Heute ist Angam Day!
Die Annexion durch das deutsche Kaiserreich beendete sowohl den Krieg als auch die Unabhängigkeit. Die Macht übte König Auweyida aus, das ist der fesche Herr mit Zylinder in der Bildmitte.
Nach dem Weltkrieg fiel Nauru an Großbritannien. Die Wirtschaft erblühte, als reichhaltige Guanovorkommen entdeckt wurden. Trotz der geringen Inselfläche war die Ausbeute so groß, dass Phosphatdünger in aller Welt als "Nauruit" bekannt wurde.
Um 1920 war die Bevölkerung der Insel durch eingeschleppte Seuchen auf knapp über 1000 Einwohner gesunken. Man setzte fest, dass mindestens 1500 Menschen zur Erhaltung Naurus nötig waren und als 1932 mit der Geburt des Mädchens Eidegenegen Eidagaruwo, die mit Geschenken und Ehren überhäuft wurde, tatsächlich diese Zahl erreicht wurde, proklamierte die Regierung den Angam Day ("Angam" bedeutet wahlweise Freude, Jubel oder Triumph, ist jedenfalls kein negativ konnotierter Begriff), der noch heute an jedem 26. Oktober, dem Geburtstag des Angamkindes, als Nationalfeiertag begangen wird.
Im zweiten Weltkrieg erlebte die Bevölkerung abermals einen drastischen Einbruch, als nämlich japanische Besatzer einen Großteil der Nauruer deportierten. In diesem Exil starb unter vielen anderen auch die kleine Eidegenegen an Infektionskrankheiten oder Unterernährung, bei der Rückkehr auf die Insel zählte man jedenfalls nurmehr 1400 Bewohner. Der Wettlauf um ein zweites Angamkind begann und am 31. März 1949 erblickte Bethel Adam, die zweite Nummer 1500, das Licht der Welt.
Zeitweise hatte Nauru das weltweit höchste Pro-Kopf-Einkommen, doch seitdem die Phosphatvorkommen erschöpft sind, ist es auf den Status eines Entwicklungslandes zurückgefallen. Naurus Politik treibt bisweilen kuriose Blüten: So war es lange eines der wenigen Länder, die die Unabhängigkeit Taiwans anerkannten, allerdings nur, bis die Volksrepublik China die nauruische Regierung mit einer in internationalem Kontext ziemlich lächerlichen Millionensumme bestach. Ein späterer Präsident widerrief die Annäherung an China wieder, zumal Peking – vielleicht in der Annahme, es nicht mit Leuten zu tun zu haben, die auf ihrem Recht beharren – seine Schulden nicht ordentlich beglich, alldieweil Taiwan seinerseits Entwicklungshilfe springen ließ. Auch sonst betätigt sich Nauru gerne als, sagen wir mal, avantgardistisch in der Außenpolitik: Nicht nur für Taiwan betätigte es sich als Türöffner in verschiedenen Organisationen bis hin zur UNO, sondern auch für den Kosovo, Abchasien und Südossetien, teilweise für Ländchen, die in krassem Gegensatz zueinander stehen. Was die Innenpolitik angeht, so kocht Nauru permanent irgendwelche Krisen aus: Die Zukunft des Eilandes ist ungewiss, realistische Einnahmequellen bestehen aus der Beherbergung von Sträflingen und möglicherweise auch eines Tages von Atommüll, für beides stellt Australien üppige Summen in Aussicht. Naurus .nr ist keine so lukrative Top-Level-Domain wie Tuvalus berühmtes .tv, einen Staatshaushalt kann man damit nicht sanieren. Währenddessen jagt ein Parlament das nächste, ständige Misstrauensvoten lassen das Präsidentenkarussell munter rotieren. Sollte aus den wackligen Zukunftsplänen zur Sicherung der Finanzen nichts werden, könnte sich Nauru entgegen dem allgemeinen Trend zur Unabhängigkeit in die Souveränität von Australien oder Neuseeland begeben.
Abgesehen des Damoklesschwertes der Armut schwebt ein Fluch ganz anderer Art über den Nauruern: Die durch Jahrhunderte genetischer Auslese in Zeiten von Knappheit bedingte Fähigkeit zur Fetteinlagerung macht sie weit vor Amerikanern und Europäern zur fettleibigsten Nation der Welt. 80% der Männer gelten als adipös und jeder zweite bis dritte Nauruer leidet an Diabetes.
Immerhin ist die Politik dort eine der transparentesten der Welt: Ein Volk von heute immerhin 10.000 Menschen ist natürlich einigermaßen überschaubar, wo jeder jeden kennt, fällt Wahlbetrug auf. Den Präsidenten sowie sämtliche Minister kann man bequem via E-Mail erreichen.











