Ich fühle mich leer und grau. Ich habe das Gefühl, dass ich nur noch für die Schule lebe. Ich komme durchschnittlich um vier Uhr nachmittags nach Hause. Ich esse meine Fertigpackung Gemüsemaultaschen und schaue dabei eine halbe Folge Breaking Bad. Ein wenig Freizeit muss man eben haben. Ich gehe runter an meinen Schreibtisch, der wie immer überquillt. Ich muss lernen und Hausaufgaben machen. Meine Familie erwartet gute Noten, also sitze ich an den Tagen vor den Arbeiten jedes Mal bis um 23 Uhr da. Viele halten mich für einen Streber, doch eigentlich will ich das gar nicht sein. Laut lasse ich dabei meine Musik laufen, denn sie ist eines der wenigen Dinge, die mich noch runterkommen lassen. Nun ist es Zwölf und ich bin hundemüde, da ich wieder nur vier Stunden geschlafen habe. Ich gehe duschen und ziehe mich um. Zum Schreiben bleibt keine Motivation mehr, keine Zeit, keine Ideen. Mein Kopf ist nur voll mit binomischen Formeln, dem Krisenjahr 1923 und Synapsen des Nervensystems. In meinem Buch lese ich nur zwei Seiten, denn es fallen mir schon fast die Augen zu. Mittlerweile brauche ich zwei Monate für ein Buch, früher waren es höchstens zwei Wochen. Mir geht es miserabel, weine fast drei Mal die Woche, doch keiner merkt es. Nur meine beste Freundin, doch die hat selber Stress und kann sich nicht immer um mich kümmern. Eigentlich liebe ich Weihnachten, doch die drei Arbeiten der Woche und das Reclam Buch für Deutsch machen den Zauber zu nichte. Mein Psychologe versucht mir zu helfen. Vielleicht macht er die Situation sogar etwas besser, doch die Zeit bei ihm, ist nur weitere verschwendete Zeit. Viele Lehrer sagen, dass wir mehr lernen müssen. Wir kommen jetzt in die Oberstufe, da müssen wir uns mehr mit der Schule auseinandersetzen. Wie viel denn bitte noch? Schon wieder kommen mir Tränen, wenn ich das hier niederschreibe. Und der einzige Grund, warum ich Zeit für das hier habe, ist die Tatsache, dass ich auf dem Weg zur Schule im Stau stehe. Nur am Wochenende habe ich Zeit für's Schreiben, doch da muss ich lernen und mein Zimmer putzen. Mehr als ein Kapitel kommt dabei nicht heraus. Ich habe Angst davor, aus der Schule rauszukommen. Ich habe Angst davor, erwachsen zu werden. Lehrer machen uns dauernd Panik wegen der Zukunft. Ich weiß ganz genau, was ich einmal werden möchte, doch alle sagen, ich schaffe es nicht. Alles sagen, ich werde scheitern. Ich möchte Bücher schreiben oder zumindest Lektorin werden. Doch was ist, wenn das nicht klappt Was ist, wenn mein Abi zu schlecht für ein Germanistikstudium ist? Was ist, wenn ich scheitern werde?