Mein Treffen mit Costas Mandylor #MotivationsMontag
Hallo liebe Bücherfreunde,
der #MotivationsMontag wurde von Elizzy ins Leben gerufen.
Schaut doch mal bei ihr vorbei!
Was für ein Wochenende – ein wahres Auf und Ab der Gefühle. Mein Freund und ich flogen am Samstag Morgen nach Köln. Es war eine ganz spontane Aktion. Einige Tage zuvor hatte ich auf Instagram gelesen, dass mein Lieblingsschauspieler Costas Mandylor in Dortmund an einer…
Ryan Gosling ist einer meiner Lieblingsschauspieler. Dessen bin ich mir vor einiger Zeit bewusst geworden als anfing all die Filme aus seiner Filmografie anzusehen, wobei mich viele davon nur seinetwegen angezogen haben. Filmübergreifend kann man über seine Charaktere und seine Performance sagen, dass sie eine große Spanne umfassen. Er ist sowohl in der Rolle eines sensiblen und verschlossenen Menschen als auch in der eines arroganten Arschlochs glaubwürdig. Er kann sowohl introvertiert als auch extravertiert spielen und es funktioniert. Meistens wird Ryan Gosling als Charakterdarsteller eingesetzt, wenn der Film einen sogenannten Gestaltwandler benötigt. Damit beziehe ich mich auf die Bescheibung von Christopher Vogler (auf den Spuren von Joseph Campbell), der damit einen Archetypus meinte, dessen Loyalität fragwürdig und der schwer einzuschätzen ist.
Ryans Gosling’s Charaktere sind oft wankelmütig oder labil, wobei sie fast immer eine melanchonlische Aura ausstrahlen. In vielen Fällen sind seine Figuren Filmcharaktere, denen man nicht die Existenz außerhalb des Mediums zutraut. Aber andererseits macht sein Spiel die andere Hälfte dieser Menschen äußerst authentisch – so lebensecht, dass man sich unbehaglich fühlt. Das liegt auch an den unterschiedlichen Filmemachern, mit denen Gosling zusammenarbeitet. Er wird nicht bloß für Hollywood-Blockbuster gecastet oder was man dazu zählen könnte. Eigentlich sind diese für ihn sogar die Ausnahme, denn häufig tut er sich mit unabhängigen Regisseuren zusammen. Überwiegend sind seine Filme Dramen, was sonst eigentlich nicht mein Genre ist, weil ich eher auf Thriller und Science-Fiction stehe. Wahrscheinlich hätte ich den guten Mann gar nicht näher verfolgt, wenn ich ständig bei meinen Vorlieben geblieben wäre. Daher bin ich froh des öfteren Mal eine Ausnahme zu machen. Ich will Dramen nicht unterschätzen – überhaupt will ich kein Genre abspeisen, aber man bleibt nun mal ein einem Zentrum seiner Gewohnheiten und Geschmäcker, wo man sich nur gelegentlich einmal herauslehnt.
Im Folgenden werde ich ein paar Worte über die Filme verlieren, in denen Ryan Gosling eine tragende Rolle hat und die ich gesehen habe. Das betrifft freilich nicht sämtliche Filme, in denen er mitgespielt hat. Ich arbeite noch daran meine Liste zu vervollständigen. Zuletzt merke ich noch an, dass Ryan Gosling immerzu wechselnde Synchronsprecher hat. Das scheinen sie abhängig davon zu machen, was er für eine Figur verkörpert. In seinen jüngsten Filmen wird er von Tommy Morgenstern gesprochen, den Nerds als die deutsche Stimme von Son Goku aus Dragonball Z wiedererkennen. Ich denke, der macht seine Sache gut und allzu böse bin ich darüber, dass er andauernd eine andere Stimme hat, nun wirklich nicht, weil ich es für sinnvoll halte eine Stimme auszuwählen, die zum Film und zur Figur passt anstatt sich auf Traditionen zu versteifen.
(Sieht er nicht auch ein wenig aus wie Yuckpulver?^^)
Ich denke, ich führe die Filme in der Reihenfolge auf, in der ich sie gesehen habe, statt chronologisch. Manche habe ich zwar gesehen, aber darüber habe ich nichts zu sagen. Das betrifft aber nur Gangster Squad, All Beauty Must Die und Crazy, Stupid, Love. Ich behalte es mir vor der Liste noch weitere Absätze hinzuzufügen wenn ich weitere Filme von ihm sehe und darüber etwas sagen will.
Das perfekte Verbrechen
Ryan Gosling spielt in diesem Gerichtsthriller einen jungen Staatsanwalt, der von dem Angeklagten (gespielt von Anthony Hopkins) herausgefordert wird. Der Film baut auf Suspense, was bedeutet, dass der Zuschauer entweder eine dunkle Vorahnung vermittelt bekommt oder gegenüber den Protagonisten einen Informationsvorsprung hat. Wir wissen, dass in diesem Film Anthony Hopkins seine Frau tatsächlich erschossen hat, demnach steht seine Schuld außer Frage. Nun fiebern wir darum, dass der „Killer“ – die Frau ist dabei nicht gestorben – seine gerechte Strafe bekommt, also feuern wir den Staatsanwalt an. Nur spielt der Angeklagte mit ihm, weil er sich darauf verlässt, dass sein Gegenspieler zu unerfahren ist und sich von seiner selbstsicheren Art unterbuttern lässt. Er ist ja auch der Auffassung ein perfektes Verbrechen begangen zu haben, weil er mit der Tatwaffe herumgetrickst hat. Es geht in der Tat um das Duell zwischen den beiden, weil Hopkins’ Charakter sich arroganterweise selbst vertritt; natürlich zu dem Zweck Unsicherheiten zu streuen damit er bei seiner Verschlagenheit unterschätzt wird.
