12. Mai – Ihrer Hände Arbeit
Um halb eins bin ich beim Fruit & Veg in der Stadt mit John verabredet, dem Geschäftsführer von Iiyimati. So heißt die Firma der Jungs, die ihr Biogemüse auf dem Markt anbieten. Mein Vorschlag, eine Geschichte über die Bauern aus dem Township zu bringen, ist in der montäglichen Frühkonferenz gut angekommen. Als ich John anrufe, um mitzuteilen, dass ich da bin, fragt er: „Trägst du ein weißes T-Shirt mit Streifen?“ Ja, das tue ich. Wer sonst auf diesem großen Parkplatz könnte wohl die Journalistin der deutschen Zeitung sein? Weil er kein Auto hat, fahren wir gemeinsam mit dem Taxi in den Nordosten von Katutura, wo Iiymati ihre Produkte anpflanzt. In einer kleinen Straße, gleich hinter dem einstöckigen, rosafarbenden Krankenhaus, steht eine Art Gewächshaus aus Stöcken und Netzen. Hier bauen die Freunde in kleinen Beeten, die mit Ziegelsteinen abgesteckt sind, allerhand an: Spinat und Knoblauch, Zwiebeln, Koriander, Fenchel, Brunnenkresse. John erklärt mir die Pflanzen und die Art und Weise des Anbaus. Dann führt er mich hinter das Gewächshaus. Hier stehen auch kleine Tomatenpflanzen, Zitronengras und das kleinste Maisfeld, das ich je gesehen habe. Auf vier Quadratmetern stehen gelbliche Pflanzen, von denen keine meine Körpergröße übertrifft. Ich kann nicht an mich halten und erzähle kurz von deutschen Maisfeldern. Stoppe mich dann aber, weil ich merke, wie blöd der Vergleich ist.
Viele Fotos mache ich auch. Von den Jungs, den Kräutern und auch in Kombination. Als ich genug fotografiert habe, kann das Interview beginnen. Dafür stellt John drei Plastikeimer in den Schatten unter einen Baum. Ich bekomme natürlich den höchsten. Als es John im Laufe des Gesprächs auf seinem ungemütlich wird, nimmt er trotzdem nicht meinen Sitzplatz an. Mir kommt der Gedanke, dass ein Mangel an Gleichberechtigung für mich manchmal mit einem Plus an Komfort einhergeht.
Sie erzählen von ihrer Vision und den Anfängen ihres jungen Unternehmens. Auch über den Namen klären sie mich auf. „Iiyimati“ heißt „Früchte“ auf Oshiwambo. Der Name spielt auf die Früchte ihrer Arbeit an. Als das Gespräch beendet ist, nehmen wir wieder gemeinsam ein Taxi in die Stadt. Zwei andere Gäste steigen auf dem Weg ein. Ich sitze recht beengt auf der Rückbank, gebe zur allgemeinen Erheiterung meine Oshiwambokenntnisse zum Besten und werde von einem Herrn aus Zimbabwe über Deutschland ausgefragt. Wie das Wetter bei uns ist. Ob wir auch Tiere halten und eine Mitgift bezahlen müssen. Als ich wieder in der Redaktion ankomme, bin ich voll neue Energie.













