Für und wider das Vergessen
Ein kleiner Schnappschuss gegen Ende unseres Auftritts im Kulturlabor Stromboli in Hall. Mit voller Rückendeckung von Majster Ploc, auch wenn er sich in dem Bild gekonnt hinter mir versteckt.
Wenn man genau hinsieht, kann man folgendes erkennen: Zur Rechten mein Bruder Jerzy, der sich mit einer flinken Handbewegung, vom Publikum unerkannt, einen Schwung bunter Pillen genehmigt. Er hat’s nämlich schon ein wenig mit dem Gedächtnis. Zum Glück ist er Nervenarzt, und so ich konnte ihm - auf völlig legale Weise - eine Dose starker Medikamentation, die ich zufällig gefunden hatte, nachdem sie in einem größeren Karton von einem Lastwagen gefallen war, im Austausch gegen ein von ihm eigenhändig geschriebenes Rezept während eines Liedes zuwerfen. Es reichte zwar nicht, dass wir die Nummer “Der neue König” spielen konnten, zu tief in die Abgründe des Vergessens war diese schon gerutscht. Aber dafür hielt er den restlichen Auftritt lang den Rhythmus mit Bravour. Das lag sicher daran, dass ich alle braunen Pillen vorher aus dem kleinen Container entfernt hatte. Die Braunen sind nämlich Scheiße.
A propos. Schade war es aber schon um die Nummer. Geht es darin doch um einen dynamischen, aufstrebenden Mann, der allerlei Gemäßigtes versprach, sobald er aber an der Macht war, dann doch zu radikalen Mitteln griff. Und sich alle wunderten, warum sie den in eine solch wichtige Position gehoben hatten. Ein hochaktuelles Lied, wie ich meine. Meine bescheidene Analyse: Wahrscheinlich liegen solche Wechsel in den Machtstrukturen dann doch einfach in Langeweile begründet, und der Neugierde, zu schauen ob's auch wirklich so schlimm wird, wie viele sagen.
Zur Linken dann ich im Bild. Und da geht’s in die andere Richtung des mnestischen Spektrums. Ich hab nämlich meistens zu viel im Kopp. Aus diesem Grund freu ich mich immer ganz besonders auf den Schluss eines jeden Auftritts und der mir genehmigten Portion flüchtigen Glücks in Form von sieben Tropfen Chloroform auf einem weißen Taschentuch.
Soviel ich gehört habe: Die Buben im Pelz danach haben ganz großen Rock’n’Roll gespielt.