Der Film ist zwar sehbar, aber nichts besonderes. Er besitzt gen Ende eine überraschende Wende, aber keinen dramatischen und nachhallenden Twist. Und zugegebenermaßen ist es noch nicht einmal einer der spannendsten Gerichtsfilme, die ich gesehen habe. Ryan Gosling wirkt sympatisch und routiniert, er sieht gut aus und hat seine Chefin um den Finger gewickelt. Überhaupt ist er auf der Überholspur und alle in seiner Kanzlei betrachten den Fall als sehr einfach. Es ist sozusagen die letzte Hürde auf seiner Karriereleiter doch stößt er dabei auf unerwartete Komplikationen, wo er dann etwas unbeholfen und ratlos wirkt. Gosling’s Spiel ist in diesem Film ziemlich seicht, zumal sein Charakter auch einigermaßen flach ist. Ausnahmsweise wurde er dabei von David Nathan gesprochen, dem Stammsprecher von Johnny Depp und Christan Bale. Diese Rolle ist für Ryan Gosling auch eher untypisch, also brauchen wir nicht weiter ins Detail zu gehen.
Stay
Marc Forster ist ein schweizer Regisseur, der auch 007: Ein Quantum Trost gemacht hat oder auch Wenn Träume fliegen lernen, die ich beide weniger mochte. Eher dafür World War Z und Schräger als Fiktion – vor allem letzten mag ich unheimlich gern. Wir können uns wohl darauf einigen, dass Forster’s Filme gemischte Gefühle wecken und insgesamt bestimmt kein sicheres Ticket zum Erfolg sind. Stay wurde einigermaßen schlecht bewertet, was wohl vermutlich an der Erzählstruktur liegt. Der Film fühlt sich ziemlich unkonventionell an und bedient sich experimenteller Stilmittel und filmischer Symbolik, die in manchen Augen wohl pseudo-intellektuell wirkt. Ryan Gosling spielt hierbei eher eine untergeordnete Rolle, denn der Protagonist ist Ewan McGregor, den ich ebenfalls zu meinen Lieblingsschauspielern zähle. Mit zum Cast gehört auch Naomi Watts und alle drei haben filmbiografisch ein ähnliches Profil: Sie tauchen in großen Produktionen auf, die ihnen vermutlich ihr Talent aussaugen, und andererseits in Independent-Filmen, oder zumindest welchen die eher künstlerische Absichten haben statt Geld zu scheffeln.
Anfangs hat man noch den Eindruck der Film habe eine nachvollziehbare Handlung. Ewan McGregor spielt den Psychiater von Ryan Gosling’s Charakter, der ein Kunststudent ist und selbstzerstörerische Neigungen hat. Er enthüllt seinem Seelenklempner, dass er vor hat sich an einem spezifischen Tag umzubringen und nun muss der Arzt Detektiv spielen um herauszufinden, was es damit auf sich hat. Er will auch nach einem Element suchen, wofür es sich für seinen Patienten zu leben lohnt. Ähnlich wie bei Donnie Darko setzt die Prämisse auf Foreshadowing, was mit diesem Ultimatum zusammenhängt. Im Laufe wird das Drumherum immer konfuser und statt dass sich die Teile zusammenfügen, wie man das bei Donnie Darko noch spürte, verliert Stay jegliche Kohärenz. Ich muss zugeben, dass ich das Ende bis heute immer noch nicht richtig verstanden habe. Auch habe ich den Verdacht, dass nicht jeder Effektschnitt – auch wenn er noch so eindrucksvoll ist – eine kontextuelle Funktion hat. Ryan Gosling sieht in Stay ziemlich kaputt und müde aus. Man hat ihn dafür eingesetzt , weil sein Charakter undurchsichtig ist, er labile und exzentrische Züge hat und man ihn durchweg nie vollständig begreifen kann. Ich sagte ja, er ist darauf spezialisiert Gestaltwandler zu spielen. Er selbst bildet das aufzuklärende Mysterium. Doch wenn sich sein Psychiater an die Aufklärung macht, beginnt die Realität des Films über uns zu bröckeln und alles wird unwirklich. Wahrscheinlich ist das sogar die Aussage des Films, dass alles, was wir sehen, nicht in Wirklichkeit passiert. Nur ist es nicht sonderlich gut aufgeschlüsselt. Was Ewan McGregor im Laufe seiner Ermittlungen herausfindet, erscheint manchmal irrelevant für die Handlung und nur wie ein Wink durch den Zaunpfahl, dass sich die Thematik des Films soeben verändert hat. Der Wechsel scheint aufgedrängt und zusammenhangslos. Wenn der Film schlecht ist, liegt es nicht an den Schauspielern. Diese teils kryptische und teils allegorische Inszenierung mit diesen Schnörkeln in der Rahmenhandlung ist den meisten einfach zu hoch. Der Zuschauer kann der ersten Hälfte noch gut folgen, weil er die Geschichte versteht. Aber der Schwerpunktwechsel zusammen mit dem Endtwist zeugen nicht von Peripetie – selbst wenn viele Signale ausgesendet wurden – sondern von einem gewaltsamen Kurswechsel und das führt zu Verwirrung. Niemand fühlt sich am Ende eines Films gerne ahnungslos.
