Amerik. Botschaft in Berlin. Aug 2025 Meine Güte. Ich blättere in meinem "Archiv." Letztes Jahr im Juli habe ich überhaupt keine Bilder gemacht. Ich mag den Sommer einfach nicht, auch wenn ich mit einer leichten Bräune und Sommersprossen, die inzwischen eher Altersflecken sind, so ein, an guten Tagen, attraktiver Mensch bin. Haha, ihr hässlichen Flaschen, ich kann's nicht ändern. Gut, jetzt bin ich alt, aber manchmal spüre ich noch meine Wirkung. Seien es Schwule, seien es Frauen, die z.B. in einem Park meinen Weg kreuzen und mich mit den Augen fixieren und mit Blicken verfolgen wie High-Tech-Waffensysteme, die sich auf mich wie auf die Triebwerke eines Jets eingeschossen haben. Ich bemerke das und versuche es zu ignorieren, bis ich dann doch den Blick hebe, und mit blauen Augen zurück-fasere, worauf es ihnen vor Schreck den Kopf zur Seite drückt. Oft verhalten sie sich dann wie nervöse Pferde, die mit zurückgeworfenem Schädel und hervortretenden Augäpfeln auf- und ab-paradieren. Der Körper läuft in die eine Richtung, der Kopf weist in eine ganz andere, das Zentrum des Interesses wird nur noch, dafür umso genauer, aus den Augenwinkeln beobachtet. Ich geh kaputt, ist das lächerlich. Hunger und Trieb sind die Extreme, in denen man den Menschen reduziert sieht auf seine Natur. Bei meinen Zeitgenossen ist noch der Wahnsinn des politischen Extremismus hinzugekommen. Vor dem ich mich inzwischen wirklich fürchte.
Ich seh mich schon aus meinem mit Sandsäcken befestigten Wohnzimmerfenster feuern wie einst die Drusen im Libanon in den Achtzigern, neben mir meine zu allem entschlossene Frau, in der die Nachfahrin wilder zentralasiatischer Blutrachekrieger zum Vorschein kommt. Wohin soll einer wie ich fliehen? Würde Amerika mich aufnehmen? Mit meiner Vergangenheit als kleiner Bösewicht? Ich wäre bestimmt ein guter Ami, würde die Sprache schnell und akzentfrei lernen, sogar mit der lokalen Sprachfärbung, und keinen Blödsinn mehr anstellen. Vielleicht würde ich mir sogar ein Auto kaufen, damit ich nicht auffalle. Dann würde ich in den Apalachen hocken, mit meinem ersten eigenen Revolver rumspielen und voller Heimweh vom Hunsrück träumen. Und wenn dann die nach all den Jahrzehnten Schwerstabhängigkeit vom Nikotin finale Diagnose käme, könnte ich mich ehrenhaft und ganz un-katholisch aus dem Leben ballern.


















