eigenheiten
Abgesehen vom normalen Laufen und Springen ist es möglich an jeder festen Wand zu laufen, auf dem Boden zu Rutschen und im Sprung zu Hechten. Auch ein Doppelsprung ist mit von der Partie. Hinzu kommt noch das Abstoßen mit einem Tritt, um beim Wandlaufen zum Beispiel die Richtung zu wechseln oder Gegner zu plätten.
Beim Hechten im Sprung können wir uns komplett auf den Kopf drehen. Während die Steuerung dafür anfänglich verwirrend anmutet, so gewöhnt man sich schnell daran. Während wir Rutschen, Hechten oder Wandlaufen sind wir zudem unverwundbar, weshalb man immer wieder diese 3 Hauptaktionen aneinanderreiht.
Jedoch nicht genug, dass wir währenddessen unverwundbar sind, wir haben zudem noch die gute alte Bullet Time, wie man sie aus Filmen wie der Matrix-Reihe oder jedem anständigen Actionfilm seit 2000 kennen. Sie ermöglicht es uns die Zeit zu verlangsamen, was uns das Zielen während der schnellen Bewegung des Spiels überhaupt erst richtig ermöglicht.
Beim Rutschen gibt es eine Besonderheit: je schneller wir in einen Gegner hineinrutschen, umso mehr Schaden machen wir an ihm. Das bedeutet, das man Treppen und Rampen nutzt, um Gegner mit einem gepflegten Tritt in den Allerwertesten auszuschalten. Der reguläre Tritt wird hierfür nicht gebraucht, dieser ist dazu da mit dem ersten Tritt zu Entwaffnen und im Anschluss den Gegner mit seiner eigenen Waffe zu erledigen.
Wie passt das mit der Ästhetik zusammen?
Während wir uns also so durchmetzeln und Level für Level in der Kampagne und im Firefight abschließen, ist ein wichtiger Punkt die Grafik und die Musik.
Severed Steel ist was Optik angeht, definitiv kein Wunderwerk der Technik. Was es aber mit den Gegebenheiten macht, kann sich definitiv sehen lassen. Die Effekte der Waffen und von Explosionen sind schön anzusehen und muten manchmal fast comichaft an, was sehr zu dem Neon-Cyberpunk-Stil des Spiels passt.
Parallel dazu wummern uns Songs um die Ohren, die einen düsteren Vibe versprühen und das Gameplay perfekt untermalen. Das trifft bestimmt nicht jeden Geschmack. Man fühlt sich die ganze Zeit, als wäre man in einem Actionfilm mit einem hyperaktiven Protagonisten, der fast inflationär mit Parkour-Bewegungen um sich wirft.
Da kommt jedoch auch einer der für mich negativen Punkte des Spiels zu Tage. Die gewaltige Flut an Reizen, macht es zumindest mir nicht möglich das Spiel länger als eine, maximal zwei Stunden am Stück zu spielen, so sehr ich das Gameplay, die Musik und die Grafik mag.
Was kommt noch?
Auch wenn ich derzeit nur knapp 5 Stunden gespielt habe, ist es mir in der Zeit wie erwähnt möglich gewesen, die Steam Achievements abzuschließen. Das ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Es gibt die Möglichkeit eigene Level für den Firefight Modus zu erstellen und man kann, nachdem man ein gewisses Level in diesem Modus erreicht hat, einige Mutatoren aktivieren.
Doch wofür das alles? „Für die Punktejagd!“, höre ich die Entwickler rufen. Ich denke ich werde auf Severed Steel jedoch nicht deswegen ab und zu wieder zurückgreifen, auch wenn Workshop-Level und Punktejagd verlockend sind. Sondern eher, um immer mal wieder ein wenig zu den Dark Electronic Beats mit ein wenig Geballer abzuschalten.
Geplant ist aber für Severed Steel noch einiges. So soll im November 2021 das New Game + Update kommen, für Januar 2022 ist eine Kampagnenerweiterung angekündigt und im März 2022 gibt es einen verbesserten Level Editor und bis September 2022 sollen weitere Updates folgen.
Ob das jedoch am Ende genug ist, um einen immer wieder für Wochen lang zurückzuholen, wage ich zu bezweifeln. Der Replayability tut dies jedoch gewiss keinen Abbruch.
Fazit
Kann denn Severed Steel nun seine Versprechen eigentlich halten? Reden wir doch mal drüber:
Die einzigartige Protagonistin Steel ist nur bedingt etwas Neues. Eine einarmige Dame, die eine Armkanone angeflanscht bekommt, ist bisher in keinem der von mir gespielten Shooter vorgekommen. Jedoch kenne ich aus dem Shadowrun-Universum und auch bei anderen Cyberpunk-Universen einige Geschichten über Cybergliedmaßen und experimentelle Waffen, die ähnlich anmuten.
Stylische Kampfmanöver bietet das Spiel definitiv und der Kampf spielt sich sehr flüssig und ist unterhaltsam. Währenddessen fehlt es zwar nicht an ordentlicher Zerstörung in den Leveln, jedoch halten sich unsere Möglichkeiten dafür definitiv im Rahmen der Levelgrenzen.
Bleibt noch die dynamische KI. Tatsächlich haben sich Feinde immer wieder ein wenig anders verhalten, auch wenn ich mich auf dieselbe Weise bewegt habe. Zumindest war dies mein Empfinden. Dies kann von diversen Faktoren abhängen: ob ein Gegner Steel nicht doch wahrgenommen hat oder die Position doch ein klein wenig anders war. Leider war das für einige Challenges im Firefight nicht hilfreich.
Am Ende bleibt jedoch definitiv die Armkanone dran und ich kann das Spiel für das gelegentliche Spielen zwischendurch empfehlen und werde es selbst so halten. Wer jedoch eine gute Story erwartet ist bei diesem Action-Shooter fehl am Platz.