Drive
Ach sind wir endlich bei Drive angekommen? Feine Sache – da geht mein Herz auf. Zu allererst hat mir eine Person, deren Meinung ich sehr schätze, diesen Film empfohlen. Also hab ich mir Drive aus der Videothek ausgeliehen und angesehen. Dabei hatte ich aber das komische Gefühl nach dem falschen Film gegriffen zu haben. Der hieß zwar Drive, aber es handelte sich dabei um eine japanische Komödie. Den fand ich zwar auch ganz nett, aber weswegen ich das in diesem Ryan-Gosling-A-Thon erwähne, weiß ich grad auch nicht so recht. Durch Half in the bag von Redlettermedia hab ich dann den echten gefunden. Mike und Jay waren auch sehr von dem angetan, was mich vermutlich beeinflusst hat, aber mein letztendliches und sehr gutes Bild davon, ist mein freier Wille. Drive ist der Grund weswegen ich das Interesse an Ryan Gosling überhaupt gebildet habe.
Ich hab den Film bereits in meinem Filmwochende erwähnt, allerdings nur zwei Minuten lang. Weswegen ich den mag, hängt weniger mit der Geschichte zusammen, sondern eher mit der Bildsprache. Ryan Gosling spielt einen namenlosen Fahrer, der einerseits in einer Werkstatt arbeitet und Stuntfahrer beim Film ist, aber auch gelegentlich Fluchtwagen fährt. Das ist auch das erste, wobei wir ihn in diesem Film beobachten. Er hat strenge Prinzipien so ähnlich die Jason Statham bei The Transporter und weiß genau was er will. Zumindest wenn es um solche Clous geht, denn ansonsten erscheint er eher willenlos und unambitioniert. Er macht seine Sache anscheinend gut und kann ohne größeres Aufsehen zu erregen der Polizei entkommen. Diese Jobs macht er leidenschaftslos, aber professionell. Durch eine Szene, wo ihn einer seiner Mitfahrer wiedererkennt und ihm nochmals dankt, erfährt man, dass er mit diesem Gesocks und dem Drumherum nichts zu tun haben will und es ihm ausschließlich um das Fahren geht. Sein Charakter ist extrem wortkarg, doch spürt man in allem, was er dennoch sagt, sehr viel Gewicht. Oft durchbohrt er sein Gegenüber mit einem stechenden und nachdrücklichen Blick, wobei er lakonisch aber sehr eindringlich Drohungen mitschwingen lässt.
Er hat aber auch eine gänzlich andere Seite. Denn er freundet sich mit seiner Nachbarin an, die einen kleinen Sohn hat und deren Mann im Gefängnis sitzt. Zuerst macht es den Eindruck als wolle er sich der Versuchung entziehen und ihr absichtlich aus dem Weg gehen, weil er wohl etwas menschenscheu ist. Doch gibt er sich dann einen Ruck und entwickelt offensichtlich Gefühle für sie, die er niemals offen ausspricht, die aber durch Filmsprache nahegelegt werden. Diese beiden Leben scheint er strikt trennen zu wollen, so als wolle er nicht dass sie seine andere Seite kennenlernt. Doch geraten diese beiden Welten mit dem Eintritt in den zweiten Akt in Kollision miteinander.
Es gibt in dem Film einen sogenannten MacGuffin, also ein Objekt, was keine weitere Bedeutung hat als den Plot voranzutreiben. Dabei handelt es sich um ein Rennauto, an dem er und sein Boss in der Autowerkstatt basteln. Um den Wagen tauglich für Rennen zu machen, pumpt sich sein Boss von der Mafia Geld, die sich damit auch Mitbestimmungsrecht erkaufen. Das Auto ist für die Geschichte irrelevant, weil es nur dafür sorgt dass unser Held mit der Mafia in Verbindung kommt. Als der Ehemann der Nachbarin unerwartet aus der Haft entlassen wird, scheint es so als sei der Traum für unseren Held zu Ende. Nur muss er nun erfahren, dass sich der Ehemann mit eben jener Mafia auf einen Deal eingelassen hat, der seine Familie in Gefahr bringt und genau das ist der ausschlaggebende Grund weswegen unser Held sich darin einmischt. Leider führt das dazu, dass er dadurch alles nur weiter verkompliziert, weil sich die Mafia nicht gern von irgendwelchen Handlangern oder Botenjungen unter Druck setzen oder Befehle erteilen lässt. Es gibt einen inszenierten Überfall, der schief läuft und um jede Beteilung darin zu verschleiern, räumt die Mafia rigoros dahinter auf. Nun legt sich unser Held mit dieser doch relativ kleinen Mafia an um seine geliebte Nachbarin dort rauszuboxen. Dies gipfelt in einem drastischen Rachefeldzug.
