März und Juni 2021
Wie so ein sehr vergessliches Tier
Das wird jetzt ein selbst für Techniktagebuchverhältnisse ungewöhnlich langweiliger Beitrag, aber es muss sein, weil ich darin kurz vor dem nächsten Vortrag meine eigene Problemlösung suchen werde.
Im März 2021 schreibe ich im Redaktionschat:
Google Slides ist das Präsentationstool, das ich seit 2016 verwende. Die speaker notes sind eine praktische Ansicht, in der man beim Reden die nächste Slide sehen und die Notizen zur aktuellen Slide lesen kann. Diese Ansicht habe ich bisher aus den hier beschriebenen Gründen nicht verwendet und mir stattdessen meine Vorträge mit der Loci-Methode gemerkt. Für die Vortragsqualität war das gut, denn einen gut strukturierten Vortrag mit halbwegs logisch zusammenhängenden Punkten kann man sich leichter merken als einen wirren. Andererseits kostet es zusätzliche Vorbereitungszeit, am Anfang war das ungefähr ein ganzer Tag, später bin ich schneller geworden und brauche jetzt nur noch ein, zwei Stunden dafür. Aber ich kann mir damit nicht sämtliche Details merken und vergesse deshalb gelegentlich Dinge zu sagen, die fürs Verständnis vermutlich wichtig gewesen wären.
Bei einem meiner ersten Remote-Vorträge während der Pandemiezeit habe ich mir Vortragsnotizen in einem Textdokument gemacht und sie in einem kleinen Fenster nah an die Laptopkamera geschoben, so dass ich beim Reden meine Notizen sehen und trotzdem in die Kamera gucken konnte. Durch dieses Textfenster war ein Teil des Videokonferenz-Geschehens oder vielleicht auch meiner Slides verdeckt, Details weiß ich zum Aufschreibezeitpunkt nicht mehr. Außerdem musste ich beim Reden immer wieder zum Touchpad greifen, um vorsichtig in meinen Notizen zu scrollen.
Anfang Juni berichte ich dem Redaktionschat:
“Ich habe gerade einen Vortrag in Lüneburg gehalten und dazu gibt es Folgendes zu sagen: Eine halbe Stunde vorher merkte ich, dass ich nicht mehr weiß und auch nirgends aufgeschrieben habe, wie man verdammt noch mal Google Slides mit Presenter Notes so streamen kann, dass das Zoom-Publikum die Fullscreen-Ansicht sieht und nicht den Browser mit URL und allem. Es ließ sich in dieser halben Stunde trotz energischem Googeln und Herumprobieren nicht rekonstruieren. Ich weiß, dass es schon mal ging! Und zwar wahrscheinlich so einfach, dass ich dachte ‘brauchst du nicht aufzuschreiben’. Sobald ich es wieder rausfinde, SCHREIB ICH ES AUF.”
Mitte Juni steht der nächste Vortrag bevor. Ich schreibe im Redaktionschat:
“Hilfe, ich setze auf eure Kompetenz, Zoompeople: Beim letzten Vortrag vor zwei Wochen habe ich 30 Minuten vor Start gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, Google Slides in der Vollbildansicht so zu screensharen, dass man die presenter notes sehen kann. Es ist mir trotz 30 Minuten Herumprobierens letztlich nicht gelungen und ich habe beschlossen, das in Ruhe für den nächsten Vortrag rauszufinden. Der ist in anderthalb Stunden und gerade ist mir eingefallen, dass ich es immer noch nicht weiß! Alle Anleitungen, die ich ergoogeln kann, sagen es nicht. Oder sie behaupten, es zu erklären, aber so, wie sie es erklären, geht es nicht. Ich brauche in dem Fall unbedingt Ablesenotizen, weil der Vortrag simultangedolmetscht wird und ich deshalb vorher Text abliefern musste, an den ich mich möglichst halten sollte.”
Kristin Kopf schlägt vor, mit Zoom nur einen Bildschirmausschnitt zu teilen. Diese Möglichkeit habe ich als Workaround auch schon gefunden, “dann darf in diesem Teil des Bildschirms allerdings nichts Versehentliches passieren (notifications oder so)”, wende ich ein. “Ich bin mir ziemlich sicher, dass es geht, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich es schon gemacht habe. Das heißt, vor dem letzten Vortrag war ich mir ziemlich sicher, inzwischen denke ich, vielleicht habe ich das nur geträumt.”
Ich teste verschiedene Vorschläge aus dem Chat, indem ich ein Zoom-Meeting nur mit mir selbst starte, einen Einladungslink erzeuge, mir diesen Link im Messenger selbst schicke und dann vom Handy aus als Gast in meinem eigenen Meeting erscheine. In der Handyansicht kann ich sehen, dass mein geteilter Bildschirm mit der Präsentation immer noch als hässliche Browser-mit-URL-Ansicht daherkommt statt als Vollbild. Wenn ich das Vollbild am Laptop einschalte, verschwinden meine speaker notes und lassen sich nicht mehr hervorholen.
Weil die Zeit knapp ist, teile ich letztlich einen Ausschnitt aus meiner internen Präsentationsansicht.
So sieht es auf meinem Laptop aus, und für das Publikum teile ich die Ansicht der Slide links oben. Der geteilte Ausschnitt ist auf meinem 11-Zoll-Display etwa 10x7 cm groß, die Auflösung des geteilten Bilds auf der vermutlich großen Leinwand am Veranstaltungsort also wahrscheinlich nicht besonders gut. Da aber außerdem aus unklarem Grund (vielleicht streamen alle Nachbarn um die Tageszeit gerade Filme?) außerdem meine WLAN-Versorgung während des Vortrags stark schwankt, hat das Publikum vermutlich Probleme, mich überhaupt zu sehen und zu verstehen, und die Auflösung meiner Slides ist relativ egal.
Später am Abend wird mir klar, wie es gegangen wäre. In der halbstündigen Technikvorbesprechung vor Vortragsbeginn habe ich erfahren, dass die anderen es keineswegs sehen können, wenn ich versehentlich andere Bildschirminhalte in den geteilten Ausschnitt verschiebe. Zoom ist schlau genug, dem Publikum nicht das anzuzeigen, was ich im geteilten Ausschnitt sehe, sondern nur das, was tatsächlich zu dem Fenster gehört, aus dem ich einen Ausschnitt teile. Man kann also in Google Slides den presenter mode einschalten, dann bei Zoom unter "Share Screen" und dann unter "Advanced" einstellen, dass man nur einen Bildschirmausschnitt teilen möchte. Dann kann man das geteilte Fenster irgendwo im Hintergrund aufbewahren. Es darf ruhig verdeckt sein, geteilt wird trotzdem das Richtige. Noch mal vorsichtshalber für Zukunftskathrin: Lass die Finger vom Vollbildmodus! Der Vollbildmodus ist ein Irrweg!
Ob das jetzt dieselbe Lösung ist, die ich im März einem Youtubevideo entnommen habe wie so ein sehr kluges Tier: Keine Ahnung.
(Kathrin Passig)













