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Hodor!
Die Betreiber der Webseite Elite Daily haben eine Reihe von Game of Thrones-Emojis kreiert - noch lassen sich die kleinen Bildchen nicht wie Smileys in Textnachrichten verwenden, aber was nicht ist, kann ja noch werden und dann lässt sich prima spoilern, ganz ohne Worte :)
Anne Rice, Merrick
Louis de Pointe du Lac leidet noch immer am Tod des Vampirkinds Claudia, für den er sich verantwortlich macht, und will die Mayfair-Hexe Merrick dazu bewegen, Claudias Geist in einem Vodoo-Ritual heraufzubeschwören.
Sein Freund David Talbot, ehemaliger Generaloberst der Talamasca, soll den Kontakt herstellen, weiß aber aus eigener Erfahrung, welche Gefahren seinem Freund durch dieses Ritual drohen. Aber auch Merrick scheint ganz eigenes Interesse an den Vampiren zu haben ...
Vielleicht macht es einfach Sinn, wenn man mal ein paar Jahre lang keine Bücher von Anne Rice liest oder vielleicht sollte man die Bücher einfach nur im Original lesen?
Ich habe seinerzeit die ersten drei Romane aus der "Chronik" gelesen und danach gelegentlich einen Band aus der Bücherei geholt und zugegebenermaßen hat mir - abgesehen vom "Interview", das natürlich das Genre des Vampirromans komplett revolutioniert hat - nichts wirklich gefallen: Die erzählten Geschichten waren so gar nicht meins und die Sprache hat mich desöfteren zum Kopfschütteln gebracht.
Merrick (im englischen Original) ist durch Zufall bei mir gelandet, da ich von einer Freundin, die ihren Haushalt verkleinert, Fantastillionen an Büchern geerbt habe. Nach Haruki Murakami und Zadie Smith war mir nach ein wenig Fantasy, und so habe ich den Roman aus dem Stapel gezogen und ich war angenehm überrascht.
Die oben geschriebene Zusammenfassung macht etwa ein Drittel des Buches aus und dient im Grunde nur als Rahmen für David Talbots Bericht für Louis. Um letzteren auf Merrick vorzubereiten, erzählt David über seine erste Begegnung mit Merrick, ihre gemeinsamen Abenteuer im südamerikanischen Dschungel und seine Faszination für die um viele Jahre jüngere Frau.
Merrick selbst erscheint in diesem Bericht als mysteriös-kapriziöse Voodoo-Hexe, deren Motivation nicht erkennbar bleibt. Was sie an dem steifen Schöngeist David findet, den sie nicht nur als Mittel zum Zweck einsetzt, konnte ich nicht nachvollziehen, ebensowenig warum sie sich für eine Existenz als Vampir entschieden hat.
Zum Zeitpunkt der Geschichte ist David selbst auf wundersame Weise verjüngt und praktischerweise auch noch zum Vampir gemacht worden. Dummerweise hat sich das nicht auf seine Sprache ausgewirkt, denn seine Erzählung hat die Verve eines viktorianischen Großvaters.
Wir haben somit einen eher behäbigen Erzählfluss, der erst an Tempo gewinnt, als das Ritual - im hinteren Drittel des Buches - schlussendlich durchgeführt wird, der ewige Zweifler Louis ein bisschen etwas anderes erfährt, als er erhofft hat und der in der Zwischenzeit schon etwas eingestaubte Lestat aus einem komatösen Schlaf erwacht und erfrischenden Pepp in die Geschichte bringt.
Das ist sicher kein Werk, welches mich nun plötzlich zum Anne Rice-Fan mutieren lässt, aber es hatte einen überraschenden Charme und genug Südstaaten-Mentalität für gute dreieinhalb Punkte auf meiner Leseskala.
In this first novel by Helene Wecker, set in immigrant-thronged New York in 1899, two mythical creatures, a golem and a jinni, arrive.
Veit Etzold, Final Cut
[Ein Killer, der wie ein Computervirus agiert: unsichtbar und allgegenwärtig. Er nennt sich der Namenlose, und seine Taten versetzen ganz Berlin in Angst und Schrecken.
