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GZSZ really feels like some Fanfiction
Advocates are inserting storylines into TV and radio shows to promote behaviors that could lead to social change. Just don't call it infotai
Seifenopern sind harmlos und werden von vielen Menschen angesehen und angehört. Damit sind sie auch ein gutes Mittel, um Wissen zu verbreiten: Etwa, indem bestimmte gesellschaftliche Ungerechtigkeiten bespielt werden.
🍒 𝐍𝐢𝐦𝐦 𝐞𝐬 𝐦𝐢𝐭 𝐇𝐮𝐦𝐨𝐫 🍒 . Ich sage es so oft und heute hat es sich mal wieder bestätigt... . Mein Leben ist eine Seifenoper! . Warum sag ich das immer wieder? Jeder der meine Storys kennt weiß, ständig passiert bei mir immer irgend ein Mist 😅 . Vor einem Monat stand mein Klo Tage lang unter Wasser, vor ein paar Wochen stand meine berufliche Situation sehr schwankend und heute? Tja heute blieb mein Auto 4 km vor meinem ziel einfach liegen 😅 . Ich bin ein kleiner Pechvogel... . Aber ich nehme es so gut wie immer mit Humor und bei Dingen die sich schnell lösen lassen, auch mit einer gesunden Portion Lachen 😅 . Denn was bringt es sich zu ärgern, emotional darauf zu reagieren und traurig oder hilflos zu sein? . Wir sollten das Leben nicht so ernst nehmen. Wir können da eh nicht lebendig wieder raus 😅 also lacht darüber, und Streut glitzer oben drauf 😋 . Wie geht ihr mit so Seifenoper Situationen um? . #spaß #lachen #humor #witz #seifenoper #Pechvogel #amazing #laugh #laughing #wiemachtihres #pinuphumor #pinupmom #pinupstyle https://www.instagram.com/p/CAGJUEFFlO0/?igshid=1eilmonu8rwbc
Wer mein Tagebuch kennt...
Wer mein Tagebuch kennt…
Das hier ist eine kleine Zusammenfassung für Neueinsteiger, die ich immer mal zwischendurch poste: “Profis” erkennen das am immer gleichen Foto!
Tammy, 36, ist eine ehemalige Airline-Pilotin und passionierte Seglerin. Sie ist mit ihrem Zweimaster, einer Ketsch, unterwegs von Jamaika nach Ascension Island im Südatlantik, der erste Teil ihrer Reise in den Pazifik.
An Bord sind der Niederländer
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Das hier ist eine kleine Zusammenfassung für Neueinsteiger, die ich immer mal zwischendurch poste: “Profis” erkennen das am immer gleichen Foto!
Tammy, 36, ist eine ehemalige Airline-Pilotin und passionierte Seglerin. Sie ist mit ihrem Zweimaster, eine Ketsch, unterwegs von Jamaika nach Ascension Island im Südatlantik, der erste Teil ihrer Reise in den Pazifik.
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Mitten im Vierten - Lokalkolorit und Trashgeschichten
Episode 05 einer echten Grazer Seifenoper - Bob Tough!
Ein Konservendosenpopsong eröffnet das Intro.
Eine Kamera fliegt aus dem Weltall hinab und durchfliegt die Marienstraße. Das Bild wird diagonal geteilt. Während links oben weiter das Viertel gezeigt wird, wird rechts unten Bier gezapft, das Glas geht über, Schnaps wird ausgeschenkt, ein Burger wird gegessen, ein Toast wird getoastet, die Namen der Weltklasseschauspieler blinken immer wieder auf (Michael Ostrowski ist explizit nicht dabei), die Kamera fliegt ins „Herrlich“ und bleibt in der Totalen auf der Registrierkasse stehen. Dieses Bild wird größer, bis es alles ausfüllt und man sieht was auf der Registrierkasse steht:
Mitten im Vierten
HERRLICH
8 x0,3 Murauer à € 2,90
Summe € 23,20
Nach einer Idee von
YANNICK STEINKELLNER
Vielen Dank!
Komm bald wieder!
Eine letzter Gitarrenakkord blendet langsam aus, das Bild wird schwarz, dann geht die Folge los:
____________
Hämmern. Klopfen. Braungebrannte, verschwitzte Arbeiter in einem Stollen. Mundschutz wird getragen. Stirnlampen leuchten. Dutzende junge Syrer und Afghanen graben südwärts, beaufsichtigt von einem ebenfalls gut gebräunten, schwarzhaarigen, kleinohrigen, großgewachsenen Mützchenträger. Er wirft einen langen Schatten. Eine engelsgleiche Aura umgibt ihn und eine soulige Orgel lässt uns alle in eine sakrale Stimmung verfallen. Das fiese Gegenlicht des Baustrahlers am Boden hinter ihm versetzt uns alle in Entzücken. Blendend.
