Trigger und Flashbacks
Da ist es wieder. Das nicht still sitzen können. Das wackeln mit dem Bein, welches von Stunde zu Stunde nervöser wird. Das Lippen kaputt beissen, bis keine Haut mehr da ist. Das ewige Hände eincremen und sich nach dem “Triggerarmband” zu sehen, welches man auf die Hand flitschen lassen kann. Man versucht aus dieser Abärtsspirale hinaus zu kommen, doch jede Minute um Minute durchlebst du den Kampf erneut.
Dabei hast du so vieles schon überlebt. Das körperliche & seelische Misshandeln deines Körpers durch deine “Familie”. Die Attacken in dem Heim, welchen du ausgesetzt warst. Das mehrfache gewürgt werden von Menschen. Das Mobbing. Die unterschiedlichsten Diagnosen wie eine idiopathische Facialisparese, eine Tumorerkrankung - welche sich als gutartig nach monatelangem Warten auf einen OP-Termin herausstellte -, die unterschiedlichsten Verluste und Kämpfe, welche du jeden Tag ausgesetzt bist, unterschiedliche Raubszenarien im In-und Ausland, ... .
& dann, eines Tages, du denkst schlimmer kann es nicht kommen. Du versuchst dein Leben gerade wieder auf die Reihe zu bekommen. Es sind nur noch wenige Wochen bis du das Abschlusszeugnis mit Fachabitur ausgehändigt bekommst. Du hast deine erste richtige, glückliche, funktionierende Beziehung. Du hast dadurch eine Familie bekommen. Deine Freunde sind an deiner Seite. Es läuft einfach prima & dann eines Tages haut dir das Leben mächtig in die Fresse. Es haut nicht nur einmal zu, nein, es tritt solange dir gegen den Körper, bis du auf dem Boden liegst, Blut spuckst, die Schmerzen nicht mehr dem Körperteil zuordnen kannst und am Ende ohnmächtig wirst vor Schmerz.
Bei mir war es ein besonders schwerer Raub mit 2 Messern am Hals. Ich dachte “Hey, damit kommst du klar”, aber so öfter du mit Menschen darüber geredet hast, wurde dir klar “Hätte nur einer geschnitten, du hättest es nicht überlebt.” & deine Freundin, sie redete tagtäglich auf dich ein, aus Angst dich zu verlieren, redet tagtäglich gegen eine Mauer und gibt irgendwann mit den Worten “Bitte pass auf dich auf und mach das nicht wieder.” auf, dir zu zeigen, dass sie panische Angst um dich hat. Doch du realisierst es nicht, denn du bist in deinem Paralleluniversum gefangen, als sie zu dir sagt “Du bist so weit weg..” & du nur reagierst mit “Hm. Nein, nein. Ich bin hier, mach dir keine Sorgen.” Am Ende verlierst du auch sie. & mit einem Mal hast du alles verloren. Dein stabiles Leben. Deine wunderbare Partnerschaft. Deine Schwiegerfamilie. Deine Freunde. Du lässt niemanden mehr an dich ran. Keiner soll sehen, wie dreckig es dir geht. Tagtäglich ziehst du dich mehr zurück, bist irgendwann nicht mehr erreichbar für deine Freunde. Für deine Nachbarn. Für niemanden mehr.
& hey, dann steht die Polizei vor der Tür. Klingelt sturm. Überlegt die Wohnungstür einzutreten, während du dahinter sitzt und den Gesprächen mit den Nachbarn und der Polizei lauschst, als du bemerkst, die gehen erst, wenn Sie dich gesehen haben.
Kaum 2 Wochen später bist du ganz am Arsch. Du hast Abschiedsbriefe geschrieben. Du hast alles durchgeplant. Du bist bereit dein Leben ein Ende zu setzen und tatsächlich versuchen deine Freunde dich aus dem Loch zu befreien, in das du gefallen bist. Tag für Tag hast du dich weiter fallen lassen, siehst Ihre Bemühungen nicht. Akzeptierst und respektierst Ihre Ängste um dich nicht, bis ein Mensch dir stundenlang im Tierpark einredet, wie wichtig du für Ihn bist. Dass es jetzt Zeit ist, mir Hilfe zu holen.
Tatsächlich hab ich mir Hilfe in der LWL geholt, 8 Sitzungen hab ich gehabt zur Stabilsierung & ich dachte, ich komme endlich klar mit alle dem. Doch kurz nachdem die Therapie beendet war, durft ich vor Gericht aussagen. Musste mich den Tätern erneut stellen. Das alles nochmal durchleben.
& damit nicht genug, nein, ich habe so viele falsche Menschen kennengelernt in dieser Zeit, die meine schwache Zeit ausgenutzt haben, so wie es nur ging. Ich erlebte mehr und mehr durch Flashbacke, durch Trigger, durch gezielte Aktionen gegen mich, wo ich stehe. Wo ich bin & brach erneut zusammen. Das war noch nicht alles, das LWL teilte mir mit, gerade als das Studium begann, dass einer der Täter in Revision ging und erneut bekam ich Panik.
Hatte mich gerade wieder daran gewöhnt, diese 100 Meter durch meine Straße bei Tageslicht zu laufen. Wieder in die U-Bahn-Station zu gehen. Auf direktem Weg einkaufen zu gehen. Nicht ständig 1,5 km Umweg laufen, bis ich zu Hause bin. & da war es wieder. Meine Praktiken brachen wie ein Kartenhaus in sich zusammen und jetzt steh ich wieder an dem Punkt.
Erlebe Tag für Tag Flashbacks an die Tat. & das Operentschädigungsgesetz wird auch abgelehnt, mit der Begründung “Das Messer wurde nur knapp vom Hals gehalten nicht direkt an den Hals.”
An diesem Tag habe ich den Sinn für Gerechtigkeit in Deutschland aufgegeben. Tatsächlich hätte ich mich ermorden lassen müssen, für eine Colaflasche & ggf. meine Kreditkarte + Handy, bevor ein Geschädigter endlich vom Staat entschädigt wird.
Was für ´n Geschädigtenverachtendes Gesetz haben die Politiker da eingeführt? FUCK OFF! FUCK THE SYSTEM!
& nun, tja. Ich laufe wieder Umwege zum Einkaufen. Ich kann alleine bei Tageslicht meine Straße alleine nicht komplett laufen. Ich habe Panikattacken. Albträume. Flashbacks. Trigger. Laufe zu weiter entfernten U-Bahn-Stationen. Lasse Menschen nicht mehr an mich ran. Blocke bei Gefühlen ab. Bin wieder in meinem Paralleluniversum gefangen. Bekomme Zitterattacken in alltäglichen Situationen. Bin nicht mehr ich selbst und frage mich “Werd ich jemals wieder normal sein?” All das und noch viel mehr.
Muss das alles nur noch solange durchstehen, bis ich Schmerzensgeld und OEG von Gerichten zugesprochen bekommen. Adieu &
Willkommen in meiner Welt.
Übrigens: Das OEG greift auch bei sexuellen Missbrauch nur teilweise. Widerlich, oder?
@chrisneedshugs