Hauptkommissarin Clara Vidalis und ihr Team sind in der Abteilung für Pathopsychologie ohnehin schon für die schweren Fälle zuständig, aber die Vorgehensweise dieses Verbrechers raubt selbst ihnen den Atem. Perfide und genial, lenkt er die Ermittler stets auf die falsche Fährte. Und erst allmählich begreift die Kommissarin, dass der Namenlose sein grausames Spiel nicht mit der Polizei spielen will, sondern nur mit einem Menschen: mit ihr, Clara Vidalis.
Während die Ermittler noch verzweifelt versuchen, die Identität des Killers aufzudecken, startet der Medienmogul Albert Torino eine neue Casting-Show. Und es gibt jemanden, der diese Show für seine eigenen, brutalen Zwecke nutzen wird: der Namenlose.]
Im Grunde ist Final Cut ein Thriller, der jedes Klischee erfüllt: Wir haben die Warnung vor den bösen sozialen Netzwerken, Kritik an hirnlosen Casting Shows und - das was ich ja neulich als negativ genannt habe - den Mörder, der in seiner Kindheit missbraucht wurde und ... tatata: die traumatisierte Ermittlerin!
Dazu kommt eine grandios überzogene grausame Handlung, die man bestenfalls in einem düsteren amerikanischen Psychothriller erwartet (meist von einer Autorin geschrieben). In Etzolds Berlin scheint es allerdings öfter so zuzugehen, denn im Buch ist von einem vorangegangenen Fall der Ermittlerin zu lesen, der mindestens genauso fies ist, wie der aktuelle. Interessant wird es, wenn wenn man versucht, die Geschichte kurz für die Kolleginnen/Freunde zusammenzufassen, denn dann werden die Übertreibungen so richtig deutlich :)
Und dennoch hat es Veit Etzold geschafft, mich in den Bann seiner Geschichte zu ziehen, die sehr spannend geschrieben ist und sich schnell lesen lässt.
Natürlich wirkt auch der Fingerzeig auf das böse Internet und man macht sich so seine Gedanken wie schnell ein Mensch heutzutage unbemerkt verschwinden kann. Und wenn man so dämliche Formate wie Wild Girls sieht, fragt man sich wie weit weg wir eigentlich noch sind, von der Fiktion.
Mir hat die Lektüre von Final Cut - trotz Klischees und vieler Vorhersehbarkeiten - jedenfalls Spaß gemacht und ich vergebe 4 von 5 Sternchen.
Brodi Ashton, Ewiglich die Sehnsucht
[Wenn die Unsterblichen das größte Opfer verlangen ...
Jack ist Nikkis große Liebe. Eine Liebe, die sie durch die Finsternis der Unterwelt getragen hat. Endlich, nach hundert Jahren der Sehnsucht, kehrt Nikki zurück. Doch ihr bleibt nur ein halbes Jahr Ihre Freunde und ihr Vater glauben, dass sie einfach abgehauen war, doch in Wirklichkeit hat der Rockmusiker Cole sie mit in die Unterwelt genommen.
Cole ist ein Unsterblicher, der sich von den Gefühlen der Menschen ernährt Nur Nikkis Liebe zu Jack hat sie davor bewahrt zu sterben und ihr ermöglicht, auf die Erde zurückzukehren.
Cole, mit dem sie ein seltsam enges Band verbindet, bedrängt sie, mit ihm gemeinsam in der Unterwelt zu herrschen. Doch Jack, der Nikki niemals wieder verlieren möchte, riskiert alles für sie.]
Das (deutsche) e-Book gab es in einer Sonderaktion für umsonst oder günstig, ich weiß es gar nicht mehr, und da der Klappentext eigentlich recht vielversprechend klang, habe ich zugegriffen. Leider war die Lektüre aber großteils enttäuschend.
Das Lesevergnügen wurde für mich nicht zuletzt durch die deutsche Übersetzung geschmälert - nicht dass mir irgendetwas Besseres einfallen würde - aber Begriffe wie "Nährung", "Ewigseits" und die "Ewiglichen" klingen sehr unbeholfen.
