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@ichschreibueberdich
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Gedicht 200
Plädoyer zu lachen
Der Welt ein Lächeln abzuringen,
das kann nur schwerlich leicht gelingen.
Die meisten motzen mürrisch mies
und finden alles doof und fies.
Das Ende stünde längst bevor.
Apokalypse-Seuchen.
Für uns gibt's keine Hoffnung mehr
scheint ihnen dumpf zu deuchen.
Wer jetzt noch optimistisch ist,
ist klar privilegiert.
Der Ernst der Lage lässt nicht zu,
dass Freude uns tangiert,
ja, nicht mal, dass sie existiert,
bezeugen Probewerte.
Im Fernsehn zeigt das Dieter Nuhr
als führender Experte.
Doch manche wollen rebellieren
und freudestrahlend insistieren.
Für Revoluzzer solcherart
hab ich nen klaren Rat parat:
Lacht laut, lacht grell, lacht unumwunden.
Bald ist die Krise überwunden.
Bis dahin kann man nicht viel machen.
Wer es noch schafft, der sollte lachen.
Gedicht 199
Ziw
Die Stadt, wo G'ttessöhne Lieder singen.
Mir fremd, verständlich fremd. Ich werde hier.
Ich werde hier nie Heim, nie Zuflucht finden.
Doch Trost. Trost taut das Schweigen neben mir.
Ziw zeugt mir Pfade ins Vergehen.
Ziellos zergeht dein dunkles Licht vor mir.
Ich ahne dich so nah. So nah wie gestern.
Du bist so nah als wärest du nicht hier.
Die Stadt, wo G'ttessöhne singen.
Aus Gold die Kuppel, die mich Ehrfurcht lehrt.
So groß wir Türme in den Himmel bauen,
so klein bleibt letztlich doch ihr Wert.
Gedicht 198
Pessoa
Ich seh die Welt im Schein der Bücher.
Dort such ich Sinn im hehren Sein.
Und find ich eine wahre Zeile,
so schmückt sie das Gemüt mir fein.
Mag sein, du willst dich auch berauschen
an meiner kühlen Wesensart.
Doch sei kein Zauderzaubermeister,
der unbedarft am Besen spart.
Fege die Flüche selbst gen Himmel.
Schau zu mir auf, doch sei gewarnt:
Ich bin ein Lehrling ohne Meister,
der selten echtes Leben fand.
Gedicht 197
Herzzulande
Mein Herz flaniert in hehrer Sehnsucht.
Es tilgt sein Weh an schönem Wort.
Sind Blumengärten ihm zuwider,
so weilt mein Wesen gerne dort.
Dort gibt es Düfte zu bestaunen,
die das Ergötzen nahelegen.
Sie setzen den Gestank der Welt
einen Moment in Quarantäne.
Einen Moment, eine Minute,
unendlich lange, wenn ich will.
Mein Herz vergisst, vergeht im Staunen:
Könnte es denken, stünd es still.
Gedicht 196
Rote Blumen, weiße Kleider
Rote Blumen, weiße Kleider.
Der schönste Tag im Leben.
Als wäre es nie anders gewesen.
Ein Versprechen.
Ein Leben. Zusammen.
Vor Gott.
Vor Nachbarinnen.
Vor Urteil.
Als wäre Liebe unbestritten.
Für alle da.
Selbstverständlich schön.
Eigentlich.
Löwenherzlich
Die Quelle wurzelt tief im Kern.
Dort bin ich häufig, selten gern.
Dort fische ich in trüben Teichen,
die tief sind, doch zum Grund nie reichen.
Mir weichen Worte, die ich hasse,
weil ich durch sie kein Freiraum lasse
den Kompromissen vager Phrasen.
Der Punkt ist mein. Ich krieg den Hasen.
Und ich zerfleisch ihn mit Bedacht.
Liege dann da und weiß hienieden,
im Stillen werd ich nie zufrieden.
Drum auf zur nächsten Schlacht.
194
Globuli-Poesie
Wenn die Tage wieder wärmer
und die Sonne länger scheint.
Wenn die Sehnsucht Seelen kitzelt
und das Herz vor Fernweh weint.
Wenn die Strände auf Mallorca
unerreichbar weit verwüsten.
Alles Schöne, kalt wie Stein.
Augen matt wie Römerbüsten.
Wenn der Koffer schon gepackt
in der Ecke staubig darbt.
Man nur aus dem Fenster starrt
und der Kopf gen Boden sackt.
Dann könnte ein Vers dich trösten.
Selbst beim derbsten Schmerz, dem größten
Unmut, hilft dir ein Gedicht.
Dieses nicht.
https://artemzolotarov.com/
Poetry Slam, Spoken Word, Lyrik und Rap
193
So wie du
Die kleine Faust geballt zum Trotze.
Noch gehn die Füßchen etwas schwach.
