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Durchschnittsgedanken eines 19-Jährigen (Teil 1)
Vieles ist passiert, seitdem ich das letzte Mal in diesem Blog einen Text hochgeladen habe. Eine ganze Menge ist aber auch nicht passiert, und ich weiß nicht, wie es weitergeht. Die letzten zwei, drei Monate waren nicht so leicht. Ich habe falsche Entscheidungen getroffen und bin an meinen Zielen und Ansprüchen gescheitert. Auch wenn ich immer wusste, dass nach der langen Reise auch die Arbeit kommt, und dass das Leben auf eigenen Beinen in einem anderen Land kein Zuckerschlecken ist, muss ich mir eingestehen, dass ich gedacht habe ich würde meine Probleme besser lösen können. Mittlerweile –auch wenn es lange gedauert hat- bin ich mit einer Wohnung und einem einfachen Job abgesichert. Ich habe mich verzockt, als es um die Jobsuche ging und nun finde ich nicht die Mittel um den Fortschritt zu suchen. Eine Entscheidung folgte der anderen, Probleme entstanden und anstatt sie zu lösen fange ich an sie aufzuschieben. Ich habe schon hunderte Male in den Taschenrechner meines Telefons getippt, wie lange ich arbeiten muss, wie viele Stunden ich pro Woche brauche, wie wenig ich ausgeben darf. Von den Hoffnungen, was mir möglich wäre, bleibt nicht nur wenig, es bleibt fast nichts.
Der Plan war, im Frühling aufzubrechen und mit dem Auto in die Rocky Mountains und nach Alaska zu fahren, das Auto in Vancouver zu verkaufen und von dort nach Hause zu fliegen. Schon vor vier Monaten wurde ich zu Weihnachten nach Chicago eingeladen, ich wollte nach Boston und vor zwei Wochen wurde ich auch gefragt, ob ich nicht im Frühjahr für zwei, drei Wochen meine besten Freunde hier in Montreal auf einen Mexiko Trip begleiten möchte. Mir fällt es unfassbar schwer zu entscheiden, wo hier die Prioritäten liegen, welche Vorteile überwiegen und welche Nachteile mich am geringsten treffen. Ich bin unfassbar froh, diese beiden Menschen hier kennengelernt zu haben! Zusammen haben wir schon einige Abende verbringen können, wir haben viel diskutiert und Tränen gelacht. Weihnachten mit Anne und Julian verbringen zu können bedeutet mir sehr viel!
Und auch wenn ich mich weigere es im weihnachtlichen Kontext zu sehen, so sehr wie zurzeit habe ich zu Hause noch nicht vermisst. Ich glaube aber es liegt auch daran, dass meine Eltern und mein Bruder, mein Freundeskreis, den ich mir über Jahre aufgebaut habe, mich immer wieder pushen, mir zeigen, dass noch mehr geht und dass ich nicht zufrieden sein brauche, wenn es mittelmäßig läuft. Ich kenne mich und meine Art, trotz meines Optimismus auch mal schnell Schwarz zu sehen, aber in den letzten Tagen bleibt mir nicht mehr viel übrig als Plan C und D zu schmieden. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber ich habe ein bisschen das Vertrauen verloren, dass meine Zukunft so wird wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Das Leben ist hart ja, und wenn man mehr will, wird es exponentiell schwieriger. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber all’ die Ideen und Ansätze für die nächsten Monate und Jahre sind schwammig geworden. Irgendwie trüb und dunkel.
Ich mag die Stadt Montreal. Sie ist schön, hier leben viele junge Leute und ich habe wichtige Beziehungen schon aufgebaut, die ich auch halten möchte. Aber auch hier ist alles so vergänglich, wie es das letzte Jahr schon war. Da brauche ich mir nichts vormachen. Dazu kommt, dass es hier auch einige Aspekte gibt, die mir nicht gefallen und solche, die mir den Aufenthalt mit meinen Plänen und Wünschen weiter erschweren. Weshalb nicht einfach das Auto verkaufen? Na und, dann mache ich halt miese. Es ist nur Geld.
