Wir ziehen in der Nacht unsere Kreise und werden vom Feuer verzehrt.
Ian Penman: "Fassbinder - Tausende von Spiegeln", S.233

seen from Indonesia

seen from Russia
seen from Australia
seen from Bangladesh
seen from United States
seen from China
seen from China
seen from Bangladesh
seen from Iran
seen from Türkiye
seen from United States

seen from United Kingdom
seen from Spain
seen from United States
seen from United States
seen from China
seen from United States
seen from United States
seen from United States

seen from Canada
Wir ziehen in der Nacht unsere Kreise und werden vom Feuer verzehrt.
Ian Penman: "Fassbinder - Tausende von Spiegeln", S.233
Kabeljau/ Bakeljau
Esst Fisch (via Aby Warburg).
Exkursion ins Vage, d.h. in dem Fall zur Ostsee. Jemand hat was geschüttelt und gerührt, seitdem gibt es hier Kabeljau, das war vorher Bakeljau und ist es immer noch, nur weiter westlich. Man spricht das Bacalhau aus. Oder das ist, wenn die Buchpole namens Stäbchen ohnehin schon sowas von dorschenander gedreht haben, Dorsch.
Bin ich mit ihm zusammen, dann verzehrt es mich.
Elena - Vampire Diaries
Jeder Raum wird von seiner eigenen Zeit verzehrt. Es ist dem Menschen nicht gegeben, das Verhältnis von Raum und Zeit zu begreifen.
Madame Nielsen: “Das Monster”, S. 191/192
Fragentopf
Wenn es kurulische Stühle gibt, gibt es dann auch kurulische Tafeln und Tische?
Sumptio
1.
Das Verzehren Gottes: Das beginnt nicht erst da, wo Bing es formuliert, nicht erst an Tafel 79. Tafel 78 beginnt schon mit einer Initiale, mit der die Unterzeichnung der Lateranverträge mit dem Moment assoziiert wird, an denen die Eucharistie eingesetzt wurde, mit dem Abendmahl. Warburg greift dafür auf eine Referenz zurück, besser gesagt auf eine Formel, die in dem Fall nicht nur, aber auch aus Pathosformeln besteht. Die Formel besteht nämlich aus den Gebärden und Gesten der Diplomaten des heiligen Stuhls und des Königreich Italiens, also aus Körpern, durch die auch Personen, und Subjekte vorkommen - und damit auch aus dem, womit Warburg im engeren Sinne Pathosformeln meint, bewegte und bewegende (affizierende) Menschen, die zum Bild (gemacht) werden, also im Sinne rhetorischer Institutionen enargeia leiten, auch visio und phantasia leiten. Sie sitzen, stehen, wenden sich einander zu und voneinander ab. Die Gesellschaft ist ähnlich derjenigen organisiert, die man auf Tafel 72 sehen kann, ähnlich der Gesellschaft von da Vincis Mailänder Abendmahl. Der Protonotar, der Kardinal Staatssekretär, der Anwalt, die Minister (sie haben natürlich auch Namen): sie sind nicht nur sichtbar, sie stellen sich als Bild vor Augen und lassen damit Bild ,nachleben', zumindest stellen sie etwas nach, was so dem Betrachter nachstellt. Ein anderes Bild, eines der Eucharistie, drängt sich auf.
Die Formel besteht darüber hinaus aber auch aus Mobiliar, dem Tisch, einem Möbel, einem Ding oder Objekt, der sich wie eine Sperre, wie eine Bar, wie ein niedrige, abgestellte Cancel durch das Bild zieht und die vierte Wand gestaltet. Die Personen sitzen und stehen nicht vor, nicht um den Tisch herum, sie sitzen hinter dem Tisch und an seinem Kopf und richten sich über dessen vierte, leere Seite aus. Das ist eine Formel, die sich als Szene und Bühne gibt, für ein Publikum oder Betrachter. Diese Formel besteht u.a. mit diesem Tisch aus etwas, wofür Warburg den Begriff der Pathosformel nicht verwendet. Mit den Worten symmetrischer Anthropologie gesagt: Die (Pathos-)Formel der Initiale, die den Abschluss der Verträge mit der Einsetzung der Eucharistie assoziiert, die besteht aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren. Philosophisch gesagt: Sie besteht aus Subjekten und Objekten. Philosophisch eingewendet: daraus bestehen Pathosformel immer, weil sie das eine ins andere kippen, wenden, beugen oder falten, sie involvieren, und sei es nur, weil das Subjekt sich einer Technik bedient und das macht, was mancher auch dann Selbstermächtigung nennt, wenn es einem, auch einem Subjekt, gerade nicht eigen ist.