Für die Übersetzung kann die Autorin nichts, aber es gab noch mehr, was mich nicht begeistert hat. Da ist zunächst die Handlung, die mich nicht überzeugen konnte. Den vielzitierten Orpheus- und Eurydike-Mythos habe ich, bis auf ein paar Anspielungen, schon mal komplett vermisst. Zwar geht es um eine "Unterwelt", aber das war es dann mit den Parallelen. Es bleibt eine harmlose unspektakuläre Highschool-Görlie-trifft-Mr-Obercool-und-muss-sich-entscheiden-Story.
Dann haben wir den verwirrenden Erzählstil: Gleich zu Beginn der Geschichte findet man sich mit der Protagonistinn in einem völlig undurchsichtigen Szenario wieder und hat das Gefühl hat, wichtige Information verpasst zu haben (habe ich etwa versehentlich Band 2 erwischt??)
Um den Leser dann doch abzuholen, greift Brodi Ashton zu zahlreichen Rückblenden und hat mich damit komplett im Regen stehen lassen. Bei dieser braven YA-Fantasy-Romanze, die auch nicht durch sprachliche Glanzleistungen aufwartet, wäre es um Einiges besser gewesen, einen geradlinigen Erzählstil zu wählen, statt krampfhaft zu verkünsteln und somit den Geschmack von Pseudotiefgang zu hinterlassen.
Bleiben die Protagonisten, die mostly harmless und nicht sonderlich sympathisch sind. Es ist nicht nachvollziehbar, was Nikki an Schulsuperübersportler Jack findet oder was sie, um alles in der Welt, dazu bewegt, Cole ins "Ewigseits" zu folgen. Außer vielleicht verletzte Eitelkeit - da geht man dann schon mal mit einem nahezu Unbekannten mit, um Herrscherin der Unterwelt zu werden. Und was will Bad Boy Cole mit High School Prinzesschen Nikki? Der fantastillionen Jahre alte Untote ist so begeistert von einer durchschnittlichen amerikanischen Jugendlichen, die zu Kurzschlusshandlungen neigt, dass er ausgerechnet dieses neurotische Wesen zu seiner Königin machen will?
Wie man unschwer merkt: Meins ist es nicht, aber viele scheinen davon restlos begeistert zu sein. Und es soll ja auch jeder lesen, was ihm taugt :) Von mir gibt es allerdings keine Leseempfehlung.
Alexander Odin, Pandämonium
[Ein gefährliches Virus breitet sich in Berlin aus, das die Menschen grausam verändert. In einem Plattenbau, der unter Quarantäne gestellt wird, bangen die sechzehnjährige Naomi und eine kleine Gruppe von Nachbarn um ihr Leben.
Als ihnen die Flucht gelingt, landen sie in Berlin Mitte, das mittlerweile von Stacheldraht umzäunt und zur Seuchenzone erklärt wurde. Noch ahnt keiner, dass Berlin erst der Anfang ist - und dass hinter dem Todesfieber ein globales Netzwerk steckt, das nur ein Ziel hat: Die Menschheit soll sich selbst zerstören ...]
Die Pest kommt aus dem Plattenbau, oder so. Klar, dass die Endzeit dort beginnen muss, wo ohnehin schon alles zu spät ist und genau hier ist die Keimzelle einer Seuche, die Menschen in eine Art Zombies verwandelt. Ausgelöst wird die Krankheit durch ein Social Network namens I share Evil in dem Menschen ihren Hass miteinander teilen.
An sich eine interessante Idee, die Umsetzung hat mir allerdings gar nicht gefallen. Zwar lässt sich Alexander Odins erster Roman für Erwachsene schnell lesen, doch der vielerorts unbeholfene hölzerne Satzbau schmälert das Lesevergnügen.
Die vielen bluttriefenden Szenarien und die vulgäre Sprache sollen vermutlich die Endzeitstimmung vermitteln, doch diese übertriebene Anhäufung und die allesamt unsympathischen überzeichneten Figuren sind für mich zu viel des Guten bzw. Bösen.
Dazu kommen noch einige Ungereimtheiten wie z.B. wo eigentlich der ganze Strom für die Handys herkommt, auf denen alle rumspielen, wo doch schon fast die ganze Stadt tot oder krank ist oder auch wie ein Junge, der eben noch einen Pfeil im Beine hatte problemlos über hohe Mauern klettern und stundenlang herumlaufen kann - um nur Einiges zu nennen. Das sind zwar vielleicht für manche Kleinigkeiten, aber ich finde das ein wenig ärgerlich. Genau wie das zuckersüße Ende, zu dem ich aber nichts weiter verraten möchte.
