Lama Tsultrim Allione: Den Dämonen Nahrung geben
Tsultrim Allione war eine der ersten Amerikanerinnen, die zur tibetisch-buddhistischen Nonne ordiniert wurden – das geschah im Jahr 1970. Nach vier Jahren gab sie ihre Ordensgelübde zurück, legte das Nonnengewand ab, heiratete und hat drei Kinder. Daneben erwarb sie an der Antioch University einen Magisterabschluss im Fach Buddhistische Frauenstudien. In dieser Zeit schrieb sie das wegweisende Buch „Weise Frauen" (im Original „Women of Wisdom") über das Leben bedeutender Frauen im tibetischen Buddhismus. Ihr ganzes Leben widmet sie der Praxis, dem Studium und der Lehre des Buddhismus. Sie reist und lehrt in der ganzen Welt, und achtsam gegenüber ihren eigenen Bedürfnissen zieht sie sich, sooft es nur möglich ist, in die Stille zurück.
Die Autorin beschäftigt sich mit ungewöhnlichen Methoden, um die menschliche Psyche zu heilen. Sie geht dabei ihren eigenen Weg und nennt das, was die Menschen in Wirklichkeit quält, „Dämon". Diese Form der Therapie lernte sie selbst auf ihrem Lebensweg kennen, der sie zum tibetischen Buddhismus führte. So begegnete sie der buddhistischen Lehrerin Machig Labdrön, die im 11. Jahrhundert lebte.
Machig Labdrön hatte ihre eigene spirituelle Praxis mit dem Namen „Chöd"; dieses Wort bedeutet „Durchtrennen". Sie entwickelte eine besondere Form der Meditation, die wirkungsvolle Ergebnisse brachte. Ihre Technik wurde so beliebt, dass alle Schulen des tibetischen – und schließlich des weltweiten – Buddhismus sie übernahmen.
Was es in der Praxis bedeutet, Methoden aus dem elften Jahrhundert anzuwenden, sollte man nicht nur lesen, sondern auch im eigenen Erleben ausprobieren. Am besten folgt man dabei unmittelbar der Anleitung von Tsultrim Allione. Die Technik finden Sie gleich zu Beginn des Buches, und Sie brauchen sich nur von ihr führen zu lassen. Bei den einzelnen Schritten führt die Autorin stets das Beispiel eines realen Menschen an und zeigt, wie er auf seinem Weg der Heilung vorging. Das ist die wirkungsvollste Art, dem Leser all die möglichen Fallstricke nahezubringen, die bei der Umsetzung des Erkannten auftreten können.
Das allmähliche Entdecken dessen, was am Anfang noch nicht klar erkannt war, ist für jeden Menschen ein Gewinn. Sich bewusst zu machen, auf welche Weise ich meinen Problemen bisher begegnet bin, führt zur Erkenntnis. Der Kampf ist die schlechteste Art, die Dinge zu lösen. Es ist immer besser, den Ausweg in einer liebevollen Haltung zu suchen – auch den eigenen vermeintlichen Feinden gegenüber. Nicht umsonst heißt es: „Es ist nichts so schlecht, dass es nicht für etwas gut wäre." Auch das, womit ich ringe und noch nicht gewonnen habe, kann mich am Ende stärken und mich auf meinen eigenen, für mich richtigen Lebensweg führen. Man muss sozusagen die Ärmel hochkrempeln und anfangen, das zu tun, was nötig ist – und vor allem anders als bisher.
Dieses Buch empfehlen wir jedem Menschen, der schon längere Zeit auf seinem Weg der Erkenntnis unterwegs ist.