2.
In den überlappenden und kreuzenden Sortierungen von Warburgs Gestellschieberei fängt Tafel 79 nicht mit Tafel 79 an, die Staatstafeln fangen nicht an den Staatstafeln an. Dass Verzehr ins Bild kommt, fängt nicht hier, auch nicht auf Tafel 78 an. Für Warburg ist Verzehr ohnehin mit Verleibung assoziiert - Bilder überlappen sich mit Verzehr, sie speisen. Da kann man mit Warburg die Grammatik ausschöpfen, sie sind Speise und sie verspeisen, sie verschlingen und sind verschlungen. Sie nähren und sie nähren sich von dem, was sie nähren - auch von dem, was dann am Betrachter, an den Augen, an den Blicken, am Menschen vorkommt.
3.
Georges Didi-Huberman spricht von einer Heuristik der Unersättlichkeit, sie geht mit einer Kasuistik, mit vier Fällen (drei mehr ernsten und einem weniger enrnsten Fall) einher.
Ein erste, in diesem Fall anthropofagische Unersättlichkeit, die er einem, von James Frazer geschilderten Fall entnimmt, in der der Mensch aß, um besser töten zu können. Diese anthropofagische Unersättlichkeit kommt unter anderem dort vor, wo Eduardo Viveiros de Castro auch seine kannibalische Metaphysik verortet: den Tropen beider Amerikas (also auch noch in den Ausläufern römischer Sekundarität):
Der Mensch isst in einem unermeßlichen Urwald einen kleinen Falken mit rotem Schnabel. In diesem Fall hält der Mensch den Vogel über seinem Gesicht und drückt ihm dort die scharfen Äuglein aus. So lässt er deren Flüssigkeit in seine Augen tropfen, er nimmt die Körperflüssigkeit über die Augen auf. Er tröpfelt sich die Augen des Falken in seine Augen.
Das folge einem Imperativ, der den Menschen verpflichte, dasjenige zu essen, dem er gleich sein möchte, zu essen, was er sein möchte. Der Indio esse, um zu sehen, wie andere Wesen Lebendes essen, um zu leben, Starkes essen, um stark zu sein, Pflanzen essen, um Umwelt zu sein, Wurzeln essen, um der Erde näher zu sein. Der Mensch sei dem Menschen darum nicht nur Wolff. Mit einem Zug, der römische Verwaltern und Diplomaten aus der notitia dignitatum vertraut sein sollte, merkt Didi-Huberman an, dass der Mensch dem Menschen auch Tee sei: eine kräftige Mahlzeit. Der Mensch sei dem Menschen Apfel, so heißt es in der notitia dignitatum (beziehungsweise so: "Quid est homo? Pomo similis"). Der Mensch ist dem Menschen Apfel, er ist dem Menschen Wurst. Eine, die anthropofage Unersättlichkeit des Menschen ist diejenige, die ihn reproduziert, ihn mit sich ähnlich macht, in dem sie verschlingen lässt, was dem Menschen nicht gleich ähnlich, ihm zuerst sogar unähnlich ist. Der Mensch isst, um besser töten zu können, so formuliert das Didi-Huberman. Er isst, um sich besser zu behaupten, also auch etwas anderem gegenüber übertrumpfend zu behaupten.
