Nestflüchtlinge
Ein Gartenfest auf dem Dorf, die Kirchturmglocken läuten aus allen Himmelsrichtungen. Es ist Abend, die Schnecken kriechen mit silbriger Spur über den geschorenen Rasen. Lilien duften, meine Finger sind klebrig und fleckig von Beeren und Vogelkirschen, die mir Onkel und Tanten in die Hände gedrückt und ins Schnäbelchen gestopft haben.
Wir stehen im prämierten Garten, die Schuhe im feuchten Gras, lachen zu laut und trinken zu wenig. Die Famiglia ist selten zusammen. Niemand möchte eine Waffe ziehen. Es werden Bilder geschossen. Im Blitzlicht sieht man das Weiße der Augen.
Jeder Schritt über die gepflegten Kieswege tritt auf eine Erinnerung. Ich bin barfuß und die Steine bohren sich in meine Fußsohlen. Im Fenster hängen weiße Vorhänge, die seit über einem Jahrzehnt niemand mehr bewegt hat. Der eiserne Griff der Kellertür, von vielen Kinderhänden und Erwachsenenellbogen glatt und beinah warm, drückt sich leicht nach unten. Drinnen ist es dunkel.
Der Wald steht schwarz und schweiget. Am Himmel sieht man Sternbilder. Alle dort, wo sie hingehören.