Der Film geht gerademal 93 Minuten, hat aber ein sehr langsames Erzähltempo. Man hat dabei viel Gelegenheit genau auf die Musik zu achten und insbesondere zwei Songs geben dem Film unglaublich viel Atmosphäre. Diese beiden Songs sind sehr sythesizer-orientiert und klingen nach 80er Jahre. Auch die Typografie aus den Opening-Credits unterstreicht diesen Flair, weil sie handschriftlich-kursiv und in pink ist. Es gibt fast keine Szene, wo ich nicht einen Katalog aus bemerkenswerten Dingen bei der Inszenierung sagen könnte. Es passiert viel auf der Subtext-Ebene, vor allem bei den unscheinbaren Dialogen, den Einstellungslängen, der Bildkomposition und der Lichtsetzung. Genauso viel wie auf der Tonebene, wo der Score die Stimmung nicht herstellt, sondern unterstützt. Es gibt sehr viele Szenen in Slow-Motion, aber auch wenigstens eine gradiose und schnelle Verfolgungsszene. All diese Elemente sind aber wohl portioniert und nichts wird übergebraucht.
Es gibt in diesem Film einige sehr grafische und drastische Gewaltdarstellungen. Die Gewalthandlungen wirken aber teilweise unnötig und sehr filmisch, nicht mehr authentisch. Der Partner des Mafiabosses stellt im Vergleich eine größere Bedrohung dar und seine brutale Art wirkt fast schon komisch so absurd seine Beweggründe und Methoden sind. Auch der Charakter von Ryan Gosling ist sehr gewalttätig. Zwar sind seine Handlungen mehr auf Selbstverteidigung oder Einschüchterung begründet, aber erscheinen sie stellenweise auch unverhältnismäßig. Der Film behandelt seine Figuren nicht durchgehend wie Menschen, sondern oft auch nur als stilisierte und emotionslose Fiktionen. Drive löst durch sein Storytelling eine Art hypnotischen Sog aus und spielt mit den Grenzen des Annehmbaren.
Ryan Gosling spielt seinen Charakter in minimalistischer Weise, sehr reserviert und gehalten. Man bemerkt bei ihm selten heftige emotionale Ausdrücke, aber viel subtile Melancholie oder auch Wut. Doch kommt er mir nicht monoton vor, weil man an seinem Gesicht viel ablesen kann, was er aber nicht ausspricht. Drive ist unter keinen Umständen ein intellektueller Film, nur spürt man auf der Produktionsebene viel Bewusstsein für die Thematik. Die Geschichte ist ein Mikrokosmos und behandelt nichts weltbewegendes, sondern bleibt bescheiden, aber dennoch verspielt. Man spürt in dem Film wenig Ehrfurcht, Ernst oder Respekt für das eigene Filmuniversum und vor allem gen Ende fühlt sich das Geschehen sehr traumhaft an. Dennoch erscheinen die Anstrengungen des Helden nicht bedeutungslos, weil man ihm gönnt aus der ganzen Scheiße raus zu kommen und glücklich zu werden. Er stellt das Wohl seiner Nachbarin und ihres Sohnes über das Seine und bringt sich ihretwegen selbst in Gefahr. Nur sieht alles was er tut viel zu leicht aus und deswegen, aber auch wegen seiner eigenen Vergehen, hat er dramaturgisch nicht den Lohn verdient, der anfangs noch abzusehen war. Es bleibt ungeklärt ob er nach Ende des Films das Glück finden wird, nach dem er offenbar sucht. Sein Opfer ist keine Kompensation für die Leichtigkeit seiner Aufgaben oder seine unzureichende Verwandlung. Es gibt bei ihm Anzeichen einer Heldenreise, doch ist er am Ende kein anderer Mensch als zu Beginn des zweiten Aktes. Ryan Gosling verkörpert sehr gut rückfällige Menschen so wie diesen Fahrer. Und da dieser keinen unverdienten Lohn erhält, bleibt die Welt im Gleichgewicht.
Half Nelson
Ryan Gosling spielt einen Highschool Lehrer an einer Schule, die sich anscheinend in einem Slum befindet. Seine jugendlichen Schüler sind demnach vielen Gefahren und Versuchungen ausgesetzt. Er nimmt seine Rolle als Vorbild sehr ernst und unterrichtet mit Enthusiasmus die Fächer Sport und Geschichte. Allerdings trügt der Anschein, denn sein Privatleben ist total im Eimer und er hat massive persönliche Probleme. Eine seiner Schülerinnen beginnt sich mit ihm anzufreunden und lernt diese verborgene Seite von ihm kennen, nachdem sie ihn nach dem Unterricht beim Konsum von Drogen erwischt hat. Ryan Gosling setzt sich dafür ein, dass das Mädchen nicht auf die krumme Bahn gerät und legt sich mit den Leuten an, die einen schlechten Einfluss auf sie haben. Die Ironie ist natürlich, dass er sich selbst aufgegeben hat und nur noch dafür sorgen will, dass es anderen nicht auch so geht. Er traut sich keine Veränderung mehr zu. Man würde erwarten, es fände eine Form der Heldenreise statt und dass er am Ende doch noch mit sich ins Reine kommt. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil, er steigert sich immer weiter dort hinein und gefährdet seinen Job. Das untergäbt auch all die Dinge, die er in seinen Unterrichtsstunden propagiert. In dieser Rolle macht sich Ryan Gosling sehr gut, denn er ist gefühlvoll, sympathisch und atavistisch, erbährmlich zugleich. Oder anders gesagt: Er beherrscht den weißen Schwan UND den schwarzen. Nur ist das Ende des Films recht betrüblich, weil es so gnadenlos realistisch ist. Im wahren Leben verändern sich Menschen nicht so bereitwillig oder nachhaltig.