Im zweiten Fall erzählt Didi-Huberman den Fall eines Menschen, der aß, um besser zu sterben. Diesen Fall entnimmt Didi-Huberman der chassidischen Tradition. Der große Rabbi Baal Schem Tov hat diesen Fall erzählt. Er sah sich nachts im Traum, tot, im Gefolge des Messias. Einer aber sitzt neben ihm, dem Messias näher - eine plumpe, dicke Gestalt, offensichtlich oder traumhaft heiliger als er, der gottergebene Rabbi Baal Schem Tov selbst. Er sei erstaunt gewesen, aber er ist der heilige Rabbi, und der weiß: es gibt immer einen, der heiliger ist als man selbst. Er will ihn sehen, kennen lernen - und so fährt er nach Rußland und kommt am Vorabend des Sabbats bei dem an, den er als plumpe, dicke Gestalt im Traum sah. Der will ihn erst draußen im Schneegestöber stehen lassen, obschon der Sabat anbricht. Er lässt den Rabbi nur gegen Geld rein - und die folgenden Tage wird Rabbi Baal Schem Tov Zeuge der Unersättlichkeit eines grobschlächtigen Allesfressers, der ohne Auswahl, ohne Distinktion, ohne Sonderung, also auch infernalisch Zeug über Zeug in sich hineinstopft. Der Rabbi glaubt zuerst an eine Verstellung, eine List. Er belauscht den plumpen Allesfresser nachts: da schnarrcht der nur. Kein Gebet, kein Gebetsriemen. Wacht er, frisst er. Nicht anderes macht ihn, zeichnet ihn aus als diese konturlose Gefrässigkeit.
Bedrückt verlässt der Rabbi den Koloß, er stellt zum Abschied aber noch die Frage, warum er alles fresse. Ich zitiere:
Gewiß, Dir kann ich es wohl sagen. Als ich noch ein Kind war, wurde man Vater von den Kosaken gefangen genommen. Sie hielten ihm ein Kruzifix hin und befahlen ihm, es zu küssen, aber er, ein frommer Jude, weigerte sich. Da schlugen sie ihn, aber er weigerte sich noch immer. Da übergossen sie ihn mit Öl und zündeten es an. Ich habe mit eigenen Augen meinen Vater verbrennen sehen - aber nur sehr kurz. Mein Vater war sehr mager, er war nur Haut und Knochen. Er verlosch zu schnell, verstehst du? Darum habeich mir geschworen, daß ich länger brennen werde, viel länger - ich werde so eine gewaltige Fackel sein, daß selbst die Kosaken mein Feuer schön und prachtvoll finden werden.
Was Didi-Huberman der chassidischen Tradition entnimmt, überlappt sich mit Leidenschaften, die Giordano Bruno heroisch nennt und unter anderem an einem Emblem festmacht, das einen Flammen umtanzenden Falter zeigt: Hostis non hostis lautet das komprimierte Motto. Die chassidische Tradition reizt dabei eine Steigerbarkeit aus, vielleicht wird erst darin wahrnehmbar, was unersättlich sein soll. Aber Unersättlichkeit sitzt nicht erst in der Steigerung, nicht erst im Überfluss, sie sitzt schon in der flachsten Füllung: der Unersättliche isst nicht luxuriös, er isst nicht den Überfluss, er isst schon dem Käfer Mist, der Raupe ein gebrochenes, trockenes Stückchen Blatt, der Ameise einen Krümel und der Fliege den kleinsten Fliegendreck weg, hört aber auch beim Hummer und Kavier, nicht bei feiner Speise auf. Er isst alles, was missverständlich gesagt sein kann, weil er alles so isst, als wäre es nichts.
Der dritte Fall ist vielleicht vetrauter, es ist der Fall eines Menschen, der isst, um besser aufzuerstehen. Didi-Huberman kommt also schließlich auch auf die Szene des Abendmahls, der Einsetzung der Eucharistie zu sprechen und schildert sie als Fall einer Unersättlichkeit, in diesem Fall einer großen Trennung, deren große Anreicherung vor allem als katholisches Phantasma bekannt ist (und von Didi-Huberman) entsprechend katholisch geschildert wird). Eine protestantische Fortführung solcher Ideen großer Trennung und großer Anreichungen, in denen das Leben und seine Übertragung anwächst und sich vermehrt (die erweiterte Übertragung/ " augmented vesting"), die beschäftigt mich im Moment eher, da müsste ich extra Zettel für reservieren.