An seinem Hosenbund baumelt ein Eisenring mit Schlüsseln, in der rechten Hand brennt seine Zigarette, mit der linken Schulter lehnt er lässig an die Stollenwand und schaut schelmisch in die Kamera. Unter dem schwarzen T-Shirt lugt am Oberarm Anker-Tattoo hervor, an seiner Zigarettenhand erkennt man ein Maserati-Logo aus Tinte. Ein Bild von einem Mann, in dessen Hintergrund die Flüchtlinge brav am Stollen weitergraben. „Ich bin Bob Tough!“, stellt sich Bob Tough vor, kratzt sich kurz am bärtigen Kinn und folgt dann dem Wagen, der herausgeschlagene Gesteinsbrocken in den eigentlich Kellertrakt des „Herrlich“ befördert. Dem schwitzenden, motivierten jungen Syrer, welcher den Wagen in den Kellertrakt schiebt, wird von Bob Tough anerkennend an der Schulter geklopft. „Top!“, sagt Bob und nimmt einen Zug von seiner Zigarette, dann widmet er sich wieder uns verwunderten ZuseherInnen und spricht in die Kamera. „Wir graben hier seit ein paar Wochen einen Stollen. Wir haben uns das ausgerechnet, nach dem sich unser Betrieb nicht rechnet, aber zumindest noch bis Dezember überleben wird, wollen wir unser überleben sichern, indem wir Überleben sichern. In drei Monaten sind wir in Slowenien. Wir kooperieren mit dem Casino Mond, in dessen Kellner jeder zweite illegale Flüchtling Südeuropas wohnt.“ Bob hustet kurz und rauchig. „Diese Flüchtlingskrise macht mich traurig und meine Traurigkeitsobergrenze ist erreicht. Bei Jürgen Drews Weihnachtskonzert schleußen wir die Familien heimlich durch den Tunnel vom Casinokeller nach Graz und lassen alle Flüchtlinge rein.“ Bob Tough kommen die Tränen und er wendet sich von seinen tiefgreifenden Emotionen übermannt von der Kamera ab, schnäuzt sich in ein lappriges Stofftaschentuch und wird von der Kamera im Stich gelassen. Ein Schwenk aus dem Leben des Bob Tough, dem Mann, der die (Rotz-)Fäden (aus der Nase) zieht, hin zum Knall der PRIVATBEREICH-Tür, durch die Tobias den Raum betritt.
Neben der Tür ein staubiger Ohrensessel, in dem Jolanda Reaggae, die bestimmt nicht berühmte Grazer Künstlerin, die ein wunderbares Wandgemälde in der „Liese“ gepinselt hat, von Tobias' lautem Grußwort jäh aus dem Schlaf gerissen wird. „SERVUS! HALLO! FLEISSIG FLEISSIG! SCHAUT SUPER AUS! TOLL, JUNGS!“ Er tätschelt einem sehr jungen Syrer den Kopf mit der Hand. Sie reibt sich die Augen und wird von Tobias mit einem romantischen Inuit-Küsschen begrüßt. „HasiHerzHasi Hallo“, säuselt Tobias. „Mei MausiMeinMausi“, flüstert Jolanda. Im Hintergrund kippt der Syrer die überflüssigen Gesteinsbrocken in ein sich im Boden befindendes schwarzes Loch. Sie verschwinden ohne Geräusch. Er fährt den Wagen zurück aus dem Bildrand. „Vier Meter in vier Stunden – Die Jungs sind brav!“, sagt Jolanda. „Passt gut. Bis Weihnachten geht sich das alles aus, wenn sie so weiter machen...“ Tobias geht ein paar Schritte zum schwarzen Loch und schaut neugierig hinein: „Wissen wir eigentlich schon wo das hin führt?“ Jolanda zuckt mit den Schultern. In diesem Moment blinkt Tobias' Mobiltelefon. Er wirft einen Blick darauf und runzelt die Stirn. „Alarm? Wie Alarm?“, er sieht prüfend zur Tür und bemerkt, wie sie in diesem Moment wieder lautlos ins Schloss fällt. Schnellen Schrittes schleicht er hinüber und lauscht kurz. Auf der Gegenseite lauscht der Dichterjunge mit angsterfülltem Gesicht ebenfalls an der Tür. Gerade will er einen Schritt zurück machen als Tobias mit einem Ruck die Tür aufdrückt. Der dichte Junge stolpert nach hinten und prallt mit seinem Kopf gegen die Kante einer Kiste Cola. „Kacke!“, keucht er. „Kacke!“, kreischt Jolanda. „Komm her!“, kommentiert Tobias, zerrt den Jungpoeten am Oberarm in den PRIVATBEREICH in Richtung des schwarzen Lochs. In seinem entschlossenen Gesichtsausdruck ist kein Funken Gnade zu erkennen und auch kein Rotz, denn er hatte sich sehr gründlich die Nase geputzt. „Nicht!“, wimmert der besoffene Schreiberling. Bob Tough tritt aus dem Stollen an die beiden heran, drückt die Zigarette an der Wand aus und schnippt sie am Dichterjungen vorbei in das schwarze Loch: „Nicht cool.“
Einen Stock höher kennt das illustre Treiben keinen Abbruch. Hipster mampfen Sojanudeln. Die Stammgäste betrinken sich und Miguel flucht vor sich hin: „Zwa Stund no. Zwa Stund no. No zwa Stund. No zwa Stund.“ Auch heute will er wieder den allabendlichen Gang ins Riding Pony antreten, wenn der Dienst zu Ende ist. Die Hasen vom letzten Aufenthalt sollen auch heute wieder heftig und südländisch umworben werden, denn sie haben ihm nicht abgesagt, waren eben bei einem Poetry Slam und sind nun gut gelaunt und angeheitert! Perfekte Voraussetzungen für die klassische Montagsafterhour im Riding Pony.
„Wo woastn, Oida?“, zischt er Tobias ins Ohr, als dieser wieder durch die Küche in den Gästebereich huscht. „Telefonieren.“ „Gehst nachher wieder mit ins Pony?“ „Schauma mal.“ „Oida.“ „Chill, Hawi. Machma.“ „Passt. Mach du mal Stand, bitte, dann simma flotter fertig.“ Leidend fügt sich Tobias seinem Schicksal und beginnt die übrigen Getränke zu zählen. „LETZTE RUNDE!“, brüllt Miguel charmant in den Raum. „Aber wir haben ja noch zwei Stunden auf“, sempert Andrea. „I ABER NET“, antwortet Miguel sanft in Capslock.