Lars und die Frauen
Wenn es ein Wort gibt was diesen Film beschreiben könnte, dann ist es Fremdschämen. Ryan Gosling spielt den Titelhelden Lars, der introvertiert und verklemmt in einem kleinen Kaff lebt. Er weist so gut wie möglich alle sozialen Schnittstellen ab und zieht sich auch vor seinem Bruder und dessen Frau zurück, die sich zwar mit freundlichen Absichten aber dennoch penetrant in sein Leben einmischen. Dann passiert etwas sehr unerwartetes – nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für alle Mitmenschen von Lars. Denn dieser stellt ihnen wie aus dem Nichts seine neue Freundin vor: Bianca. Allerdings ist Bianca kein Mensch. Sie sieht zwar aus wie ein Mensch und ist sogar anatomisch korrekt, aber sie lebt nicht, weil sie bloß eine Sexpuppe ist. In einer spießigen Stadt wie dieser kann man sich denken, dass allein schon die Erwähnung oder Andeutung von Objekten wie diesem verpöhnt ist und sich im Handumdrehen in einen Skandal verwandeln könnte. Aber Lars führt Bianca vor, als wäre sie lebendig. Er hat sich auch allerlei Ausreden zurechtgelegt weswegen sie nicht selbst laufen oder sprechen kann. Wenn das Thema Sexpuppe bereits brisant ist, dann ist das was Lars abzieht zu viel. Er wirkt seitdem auch total verwandelt, ist viel offener, kontaktfreudiger – wie ein Verliebter eben.
Was für alle anderen erst noch witzig ist, wird bald schon besorgniserregend, weil es ein ernstes emotionales Problem wiederspiegelt. Doch Lars ist so stolz und stellt seine Freundin jedem vor, pflegt sie und behandelt sie wie einen hilfebedürftigen Menschen. Offenbar hat er die Idee hinter diesem Gegenstand nicht ganz verstanden. Es macht es aber nicht schamlos, sondern immer noch verklemmt als würde er sich nicht mal bei einer Puppe trauen seinen Neigungen nachzugehen. Das Interessante an der Geschichte ist nun aber, dass alle sich dazu entschieden haben bei dieser Farce mitzuspielen und die Illusion am leben erhalten. Sie haben Lars so gern, dass sie nicht möchten, dass er verletzt wird. Wenn dieser Umstand schon normal wird, erreicht das Ganze aber erneut eine absurde Spitze, denn Bianca erhält quasi ihr eigenes Leben und alle spielen bei dem Theater mit obwohl Lars gar nicht dabei ist. Sie ist dann sogar so beschäftigt, dass Lars eifersüchtig wird. Und da er ihr das Leben geschenkt hat, scheint nur er es ihr wieder nehmen zu können. Der Film ist eine Parabel an die Toleranz und das Mitgefühl und Ryan Gosling liefert glaubhaft eine sehr exzentrische und sensible Performanz ab. Vor allem seine spießigen Pullover trägt er als seien sie für ihn gemacht. Er punktet mit sehr viel Verlegenheit in der Körpersprache, die seinen Charakter teils beschämt und schüchtern, aber auch sympathisch oder gar nervtötend macht. Das vermögen nicht viele diese gegensätzlichen Stimmungen gleichzeitig auszudrücken.
The place beyond the pines
Ich habe mich mit Nachdruck dafür eingesetzt den Film im Kino sehen zu können. Somit ist dies von allen der erste Ryan Gosling Film, den ich auf der Leinwand gesehen habe. Der Film beginnt mit ihm als Held, als einen Stuntmotoradfahrer beim Zirkus. Er sieht mit all seinen Tattoos und seiner risikofreudigen Ausstrahlung ziemlich verwegen aus. Bei vielen Filmen mach ich mir nie die Mühe mir die Namen der Charaktere zu merken. Dafür kenne ich ziemlich viele Schauspieler beim Namen, deswegen neige ich dazu diese zu verwenden. Also sorry wenn meine Ausführungen deswegen etwas redundant erscheinen oder unkonkret wirken. Der Charakter von Ryan Gosling jedenfalls – ja, diese Formulierung ist die Kehrseite dessen – begegnet einer alten Liebe und erfährt, dass sie ein Kind von ihm bekommen hat, aber es mit ihrem neuen Mann großzieht. Plötzlich überkommen den Rabauken Wünsche danach sich niederzulassen und Verantwortung zu übernehmen. Doch um seiner Familie dieses Leben bieten zu können, braucht er Geld. Er schmeißt seinen Job beim Zirkus hin und nimmt eine Stelle in einer Werkstatt an. Zusammen mit dem Besitzer tüfteln sie eine Masche aus, wie man ganz flux ein paar Banken überfallen kann, so dass er an die Kohle kommt, die er benötigt. Die Sache ist nur, dass seine Ex nie darum gebeten hat und das alles nur eine fixe Idee von ihm ist. Doch selbst wenn sie ihm eine eindeutige Abfuhr erteilt hätte, wären seine Obsessionen wahrscheinlich nicht getilgt worden und er verkompliziert dadurch nun auch ihr Leben. Da er nicht weiß wann Schluss ist, kommt es bei einem erneuten Überfall zu einem Missgeschick, was in eine Verfolgungsjagd übergeht und mit seiner Erschießung durch einen Polizisten endet.