Schön dass da der vierte Fall ohnehin weniger ernst ist. Das ist der Fall eines Menschen, der isst, um besser zu verwesen, das lenkt ab oder über. Did-Huberman entnimmt diesen letzten Fall der chinesischen Literatur (Cho-keng lu, 1366). Dort berichtet der Autor von Honigmenschen, von Mumien. Eventuell sei es eine Verwechslung ("schlechte Übersetzung"), durch die aus arabischem Bitumen oder Pech (mumia) Honig geworden wäre. Das glaube ich gerne.
Initiale
1.
Tafel 78, die erste der beiden Staatstafeln oder aber die linke Seite der Doppeltafel, konzentriert sich auf das diplomatische Protokoll und die Diplomatik. Warburg organisiert die Tafel tabellarisch und kalendarisch. Er nutzt Listen und Mittel, die im römischen Protokoll zum Beispiel beim Chronographen 354 oder aber in der notitia dignitatum auftauchen. In ikonographischer Hinsicht, also da, wo die graphischen Routinen mehr als Linien, wo sie schon Bilder in einem engeren oder starken Sinne hervorbringen, arbeitet Warburg nicht auf leeren und nicht auf homogenen Schichten. Das heißt, dass es nicht nur im Hinblick auf das, was Thomas Hensel "schwache Bilder" nennt (weil es wie die Tabelle auch etwas anderes als Bild ist und nicht immer gleich als Bild betrachtet wird) Material gibt, dem Warburg etwas aufschichtet. Die ikonographische Tradition der Krönungsdiarien mit ihren Tafelszenen, diejenige des Abendmahls oder aber der Vertragsschlüsse gehen Warburgs Tafel voraus, sie müssen auf der Tafel nicht sichtbar werden, um diese Tafel ikonographisch aufzuladen.
Damit will ich also nicht behaupten, dass es auf der Ebene der schwachen Bilder zwei Referenzen für Warburgs Tafeln gäbe, auf die er direkt zurückgreift. Warburg zitiert weder den Chronographen 354 noch die notitia dignitatum. Diese beiden Quellen sind römisches Aktenmaterial, es ist ohnehin fraglich, ob die zur Referenz taugen. Die Geschichte dieses Materials ist auf eine Weise heterogen, die nicht als Fehler oder Verfälschung erscheint. Weder der Kalender des Filocalus noch die notitia dignitatum sind als Originale gut getroffen. Dass insbesondere "notitia dignitatum" der Name für Sammelhandschriften mit wechselnden Inhalten ist, gehört nicht nur zu der Geschichte dieses Materials, das gehört auch zu seiner Funktionalität und seiner Effektivität. Das ist Aktenmaterial, das wird verwaltet, nicht verfasst. Das ist nicht wie ein Text mit einem Verfasser und nicht wie ein Werk mit einem Autor. Mit Cornelia Vismann gesprochen dient das Material eher der Tansmission als der Tradition. Sowohl der Kalender von 354 als auch die notitia dignitaum sind zwar wohl nur deswegen erhalten und überliefer worden, weil es einmal Prunkversionen von ihnen gab. Und es kann nicht geleugnet werden, dass die beide in der Geschichte immer wieder auch als Werke und Originale behandelt wurden. Man muss das nicht Missvertändis nennen, wenn man drauf hinweist, dass beide aber auch etwas anderes waren. Das Schreiben darin ist so schwach wie die Bilder darin schwach sind. Das Gesetz und das Recht darin sind so schwach, wie die Schreiben und die Bilder darin schwach sind. Gemeint ist nicht ihre Qualität. Sie sind nicht ineffektiv, aber alles ist auch immer etwas anderes als dasjenige, unter dessen Namen und unter dessen Begriff es auftaucht.
Insoweit sind der Kalender und die 'Akte' mit den Notizen und Listen römischer Würden- oder Amtsträger keine Referenzen für Warburg. Aber anderseits entsprechen sie in ihren Operativität seiner Gestellschieberei. In dem Sinne lebt auf Tafel 78 die Antike nicht nur auf der Ebene der starken Bilder nach, nicht nur auf der Ebene der Ikonographie, der Gesten und Gebärden. Sie lebt auch auf der Ebene der schwachen Bilder nach.
2.