Es ist nur Geld! Natürlich tut das weh, aber vielleicht werde ich glücklicher. Weshalb nicht wo anders hinreisen, wo ich mehr Geld verdiene, weil ich nicht auf Französisch angewiesen bin? Ich könnte mir einreden, hier eine persönliche Challenge angenommen zu haben, die es am Anfang auch war. Die Wahrheit ist, dass ich die Kontrolle schon vor vielen Wochen verloren habe. Ist das nicht genau der Punkt, an dem ich vor der Reise meinte, dass ich einfach weiterziehe? Jetzt muss ich hier sein, wegen dem Auto, der Registrierung, der Versicherung. Ist das denn ein Argument? Macht mich das, langfristig gesehen, glücklicher?
Wenn es doch zeitlich und monetär sowieso knapp wird für Rockies und Alaska, weshalb nicht das Auto verkaufen, mehr Reisen, Alaska streichen und woanders neu anfangen?
In dieser Perspektive wird mir viel bewusst. In meiner Jugend habe ich viele, viele Vorteile gehabt und einige davon lagen außerhalb meines Blickwinkels, sodass klar ist, warum manches nun anders ist. Diese Erkenntnisse sind nicht immer leicht, und das ist der Moment in dem mir wieder einfällt, dass der Balthasar von vor neun Monaten, den Ghana komplett verändert hat, auch wieder weit von dem weg ist, was ich nun bin. Und in einem Jahr werde ich vielleicht über den naiven 19-jährigen Balthasar lachen. Vielleicht werde ich auch wütend auf ihn sein, weil er falsch entschieden hat, obwohl er es besser wusste.
Fehlentscheidungen sind tragbar, wenn man im Entscheidungsmoment aus den vorhanden Informationen das beste schließt. Wie zum Beispiel der Autokauf, der in dem Moment richtig war, im Nachhinein aber zu einem kostspieligen Faktor wurde.
Trotz alldem, wäre ein Roadtrip in meinem Auto Richtung Nordwest eine aufregende Reise, die eine begeisternde Einmaligkeit bietet. Die Entscheidung ist schwer. Schwer, weil ich die letzten zwei Monate nicht genutzt habe, um nun eine bessere Ausgangslage zu besitzen, um mir diese Frage gar nicht stellen zu müssen. Aber so viel Pech, oder Dummheit, oder was es auch ist was mir Montreal vermiest, nimmt mir die Fähigkeit den Kampf gegen das aufzunehmen, was den Unterschied ausmacht. Ich bin hier um zu arbeiten. Viel zu arbeiten. Doch der Plan für die Weihnachtswoche gibt mir nicht einmal 30 Stunden. Meine Ansprüche sind nicht hoch, sie sind nicht mal mittelmäßig. Ich will nicht im Restaurant essen gehen, Eintritte bezahlen, Ausflüge machen. Was ich hoffe, ist einfach am Ende meines Aufenthalts nochmal reisen zu können und zufrieden zu sein, was bedeutet, mit den verspielten Monaten leben zu können. In meinem super-optimal durchgestreberten Leben fühlt sich dies an wie ein Rotweinfleck auf in einem neuen Teppich. Ärgerlich, aber nun mal da. Ich könnte so lange schrubben bis andere den Fleck nicht mehr sehen, aber ich weiß, dass er dort ist. Aber, welche Bedeutung hat ein Fleck auf einem Teppich in einem ganzen Haus?
Ich bin nicht grundlegend unglücklich. Mir geht es gut. Aber wer mich kennt weiß, dass gut nicht mein Anspruch ist. Natürlich kann nicht immer alles eine Hochphase sein, aber mich ärgert es, dass ich nicht mehr Licht am Ende dieses Tunnels sehe.
Bei Rotweinflecken schnell Salz drauf. Den Rest kriegst du schon hin! Und dann noch der Ratschlag den ich ums verrecken auch nicht umsetzen kann, nich schnacken - einfach machen!
Igniting The Fire, establishing a connection with the spiritual world, unleashing the musical entities that inhabit the Dance Temple: Day 2 at Boom Festival ...
I’m still there with my Mind
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Well this explains a lot. :)
Der Beamte (1080p_25fps_H264-128kbit_AAC)
Auf meiner letzten Reise lernte ich, was für ein einziges Menschenleben alles getan und gegeben wird – wenn es europäisch ist.
Sollte man mal drüber nachdenken. Echt gut geschrieben.
This timelapse was shot by a Panasonic Lumix G6 with a 12-35mm f2.8 and a edelkrone slider. 11.000 photos were rendered with LRtimelapse. Free music "Eureka" by…
Love that!