mehr als ein Monat ist vergangen, seit meinem Flug in die USA – Zeit für einen ersten Bericht.
Ich bin gut angekommen in den Vereinigten Staaten, die mich zur Bewilligung meines Visums noch fragten, ob ich jemals Kinderhandel betrieben hätte oder in Zukunft plane, Kinderhandel zu betreiben – angekommen hier im busy Washington D.C. Und ich habe mich dem Always-Busy-Sein auch ganz gut angepasst...aber von vorne.
Untergekommen bin ich in Takoma Park, einem Bezirk etwas außerhalb der Großstadt. Ihr müsst euch die Häuser so vorstellen wie in den klassischen Amerika-Filmen, mit Veranda und Hollywood-Schaukel, Kamin und großen Kühlschränken, die bei 6 Mitbewohnern fast platzen. Dazu kommen leider sehr klapprige Fenster und schwache Pumpen – meine Dusche am Morgen plätschert so müde vor sich hin wie ich drunter stehe und gemeinsam versuchen wir, meine Haare zu befeuchten.
Ansonsten ist im Haus aber alles ok. Mein Zimmer ist nett, die Mitbewohner auch und meine Toleranzgrenze was das Putzen angeht, habe ich sehr hoch gesetzt. 20 Minuten brauche ich mit der Bahn etwa in die Arbeit, mitten in Downtown DC. Auf dem Weg ins Büro widerstehe ich jeden Tag dem Donut-Laden, dessen Duft in den U-Bahn-Schacht strömt – irgendwann wird er mich aber noch kriegen, da bin ich mir sicher.
Das Deutsche Welle Studio ist auf einer Etage zusammen mit vielen anderen Sendern aus Europa, dort sind Spanier, Holländer, Schweizer, Briten und Russen. Am kommenden Freitag ist internationale Weihnachtsfeier, das klingt bei dem Mix schon mal lustig. Der Aufenthaltsraum ist schon seit Wochen übermäßig geschmückt dafür. An jeder Ecke blinkt dich ein roter oder blauer Plastikbaum an, glitzert ein Rentier oder hängt Lametta von der Decke – das muss ein Ami geschmückt haben, denke ich mir jeden Tag, wenn ich diese übertriebene Deko beim Kaffee oder Tee holen bewundere.
Ich selbst darf mich Junior-Producerin nennen und recherchiere somit viel. Von Afghanistan Veteranen, über Konsequenzen des Shut-Downs bis zum Black-Friday-Mega-Crazy-Schlussverkauf nach Thanksgiving mache ich alles mal und brauche dafür Durchhaltevermögen, denn viele Amis gehen erst mal nicht ans Telefon und rufen dann auch eher selten zurück. Das hätte ich wirklich nicht so erwartet und es kostet mich ganz schön Nerven, wenn man 5 Mails geschrieben und 10 Mal auf den Anrufbeantworter gesprochen hat und es kommt immer noch keine Antwort. Die Parole heißt da: Durchhalten.
In der Zwischenzeit schlage ich mir den Bauch mit Ben&Jerrys´s Eis voll (zum Glück kommt bald Unterstützung, denn soooo viele Sorten schafft mein Magen gar nicht pro Tag). Und unternehmen kann man hier natürlich auch ganz viel. Viele Museen kann man hier kostenlos besuchen, es gibt Konzerte und Lesungen gratis, Stadtführungen, Spaziergänge vom Capitol an Denkmälern vorbei – herrlich bei Sonnenschein. Heute hat es allerdings zum ersten Mal geschneit und es war bitterkalt. Da habe ich mir lieber meine ersten Blueberry Pancakes in einem typischen American Diner (ihr wisst schon, dort wo die Bedienung mit Santa-Mütze rumläuft und fragt „You want some more coffee, honey?“) schmecken lassen.
Alleine muss ich meine Unternehmungen hier nicht machen, obwohl ich auch schon oft alleine ins Museum gegangen bin. Ich bin durch einen Tipp von meiner Vorgängerin zum wöchentlichen Treffen der Couchsurfing-Gruppe von Washington gegangen (Omi: Couchsurfing ist eine neue Art zu reisen. Im Internet bieten Leute, die in einer Stadt wie Washington wohnen, Reisenden an, bei ihnen auf der Couch zu schlafen statt im Hotel. Das kostet die Touristen nichts und die Gastgeber lernen viele nette Menschen aus der ganzen Welt kennen).
Bei dem Treffen sind neben vielen Menschen aus Washington auch viele Ausländer, die ein paar Jahre hier leben und arbeiten. Alle sind sehr offen und nett und haben mich dann gleich zu allen möglichen Sachen eingeladen – Karaoke, Glühweinparty und Thanksgiving. Dort habe ich neben Sweet-Potatoe-Pie mit Marshmallow oben drauf, Pumpkin-Auflauf und zwei riesen Truthähnen auch einen deutschen Praktikanten aus der deutschen Botschaft kennengelernt. Die beschäftigen dort gleich eine ganze Armada von Praktikanten - perfekt für Einzelkind-Praktis wie mich.
Und zusätzlich war zufällig eine Freundin vom Studentenradio aus München gerade für vier Monate hier für ein Auslandssemester – die Welt ist klein und ich bin beschäftigt. Leider geht für viele die Zeit hier Ende Dezember zu Ende, aber ich bin mir sicher, es wird auch dann nicht langweilig werden.
Für den Austausch über amerikanische Eigenarten ist das Treffen mit den deutschen Praktikanten natürlich sehr lustig. Hier geht man sehr viel außer Haus essen, was nicht wirklich billig ist, Tax und Trinkgeld kommen immer noch dazu. Aber wenn ich mir meine Rechnungen im Supermarkt so angucke verstehe ich auch langsam warum alles Essen gehen. Die Zutaten für ein frisches Gericht zu kaufen, nach Hause zu schleppen, denn eigentlich ist hier alles in Autofahrt-Distanz nur zu erreichen, und zuzubereiten ist nicht wirklich billiger und dauert sehr viel länger, als sich irgendwo einfach etwas zu Essen zu holen. Außerdem ist es im Supermarkt nur billig, wenn du 3 Salatpackungen, ein 30er Pack Cola-Dosen, 2 Packungen Toastbrot und 5 L Milch kaufst – zwar halten die Lebensmittel sehr viel länger, was mir schon wieder suspekt ist, aber so viel schaffe ich dann doch nicht aufzuessen. Ich versuche irgendwie ein gutes Mittelmaß zu finden, die Dollars schwinden trotzdem. Über Preise in deutschen Supermärkten werde ich jedenfalls nie mehr die Nase rümpfen.
Mir geht es also alles in Allem gut hier.
And how r u doing?