In einem Band über Techniken der Übereinkunft hat Niels Werber über die Bedeutung von runden und eckigen Tischen geschrieben. Er hat daran erinnert, dass erst ein bestimmter Tisch herangeschafft werden musste, bevor sich der römisch-katholische Gary Adams und der britisch-protestantische Ian Paisley bereit zu einem Treffen erklärten. Weder nebeneinander noch gegenüber wollten sie sitzen. Der runde Tisch war eine rhetorische Form, seine Geometrie entsprach aber derjenigen eines kristallin-gebrochenen und gleichmäßigen Diamanten. Er war rautenförmig, so dass die beiden weder im vollinklusiven Kreis, auch nicht nebeneinander und nicht gegenüber und doch noch an einem Tisch saßen. Wie immer man die Effektivität bemisst: es ist die Aufgabe eines diplomatischen Protokolls, so eine Effektvität so unsichtbar und geräuschlos wie möglich zu machen.
3.
Das macht das diplomatische Material gleichzeitig wie prädestiniert für eine Involutionstheorie. In der Schichtung spielt Stratifikation immer dann eine Rolle, wenn etwas aus dem Untergrund der Möglichkeiten aktualisiert, nach oben und auf die Oberfläche geholt wird. Wenn man Aby Warburgs Tafel 78 auch als diplomatisches Protokoll liest und davon ausgeht, dass er nicht nur das diplomatische Protokoll zeigt, sondern auch diplomatisch protokolliert, dann hat Tafel 78 eine Initiale, einen Einsatz, eine Eröffnung. Das ist das Bild oben, man sieht es auf Tafel 78 ganz oben links, erste Spalte, erste Zeile.
Das ist vermutlich ein gestelltes Bild. Der Anwalt Pacelli (Bruder des zukünftigen Nachfolgers von Papst Pius XI, also Bruder von Papst Pius XII) stellt sich so, als sei er gerade in ein Gespräch verwickelt. Kardinal Staatssekretär Gasparri stellt sich so, als ob er gerade Mussolini ein Schreiben zeigen würde und Mussolini stellt sich so, als ob er gerade dieses Schreiben lesen würde. Die Gebärde des Protonotars ist gestellt. Es ist der Witz des diplomatischen Protokolls, die graphischen Routinen so zu verlegen, dass ein Ereignis ins Bild kommt, weil es schon graphisch und ikonographisch informiert ist. Man gebärdet sich so, dass man auch für Fotografen was hergibt. Man löst nicht nur die römische Frage, man wird auch zum Auslöser der Bilder davon. Die Gesandten sind schon Teil eines Apparates, der vom Fotoapparat nur nochmal in andere Richtung verlängert wird. Die Gesandten mögen Gesetzgeber sein, Bildgeber werden sie immer auch dann, wenn sie Teil eines diplomatischen Protokolls sind.
4.
Man kann einen Vertrag unterschiedlich ins Bild setzen. Die Lateranverträge setzen beim Abendmahl an. Die Darstellungen des Abendmahls haben selbst eine Geschichte. Die Version, die mit der Initiale auf Tafel 78 aus dem Untergrund der Möglichkeiten auftaucht, ist insbesondere in der frühen Neuzeit und der Renaissance gebräuchlich. Es gibt eine bekannte Version bei da Vinci, es gibt eine bekannte Version in einer Zeichnung von Albrecht Dürer, aber es gibt immer mehr Versionen. Die Beteiligten sitzen und stehen dort zu- und abgewendet, also leicht dynamisiert, an drei Seiten des Tisches, die vierte Seite, die gleichzeitg den Bildraum zum Raum vor dem Bild hin öffnet, ist entweder vollständig frei oder aber (wie in Dürer Zeichnung) nur ganz spärlich, nur von einer Person besetzt . Das ist dann immer ein eckiger, langer Tisch mit kurzen Köpfen an der rechten und der linken Seite. Die Beteiligten sitzen ein bisschen wie die Hühner auf der Stange. Wer seine Tischordnung so gestaltet und dann seine Freunde einlädt, der muss füchten, dass die danach nicht wiederkommen. Das ist ein Sitzen für Andere, besonders gemütlich ist das nicht, aber eine Schau ermöglicht es. Für repräsentative oder theatralische Momente, für ein Publikum oder aber für eine Forum, also auch für Gerichte in einem anderen Sinne, ist das wohl richtig.