Leichtgläubigkeit gehört zu den Grundlagen moderner Demokratie. Ohne Arglosigkeit keine Wählerstimme, keine Legitimation der Herrschaft und kein Massenkonsum. Nur Narren leugnen den Zwang demokratischer Herrschaft und gehorchen bereitwillig dem Appell an wirtschaftliches oder politisches Vertrauen. In Fragen der Macht ist Vertrauen pure Torheit. Es ist ein Kredit ohne Chance auf Rückzahlung. Eine Gegenleistung ist nicht zu erwarten. Man müsste alle Einsichten in die Geschichte der Herrschaft vergessen, wollte man einer Machtelite einen Vorschuß einräumen, die es sich zur Berufsaufgabe gemacht hat, über das Schicksal ihrer Zeitgenossen zu bestimmen und die Untertanen dafür auch noch bezahlen zu lassen. Nicht die Unglaubwürdigkeit der politischen Klasse ist das Problem, sondern die Treuherzigkeit vieler Untertanen. Sie sind verstimmt, weil sie den leeren Versprechen nur zu gern glauben möchten, weil sie Politik mit einer Veranstaltung zum öffentlichen Wohl verwechseln. Begierig suchen sie Beweise für Ehre und Ehrlichkeit, nach Indizien, welche ihre Hoffnungen bestätigen könnten. Sie werden lange warten müssen. Und dennoch möchten sie an das glauben, was ihnen vorgemacht wird, möchten durch Hoffnungen betrogen und nicht von tausenden Sorgen gepeinigt werden, die sich unweigerlich einstellen, sobald man sich nur in der einen Welt aufhält, die nichts als die Summe aller Tatsachen ist.