Über das Leben mit einem guten Mann als Vater
Manchmal werde ich gefragt warum ich bei Männern einen so kurzen Geduldsfaden habe, woher mein "unbegründeter Hass" denn käme. Ich hatte ja schließlich einen guten Vater.
Ja, ich hatte einen guten Vater.
Ich hatte eine Vater der sich um seine Kinder gekümmert hat, der erst in Teilzeit gearbeitet hat und nachher Zuhause geblieben ist um auf mich und meinen Bruder aufzupassen, während unsere Mutter arbeiten war. Ich hatte einen Vater den nichts mehr aufgeregt hat als wenn Leute gefragt haben"ach, babysittest Du wieder?"
Ich hatte einen guten Vater, und ich habe eine gute Mutter der wahrscheinlich Gott-weiß-was vorgeworfen wurde, weil sie sich damals entgegen der Erwartungen des traditionellen Rollenbildes entschieden hat, direkt nach dem Mutterschutz wieder Vollzeit arbeiten zu gehen.
Und genau deswegen ist mein Geduldsfaden bei den meisten Männern extrem kurz: ich hatte einen guten Vater, deswegen WEIẞ ich dass es gute Männer geben kann - sehr viele Männer wollen einfach nicht gut sein.
Die Vorzüge des Patriarchats werden (teilweise unbewusst; oftmals mit voller Absicht) genutzt um einen eigenen Vorteil zu bekommen. In Zeiten von Online-Hate, Bodyshaming, Catcalling, sexuellen Übergriffen und schlimmerem trauen sich die wenigsten Männer, etwas zu sagen. Die meisten schauen einfach weg.
Jede Frau kennt mindestens eine andere Frau die schonmal sexuell angegangen wurde, aber aus irgendeinem Grund kennt kaum ein Mann einen Täter.
Auf Social Media werden Jungen und Mädchen teilweise stärker in ein veraltetes Rollenbild gepresst als noch vor einigen Jahren. Da gibt es "Tradwife Influencer", die jungen Mädchen vorbeten dass es doch so schön sei nicht arbeiten zu müssen und sich um den Mann und die 8 Kinder zu kümmern. Mach dir keine Sorgen um deine Zukunft oder um aktuelle politische Geschehnisse, dein Mann bezahlt schließlich alles. Dass es so unmöglich wird, Dingen wie häuslicher Gewalt zu entkommen, wird unter den Tisch gekehrt.
Da gibt es die Andrew Tates dieser Welt die Jungen weismachen wollen, Frauen seien "das schwächere Geschlecht" und "wenn sie 'Nein' sagt meint sie einfach 'überzeug mich'."
In Zeiten von Ozempic und der Rückkehr des Heroin-Chic der 2000er ist das Ganze noch schlimmer geworden. Mädchen werden dazu erzogen möglichst dünn, möglichst unterwürfig zu sein. Erwachsene Frauen machen bei dem ganzen Zirkus mit und leben den nächsten Generationen eins vor: habe bloß keine eigene Meinung, dann ist alles okay.
Denn eine Frau die eine eigene Meinung hat und diese kundtut ist ein Problem im System, ein Dorn im Auge der Männer in Führungspositionen.
Teilweise führen mein kurzer Geduldsfaden und die Tatsache dass ich Männer in meinem Leben dezentralisiere dazu, dass ich als "männerhassende Lesbe" betitelt werde. Dabei werden die (zugegeben, wenigen) Männer in meinem Leben bestätigen dass ich nicht grundlos hasse - ich lasse nur nichts einfach so durchgehen. Wenn Du dich scheiße benimmst dann werde ich Dir das auch genau so sagen. Denn dazu hat mich mein Vater erzogen.
Aber gut, dann bin ich halt eine männerhassende Lesbe. Auch wenn meine persönliche sexuelle Orientierung nichts damit zu tun habe, dass ich die Schnauze einfach voll habe.
Aber wenn ich den Mund aufmache, tun es andere vielleicht auch.
About growing up with a good man as a father
Sometimes I get asked why I'm so impatient with men, why I have such "unfounded hatred" towards them. After all, I had a good father.
Yes, I had a good father.
I had a father that cared for his children, who worked part-time and then stayed home to take care of me and my brother while our mother went to work. I had a father who hated nothing more than being asked if he's "babysitting the kids again".
I had a good father and I have a good mother who had to hear God-knows-what because she decided against what was expected of her as a mother in the late 90s and started working full-time again after the mandatory maternity leave that Germany offers.
And that's exactly why I'm so impatient with men: I had a good father, so I KNOW that men can be good - so many of them just don't want to be.
The benefits of the patriarchy get used to gain a personal advantage (sometimes accidentally, oftentimes entirely on purpose). In times of online-hate, bodyshaming, catcalling, sexual assault and worse, most men aren't brave enough to say something. Most of them will just look away.
Every woman knows at least one woman who as been sexually assaulted. Somehow, most men don't know a single perpetrator.
On social media, girls are being pushed more and more into outdated gender roles than just a few years ago. There's "tradwife influencers" who tell young girls how wonderful it is to not have to work, to instead take care of their husbands and their 8 children. Don't worry about your future or current politics, your husband will pay for everything. That this makes it impossible to escape things like domestic abuse simply gets swept under the rug.
There's the Andrew Tates of the world that want to tell young boys that women are "the weaker sex" and that if she says "No" she just means "convince me".
Ozempic and the return of the 2000's heroin-chic have only worsened this situation. Girls are being raised to be as thin, as submissive as possible. Grown women partake in this whole circus and show young girls one thing: just don't have any opinions, then everything will be okay.
Because a woman who has opinions and loudly shares them is a problem in the system, a thorn in the side of the men leading this world.
Occasionally the fact that I de-centralize men and my impatience lead to me being called a "man-hating lesbian". Meanwhile the (admittedly few) men I have in my life will tell you that I never hate without reason - I just don't accept being treated badly. If you behave like shit, I will tell you such. That's how my father raised me.
But well, I'll be the man-hating lesbian people believe me to be. Even if my personal sexual orientation has nothing to do with the fact that I'm fed up.
If I open my mouth, maybe others will too.