Und so fügen sich die Helden des Grazer Alltags, leeren ihre Getränke, bezahlen und machen sich langsam auf den Weg. Dass der Dichterjunge von seinem Toilettenausflug nicht zurückgekehrt ist, wundert hier keinen. Der Dichterjunge und ein polnischer Abgang, das passt zusammen wie Tobias und Tratsch, Miguel und Meckerei und Bob Tough und echte Männertränen, oder eben die ersten fünf Wörter des nächsten Absatzes.
„Herrlich!“, ruft Harri in Feierabendstimmung, als Andrea, Roli, Tobias und Miguel das Riding Pony betreten. Neben Harri, ebenfalls sitzend an der Bar, schlief der Erzherzog mit dem Gesicht in seinem verkehrt aufgelegten Hut. „S'Herrlich is zua, Oida!“, ruft Miguel durch den verrauchten Gestank über die Köpfe besoffener Studierender hinweg und dann über den Tresen „Vier Lasko Club, Bittedanke!“ zum Unbeliebtesten der Pony-Kellner. Der vernebelte Schuppen, ein Abstieg egal aus welcher misslichen Lage man kommt (ein Kellergeschoß ausgenommen, denn ebenerdig ist das Riding Pony, so viel ist sicher). Der Kellner mit Dreadlocks war im Dienst. Keiner mochte ihn. Nicht einmal seine Freundin. Seine Freundin mochte nämlich den Zigarettengeruch nicht, der sich in seinen Wursthaaren manifestiert hatte und ihr immer in die Nase stieg, wenn sie gerade ihre Leselampe im gemeinsamen Bett ausmachte. Sie las lieber das kommunistische Manifest mit eingeschaltener Leselampe und ohne ihren stinkenden, langsamen Kellnerlappen von Freund neben sich. Der generelle Mitten im Vierten-Pöbel, welcher nur in den späten Stunden der Nacht in die Höhle aus dunklem Holz einkehrte, interessierte sich nicht allzu sehr für Äußerlichkeiten – weshalb man ja auch ins Riding Pony ging, nur um noch einmal zu betonen wie untragbar dieser Schuppen eigentlich war – sondern nur für verlässliche Bedienung, lange Öffnungszeiten und billiges Bier. Alles hatte das Riding Pony zu bieten, wenn der Kellnerlappen mit der Wurstfrisur nicht im Dienst war. An den anderen Tagen – heute zum Beispiel – ist die Bedienung vergesslich, die Kneipe sperrt früher zu und das Bier ist nicht billig genug, weil man viel zu lange darauf warten muss. So geschehen auch bei Miguels Bestellung. Eben waren ihm die Zigaretten ausgegangen, Harri hatte sich an seinem letzten Schluck Bier verschluckt, weil er gleichzeitig „Herrlich“ sagen wollte und Andrea war auf Rolis „Prost, Officer“-Schulter eingeschlafen. Welch trauriges Szenario. Und das alles noch immer ohne die bestellten Biere. Die Wurstfrisur passierte den Tisch von Miguel und Co mit einem Lappen, fing an letzte Runden bei den Leuten zu bestellen und unangenehm feucht die Tische abzuwischen. Niemand konnte mehr auf den Tischplatten lümmeln, geschweige denn sich abstützen, da der Lappen bestimmt seit dem letzten Jahrtausend schon in der Pony-Spüle dahinvegetierte. Schließlich schaffte es der stinkende Lappen (die Freundin des Dreadlock-Kellners wüsste jetzt nicht, ob der Reinigungsgegenstand, oder ihr Freund gemeint war, in diesem Fall sind es beide zugleich) zum Tisch unserer wackeren „Herrlich“-Belegschaft. Unmotiviert wischte der Kellner über den Tisch. Miguels rechtes Augenlid zuckte nervös, sein Kopf war bereits hochrot angelaufen. Harri wollte zum ersten Mal in seinem Leben nicht „Herrlich“ sagen und Roli hielt der schlafenden Andrea präventiv die Ohren zu. „Darf ich euch noch was bringen?“, fragte der verpeilte Lappen, während er mit dem Lappen über das letzte Tischeck wischte und der Tisch unfassbar nach Kloake zu stinken begann. Das ließ das Fass des Südländers überlaufen. Er sprang auf, seine sich durchdrückenden Kniekehlen knallten den Sessel gegen des schlummernden Erzherzogs Gebein, welcher laut aufschrie, aufsprang und den Barhocker umstieß, welcher wiederum Harris Schulter traf, der seinen Arm noch versuchte reflexartig wegzuziehen und so mit seinem Arm Roli ins Gesicht schlug, der wiederum aus Schreck Harris Glas umstieß, wessen Inhalt sich auf dem Tisch ausbreitete und schließlich vom Tisch in Andreas Schoß rann, die schreckte folglich hoch und verpasste dem über den Tisch gebeugten, wischenden Kellner die wohlverdiente Kopfnuss und streckte ihn damit nieder. Tobias blickte von seinem Mobiltelefon auf, sah sich um, stieß mit seinem Bein gegen den neben ihm zu Boden gegangenen Dreadlockträger und zuckte mit den Schultern: „Wo is mei Bier?“
Bewusstlos lag der unfähige Pony-Bedienstete am Boden, und das, bevor Miguel nur irgendein Wort gesagt hatte. Alles dank einer unfassbaren Kettenreaktion. Andrea rieb sich den Kopf und fragte nach ihrem Bier. Miguel nahm vier Bier von hinter der Bar und reichte sie über den Tresen, dann noch ein fünftes für Harri und ein sechstes für den erwachten Erzherzog, der laut lachte und seine Glatze rieb.