Der Film hat eine Laufzeit von 140 Minuten, aber bereits nach etwa 40 Minuten ist der Handlungsstrang von Ryan Gosling beendet und er bekommt für den Rest des Films kein weiteres Stelldichein. Stattdessen wechselt der Fokus der Erzählung zum Polizisten, der übrigens von Bradley Cooper gespielt wird. Bei ihm geht es um die Konsequenzen dieser Schießerei. Die Verletzung, die er davongetragen hat, macht aus ihm einen Helden, was auch zusammen mit Korruption seiner Karriere bei der Polizei einen ordentlichen Schub verleiht. In der Sequenz darf Ray Liotta auch mal wieder eine für ihn typische Rolle spielen. Dann wandert die Staffel zu den beiden Söhnen von Räuber und Gendarm. Nach dem Eröffnungsakt besteht der Rest des Films mehr oder weniger aus der Aftermath dessen. Die verbliebenden Charaktere beginnen die Verbindungen zu erkennen und je weiter der Film voranschreitet umso mehr sieht man die Verschachtelung der Erzählung. Es wird aber durchgehend chronologisch gezeigt, wie eine Familiengeschichte, wobei aber das dritte Kapitel teilweise hin und her wechselt. Alle Protagonisten haben aber die Gemeinsamkeit, dass sie sehr finstere Aspekte haben und emotional aufgerührt sind. Sie versuchen sich im turbulenten Drumherum selbst zu finden und begeben sich in moralische Abgründe. Ryan Gosling verkörpert wiederum einen eher wortkargen und getriebenen Menschen, der an seiner Illusion festhält, aus der er Hoffnung schöpfte. Sein Charakter wirkt liebevoll, charismatisch, mit einer harten Schale und weichem Kern, aber auch unausgeglichen und stur. Diese facettenreiche und authentische Figur passt gut in sein Profil.
The Ides of March
George Clooney spielt irgendeinen Politiker und Ryan Gosling arbeitet für ihn in seinem Wahlkampfbüro. Dann aber bekommt der selbstbewusste und zielstrebige Gosling ein Angebot von der Gegenseite, wo er dann kurz mit liebäugelt. Aber allein schon, dass er es in Erwägung gezogen hat, bedeutet in dieser Branche einen Vertrauensbruch, denn Loyalität ist dabei alles. Clooney sägt ihn ab, was Gosling aber ziemlich sauer macht, denn immerhin ist das ungerecht. Schließlich kümmerte er sich die ganze Zeit über um die „Schmutzwäsche“ seines Meisters ohne dafür Dank oder Lohn zu fordern. Wie sich nämlich herausstellt, gibt es wegen einer Affäre mit einer jungen Kollegin Konsequenzen für den Kandidaten, was Gosling dann benutzt um sich selbst abzusichern. Wie das jedoch ausgeht, erfahren wir nicht, weil die Erpressung sehr subtil gezeigt wird. Sehr viel mehr kann ich über den Film nicht sagen. Es ist wie ein Anwaltsfilm, nur ohne Anwälte. Ein bisschen wie Michael Clayton, nur mit weit weniger filmischer Vision und Biss. Ryan Gosling strahlt zwar Charisma aus, aber er schafft es nicht den Film spannend, interessant oder irgendwie besonders zu machen.
Only god forgives
Den Trailer von Only god forgives hab ich gesehen als ich mir the place beyond the pines angsehen habe. Ich sah nur Ryan Gosling in abgefahrener Beleuchtung und dachte mir „Wow, das wird bestimmt ein visuell sehr interesanter Film!“ Und dann ist er auch noch vom selben Regisseur gemacht worden wie Drive, den ich ja vergöttere. Letztendlich war das Kinoerlebnis um Längen nicht so angenehm wie ich es mir erhoffte. Das hat unter anrerem mit der Handlung zu tun, von der ich mich beleidigt fühlte. Sie veranschaulicht die Absurdität des Konzeptes hinter Rache. Jemanden widerfährt was, also sucht er Rache. Oder halt seine Familie. Die tun dann der Gegenseite wieder was an, die sich daraufhin wieder rächen. Es ist ein ewiges Hin und Her und lässt jeden Menschen, der inzwischen etwas zivilisierter sein sollte, wieder wie ein primitives Tier erscheinen.
Der Charakter von Ryan Gosling (wie oft hab ich das jetzt schon gesagt?) hat mit seinem Bruder einen Scheinboxclub, der ihnen nur dazu dient Drogengeschäfte abzuwickeln. Der Bruder wird dabei etwas hochmütig und misshandelt bei einer seiner Eskapaden ein Mädchen – oder tötet es sogar, weiß ich nicht mehr. Das bekommt der Vater mit, der ein hohes Tier bei der dortigen Poizei ist. Das ganze spielt in Shanghai oder halt so einer anderen asiatischen Großstadt. Dieser Polizist scheint mit seiner Macht alles machen zu können was er will und fühlt sich durch die Misshandlung an seiner Tochter in seiner Ehre verletzt, woraufhin er den Übeltäter exekutiert. Davon bekommt die Mutter der beiden Brüder dann mit, die dann aus den Staaten anreist um die Angelegenheit selbst zu regeln.
Die Mutter ist ein unsensibles und egoistisches Misstück, hat ein schlimmes Mundwerk und null Taktgefühl. Sie genießt sich anscheinend in der Rolle eines Gangoberhaupts, lässt aber auch einen gewissen Selbsthass durchdringen. Der verbliebene Sohn (Ryan Gosling) wird von ihr dazu genötigt die Blutrache zu vollziehen, aber kann sich damit anscheinend nicht identifizieren und ist bis einem gewissen Grad blind gegenüber Familienangelegenheiten und sieht einiges kategorisch. Während der Polizist alle Verräter und Mittelmänner mit seinem Schwert kalt macht, bekommen wir noch einen Subplot, wo sich der jüngere Bruder mit seiner neuen Freundin aufwärmt. Seine Mutter verdirbt die ganze Sache aber und bringt sie in Verlegenheit, die sich diese Unverschämtheiten aber nicht bieten lassen will.
