8. März 2017
Eine Taschenrechnergeschichte
Heute hat unser Azubi Zwischenprüfung und damit Halbzeit in der Ausbildung als Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Zur Prüfung darf neben dem normalen Schreibzeug auch ein Taschenrechner mitgebracht werden. Natürlich nicht der, der auf jedem Smartphone anzutreffen ist. Es muss ein „nicht programmierter, netzunabhängiger Taschenrechner“ sein.
Aber woher kriegt man so einen Taschenrechner?* Der Azubi hat Glück, denn ich habe in meiner Technikantiquitätensammlung noch einen rumstehen, der zwar fürchterlich verstaubt ist, aber immer noch läuft und nicht einmal eine frische Batterie benötigt, weil er mit Sonnenstrom betrieben wird.
Eine gute Gelegenheit, dem Azubi Technikgeschichtsunterricht zu geben. „Den 'Currency Conversion Calculator' schaffte ich mir Anfang der 2000er Jahre an, als es viel Hin- und Herrechnerei bei der Euro-Umstellung gab. Mit ihm konnte man per €-Knopfdruck DM in Euro verwandeln. Aber im Grunde war ein Taschenrechner schon damals ein Anachronismus.“
„Und wann nicht?“, fragt der Azubi. Da erzähle ich aus digital-naiven Zeiten: „Meinen ersten Taschenrechner bekam ich Anfang der 70er Jahre, der kostete 139 Mark und konnte nicht sehr viel mehr als die vier Grundrechenarten. Aber er hatte schon einen Speicher. Mitte der 70er Jahre wurde der Taschenrechner in den Schulunterricht integriert, jeder in der Klasse musste sich einen von Texas Instruments anschaffen (ein TI-30?). Der konnte schon Wurzelrechnen, Potenzen, Winkelfunktionen und Klammern, war aber noch nicht programmierbar. Davor arbeiteten wir mit Rechenschiebern.“
„Was ist ein Rechenschieber?“ Jetzt tue ich mir wirklich schwer. Wie erklärt man einem jungen Menschen, der die Zeit vor dem Computer nicht kennt, dass wir damals Skalen aneinander vorbeischoben und dann ungefähre Ergebnisse ablesen konnten, die aber mithilfe von kopfvorgerechneten Näherungen ziemlich genau wurden? Zum Glück hat sich schon ein anderer Techniktagebuchautor die Mühe gemacht und eine wunderschöne Liebeserklärung an den Rechenschieber geschrieben.
* Wie ich später erstaunt feststelle: problemlos im weltweiten Netz. Aber ist ja auch logisch.
(Uli Eder)












