Wahlkampf (August/September 2012)
Es stehen Wahlen an in Brasilien. Soweit ich das mitbekommen habe, sind es die Kommunalwahlen.
Die Einleitung hat mich jetzt doch mal dazu bewegt mich zu informieren. Es gibt sogar ein allgemeines Infoschreiben in Deutsch von der Konrad Adenauer Stiftung (wen's interessiert): Download
Also, es stehen Kommunalwahlen in über 5.500 Gemeinden an, in denen am 7. Oktober u.a. der Bürgermeister für die nächsten vier Jahre gewählt wird. In den Städten mit über 200.000 Einwohner kann es zu einer Stichwahl am 28. Oktober kommen.
Wie wichtig dem Brasilianer an sich Politik ist, beweist die Wahl eines "Clowns" in das Bundesparlament im Jahre 2010: seriöse Quelle (aber wirklich wahre Geschichte). Da
"Für alle lese- und schreibkundigen Brasilianerinnen und Brasilianer zwischen 18 und 70 Jahren in Brasilien eine Wahlpflicht besteht",
kommen solche Ergebnisse sicherlich mal zu Stande. Es wird halt im Allgemeinen nicht eine Partei oder ihr Programm, sondern die Person gewählt. Wäre Horst Schlemmer Brasilianer, dann würde seine Wahl zum Präsidenten sicherlich einiges realistischer sein, als es in Deutschland der Fall ist.
Dass der Wahlkampf sehr personalisiert ist, merkt man schnell. Es hängen mittlerweile überall Plakate von Politikern mit ihren Konterfeis und einer Nummer an den Straßen. Nur vereinzelt tauchen Wahlsprüche auf, die dann aber eher inhaltslos wie etwa "Für eine bessere Stadt" werben.
Die Nummer ist das, was sich in den Köpfen der Leute einprägen muss, da an den Wahlautomaten eben diese eingetippt wird. Es fahren von daher viele Autos mit Lautsprechern rum, die einem zu einem abgedichteten Popsong die Nummer eintrichtern wollen. Ebenso im Radio und im Fernsehen hört und sieht man Wahlspots der gefühlt 1000 verschiedenen Parteien und noch Mal doppelt so vielen Kandidaten.
Viele - vermutlich - Parteimitglieder unterstützen ihren Kandidaten mit Autokorsos und Aufmärschen, wie den in der Bilderserie; aufgenommen in Lagoa da Conceição.