Patrischa: Die Djane, die Zürich erobert hat
Wer in Zürich in den Ausgang geht, tanzt irgendwann zu der Musik von Patrischa. Hinter dem Pseudonym steckt die 30-jährige Patricia Battegay. Seit 2011 legt die Djane an Partys und Festivals auf.
«Bereits mit zwanzig Jahren hatte ich mit verschiedenen DJs Kontakt. Sie wollten mir auch zeigen, wie das Auflegen funktioniert. Ihre jeweiligen Genres sagten mir aber oft nicht zu und ich habe es mir wahrscheinlich auch nicht zugetraut. Ausserdem war ich zu ungeduldig: Ich wollte sofort alles perfekt können.»
2011 hatte Patricia Glück: Ihr damaliger Freund besass ein komplettes Setup. In Ruhe konnte sie auf dieser Anlege üben. Genügend Musik besass Patricia bereits. Seit ihren Teenagertagen sammelt sie Platten und Musik. Bald stellten sich ihre ersten Erfolge ein.
«Viele meiner Freunde sind DJs und haben mich gepusht. Nach ein paar privaten Geburtstagsfeiern erhielt ich bereits professionelle Anfragen. Bis vor zwei Jahren legte ich unregelmässig auf: Ich hatte vielleicht einmal pro Monat einen Auftritt und dann wieder mehrere Wochen Pause.»
Noch arbeitet Patricia Vollzeit im Büro, legt aber jedes Wochenende auf. Sie ist seit Beginn Naturklang Resident, seit letztes Jahr hält sie im Hive eine Residency. De Die DJane legt aber auch regelmässig in anderen Clubs auf. Ausserdem organisiert sie mit Freunden in der Amboss Rampe und dem Lexy jeweils eine Partyreihe. Wird ihr das Leben zwischen Schreibtisch und Dancefloor nie zu viel?
«Nein, ich habe sehr viel Energie. Auch konnte ich schon immer sehr viele Sachen auf einmal erledigen. Vor zwei Jahren habe ich mir gesagt, dass ich in der Musik Vollgas geben will – und habe dafür meine Freizeit geopfert. Meinen Job aufgeben wollte ich damals nicht: Es könnte schliesslich sein, dass ich ein halbes Jahr total hip bin – und dann plötzlich nicht mehr. »
Ausschliesslich als DJane zu arbeiten, möchte sie auch heute nicht. In Zukunft möchte Patricia jedoch ihr Pensum reduzieren und sich vermehrt auf die Musik konzentrieren.
«Ich bin auf Zürich reduziert. Deshalb will ich kein grosses Risiko eingehen. Hier sind die Gagen relativ tief, weil es ein grosses Angebot hat. Wenn ich im Monat vier Mal auflege, reicht das knapp für meine Miete. Ich möchte nicht in der Situation sein, dass ich Sachen annehme, nur damit ich finanziell über die Runden komme. Ich hatte noch nie einen Gig, auf den ich keine Lust hatte.»
Patricia legt an verschiedenen Festivals und Partys auf. In ihre Sets integriert sie das jeweilige Publikum und dessen Stimmung. Es ist ihr wichtig, dass nicht nur sie an der gespielten Musik Freude hat..
«Meine Musik ist eher treibend und ich achte darauf, wie die Leute reagieren. Es ist schön, wenn man gemeinsam ein Fest hat. Aber natürlich habe ich auch einen eigenen Stil. Was mich auszeichnet, kann ich nicht wirklich beurteilen. Gewisse Leute sagen, dass mich mein Musikgeschmack ausmacht. Andere finden auch, dass ich eine gewisse Ausstrahlung habe und sehr authentisch bin.»
Im Nachtleben herrscht ein grosser Konkurrenzkampf. Patricia weiss, dass es nicht nur auf das Talent, sondern auch auf die Connections draufankommt.
«Heute ist fast jeder ein DJ. Ich habe das Glück, dass ich gut mit den Menschen auskomme. Dank Naturklang habe ich schon früh vor einem grösserem Publikum und im Ausland gespielt.. Ich hatte das Glück, dass mich die richtigen Leute gehört haben und unterstützt haben.»
