Nur noch ne Touristen-Falle. Wo früher die Mauer die Welt in graue Verlierer und auch nicht viel glücklichere Wessies geteilt hat.
Ich baller noch immer mit dem 20mm rum, als hätte ich es eben erst zu Weihnachten bekommen. Wie leicht ich doch zu erfreuen bin, jetzt im Alter. Noch immer derselbe Mensch, aber doch ein ganz anderer, wenn man bedenkt, daß ich früher immer die ganz dicke Packung Glück brauchte, in der verbotenen, mit Gefängnis bedrohten Luxusausführung. Und heute? Krankhaft zufrieden mit/wegen nix. Seit über drei Jahren hab ich das 20mm und freu mich noch immer. Das ist doch schon auch ein bißchen Dachschaden.
Vor allem, weil die Reste von Aberglauben, die mir meine rückständigen Ahnen in die Gene geschrieben haben, mich stets fürchten lassen, doch irgendwann das Schicksal auf mich aufmerksam zu machen. Auf mich, der ich davon abhänge, unsichtbar unter dem Radar zu segeln, ich kleiner Nichtsnutz.
Abhänge davon, daß nicht doch eines Tages eine Göttin mit ihren stahlblauen Pallas-Athene-Augen runterblickt auf mich machtlose Ameise und denkt: "Guck mal an, diese kleine faule Sau da unten, immer Glück gehabt, mit seinem Aussehen, seiner Intelligenz, in der Liebe, bei seinen kleimkriminellen Kindereien (alles vergangen und verjährt), dem geht es doch viel zu gut. Dem würgen wir jetzt mal eine rein.."
Ja, so ist das nämlich. Nur nicht auffallen. Alles meiden, was dich in den Fokus der Götter rücken könnte. Abstand halten zu Prominenten. (Die einsame Stunde im Zugabteil mit einem gewissen Hrn. Willemsen damals, so um das Jahr 89/90 rum, haben mir die Götter z.B. gleich mit einer Hausdurchsuchung beantwortet. (dem Kerl war ich rhetorisch sowas von nicht gewachsen. Aber ich war auch total dicht, damals. Und trotzdem hat er später in Interviews die meinen, auf der kurzen Reise so erfolglos gegen ihn verteidigten Positionen vertreten. Einschub Ende)) Stattdessen nicht zu gesund wirken. Nicht schon am Morgen in grundloser Fröhlichkeit den Tag besingen. Bloß keine Show machen. Freu Dich heimlich. Und bleib für die Götter die kleine gebeugte Ameise, die schon schwer genug trägt. Schon ein teurer farbenfroher Mantel kann zuviel sein.