Tatort - Ein Freund, ein guter Freund
Ich habe bewusst fast drei Wochen gewartet, um die Folge sacken zu lassen, sie mir mehrfach anzuschauen. Gehen wir mal chronologisch vor. Beim ersten schauen dachte ich, dass die Einleitung zu lange wäre. Die Szene mit dem Mafia Boss zog sich. Mittlerweile habe ich verstanden, dass es für die Handlung, auch das Ende extrem wichtig und richtig war es derart ausführlich zu zeigen. Nun zu der Feier und zu der Rede. Ich fand die Atmosphäre sehr schön. Das hat wirklich gepasst. Die Rede fand ich im Großen und Ganzen auch gut. Auf die Zote hätte man verzichten können. War mir ein wenig zu flach. Ansonsten hat mir gefallen, dass man Boernes Emotionen - nicht nur Veronika, sondern auch Friedhelm gegenüber - spüren konnte. Sehr gut ausgewogen fand ich. Was mir bei der "Feier Szene" besonders gefallen hat, war nicht nur, dass Alberich und Thiel Boerne offensichtlich sehr gut kennen - was uns nicht wundert - , sondern auch, wie nah sich eigentlich Alberich und Thiel sind. Mal ganz mutig gesagt, passen die beiden auch super zusammen. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Die Entführung war auch gut eingebunden. Sie war nicht dramatisch, aber doch aufregend. Ich finde, Friedhelm wurde sehr gut gespielt. Auch als klar war, dass er Dreck am Stecken hatte, war er mir noch sympathisch. Als Boerne von der Entführung erfährt, reagiert er etwas unerwartet. Ich hätte damit gerechnet, dass er Thiel informiert. Natürlich hätte das nicht ganz in die Handlung gepasst. Bis zu der Szene, wo Friedhelm wieder auftaut, war ich mir nicht sicher, ob es ihm wirklich um Friedhelm oder nicht doch hauptsächlich um Veronika ging. Klar, er hatte natürlich Angst um seinen Freund, aber die Angst von Veronika hat ihn - aus meiner Sicht - noch mehr belastet. Das Ehepaar Fabian wurde wirklich sehr gut gespielt. Auch Veronika wurde klasse dargestellt. Sie wusste von der Zuneigung von Boerne, aber man hatte dennoch nie das Gefühl, dass sie sich mehr nähern könnten als auf freundschaftlicher Basis. Alles andere wäre auch Kitsch gewesen. Man konnte sicher das Ende schon etwas voraus ahnen und mir war relativ früh klar, dass entweder Friedhelm oder Veronika oder beide mit dem Mord zu tun hatten, direkt oder indirekt. Fand ich aber nicht wirklich schlimm, weil die Handlung interessant blieb. Ich muss gestehen, ich habe mir sogar ein wenig gewünscht, dass Friedhelm und Veronika es schaffen. Natürlich sollen Mörder nicht davon kommen, aber irgendwie fand ich diese tiefe Liebe wirklich schön.
Wie hat sich das Team geschlagen? Staatsanwältin Klemm auf der Party - klasse. Bossanova. . Mirko liebenswert, klug wie immer. Einfach ein Sympathieträger. Vaddern. Meine Lieblingsszene. Das Lachen im Taxi. GENIAL. Alberich mit eine kleineren, aber sehr guten Rolle. Die Beziehung zu Thiel hat mir gefallen und auch ansonsten die gefühlvolle Unaufdringlichkeit. Manchmal ist mir die Alberich Boerne Beziehung etwas plump. Hier überhaupt nicht. Alberich agiert klug und liebenswert, unaufdringlich. Thiel ist für mich der absolute Gewinner. Abgesehen von seinem tollen Musikgeschmack, hat er sich - wieder einmal - als toller, verlässlicher und verständnisvoller Freund erwiesen. Der Titel sollte sich eher auf ihn beziehen, weil er einfach der beste Freund von Boerne ist. Er handelt wie ein Freund. Mir hat die Szene im Auto und die Szene am Schluss wunderbar gefallen. Zwei Szenen, die den ganzen Film getragen haben. Nun zu Boerne. Plötzlich hat er Freunde. Er zeigt sich humorvoll und als guter Freund, der die Frau seines besten Freundes liebt. Das erklärt vielleicht auch wieder ein paar Charaktereigenschaften von Boerne. Man kann durchaus mit ihm Pferde stehlen. Ab in den See. Er ist kopflos, wenn sein Schwarm ihn um etwas bitte, weiss aber, dass es falsch ist. Glücklicherweise wird diese große Liebe nur angedeutet und auch als er alleine mit ihr ist, während der Entführung, ist er ihr zwar nahe, wart aber genauso die Distanz, wie es sich gehört bei der Frau seines besten Freundes. Er umarmt sie zum Schluss, obwohl sie eine Mörderin, eine kaltblütige Mörderin ist. Das habe ich nicht ganz begriffen, aber passt vielleicht zu ihm. Er wird in den letzten Jahren nicht mehr als der böse Boerne dargestellt. Klar. Er ist immer noch sarkastisch, eitel etc., aber der wahre Kern wird immer mehr hervorgehoben. Das gefällt mir.
Ich fand diese Folge wirklich gut. Eine gute Kombination aus Spannung, Ernsthaftigkeit und Humor. Dazu die tiefgründigen Emotionen. Für mich ist der Gewinner dieser Folge Thiel. Vielleicht aber auch nicht, denn wer einen Freund wie Thiel hat, ist mit Sicherheit auch ein Gewinner.
Was mir ganz allgemein missfällt ist, dass die Autoren offensichtlich die anderen Folgen nicht gesehen haben. Freunde werden aus dem Ärmel geschüttelt. Irgendwelche Jugendfreunde, Freundinnen tauchen Plötzlich auf. Sei es Susanne in "Zwischen den Ohren", Monika in "Lakritz" oder jetzt eben die Fabians, obwohl immer darauf hingewiesen wurde, dass er keine Freunde hat. OK, damit kann man leben.
Mich hat sehr gefreut, dass sowohl Axel Prahl als auch Jan Josef Liefers gesagt haben, dass noch kein Ende in Sicht ist. Das lässt hoffen. Genug Potential ist da.