Donde una puerta se cierra, otra se abre
Por la versión en español dame un poco tiempo por favor.
Manchen habe ich ja noch Tschüss gesagt, manchen nicht, so oder so gilt, ich bin auf weiteres erstmal wieder ein bisschen außerhalb meiner Komfortzone getingelt: Lima, Peru, Südamerika, ganz weit links auf der Karte für die meisten von euch. Aber da es ja auch Weltkarten gibt, bei den Europa nicht in der Mitte liegt und manche von euch im Geographie Unterricht aufgepasst haben: Südöstlich.
Da ich hier genauso wenig wie sonst wo Immobilien besitze (mein Hausboot Inge mal außen vorgelassen) hab ich mich erstmal auf den Wohnungsmarkt gestürzt. In der letzten Woche hatte ich ca. 10 Besichtigungen die auf der Skala von Harry Potters Besenkammer bis Prenzlauer Berg Loft einzuordnen waren. Mittlerweile könnte ich Tine Wittler ins Spanische übersetzen. Problematisch ist die Situation trotzdem, denn Immobilienhaie sind auch hierher geschwommen und wurden leider noch nicht zu Fischstäbchen verarbeitet. Bezahlbar ist es dennoch, aber dadurch lernt man sogut wie nie seine zukünftigen Mitbewohnenden kennen, sondern nur den Hai und soll dann zwischen Besenkammer und Loft entscheiden.
Abuela Lily, die mit ihrem Sohn im Doppelstockbett wohnt, sucht noch Mitbewohnende. Sehr liebe Frau, aber irgendwie war mir das dann doch nichts.
Samstagabend durfte ich nach einer Besichtigung gleich zur Geburtstagsparty bleiben und war sehr angetan von den ganzen Menschen und blieb gleich für die Nacht. Mit zwei Promille weniger (aber immernoch nicht nüchtern) am nächsten Morgen stellte ich fest, dass in meinem Zimmer das Fenster eher eine Schießscharte war und ich ja gar keine Wasserpistole mithabe, also machte ich mich denn widersprechend meiner Erzählungen am vorigen Abend vom Acker. Walk of Shame, ohne Sex, zurück zum 8er Dorm, da hatte ich auch schon bessere Heimwege... Wenigstens hatte ich das Frühstücksspiegelei verpasst, das könnt' ich schon selber legen, so hängt es mir zum Halse raus.
Die nächste WG-Besichtigung sollte dann aber zum Erfolg führen. Einziehen kann ich leider erst nächste Woche, aber die 5 Spiegeleier schaffe ich auch noch. Ich wechsel morgen nochmal in ein billigeres Hostel, Spiegelei gibs da trotzdem, das hab ich schon erfragt. Mein WG- Zimmer ist klein aber fein, ich durfte alle 3 Mitbewohnenden kennen lernen und wir machen alle gerne Sport. Im Wohnzimmer ist eine Gitarre und ein Keyboard aber kein Fernseher, das fand ich super. Vom Balkon ist das Meer erkennbar, dafür ist es teuer aber eben noch bezahlbar.
Apropros Meer, dazu gehört ja meistens immer auch ein Strand, wo wir bei meiner bisher größten Enttäuschung wären. Meistens. Hier wird der Platz leider eher für Straßen genutzt und am schönsten ist der Strand wenn man ihn von weiten betrachtet. War deswegen auch noch gar nicht da. Hatte ich ein wenig anders erwartet, aber so ist das nunmal wenn man recht planlos irgendwo hinfährt. Soll aber nicht bedeuten, dass es mir nicht gefällt hier. Ich finde es aufregend in diese neue Umgebung einzutauchen, Fortschritte in Spanisch motivieren und selbst Busfahren ist wieder spannend. Meine Buddys hängen sich mächtig ins Zeug- mal schauen ob diese Woche beim Unabhängigkeitstag ne kleine Fiesta bei rum kommt! Sehr viele Leute sind sehr interessiert mit mir ins Gespräch zu kommen, das ist angenehm, lässt mich aber auch häufig noch meine Sprachbarriere spüren. Gastfreundschaft kennen die hier definitiv noch, zumindest wenn man sich nicht in Tourihochburgen aufhält. Dank gekauften Fahrrad muss ich mich nicht zu sehr über die katastrophale Verkehrssituation aufregen. Natürlich sitze ich auch manchmal kopfschüttelnd in Restaurants, wenn ich beobachte, dass in touristischen Stadtvierteln die Mülleimer geschrubbt werden, während anderswo Müllsäcke auf der Straße liegen. Die Gesellschaft hier ist stark geschichtet und während eine Mittelschicht schon noch vorhanden ist dazwischen, ist es die Solidarität leider nicht. Hier wird einem bewusst was ein Sozialstaat ausmacht und wie wichtig soetwas für die Gleichberechtigung ist.
Hinter meinen Geheimratsecken, unter dem Smog und irgendwo im Nebel kommt der Pacific soweit das Auge reicht. Bild ist auf Fahrrad und Berg entstanden, daher die 17 spurige Straße nicht zu sehen und die Stirn doppelt ;)
Gleich und gleich gesellt sich gerne, so sind natürlich alle im Spanisch- intensiv- Kurs beste Freunde geworden. Aufgrund meiner Skepsis vor diesen „Erasmusblasen“ und der Tatsache, dass ich diese Woche meine Seminararbeit für die HU zu Ende schreiben möchte und nicht gleich mit denen in den Dschungel fliege, werde ich da aber bald den Anschluss verloren haben. Mal schauen mit wem ich dann Bierchen trinken werde, aber irgendjemand wird sich da schon finden. Es gibt ne Sperrstunde für Läden, allerdings werden in und um den Schlangen für Club´s dann wieder Bier verkauft. Die Uni schließt übrigens für eine Woche wegen des Feiertages. Finde ich ja super wenn nicht immer nur auf´s Bruttoinlandsprodukt geachtet werden muss und jeder mehr Urlaub bekommt.
Ich hätte auch nie erwartet, dass ich anfange mich für Sprachen zu begeistern. Aber scheinbar scheint Spanisch mich rumzukriegen. Beispiel gefälligst?
desempeñarse – zurechtkommen. Während penar noch „strafen“ heißt, bedeutet empeñar jemanden zu zwingen, „se“ bezieht das ganze auf sich selbst (Fachjargon: reflexiv) - „Schulden machen“ und wenn wir mit „des“ das Gegenteil nehmen kommt man zurecht. Verrückt oder? Ich finde es schön wie sich ein Wort weiterentwickelt und damit ein kleiner Teil des Sprachenpuzzels größer wird. So oder so
Yo me desempeño.