„Wah! He! Miguel! Du hast net gsagt, dass der Typ der uns angschüttet hat da sein wird“, vernahm man eine Frauenstimme vom Eingang. „Gar nicht cool!“, vernahm man etwas schriller vom Eingang. „Scheißt's eich net an“, sagte Miguel wenig beeindruckt und reichte den beiden Bier über den Tresen. „Fernet?“ Alle anderen nickten. Miguel schenkte aus, dann schrieb er ein SMS. Tobias, der natürlich nur auf sein Handy starrte, weil er wissen wollte, wie Bob Tough sich entschieden hatte mit dem Dichterjungen zu verfahren, war der Rezipient der SMS. Er öffnete sie gespannt und las: „Meine Hasn! Net anredn! Net anschüttn! Reiß' di zamm!“ Er drehte die Augen über und blickte mitleidig zu Andrea, seiner Freundin, die sich mit Servietten gerade den Schoß reinigte. Was sollte nur aus ihr werden? „Hat wer an Tschick für mi?“, fragte er in die Runde, und bekam von Miguel eine an den Kopf geworfen. Andrea missbilligte es, wenn ihr Freund rauchte. Sie missbilligte ihren Freund aber generell seit einiger Zeit und wischte deshalb ungestört weiter mit Servietten in ihrem von Bier getränkten Schoß herum.
Die Rauchschwaden im nun leeren Pony, in dem der bewusstlose Kellner lag, verdichteten sich, während die letzten Gäste, unsere Freunde aus dem „Herrlich“, an der Bar ihren Schalk trieben und über den aktuellsten Vierteltratsch berieten. Schließlich wird der Rauch unter einsetzender, heiterer Popmusik eines Kanadischen Vorstadtjungen, welcher nun weltberühmt ist und einen Namen trägt, welcher sich auf Fieber reimt, so dicht, dass das Bild voll von ihm ausgefüllt ist. Die schlauen LeserInnen fragen sich noch einmal, was denn aus dem Dichterjungen werden würde, wohin das schwarze Loch im „Herrlich“-Kellner führte und ob die Syrer und Afghanen unter Bob Toughs Anweisungen wirklich freiwillig arbeiteten. Wird LeChef René wieder eingestellt? Was wird aus Andrea und Tobias? Und was aus Tobias und Jolanda? Und wird Miguel mit beiden Hasen nach Hause gehen? Wann wird Bob Tough wieder weinen? Und wieso ist diese Folge jetzt zu Ende? Das weiß niemand, nicht einmal der Autor, der nun in einem tschechischen Railjet ein Pilsner Urquell vom Fass bestellen wird, um dann abends ein Konzert in Wien anzusehen, bevor er sich daran macht, die nächste Folge zu schreiben. Die Credits laufen ab und enden mit den vielversprechenden Worten: Folge06_Nora.doc soeben begonnen.
Mitten im Vierten - Lokalkolorit und Trashgeschichten
Folge 03 einer echten grazer Seifenoper - Le Chef René Ein Konservendosenpopsong eröffnet das Intro.
Eine Kamera fliegt aus dem Weltall hinab und durchfliegt die Marienstraße. Das Bild wird diagonal geteilt. Während links oben weiter das Viertel gezeigt wird, wird rechts unten Bier gezapft, das Glas geht über, Schnaps wird ausgeschenkt, ein Burger wird gegessen, ein Toast wird getoastet, die Namen der Weltklasseschauspieler blinken immer wieder auf (Michael Ostrowski ist explizit nicht dabei), die Kamera fliegt ins „Herrlich“ und bleibt in der Totalen auf der Registrierkasse stehen. Dieses Bild wird größer, bis es alles ausfüllt und man sieht was auf der Registrierkasse steht:
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8 x0,3 Murauer à € 2,90
Summe € 23,20
Nach einer Idee von
YANNICK STEINKELLNER
Vielen Dank!
Komm bald wieder!
Eine letzter Gitarrenakkord blendet langsam aus, das Bild wird schwarz, dann geht die Folge los:
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Frischer Wind war aufgekommen, wurde zu Wind, wurde zu starkem Wind, brachte dunkle Wolken, brachte Sturm, brachte Hagel, brachte Starkregen und fegte die Straßen leer. Jene, die es an diesem Tag noch rechtzeitig nach Hause geschafft haben, waren nun zu Hause und taten Dinge, die Menschen daheim eben so machen. Kochen. Essen. Duschen. Onanieren. Netflix. Das Übliche. Andere, die sich nur in die „Liese“ retten konnten, taten das, was man in der „Liese“ eben so macht. Heiß- und Kaltgetränke flossen in Strömen, der Zigarettenqualm machte es beinahe unmöglich die eigene Hand vor dem Gesicht zu sehen und Trunkenbolde blickten leer ins Nichts. Das alles unterlegt von Bob Dylans Best Of CD und regem Diskurs über belanglose Dinge, oder eben das Wetter. Und so schnell das Sommergewitter gekommen war, so schnell verzog es sich auch wieder. Man trat aus der „Liese“ auf die Straße, streckte die Arme zum Himmel und fühlte sich frei, atmete die Grazer Luft, die sonst nur Feinstaub in sich barg und hörte den Fahrrädern dabei zu, wie sie rücksichtslos über den nassen Asphalt der Straße sausten, Verkehrsregeln brachen und Autoreifen unter lautem Hupen auf nasser Fahrbahn noch leichter quietschen und rutschen ließen.