Um nicht nur zu mosern: Ich kann mir gut vorstellen, dass ältere Jugendliche/Jungs - wie zum Beispiel unser 18-Jähriger - die Geschichte toll finden und die Idee mit I share evil verdient auch ein kleines Lob. Aber im Großen und Ganzen nicht meins.
Jojo Moyes, Ein ganzes halbes Jahr
[Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.
Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.
Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.]
Der Roman von Jojo Moyes stand schon ein paar Tage auf meiner Wunschliste, allerdings wollte ich ihn im Original lesen. Nun hat ihn sich meine Kollegin auf Deutsch besorgt, mir netterweise geliehen und ich muss gestehen, dass mir hier die Übersetzung sehr gut gefallen hat.
Und natürlich nicht nur die Übersetzung. Ich wusste anfangs nicht genau, auf was ich mich einlasse, da ich bewusst vorher keine Rezensionen durchgelesen hatte - auf diese Geschichte war ich schlussendlich jedenfalls gar nicht vorbereitet.
Zugegebenermaßen bedient sich die Autorin einiger Klischees: armes Mädl trifft als Gesellschafterin/Pflegerin auf attraktiven reichen (behinderten) Mann und es kommt sogar zu einer Liebesgeschichte zwischen den beiden. Doch das bildet nur den Rahmen für einen bewegenden Roman über Freundschaft, Liebe, freien Willen und wie man den Sinn des Lebens neu entdecken kann.
Lou mit der großen Klappe, den extravaganten Kleidern und dem großen Herzen, die dem verbitterten Will wieder Lebensmut geben soll - das erinnert (wie schon vielfach vorher festgestellt) an "Ziemlich beste Freunde". Ich glaube allerdings der Autorin, wenn sie sagt, sie habe den Film gar nicht gekannt, denn dann hätte sie ihr Buch sehr schnell heruntergeschrieben und verlegt.
Außerdem geht der Roman ungefähr ab der Hälfte in eine komplett andere Richtung als der Film - (und damit meine ich nicht die Lovestory) als Lou entdeckt, dass das Leben viel mehr Möglichkeiten bietet, als sie bisher wissen wollte.
Glaubhafte Charaktere, lustige Momente, herzerfrischende Dialoge, ein stimmiges Setting in einer englischen Kleinstadt in der der Clash of the Classes noch durchaus zum Tragen kennt und eine bittersüße Story, die keineswegs durch eine rosagetönte Herzschmerz-Brille erzählt wird - das alles macht Jojo Moyes Roman zu einer absolut empfehlenswerten Lektüre.
Und noch was: Auch wenn es schon Rezensionen gab (ja, im Nachhinein habe ich einige durchgelesen), die die Aufmachung des Buchs kritisiert haben, da es zu sehr Frauen ansprechen würde - imho ist es, natürlich keine ChicLit oder Hausfrauen-Befeuchtungslektüre, durchaus ein Frauenbuch. Ich kenne jedenfalls recht wenige Männer, die sich in diese Geschichte einfühlen könnten - so sorry Jungs :)
Frankie Valente, Dancing with the Ferryman
[Als Jo McMorrow von ihrer Schwangerschaft erfährt, glaubt sie ihren Traum vom Glück erreicht zu haben. Doch dann findet sie heraus, dass ihr Verlobter David spielsüchtig ist.
Als sie entdeckt, dass sie durch David beinahe ihr gesamtes Geld verloren hätte, flieht sie panisch Hals über Kopf auf die Shetland-Inseln, wo sie ein neues Leben beginnen will.
Sie hofft auf Ruhe und Frieden - was kann auf den Shetlands schon groß passieren? So weit weg von allem. Was könnte schief gehen? Offensichtlich alles.]
Ja, was kann auf den Shetlands schon passieren - eigentlich nicht so viel wirklich Dramatisches, aber das Alltägliche kann sich auch als ganz schön schwierig erweisen.