Jedes Mal wenn der Samurai-Polizeichef der Gerechtigkeiten genüge getan hat, sucht er nach einem ventil indem er Karaoke singen geht. Ständig hört man in diesem Film unpassende Musik, die den ganzen Film lächerlich macht. Wie auch zum Beispiel in dieser berüchtigten Kampfszene, wo sich Ryan Gosling von dem Polizisten die Hucke voll auen lässt. Das konnte er wohl bereits absehen, aber wenigstens hat sich der wütende Vater dann an ihm abreagiert ohne ihn dabei töten zu müssen.
Der Film hat ebenso wie Drive überzogene Gewaltdarstellungen und ein langsames Erzähltempo. Auch wirken die Figuren wie Karikaturen. Der oben erwähnte Einsatz von ungewähnlichem Licht erzeugt dieses Ambiente eines Nachtclubs. Ständig ist irgendwas rot oder blau oder in Schwarzlicht. Es gibt sehr viele Einstellungen mi Lowkey oder Traumsequenzen von Gängen und Fluren in ungleichmäßigem Licht. Viele dieser Einstellungen wirken aber gegenüber Drive nicht als Ausdruck ihrer Funktion, weil sie hier bloß wie ein Selbstzweck sind. Der Film hat einen verdrobenen Kern und ist niederträchtig bis ins Mark. Es kommt einem fast so vor wie eine Parodie auf artistische Filme, wo jedes Bild im Film soo viel Aussage hat, dass sie vergessen, was sie überhaupt ausdrücken wollen. Es kommt mir so vor als hätte der Kameramann, der Regisseur oder auch der Production Designer eine bestimmte Vision, aber überhaupt keinen Rahmen in dem man dies zeigen könnte. Diese Elemente verbessern nicht den Film, weil sie zusammengeschweißt sind und nicht passen. Ich war bittlerlich enttäuscht. Auch von Ryan Gosling, der den Eindruck erweckt, als wüsste er mit seiner Figur nichts anzufangen. Die Figur ist auch willenlos und hat kein Profil. Ich wollte den Film mögen, aber da im Kino war es unmöglich mir was vor zu mchen, weil hinter mir alle den Film ausgelacht haben und sich drüber lustig machten. Vielleicht liegt es an den Produktionshintergründen, dass Drive so gut war und dieser so schlecht. Oder vielleicht hat der Regisseur bereits sein ganzes Pulver verschossen.
Blue Valentine
Blue Valentine ist ziemlich weit unten in dieser Liste, weil ich es immer wieder aufgeschoben habe den Film zu Ende zu sehen. In der Zeit als ich Lars und die Frauen gesehen hab, hab ich mir bereits die erste halbe Stunde von Blue Valentine angesehen, aber habe es nicht ertragen weiterzuschauen.
Kennt ihr das Gefühl, was sich in eurer Spiegelneurone breit macht, wenn ihr im Film eine Figur unglücklich oder leiden seht und ihr es kaum aushaltet? Ich rede aber nicht davon, dass jemand vor der Kamera gefoltert wird, oder ihm die Zehennägel abgezogen werden – wobei das natürlich auch schwierig anzusehen ist. Aber meistens sind solche Momente recht kurz und man ist amüsiert darüber wie sehr der Film bei einem Ekel auslöst. Was ich meine, ist aber eine emotionale Identifizierbarkeit, die einen foltert. Sowas macht zum Beispiel Brazil, 21 Gramm oder Das Streben nach Glück, wobei die aber noch eine Auflösung haben, wo der Held das bekommt was er verdient. Bei Melancholia zum Beispiel ist nur die erste Hälfte so beschaffen, die zweite ist ziemlich zynisch und lebensverneinend, was eine andere aber ebenso unmutige Stimmung auslöst. Was ich auch noch als sehr unangenehm empfand, war Shame mit Michael Fassbender, aber das hat andere Gründe, hat aber auch damit zu tun, dass das Leben des Helden den Bach runter geht. Blue Valentine schießt von all diesen Filmen den Vogel ab. Nachdem ich endlich damit durch war, war ich noch Tage danach verstört und betrübt und jetzt darüber zu schreiben fällt mir auch nicht leicht. Aber ich muss das alles jetzt mal los werden.