Jäh wurde das idyllische Gequietsche, Gehupe, Geschimpfe und Gezeige von einem dunklen, anhaltenden Geräusch durchbrochen. Es hallte zwischen den Hausmauern wider und verstärkte sich. Bob Dylan war in der „Liese“ kaum noch hörbar, als ein kräftiger, bärtiger Mützenträger in zu engen schwarzen Hosen, mit schwarzem Kapuzenpulli, Turnbeutel am Rücken, Vans auf den Füßen und verkehrter Cap auf dem zurückgelegten Haupthaar mit vollem Karracho an der „Liese“ auf seinem Longboard vorbeidonnerte. Auf der Mütze stand „CHEF“ und auf dem Shirt stand vorne „DEATH“. Vor dem „Herrlich“ sprang er von seinem Board, stoppte es und hob es lässig auf. Durch den Hintereingang stolzierte er in den Gästebereich des noch verschlossenen Lokals und rief selbstbewusst: „SERWAS!“ in den Raum, in dem Miguel bereits dabei war den Getränkestand vor Dienstbeginn zu kontrollieren, ob der lauten Begrüßung leicht erschrak, dabei den Faden beim Zählen verlor, und dem galoppierenden Iberer in sich freien Lauf ließ: „HAWARA, I BIN GROD BEIM ZÖHLN! BRAUCHST MI NET ONSCHREIN, MIT DEIM SCHEISS BRETTL, I SIG JO EH DASSD DO BIST, MIT DEM TRUM BIST NET ZUM ÜBASENG UND GHEAT HOB I DI WIESD IN FÖDBOCH LOSGFOAHN BIST!“
Als wäre nichts gewesen setzte sich Le Chef an die Bar und zündete sich unbeeindruckt eine Zigarette an. Miguel atmete tief durch, zählte die sonnigen Flaschen des faden, Grazer Hipstergesöffs, welches vollkommen überteuert über jeden Tresen der Kernölhauptstadt an Hipster, Pickelgesichter und Möchtegernavantgardisten verkauft wurde, obwohl es eigentlich nur als Mischung für harten Alkohol diente und selbst dafür war einem billiger Wodka zu schade, wenn man ehrlich sein wollte und Miguel war einer der ehrlichsten, wenn wir uns ehrlich waren. Als Miguel fertig gezählt hatte, hatte er sich wieder beruhigt und zündete sich eine Zigarette, die er wie selbstverständlich aus der Packung des Chefs stibitzte, an: „Na, war eh net so gmant. Tuat ma Lad. Schen dassd da bist, René.“ Miguel klopfte dem am Barhocker thronenden Chef amikal auf die Schulter. Der nickte nur kurz bestätigend und stieß den Rauch aus seinen Lungen zurück in den stickigen, nach Fritteuse-Fett riechenden „Herrlich“-Äther. „Bissl spät bist dran, muasst net no ois vorbereitn?“, sorgte sich Miguel. „Wal i sperr' jo in zehn Minutn auf...“ Chef René schüttelte den Kopf: „Nana, hob's meiste gäistan scho vuaberaitet. Ois loucka.“ Miguel nickte anerkennend. René drückte die Zigarette aus und verkroch sich mit Longboard, Turnbeutel, Chef-Cap und Vollbart in den Vorbereitungsraum. Miguel rauchte fertig, fuhr sich durch die wallende spanische Mähne, um sich danach ein süßes, keckes Zöpfchen mit dem Haargummi vom Handgelenk zu binden. Er nahm den Schlüssel aus der Lade unter der Registrierkasse, die das noch keckere, wiffe Seifenoperpublikum schon aus dem Intro kannte, und ging zügigen Schrittes zur großen Eingangstür um sie aufzuschließen.
Der Mann mit dem Hut war der erste, der den Weg ins „Herrlich“ fand. „Servas Erzherzog! Klans Bier?“, begrüßte ihn Miguel rauchend mit seinem Mobiltelefon in der Hand an den Tresen gelehnt. Die schwarze Schürze war ihm etwas zu lang. „Na, Danke. Mir reicht heut a Frucade.“ „Warst Chivi essen, oder waschst die Gwand anfoch net?“, bemerkte Miguel den Saucenfleck. Der Erzherzog drehte sich eine Zigarette und schleckte sein Zigarettenpapier sorgfältig hab: „Wos konn i dafia wenn des Trum so saftelt.“ „Eh.“ „Owa guat is' hoit.“ „Eh.“ Miguel stellte die Flasche Frucade auf einem Bierdeckel vor dem Erzherzog ab. Der Dichterjunge betrat beschwipst das Lokal. „Hast du heit net a Veranstaltung? Da Harri hot gmant“, begrüßte der Erzherzog den jungen Trunkenbold. „Jo eh, aber a Klans geht si no aus“, der Dichterjunge umarmte Miguel zur Begrüßung. „Ans hamma imma no trunken“, lachte der Erzherzog. „Weißt was, Miguelito? Stell' ma a no a Klans her.“ Bier wurde gezapft. Alle drei prosteten sich zu, nahmen einen Schluck und sagten nichts mehr. Aus der Küche schlenderte der beschürzte Koch-Hipster Longboard-los mit Zigarette im Mund an die Bar und zündete sie sich an: „Mog net ana vo eich wos essn? Wir hom seit heit a neige Koatn.“ Alle drei Trinkkumpanen tranken am Bier. „Wos miassn wir eigentlich jeden Monat a neige Koatn hom?“, meckerte Miguel. „I man. Do kennt si jo koana aus. Die erste hot jo eh passt.“ „Mia is owa fad imma den gleichn Schaß kochn und di Leit essn eh ois wos ma ihnen aufn Tisch stellt“, schoss René zurück. Dann war es still. Rauch, Bier, bedächtiges, männliches Schweigen.