Patricia ist sich bewusst, dass die Branche von den Männern dominiert wird und es vor allem unter den grossen Stars weniger Frauen gibt. Sie hat aber bereits an diversen Partys mit einem reinen Frauen-Line-Up gespielt und merkt, dass ein Umdenken stattfindet. Sexismus begegnet Patricia eher weniger.
««Wirst du gebucht, weil du etwas kannst oder wegen deinem Aussehen?» Mit dieser Frage wurde ich im Ausland konfrontiert. In Zürich kennen die Leute mich und mein Können. Hier werde ich nicht auf Äusserlichkeiten reduziert.»
Auf Soundcloud findet man viele Sets von Patricia, ein offizieller Release ist aber noch nicht erschienen. In ihrem eigenen Studio in der Nähe von Wipkingen tüftelt sie aber nach Feierabend an ihrem eigenen Sound.
«Ich hoffe, dass ich bald mehr Zeit im Studio verbringen kann. Produzieren ist ein kreativer Prozess – und dieser funktioniert bei mir nicht unter Druck. Es ist nicht zu unterschätzen, wenn man die Elemente selber kreiert.»
Paricia lädt ihre Remixes auf Soundcloud hoch. Ausserdem hat ihre Artist Page auf Facebook knapp 2000 Fans, auf Instagram folgen ihr Fans.. Vor allem letzteres Netzwerk mag sie.
«Ich finde Instagram spannend, weil es nur auf Fotos basiert. Man kann Momente teilen, ohne jemanden vollzuspamen. Facebook finde ich schwieriger, weil viele Posts in der Masse untergehen. Auch privat nutze ich die Plattform kaum noch.»
Musik hört Patricia analog und digital. Professionell widmet sie sich fast ausschliesslich der elektronischen Musik. Privat lässt sie aber auch Klassik, Indie-Pop und Rock laufen. Dieser Mix ist ihr wichtig.
«Unter der Woche höre ich viele andere Genres, das gibt frische Ohren. Auf Spotify habe ich fast keine elektronische Musik und keinen Songs gespeichert, den ich auch auflege. Am meisten beruhigen mich Kombinationen im elektronischen Bereich, wenn zum Beispiel Melodien oder Instrumente wie Geigen einbezogen werden. So etwas möchte ich auch gerne machen.»
In den letzten zwei Jahren war Patricia viel unterwegs. Sie hat in verschiedenen Clubs im Ausland aufgelegt, zum Beispiel Istanbul, Hamburg, Kapstadt, New York und Berlin.
«Die Zürcher wissen genau, wie die Musik klingen soll. In anderen Städten sind die Leute anders. Im Ausland aufzulegen ist speziell: Man weiss nicht, was einen erwartet. Man kennt das Publikum und den Club nicht. In Berlin war ich aber beispielsweise schon selber als Partygängerin. Das ist sicher ein Vorteil, weil ich bisschen weiss, wie die Leute ticken.»
Auch privat ist Patricia in den letzten Jahren viel verreist. Barcelona ist einer ihrer Lieblingsstädte, aber auch Berlin und New York gefallen ihr sehr gut. Lust, Zürich für immer zu verlassen?
«Vielleicht. Aber ich habe in Zürich einen Drittel meines Lebens verbracht, viel erreicht und gute Freunde gefunden. Auch freue ich mich immer wieder auf meine Wohnung. Dort züchte ich einen Mini-Dschungel: Ich finde Pflanzen in der Wohnung extrem beruhigend. Bis vor fünf Jahren hatte ich noch keinen grünen Daumen – jetzt besitze ich bereits mehrere Orchideen, einen Bananenbaum, Aloe Vera Pflanzen und vieles mehr.»
Den Sommer wird Patricia an den Festivals, Outdoor-Partys und der Streetparade verbringen. Wann sie wo genau auflegen wird, weiss sie aber noch nicht. Fest steht aber: Es wird ihr Spass machen.
Text: Eva Hediger
Fotos: Nadine Kägi











