Das ABC der Genügsamkeit - H wie Heizen
In unserem Mehrfamilienhaus wird mit Gas geheizt. Jap, Erdgas – das Zeug, das man mit dem Kollateralschaden von großflächiger Umweltzerstörung aus dem Boden fördern muss. Das Zeug, das tausende Kilometer weit durch Pipelines transportiert wird, die entsprechend unsicher hinsichtlich Umweltgefahren oder Sperrung/Zerstörung im Konfliktfall sind. Das meiste Gas in unserer Region kommt aus Russland – mittlerweile weiß das jede:r, auch dass man mit Gaskauf den Vernichtungskrieg in der Ukraine mitfinanziert, aber was mittlerweile untergegangen ist: es ist auch das Land, das vor ein paar Jahren angefangen hat, im Nahen Osten genauso aggressiv vorzugehen, wie die USA und vorm massenhaften Mord an Zivilist:innen nicht zurückschreckte um seinen - und damit bisher auch unseren! - Zugang zu Öl-und-Gas-Nachschub zu sichern.
Und damit soll ich jetzt die Wohnung heizen? Nur im Extremfall – z.B. zwei, dreimal im Winter, damit das Mauerwerk nicht zu feucht wird – dann merke ich aber auch jedes mal, dass meine Zimmerluft austrocknet und nach ein paar Minuten finde ich die Heizungsluft meistens einfach nur noch nervig. Wärme aus dem Holzofen ist da schon angenehmer. Aber auch dabei müssen wir uns die Frage stellen, wie viel Holz wir denn nutzen können, ohne dass uns die Wälder ausgehen – und wie viel CO2, Feinstaub und verlorene Hitze aus dem Schornstein in unsere Luft entweichen. Von Kohleöfen und Ölheizungen müssen wir hier gar nicht reden.
Normalerweise reicht es mir aber völlig, einen Pullover mehr anzuziehen, einen Läufer gegen die Fußkälte auszulegen, mit jemandem zu kuscheln, oder ab und zu mal Sport zu machen oder raus zu gehen, damit mir drinnen wieder warm wird. Übrigens: In der Küche wird es sowieso warm, wenn man kocht – und noch mehr, wenn man viele Leute zum Essen einlädt. Und auf dem Klo oder im Flur darf es ruhig auch mal schweinekalt sein. So ist man umso dankbarer für ein bisschen mehr Wärme in anderen Zimmern.
Ähnlich genügsam möchte ich es mit Vollbädern zu Hause, Schwimmbadbesuchen und Saunagängen halten: Die gönne ich mir gerne mal, wenn ich es wirklich dringend brauche, um z.B. eine Krankheit auszukurieren. Im Normalfall möchte ich aber nicht unterstützen, dass große Räume oder riesige Mengen an Wasser unter Verbrennung von Erdgas, mit Kohle- oder Atomstrom hochgeheizt werden, nur damit ich zu jeder Jahreszeit halbnackt und rundum warm sein kann. – Nur das mit dem Kaltduschen kriege ich noch nicht so richtig hin :-)
Wenn wir über sinnvolle Wärme-Technik der Zukunft nachdenken, sollten wir unbedingt mehr von der Energie einfangen, die sowieso da ist: Mit Solarthermie, Wärmepumpen, aber auch aus Kompostierungsprozessen, Servern oder einfach der Körperwärme von Hoftieren und vielen Menschen. Auch eine dezentrale Holzverbrennung, kann, wenn sie effizient ist, in Verbindung mit Wärmepumpen und Solar, nachhaltiger Waldwirtschaft und kluger Wärmesteuerung im Raum Sinn machen.
Im Low-Tech Magazine findet sich ein ziemlich erhellender Artikel über die klugen Techniken, mit denen früher gezielt und effizient geheizt wurde. Die Kernidee ist: In großen Räumen kleine wichtige Bereiche abtrennen, z.B. mit Decken oder Holzrahmen, um sie ausreichend warm zu heizen und den restlichen nicht so wichtigen Raum kühler lassen zu können.
Ja, es gibt auch noch die Industrie, die viel mehr Brennstoffe verbraucht, als ein Haushalt, um Hitze und daraus viel sinnvolles, aber noch mehr sinnloses Zeug herzustellen. Aber viele Haushalte zusammengenommen verbrauchen eben auch wahnsinnig viel und das ändert sich nur, wenn einzelne anfangen, weniger zu verbrauchen und den anderen ein inspirierendes Vorbild sind.
Und Vorbild sein hat noch eine weitere wichtige Funktion: Die meisten Politiker:innen, die bei Sinn und Verstand sind, wissen, dass wir dringend gesamtgesellschaftliche Regeln brauchen, die den Ressourcenverbrauch aller reduzieren - ob nun in der Wirtschaft oder Privathaushalten. Sie trauen sich aber nicht, welche einzuführen, weil sie Angst davor haben, dass die Leute das nicht tolerieren werden, weil sie denken, dass mit weniger Verbrauch auch die Lebensqualität abnehmen würde.
Wenn man aber nun übt, mit weniger auszukommen und merkt, dass man dadurch nicht unglücklicher wird, sondern vielleicht sogar glücklicher, weil man sich freier und unabhängiger fühlt, dann merken das auch andere und trauen sich, es nachzumachen.
So entstehen Lebensmodelle, an denen die Politik sehen kann, dass es geht und Menschen dazu bereit sind. Und das ist der einzige Weg, wie sie den Mut finden können, Gesetze einzuführen, die den Verbrauch aller begrenzen. Der einzige zumindest abgesehen von Katastrophen, die uns alle dazu zwingen (was bei Gas wohl bald einfach durch Lieferstopps passieren wird). Aber erst in der Katastrophe anzufangen, neue Lebensstile einzuüben ist für alle viel anstrengender, als es schon vorher freiwillig zu tun.
Für unseren Umgang miteinander, mit der lebendigen Umwelt - aber auch für einen guten Umgang mit uns selbst - halte ich es für unverzichtbar, auch mal mit einem wertschätzenden Blick auf die Ressourcen des Planeten (und des Ortes, an dem wir leben) zu schauen und zu fragen: Wie viel Wärme brauche ich wirklich?