Als der dichte Junge schließlich sein Bier bezahlte sagte er zum Abschied noch: „Oida i hoff i bring des drüber heut. I hab scho ziemlich einen sitzen.“ Alle nickten. „Aber bis umma elf werd i fertig sein. Trinkma nachher no ans in der Liese oder Sperrma s'Chivi zu?“ Der Erzherzog nickte: „Kemma mochn. I muass nua zwischn ham und morgen sollt i um neun in der Oabeit sein.“ „I hackl bis zwa, aber nachher gern auch Riding Pony. Schauma mal.“ „Easy“, sagte der dichte Junge, gab allen eine Brofist und verließ das Lokal. „Der Klane is a so a Wappler“, sagte der Erzherzog. „Aber i mag erm trotzdem.“ Miguel nickte zustimmend und aus der Küche ertönte die Chef-Klingel, das fertige Gericht ankündigend, für die Bestellung zweier enorm individuell wirkenden Mittzwanzigern auf Tisch 4. Tobias kam mit den Tellern in der Hand und dem Mobiltelefon am Ohr in zivil aus der Küche, ging schnellen Schritten zu Tisch 4 und knallte den Hipsterchicks die Glasnudeln vor den Latz: „Wohl bekommt's!“ Er drehte sich um, lehnte sich an die Bar, zündete sich eine Zigarette an und redete weiter: „Ja, also heute is schon noch viel zu tun. Miguel is grad allein im Dienst, heut bin i Springer. Wenn's mehr wird muss i hackln. Dazwischen muss i no die Hochzeitsplanung weitermachen. Zwa Fassl Murauer sind net kommen, da muass i mi no melden und der Joe is a scho wieder faul... Ja... Ja... Naja vielleicht, muss i schaun... Ja...“ Miguel stand mit verschränkten Armen und eingefrorenem Gesicht hinter dem Tresen und beobachtete das wichtige Telefonat. Innerlich kochte der Spanier. „...Ja... Ja hab ich dir ja gsagt, dass die gerade streiten... Ok mach ich...“ Tobias nahm noch einen Zug von der Zigarette und atmete aus. „Ok...Ja, passt. Ja, passt. Ja, dann bis später oder morgen. Ciao“, er legte auf und nahm noch einen Zug von der Zigarette. Jeder anständige Raucher konnte sehen, dass er Probleme dabei hatte den Tabak wirklich zu inhalieren. „Hawi, du paffst wie ein Zwölfjähriger!“, flüsterte Miguel über den Tresen. „Und dass du die beiden Hühner ausm Riding Pony vertriebn hast nimm i dir no immer übel.“ Tobias drehte die Augen über und paffte weiter. „Außerdem hast du grad kan Dienst, also lass die Finger von meine Teller. Die zwa auf Tisch 4 san geile Hasn.“ Tobias schmunzelte und blickte nach draußen wo just in diesem Moment, als wäre es von einem Drehbuchautoren geschrieben worden, zu schütten begann. Er wusste was dies bedeutete. Sofort wählte er eine Nummer im Telefon. Es war die Nummer einer Frau, die nicht seine Andrea war. Kurz wird dramatische Seifenopernmusik abgespielt. Und während Miguel neue Kunden bediente und im Laufen vor sich hin lamentierte, wurde das Chivi wegen Schlechtwetters verfrüht geschlossen, ein angeheiterter Anwalt, ein euphorischer Steuerberater und ein Chivi-Besitzer mit roter Schnapsnase torkelten Richtung „Herrlich“, wo sie ein beruhigendes Feierabendbier erwarteten, welches von einem viel stark mit Knoblauch versehenen Chicken Wrap von Le Chef René begleitet werden sollte. Was sie nicht wussten, war, dass die neue Karte den Wrap gestrichen hatte und von Sojasprossen und Glasnudeln ersetzt wurden. Noch dramatischere Seifenopernmusik wurde eingespielt. Wir sehen kurz, wie ein dichter Junge auf eine Bühne vor einem klatschenden Publikum torkelt, einige seiner Textpassagen perfekt rezitiert, dann von der Bühne geht und vor dem Gebäude im Starkregen in einen Mülleimer kotzt, sich danach mit dem Ärmel den Mund abwischt und unter dramatischer Seifenopermusikbegleitung zu sich selbst sagt: „Ich muss aufhören so viel zu saufen.“ Die Musik wird immer dramatischer, der Regen wird immer stärker und das Bild wechselt an den Tresen in der „Liese“, wo Harri zu Andrea, die gerade gut gelaunt ein Käffchen zwitschert, „Herrlich!“ sagt. Ende.
Mitten im Vierten – Lokalkolorit und Trashgeschichten
Folge 02 einer echten grazer Seifenoper - Dichterjunge
Ein Konservendosenpopsong eröffnet das Intro.
Eine Kamera sinkt aus dem Weltall hinab auf Graz und durchfliegt die Marienstraße. Das Bild wird diagonal geteilt. Während links oben weiter das Viertel gezeigt wird, wird rechts unten Bier gezapft, das Glas geht über, Schnaps wird ausgeschenkt, ein Burger wird gegessen, ein Toast wird getoastet, Käse zerfließt, die Namen der Weltklasseschauspieler blinken immer wieder auf (Michael Ostrowski ist explizit nicht dabei), die Kamera fliegt ins „Herrlich“ und bleibt in der Totalen auf der Registrierkasse stehen. Dieses Bild wird größer, bis es alles ausfüllt und man sieht was auf der Registrierkasse steht:
Mitten im Vierten HERRLICH 8 x0,3 Murauer à € 2,90 Summe € 23,20 Nach einer Idee von YANNICK STEINKELLNER Vielen Dank! Komm bald wieder!
Eine letzter Gitarrenakkord blendet langsam aus, das Bild wird schwarz, dann geht die Folge los.
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Harri setzt sich die frisch gereinigte Brille wieder auf, fährt sich kurz durch die graue Sturmfrisur und begibt sich in den Vorbereitungsraum der „Liese“. Vor 17 Uhr war in der „Liese“ selten viel los, der Alltag lief am Trottoir an den großen Fensterschreiben vorbei. Touristen bemerkten den Laden nicht, Fahrradfahrer waren damit beschäftigt Verkehrsregeln zu brechen und Autofahrer ignorierten am liebsten die “Liese” und das Tempolimit. Parkwächter teilten Strafzettel aus, Bedienstete aus den umliegenden Nachtclubs lugten immer wieder hinter den Vorhängen hinter den offenen Eingangstüren hervor, seufzten ob der niedrigen Auslastung und verschwanden wieder. Einzig die selbsternannten jungen, hippen, flippigen Kreativen des Viertels droppten immer wieder auf einen Drink by und verliehen der urigen Bar ein internationales Flair, das keiner der Owner wollte, aber den herkömmlich working-class People dankenswerterweise genug Stoff für genervte Lästereien bei den Feierabendbieren bot.
