Warum verliebt man sich in einen Ort? Passiert das durch die Erfahrung, die man dort macht, die Aussicht, die man von dort hat, die Atmosphäre, die die Leute ausstrahlen? Oder doch nur durch die eigene Einstellung? Ist es vielleicht nur schöner und anders, weil man die Dinge automatisch offener angeht als sonst? Weil man alles irgendwie bewusster aufsaugt, weit weg von Zuhause und dem dazugehörigen Trott?
Seit letztem Sommer gehört zu jedem fadenlosen Teebeutel, der in Deutschland in einer Tasse landet, auch ein Stück Melancholie. Egal ob beim Wasser aufgießen, wenn der Geruch merkbar wird, oder in der Millisekunde, in der man einen Schuss Milch reinploppt und sich das fast schwarze Zeug plötzlich hell-orange färbt. In jedem Tee dümpelt ein bisschen Fernweh; das Verlangen, in den Bus steigen und "Return to ComrieCroft, please" sagen zu können.
Zur TeaTime in Andrews herziger Chaosküche fällt die Frage, wie es sich anfühlt, wieder hier zu sein. Bevor ich von quietschenden Türen und Teebeutel-Romantik anfangen kann, übernimmt Paddy:
"It must feel like coming home!"
Auf einem Donnerstagabend ist Crieff wie ausgestorben - passenderweise befindet sich der einzige geöffnete Pub neben einem Bestatter, und wer auch immer diesen Schuppen am Leben erhält, wurde sich scheinbar selber nicht einig: Außen benannt nach der südafrikanischen Hauptstadt, innen patriotisch zugepflastert mit schottischen Flaggen und politischen Schnipseln. Im Flachbildfernseher läuft sowas wie die schottische Version von 'Raus aus den Schulden' und neben uns und zwei weiteren Gästen sitzt ein bierbäuchiger Stammgast mit Fliegermütze an der Theke - der es eine halbe Stunde später schafft, dass alle Anwesenden angeregt miteinander über Heimatorte diskutieren. (Siehe Busfahren mit Gummistiefelfrau... Wie machen die das...?!)