Jo lernt die Nachbarschaft kennen und deren Sitten und Gebräuche. Natürlich auch einen neuen Mann, Magnus Inkster, den Sohn ihrer unmittelbaren Nachbarin und die beiden kommen sich näher. Allerdings muss sie auch feststellen, dass sich die Widrigkeiten des Insellebens nicht so einfach meistern lassen und so bringt sie sich in einige Peinlichkeiten, aus denen sie vom - immer präsenten - Magnus gerettet wird.
All das wird sympathisch und unaufdringlich beschrieben, sodass es Spaß macht zu lesen, wie sich die Heldin langsam zu akklimatisieren beginnt, lokale Gegebenheiten kennenlernt (Hochzeit auf den Shetlands, den örtlichen Frauenclub etc pp) und wer von uns Frauen kennt das nicht, dass wir in das Verhalten der für uns interessanten Männer zu viel oder zu wenig hinein interpretieren.
Glaubwürdige Charaktere, ein tolles Setting, von dem man merkt, dass es die Heimat der Autorin ist und eine Geschichte, die Spaß macht und sich schnell lesen lässt - was will man mehr in den Ferien fürs Sofa (und das soll nicht despektierlich gemeint sein).
Ein kleines Manko ist die Schlampigkeit, zumindest beim E-Book: Es fehlen sehr oft Kommata und Präpositionen - also nix zum Englisch lernen :), ansonsten sehr empfehlenswert, vor allem wenn man ein Herz für GB und die kleinen Romanzen aus dem Alltagsleben hat. Und nicht zuletzt macht das Buch Lust auf einen kleinen feinen Urlaub auf den Shetlands.
Zum Geburtstag: Rachel Khoo, Paris in meiner Küche
Letzte Woche habe ich noch ein verspätetes Geburtstagsgeschenk bekommen: Rachel Khoos zauberhaftes Kochbuch Paris in meiner Küche. Ich hatte schon vor ein paar Monaten von ihrer Kochshow gehört, auch eine Folge angeschaut (die anderen dann verpasst ...) und war absolut fasziniert.
Rachel Khoo ging mit 26 Jahren - nach ihrem Kunst- und Designstudium und einer Tätigkeit als PR-Frau für ein Modelabel in England - nach Paris, absolvierte dort einen Pâtisseriekurs an einer renommierten Kochschule und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Au-Pair. Kochen und Französisch lernte sie nach eigenen Angaben durch Marktbesuche und Gespräche mit den Verkäufern.
Die Selfmade-Köchin wohnt in einem 20 qm großen Appartment, gekocht und gebacken wird auf einem Campingkocher mit zwei Gasstellen bzw. in einem kleinen Elektroofen.
In dieser Miniküche entstanden die 120 Rezepte aus dem Buch Paris in meiner Küche, getestet wurden die Menüs im eigenen "Ein-Tisch-Restaurant" in eben diesem Appartment und hier entstand auch die Kochshow, die von der BBC letztes Jahr ausgestrahlt wurde.
Im Kochbuch sind alle französischen Klassiker enthalten, neu interpretiert und alltagstauglich. Das alles - Menüs und auch die sympathische Köchin - sehr ansprechend fotografisch in Szene gesetzt, sodass es Spaß macht in dem Buch zu blättern und schon mal auszusuchen, was man alles ausprobieren könnte.
Bis jetzt gab es noch nichts bei uns, aber wir haben ja auch noch eine Woche Ferien ...
Lucinda Riley, Das Orchideenhaus
[Nach einem schweren Schicksalsschlag kehrt Julia Forrester in ihre alte Heimat Norfolk zurück, wo sie im Orchideenhaus von Wharton Park als Kind viele glückliche Stunden verbrachte.
Der Besitzer von Wharton Park, Kit Crawford, überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großmutter gehörte. Mit dem Tagebuch drängt sich ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht - ein Geheimnis, das auch Julias Leben komplett verändern wird ....]
Die Kollegin hat den Roman mitgebracht und als "Urlaubsbuch" bzw. "Strandbuch angepriesen und ich habe mich daran versucht, weil ich mal eine kleine Pause vom "Song of Ice and Fire"-Universum gebraucht habe.
War allerdings eine blöde Idee: Das Orchideenhaus ist eine fürchterlich holprig erzählte (übersetzte?) Familienstory ohne Tiefgang, die kein Klischee auslässt und den armen Leser mit unglaubwürdigen Anhäufungen von dramatischen Ereignissen überschüttet.