Doch in den Augen brennt entschlossen
das Feuer für die nächste Schlacht.
Da sind noch Wunder zu erleben.
Piratenschiffe zu besiegen.
Und Märchenwelten zu entdecken,
wo schlicht bemannte Koffer fliegen.
Wer wird wohl die Prinzessin kriegen?
Erzähl dein Märchen, ich hör zu.
Und eines Tages werd ich groß sein
und meine schreiben, so wie du.
Bild 192
Vom Sinken und Sehnen
Bereuen, nie gewagt zu haben.
Vergilbtes Herz.
Verdienter Stoß.
Und stets sticht stumpf die eine Frage:
Was wäre wenn? Was wäre bloß?
War da ein Wir? War etwas Echtes?
Oder war alles eitler Trug,
der von zu früh entfärbten Bildern
den letzten Schein der Liebe trug?
Der Flug der Schwalbe sinkt so lieblich
wie deine Augen, wenn du schweigst.
Wenn du alleine einen Wunsch hegst,
in dem du ewig seine bleibst.
191
Über die Freiheit
Kann man im Leben sicher sein?
Was wird die Zukunft bringen?
Das Schicksal ist dem Vogel gleich –
man kann es niemals zwingen.
Man kann nur wählen, ob es fliegt,
oder im Käfig bleibt.
Und Freiheit lockt mit süßem Duft –
es bleibt so wenig Zeit!
Es scheint, das Leben geht vorbei.
Man selbst steht nur am Rand.
Weil man aus Schwermut oder Angst
nie Mut zum Fliegen fand.
So sehen wir den Vögeln nach
und wollen sein wie sie.
Doch sieht man nur den schönen Schein,
des Fluges Poesie.
Ihr Leben ist nicht immer leicht.
Die Freiheit ist nur Trug.
Sie sind allein in jeder Nacht,
nach jedem langen Flug.
Vielleicht sieht dir der Vogel nach,
wenn du ihn nicht mehr siehst,
wie du in deinem warmen Bett
hinter der Scheibe liegst.
Vielleicht beneidet er dich drum –
du hast ein festes Nest,
das du als einen Käfig siehst,
der dich nicht fliegen lässt.
Doch Freiheit muss nicht Fliegen sein.
Sie ist auch rasten können.
Und sich mit einem lieben Mensch
ein wenig Frieden gönnen.
So viele flattern ohne Sinn
und kommen niemals an.
Frei ist nur der, der Liebe spürt
und selber lieben kann.
Ich habe mich in deinen blog verliebt. Respekt an dich!
♥️
Hallo Artem,ich habe in Ingelheim einen Poetry-Slam Text von Ihnen gehört zum Thema Angst, die von innen zu einem spricht. Können Sie mir den Text zur Verfügung stellen? Liebe Grüße Sabine Neuhaus
Hallo, tut mir leid für die späte Antwort. Ich checke diese Seite nur noch selten. Den Text gibt es in meinem aktuellen Buch "Adoptivsprache" und auch bei YouTube. Einfach meinen Namen und Angst eingeben.
Bild 190
Blumenmädchen
Die Wassernixen singen leise;
- eine Legende ihrer Zunft -
von einem schönen Blumenmädchen,
das in den Fluten ging zugrund.
Von Liebe stimmen die Gesänge,
von Treue, trauter Zweisamkeit.
Doch Lust zerriss die weißen Bände,
die angedacht zur Ewigkeit.
Die Wassernixen wispern süßlich
von einer klaren Vollmondnacht.
Der See schlief friedlich nah des Waldes.
Ein kalter Westwind wehte sacht.
Sie ließ sich sinken in das Wasser
und blickte sich noch einmal um.
Doch niemand stand am dunklen Ufer.
Die Bäume schwiegen furchtbar stumm.
Die Wassernixen singen nicht mehr.
Aus ihrer Mitte klingt verzagt
nur eine leise Mädchenstimme
nach Blumenduft in dieser Nacht.
Sie wird nun bei den Nixen bleiben.
Sie singen Lieder ihrer Zunft.
Von jedem Mädchen, das untröstlich
in diesen Wassern ging zugrund.
Gedicht und Bild 189
Aufbrüchig
Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern.
der Wein ist kühl, das Herz ist heiß.
Und es verlangt nach Abenteuern
mit einem eiligen Geheiß.
Welch bunte Wunder birgt die Welt,
wenn man hinter die Schleier sieht,
mit denen uns der graue Alltag
den Mut zum Aufbruch überzieht?
Was übersieht das Auge skeptisch?
Was sieht es nicht aus Furcht und Angst?
Und wie weit geht das Glück des Zufalls,
wenn du es laufen lassen kannst?
So schweifen die Gedanken holprig.
Verwegen lockt die Möglichkeit.
Den Schneid zu haben, sie zu greifen,
ist nur eine Entscheidung weit.