Jedenfalls beschmierte Harri pfeifend quadratische Brotscheiben mit Butter, um das Arsenal an legendären „Liese“-Toasts für die hungrigen Maultaschen aufzustocken, als ein junger, blonder Dichterjunge die Bar betrat, sich wortlos an den Tresen setzte, sein Notebook aufklappte und die WLAN-Verbindung herstellte.
„Harri, ich hab mich wieder verliebt in der Straßenbahn!“, sagte der Dichterjunge laut genug, damit es Harri hören konnte.
„Herrlich!“, sagte Harri laut genug, damit der Dichterjunge es hören konnte. “Und?”
“Nix und”, sinnierte der Dichterjunge. “Dann bin ich ausgestiegen und hab mich an der Fußgängerampel wieder verliebt.” Er seufzte. “Ich verliebe mich 5 Mal täglich... mindestens.”
“Herrlich!”, sagte Harri.
Der Dichterjunge tat so als hätte er wichtige Dinge am Notebook zu erledigen und scrollte sein Facebook-News Feed mindestens sieben Kilometer südwärts. Harri stellte ihm ohne Aufforderung ein kleines Bier auf den Untersetzer am Tresen. Keiner sprach und jeder fühlte sich sehr männlich. Ein eingespieltes Team. Nichts passierte für die nächsten zwei Stunden, außer den üblichen Start-Up-Coffee-Gästen.
Schließlich parkte ein abgefuckter Kombi vor dem gegenüberliegenden Puff und Joe stieg mit einem Dichtungsring von OBI in der Hand aus, steuerte wie selbstverständlich in die „Liese“ und setzte sich mit seinem Drehzeug erst einmal neben den mittlerweile dichten Jungen um sich eine Zigarette zu basteln.
„Klanes Bier?“, fragte Harri.
„Und an Toast, bitte“, sagte Joe.
Dann wurde wieder nicht geredet und Joe und der dichte Junge scrollten auf Twitter und Facebook einige Zeit südwärts. Manchmal schilderte man Harri von einem lustigen Posting und manchmal behielt man es für sich. Irgendwann fragte der dichte Junge: „Was machst du heut noch?“
„Den Dichtungsring muss ich bevor wir aufmachen noch montieren. Zacher Tag heute. Du?“
„Nix. Am Abend hab ich irgendwas.“
„Herrlich!“, kommentierte Harri und Joe nickte.
Ein dunkelblauer Volvo hielt vor dem „Herrlich“ neben dem gegenüberliegenden Puff und ein verdächtig vertrauenswürdiger Mann stieg aus. Er trug Slipper, eine beige Hose, ein blendend weißes Longsleeve und eine Brille, die viel Geld gekostet haben musste. Das Grinsen aber war unbezahlbar. Überlegen grüßte er jemanden, der ihn ehrfürchtig beäugte und ihm womöglich monatlich Schutzgeld bezahlte, im Vorbeigehen. Eine Sonne schob sich hinter die Wolken und die Stimmung in der Marienstraße änderte sich schlagartig von locker auf ernst. Die Uhr in der “Liese” zeigte 15 Uhr.
Der mittlerweile dichte Junge bemerkte die Gänsehaut, die es Joe auf den Unterarmen bis unter die dreckigen, verwahrlosten T-Shirt-Ärmel eines jungen Hausmeisters, der seine Perspektiven lieber versoff, anstatt sich endlich einen sinnvollen Job, oder eine Ausbildung zu suchen, welche ihn aus diesem hoffnungslosen Viertel vielleicht in ein schönes, reiches Land befördern könnte, eventuell die Schweiz, oder Luxemburg, jedoch bestimmt nicht der vierte Bezirk dieser Stadt, die nicht einmal einen Skilift besaß, was Joe ja noch trauriger machte... Jedenfalls sah der dichte Junge die Gänsehaut, die es Joe am Arm hochzog und nahm ein Schluck von seinem womöglich achten Bier. Es konnte aber auch das dritte gewesen sein. Er war ein dichter Junge und kein zahlender Künstler. Joe bezahlte seine Rechnung und verschwand mit dem Dichtungsring in der Hand und Angstschweiß auf der Stirn im „Herrlich“ schräg gegenüber in sicherem Abstand zum verdächtigen Volvo-Fahrer. Der dichte Junge erreichte das untere Ende seines Facebook-News Feeds und packte seinen Laptop wieder weg.
„Puh“, sagte er. „Endlich fertig.“
„Herrlich!“, sagte Harri.
Dann bezahlte der der dichte Dichterjunge. „Was für ein sinnloser Auftritt“, dachte er sich und ging spazieren, wie es einst die Dichter in der Romantik gemacht hatten. Vielleicht würden ihm ja die Tränen kommen, oder geniale Gedanken. Womöglich aber würde er auch einfach auf eine Bekanntschaft treffen, mit der man mehr Bier trinken könnte. Er entschloss sich erst mal die Straße zu überqueren.