Besonders interessant: das in England adoptierte Kind aus Thailand, von dem keiner merkt, dass es aus einem anderen Land kommt - das Mädchen wundert sich selbst auch nicht, dass es vielleicht ein wenig anders aussieht als der durchschnittliche Westeuropäer und hat angeblich bis zu seinem Tod nie erfahren, dass es adoptiert ist.
Auch das im Klappentext erwähnte Tagebuch spielt für den Roman nicht wirklich eine Rolle und die Dienstboten, die uns die ganze Historie schildern, sind erstaunlich allwissend und waren scheinbar sogar beim Erwachen jeglicher "Triebe" (O-Ton) dabei.
Und da am Ende alle Fäden zusammengeführt und alle Probleme aufgelöst werden müssen gibt uns die Autorin ein grandioses Finale an Dramatik und Kitsch das seinesgleichen sucht.
Ein Vorteil: der Roman ließ sich sehr schnell durchlesen :) Aber im Urlaub hätte ich dann doch lieber etwas anderes.
Kate Mosse, Wintergeister
[1928. Nach einer Autopanne landet Frederick Watson mitten im Winter im südfranzösischen (fiktiven) Städtchen Nulle.
Der junge Mann, der seit dem Tod seines Bruders im 1. Weltkrieg stark traumatisiert ist, besucht noch am Abend seiner Ankunft ein Stadtfest und lernt dort die geheimnisvolle Fabrissa kennen. Zwar kennen sie sich kaum, doch übt Fabrissa einen so starken Einfluss auf Freddy aus, dass er sich erstmals über seinen Kummer und seine Trauer aussprechen kann.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit führt dazu, dass er der jungen Frau ebenfalls bei ihrer "Vergangenheitsbewältigung" helfen kann, obwohl Fabrissas Schicksal weit ins Mittelalter zurückreicht.]
In allen ihren bisher erschienenen Büchern beschäftigt sich die britische Autorin Kate Mosse mit der untergegangen Kultur der Katharer, die bis zum 15. Jahrhundert in Südfrankreich rund um die alte Stadt Carcassonne lebten.
Auch in "Wintergeister" nimmt sie sich dieses Themas an und verspinnt Fabrissas tragisches Schicksal, das in die Zeit der Verfolgung der Katharer zurückreicht und Fredericks durch den ersten Weltkrieg ausgelöstes Trauma, in eine leise poetische, nahezu klassische, Geistergeschichte. Die Grenzen zwischen Realität und Geisterwelt sind dabei nur hauchdünn und hinterlassen beim Leser keinen Horror oder Angst, sondern den kleinen traurigen Schauder des Unheimlichen.
Ursprünglich eine Short Story, die zu einem kleinen Roman ausgearbeitet wurde, weist "Wintergeister" zwar einige Längen auf, ist aber nichtsdestotrotz ein einfühlsames und gut geschriebenes Werk über Trauer und Verlust, über Liebe und Tod in der wildromantischen geschichtsträchtigen Kulisse des winterlichen Languedoc.
Nicht nur Lektüre für kalte Winter- oder Herbstabende, wobei ein solches Wetter der Atmosphäre des Buches sicher zuträglich ist :).
Mo Hayder, Haut
[Als die Leiche einer als vermisst gemeldeten Frau in der Nähe von Bristol gefunden wird, deutet alles auf einen Selbstmord hin. Doch es gibt ein paar Auffälligkeiten, die Detective Inspector Caffery misstrauisch werden lassen. Und tatsächlich bleibt es nicht bei einer Toten.
Während Caffery zusammen mit der Polizeitaucherin Flea Marley versucht, die Hintergründe der mysteriösen Selbstmorde zu erforschen, lässt ihn auch ein zweites Rätsel nicht los: die Suche nach einem Wesen, das man in Afrika Tokoloshe nennt, dem man Zauberkräfte zuspricht und das selbst Caffery Angst einjagt. Und es scheint ihn zu verfolgen. Aber nicht nur er ist in einem Alptraum gefangen. Auch Flea gerät in einen unheilvollen Strudel von Ereignissen, als sie im Kofferraum ihres Wagens eine Tote entdeckt – eine Frau, nach der die Polizei von Bristol fieberhaft sucht ...]
