nicht-
ich habe Tage, an denen mich das Nichts-tun nicht krank macht. dann fasse ich das Leben in Zeitlupe an. verharre mitten in Bewegungen, in Gedanken, erstarre zu einer Skulptur, deren Gesichtszüge sich noch finden, zart aber zerstreut, mit Stationen auf der gesamten Körperoberfläche. ein Verwundertes, ein Lächeln, von Mundwinkel bis Großzehe. dem Druck entfallen, der eigenen Hetzerei, ist es an diesen Tagen egal: was alles zu tun wäre. ich kann dem Vogelzwitschern lauschen, mit offenen Augen nichts sehen. vor allem kann ich nicht, bin dazu fähig nichts zu tun, ich kann nicht-arbeiten, nicht-lesen, nicht-lernen, nicht-aufräumen, nicht-laufen, nicht-planen, nicht-erzählen, nicht-sorgen, nicht-müssen. ich kann das ohne Vorwürfe, ohne dass es an mir nagt, mich zerkaut und zerfrisst: das umfassende Sollte und die Tatsache, nicht zu schaffen, es in einen Ist-Zustand zu versetzen. ich weiß es und merke es gerade wieder, sie sind zu selten, viel zu selten: die Tage, an denen wir nur daliegen und es gut sein lassen, genug