Bei einem Ehepaar, dargestellt durch Ryan Gosling und Michelle Williams (die gestörte Ehefau bei Shutter Island), bahnt sich eine massive Beziehungskrise an, die aber keinen echten Grund hat. Die Handlung ist nicht unbedingt wichtig. Wir sehen sie erst im Alltag als scheinbar glückliche Familie mit einer süßen kleinen Tochter, mit der der Vater herzerweichend spielt. Als ihnen der Familienhund wegstirbt, sind sie ganz fassungslos und der Mann schlägt vor für eine Nacht eine Auszeit zu nehmen und in einem Hotel abzusteigen. Die Frau widerstrebt dem halbherzig, doch obwohl er so tut, als wolle er ihre Meinung hören, hat sich der Mann diese Idee fest in den Kopf gesetzt. Es beginnt nun klar zu werden, dass es zwischen den beiden fundamentale Kommunikationsprobleme gibt. Auf dem Weg ins Hotel gehen sie noch schnell was einkaufen, wo die Frau dann ihrem Ex begegnet, was sie für den Rest des Films komplett aus der Bahn schmeißt. Ihr Ex ist ein mit offenen Mund Kaugummi kauendes und Cappie tragendes großes Kind ohne Manieren oder Respekt, der plakatgroß das Wort Arschloch über dem Kopf schweben hat. Für den Rest der Handlung ist der Exfreund irrelevant weil nicht noch einmal auftaucht. Doch löst diese Begegnung die Erzählstruktur des Films auf und wir bekommen nun zu gleichen Teilen Flashback als auch Rahmenhandlung.
Der Übergang zu dieser Methodik ist relativ schleichend und man könnte die Szenen erst für die Gegegenwart halten. Aber die Handlung mit dem Hotelbesuch geht auf einer anderen Zeitebene weiter, wird aber zu Gunsten der Flashbacks etwas vernachlässigt. In der Vergangenheit sehen wir, wie sich die beiden unter turbulenten Umständen kennen gelernt haben und was sie für einen Hintergrund haben. Er ist ein Draufgänger, Tagedieb und Freigeist mit einem guten Herzen aber dunklen Oberstübchen. Sie kommt aus einem Tyrannen-Haushalt, hat aber eine hohe Bildung und hat Medizin studiert. Sie ist allem Anschein nach psychisch gestört und ist eine Nymphomanin. Das sage ich nicht im Scherz und auch nicht als Übertreibung, sondern wirklich ernst. Es ist nichts lustiges daran wie kalt und schmerzhaft die Frau von ihrer sexuellen Entwicklung erzählt. Der Zuschauer weiß immer mehr als einer von den beiden, weil man Einblicke erhält, die dem jeweils anderen verborgen bleiben. Er hat sich in diese Medizin-Studentin verguckt und geht ihr mit viel Engagement nach, wobei sie ihn sehr abweisend behandelt. Ich an seiner Stelle hätte die Schnalle schon längst in die Wüste geschickt, weil sie sehr zickig, unhöflich und rundherum sehr unsympathisch ist. Aber Ryan Gosling lässt sich davon nicht beirren und steuert immer dagegen ohne es jemals zu sich durchdringen zu lassen, so als wäre er blind vor Liebe. Er hat sich mit ihrem Studien-Fickfreund angelegt, der ihn in Eifersucht verprügelt hat. Und aus Dankbarkeit oder nur aus Schuldgeühlen macht sie schließlich auch für ihn die Beine breit. Man merkt ihr aber deutlich an, dass sie vieles sehr unaufrichtig tut und ihn nur bei Laune halten will, was ihn gar nicht zu stören scheint. Die ganze Beziehung von ihnen basiert auf falschen Gründen. Sie liebt ihn nicht, weil sie niemanden liebt, weil sie eine Soziapathin ist. Er liebt nur die Idee, die er von ihr hat und kennt sie kein bisschen. Und all diese Falschheit kracht dann im Hotel über den beiden zusammen. Sie entzieht sich ihm und ist so abweisend wie noch nie, tut aber so, als sei alles in Ordnung. Er achtet nicht auf die Signale, die von ihr ausgehen und hält weiterhin an seiner Traumwelt fest. Dieses getrübte Glück und die ganze Unausgesprochenheit erinnert mich sehr stark an meine erste Freundin. Wahrscheinlich macht mich der Film deswegen so fertig.
In diesem Film gibt es keine Heldenreise. Es ist gnadenlos und brutal authentisch und das sensationale Spiel sowohl von Ryan Gosling als auch von Michelle Williams streuen weiter Salz in die Wunde. Ich sehe da überhaupt nicht mehr die Schauspieler. Wie sie ihre Zeilen vermitteln und mit Körpersprache untermauern ist unheimlich echt. Zu jedem Zeitpunkt kauf ich dem Film ab, dass die Situation genauso passieren könnte wie dargestellt. Die Figuren sind nicht weise, nicht vernünftig und auch nicht selbstreflektiert. So wie Menschen halt. Ich schau mir eigentlich aus dem Grund Filme an weil ich ind as Filmuniversum eintauchen will. Ich will nicht die Realität dargestellt sehen! Aus dem Grund mag ich die meisten Michael Mann Filme auch nicht, weil mir die Cinematografie zu realistisch ist. Das Schlimmste an Blue Valentine ist aber, dass sich beide Protagonisten so sehr in ihre Ecke verziehen und so starrsinnig sind, so stur und fatalistisch und sich so sehr dort hineinsteigern, dass ihnen eigentlich alles recht geschieht, was ihnen widerfährt. Wenn du dich nicht ändern willst, verdienst du es auch nicht glücklich zu sein. Der Film entlässt einen mit einem miesen Gefühl, weil es keine dramaturgische Auflösung gibt. Die beiden streiten sich und ihre Ehe bricht zusammen. Alles wirkt so unnötig, denn es hätte nicht so kommen müssen. Die weinende Tochter am Ende des Films hätte mich fast umgebracht. NIE wieder will ich mir den noch mal ansehen! Auch wenn er grandios ist. Dass er so heftige Gefühle beim Zuschauer weckt ist ja Beweis dafür, dass er gut inszeniert ist. Und dennoch… puh!