Der Klappentext klingt eigentlich recht vielversprechend - mir haben auch Mo Hayders frühe Romane mit und um Jack Caffery gefallen, vor allem "Der Vogelmann", der zwar auch mit einer recht abstrusen Geschichte daherkam, aber trotzdem spannend und vor allem gut geschrieben war. Noch dazu spielt "Haut" in Bristol, eine Stadt, in der ich eine Zeit lang wohnen durfte und ich mag es ganz gern, wenn man durch einen Roman oder eine Geschichte an bekannte Orte geführt wird.
"Haut" ist der 4. Roman, in dem Jack Caffery als Hauptfigur auftritt - mittlerweile geht er einem allerdings richtig auf die Nerven - und scheinbar habe ich hier einen Fehler gemacht: Ich habe "Ritualmord" (den 3. Teil) nicht gelesen und auf dieses Buch baut "Haut" angeblich unmittelbar auf. Nun blieben mir viele Dinge völlig undurchsichtig, vor allem die unerklärten Bezüge zu der Geschichte in "Ritualmord". Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, wenn die Autorin hier ein wenig Hilfestellung gegeben hätte. Sei es ein dem Ganzen vorgeschaltetes Info-Kapitel ("Was vor ein paar Tagen geschah") oder mehr Hintergrundinfos, in die Geschichte mit eingebaut.
Es gibt aber noch mehr Mängel als fehlende Hintergrundinfos. So bleibt zum Beispiel völlig unklar, welche Motivation den Morden zu Grunde liegt. Natürlich muss man nicht in jedem Psychothriller eine Psychostudie des Täters abliefern, Mo Hayder fängt aber im ersten Kapitel genau so an. Im Verlauf der Geschichte verwässern die Morde und die detailliert beschriebenen Arbeiten der Gerichtsmedizin zu einer Kulisse für die sozialen Probleme der beiden Hauptcharaktere Jack Caffery und Flea Marley, die beide nicht gerade durch ihre fachliche Kompetenz als Polizisten glänzen. Dummerweise eignen sich auch beide nicht als sympathische Anti-Helden und so bleibt ein schaler Geschmack zurück, wenn die beiden sich eigentlich ähnlich kriminell verhalten wie die gejagten Verbrecher.
Trotz der unausgereiften Handlung sei zur Ehrenrettung des Romans gesagt, dass Mo Hayder eine gute Erzählerin ist. Dank ihres gut lesbaren und dennoch nicht banalen Schreibstils gerät die Geschichte nicht völlig aus den Fugen und die spannenden Momente, die es in diesem Buch durchaus gibt, lassen manchmal hoffen, das Ganze könnte doch noch den richtigen Drift bekommen. Unglücklicherweise passiert das nie - aber zwei Sternchen bei LovelyBooks ist "Haut" dann doch noch wert.
"Die Toten hinterlassen ihre Schatten, einen Nachhall des Raumes, den sie einst bewohnten. Sie suchen uns heim, werden nie schwächer oder älter wie wir. Wir betrauern nicht nur den Verlust ihrer Zukunft, sondern auch den der unseren."
Kate Mosse, Wintergeister
Anlässlich der bald ins Haus stehenden Leipziger Buchmesse hat "WELT online" eine Klickliste mit 100 Fakten/Aussagen erstellt, die am Literaturbetrieb nerven.
Darunter z.B. Labels auf Bestsellern, Phrasen wie "ich habe es verschlungen"/"ich habe es quer gelesen" und andere Plattitüden.
Nettes Sammelsurium, ursprünglich gab es wohl 105 Dinge, wo die restlichen fünf abgeblieben sind, weiß allerdings niemand so genau.
Wenn du dich wirklich in ein Buch verliebst, dann verändert es dich vielleicht ein wenig in einer Weise, dass du am Ende des Buches nicht mehr genau derselbe bist wie am Anfang.
Salman Rushdie
Rebecca Miller, Pippa Lee
Am Anfang
Pippa musste zugeben, dass ihr das Haus gefiel.
Am Ende
Ich habe keine Ahnung, wie sie verlaufen wird, ich weiß nicht, wer ich darin sein werde. Furcht und Glück erfüllen mich ganz.