Der Hunger ist einer der stärksten Triebe des Menschen. Wenn Essen verfügbar ist, kann ein normaler, hungriger Mensch diesem Essen kaum über einen langen Zeitraum widerstehen. Das ist ein wichtiger Grund für das Scheitern der meisten strengen Diäten. Nur wenige Menschen gewöhnen sich so stark an ständigen Hunger, dass er zur Sucht wird.
Es lässt sich nicht leugnen. Ich liebe Hunger. Ich habe ihn lieben gelernt. Oft habe ich gar keinen Hunger mehr und das verunsichert mich. Da ist mir der Hunger ein Begleiter, der Ruhe und Zuflucht schafft. Ich weiss, dass ich essen muss. Aber ein paar Fastentage sorgen immer wieder für ein regelrechtes High-Gefühl. Du möchtest den Hunger auch lieben lernen?
Dann lies weiter, vielleicht wird dir das helfen.
Aller Anfang ist schwer. Der Magen ist vergrößert, wenn er über längere Zeit üppige Mahlzeiten bekam und daran gewöhnt ist. Die Ausdehnung des Magens löst Sättigung aus. Fängt man dann an, wenig oder garnichts zu essen, können auftretende Hungergefühle zu Beginn eine echte Qual sein. Glaub mir, mir ging es nicht anders. Ich hatte das Problem so gelöst, dass ich mir keine Verbote aufbrummte, sondern mehr Freiheiten ließ. Ich sagte mir nicht : “Du darfst nie wieder Fast Food anrühren!”, sondern vielmehr: “Ich könnte jetzt essen, wenn ich will. Ich könnte es alles essen, das steht mir frei. Aber ich möchte es nicht!”. So macht man aus einem Verbot einen freien Willen. Wenn sich der Hunger also langsam wieder bemerkbar machte, legte ich mir ein Fertiggericht vor die Naste und zögerte dessen Zubereitung so lange wie möglich hinaus. Es war nichts, dessen Verfallsdatum bald ablaufen würde und deshalb gegessen werden musste. Es konnte jederzeit zubereitet werden. Wenn ich denn wollte. In diesen Momenten hat man den Hunger bereits respektiert. Man erlebt ihn als etwas Positives: ein Gefühl der Macht. Der Hunger darf einen so oft besuchen, wie er will. Aber wann tatsächlich gegessen wird, bestimmt nicht der Körper, sondern DU.
So machte ich es einige Wochen. Manchmal war ich gestresst und demotiviert, das sind die Momente, wo man aufmerksam sein muss. Denn das Essen darf nach wie vor kein Verbot sein. Verbietest du es dir, schlägt der Hunger mit doppelter Härte zurück. Dann isst du ein Stück von der Schokolade und hast das Gefühl, etwas VERBOTENES gemacht zu haben. “Jetzt ist ja eh alles egal, jetzt ist es passiert, ich habe versagt. Dann kann ich ja auch den Rest essen, macht jetzt eh keinen Unterschied mehr.” - Ganz typische Gedankengänge. Denn das Nichteinhalten von Verboten löst Versagensgefühle aus. Wie demotivierend ist das, wenn man es noch nicht mal genießen konnte? Lass das mit den Verboten! Das führt nirgendwo hin. Es ist dein freier Wille zu essen bzw. nicht zu essen. Vergiss das nicht! Wenn du dieses eine Stück Schokolade willst, dann sei dir bewusst, dass du das auch darfst, aber dass das nicht sofort sein muss. Verbiete es dir nicht, aber schiebe es so lange wie möglich hinaus. Glaube mir, mit jedem Tag wird dein Verlangen danach weniger werden, weil du immer mehr das Gefühl haben wirst, freiwillig verzichten zu können und es nicht zu brauchen.
Zu Beginn hilft es, viel zu trinken. Da ich oft zu wenig trank, hatte ich mir eine Liste gemacht. Jede Stunde, in der ich ein Glas Wasser trank und nichts ass, wurde abgehakt. Wer den Hunger kennt, wird merken, dass er vor allem Nachts auftaucht und einen wachhält. Hunger bedeutet für den Körper Stress. Es werden eine ganze Menge Stresshormone ausgeschüttet und man spürt eine innere Unruhe und den Zwang, sich zu bewegen. Unsere Vorfahren konnten so Nahrung beschaffen, obwohl ihr Körper sich bereits im Hungerstadium befand. Uns steht diese innere Unruhe eher im Weg. Hier ist es wichtig, sich Dinge zu gönnen, die einem richtig gut tun. Ein schönes warmes Bad, ein Gute-Laune-Song, ein Telefonat mit der besten Freundin, ein Spaziergang, ein Shopping-Tag - du weißt am besten, was deine Stimmung aufhellt, also gönn dir am besten jeden Tag etwas Schönes, egal wie klein es auch sein mag. Mach dir auch immer wieder Erfolge bewusst, wiege dich täglich, das setzt unter Druck und motiviert auch.
Mach dir bewust, dass der Hunger nicht dein Feind ist. Schon bald wird er dein engster Freund werden. Er wird dir ein Gefühl von Stolz, Kontrolle und Macht geben. Das Gefühl, dass du auf dem richtigen Weg bist. Je mehr du ihn lieben lernst, desto schwieriger wird es sein, zu essen. Man will dieses High-Gefühl nicht verlieren. Aber vergiss nicht, dass du trotzdem essen musst. Aber nur soviel dein Körper zum ÜBERLEBEN braucht!