Die Teamsitzung war bereits vorbei, doch Tobias, Andrea, Nora und der verdächtig vertrauenswürdige Mann hatten noch eine Unterredung unter acht Augen im Barbereich hinter sich zu bringen, bevor Andrea die Bar um 16 Uhr aufsperren musste. Übertrieben laut installierte Joe den Dichtungsring im Nebenraum, um fleißig zu wirken. Der verdächtig vertrauenswürdige Mann redete und alle hörten zu. Es war sehr wichtig, was er sagte, denn er war der Chef des “Herrlich”. Natürlich wollten wir alle wissen, was da gesprochen wurde, aber was der Chef sagt ist geheim und deshalb darf man das nicht schreiben. Es darf ja nicht alles, was im „Herrlich“ passiert an die Öffentlichkeit kommen, weshalb wir die geheimen Unterredungen hier nur skizzieren und nicht hinausposaunen. Es muss auch Geheimnisse im vierten Bezirk geben, so viel ist klar, auch wenn es nicht viele gibt, das ist noch viel klarer. Manch ein Dorf in Graz Umgebung wäre wohl stolz, hätte es eine vernetzte Tratschkultur, wie es rund um die Marienstraße der Fall war. Jedenfalls waren dann die Fronten geklärt und Tobias wieder nüchtern. Alle nickten geheimniskrämerisch zum Abschluss und kicherten, während der dichte Dichterjunge durch den Hintereingang in die Bar torkelte und sich wie selbstverständlich zur achtäugigen Belegschaft gesellte. “Na aber Hallo!”, grüßte er. Er gab Nora einen Schmatz, grüßte Andrea mit einer Umarmung, grüßte Tobias mit einem Schmatz, grüßte den verdächtig vertrauenswürdigen Mann mit einem ehrfürchtigen Handshake, den Worten: „Hallo Jovan!“ und einer angedeuteten Verbeugung.
Andrea machte dem Dichterjungen einen Kaffee und alle waren glückselig, weshalb Tobias sich einen Pfiff Bier bestellte, die Sonne wieder vor die Wolken wanderte und Harri in der „Liese“ plötzlich das Bedürfnis bekam seinen neuen Gast mit einem „Herrlich!“ zu begrüßen. Einzig der versteckte, genervte Blick von Andrea auf Tobias ließ die Stimmung für den Leser die Illusion der Heiterkeit nicht glauben, obwohl man sich gegenseitig über YouTube-Videos und Geschichten aus der österreichischen Innenpolitik unterhielt.
Als Joe den Dichtungsring ausgetauscht hatte, nahm er den kaputten und ging damit die Treppe hinab, um sie in sein Minilager im geheimen Keller zu verstauen. Er öffnete die Kellertür, passierte zirka zwanzig Gastarbeiter aus dem schönen Balkan, welche mit Schutzmasken sägten, schraubten, sprühten, malten und husteten. Joe zog sein Halstuch ob des Staubs in der Luft über Nase und Mund, ging in sein Kämmerchen, kam wieder heraus und verließ den Keller, als wäre es für ihn das Normalste auf der Welt, dass im “Herrlich”-Keller eine Horde Menschen unbemerkt vor sich hin werkte. Die Tür fiel wieder zu und das Türschild mit „SUPERGEHEIMER KELLER“, war die letzte Einstellung vor dem nächsten Schnitt nach dem folgenden Punkt.
Aus den Boxen der Luise, die den Abspann gleich einleiten würden, trällerte die Musik als das Gesicht des Gastes gezeigt wurde, welcher vorhin von Harri begrüßt wurde. Der junge Mann trug Kleidung, die gut und gerne vor vierzig Jahren modern war, einen vollkommen unpraktischen, hölzernen Aktenkoffer, ein überzeugendes Grinsen, einen Siegelring und den hässlichsten Mini-Schnauzbart unter der Sonne. „Ich hätte da eine Band, die ihr eventuell bei euch brauchen kennats. Indie-Rock. Bissl psychedelisch, aber lass dich davon net abschrecken. Der neueste Shit. Heiße Ware. Na?“, sagte er etwas verschwörerisch zu Harri, als würde er ihm ein Päckchen Kokain, dass gerade noch klein genug war um keine große Sache daraus zu machen, anbieten, und warf ihm eine Kassette zu. Harri sagte nichts, begutachtete die Kassettenhülle und sagte: „Wo soll i den Schaß bitte einischiam? Es is 2016. Wir hörn CDs und net Kassetten, Roli.“ „Das ist nur ein Werbegag. Da ist ein USB-Stick drin. Das ist gerade angesagt. Laptop hast ja wohl, oder?“ „Herrlich“, freute sich Harri und nickte. Dann öffnete er das Notebook, steckte das AUX-Kabel der Bar um und öffnete die Mediendatei. Erfrischende Indie-Beats, ein bisschen psychedelisch, aber nicht abschreckend, kamen aus den Boxen. Harri nickte im Takt und blickte ernst zu Roli, welcher nach wie vor überzeugt grinste und ekelhaft verschwörerisch zwinkerte, als von unten nach oben die Credits zu laufen begannen.
Doch was hat es mit den geheimen, illegalen Kellerarbeiten im „Herrlich“ auf sich? Was für einen Grund gab es für ein Konzert in der „Liese“? Und wieso kam plötzlich ein großer, schlaksiger Mann mit Hut und Burgersaucen-Flecken auf dem Pullover in die „Liese“ und bestellte sich ein antialkoholisches Getränk “Zum Runterspülen”? So einfach ist das Leben im Vierten dann doch nicht, dass es sich in zwei Folgen erklären lässt, und doch kam just in diesem Moment ein frischer Wind auf, der der Vorbote für dramatische Handlungsstränge sein könnte, welche noch tief verborgen in den Leitungen der Schank mehrerer Lokale liegen. Aber bis dahin...
„Bis dahin werden wir uns wohl noch eine Woche gedulden müssen“, sagt der Burgersaucen-Mann in die Kamera, bevor er den Hut abnimmt und auf den Tresen neben sein antialkoholisches Getränk legt und sich erst einmal eine Zigarette dreht. Ende.